Billy Bragg & Wilco: Mermaid Avenue

Woody Guthrie ist der Übervater der amerikansichen Folkszene. Bob Dylan eiferte ihm in jungen Jahren nach, Bruce Springsteen covert gerne Songs von ihm. Mit Hilfe des Engländers Billy Bragg und der amerikansichen Band Wilco feiert der 1967 gestorbene Singer/Songwriter jetzt eine besondere Art von Comeback mit dem Album „Mermaid Avenue“.

Guthrie war ein sehr produktiver Künstler, der hunderte von Songs komponierte. In Seinem Nachlass finden sich aber auch eine große Anzahl von unvertonten Songtexten. 15 davon haben Bragg und Wilco nun für dieses Album bearbeitet. Bragg ist der Politbarde von der Insel, linksgerichtet und sozial engagiert. Wilco ist eine Rockband mit Hang zu traditionellen musikalischen Ausdrucksformen. Roots-Rock sagt man auch gerne dazu. Und Guthrie ist das ideale Bindeglied, um beide – nicht so weit auseinanderliegenden – Musikwelten zusammenzuführen.

Die Musik auf „Mermaid Avenue“ reicht vom Mitschunkelstück bis zur langsamen Ballade. So abwechslungsreich wie die Musik sind aber auch die ausgewählten Texte. Da gibt es Nonsens-Kinderlieder (‚Hoodoo Voodoo‘) genauso wie Trinklieder, Herzschmerz, Agitprop und Nachdenkliches wie ‚Eisler on the go‘, ein Text über Hanns Eisler vor dem Komitee für antiamerikansiche Umtriebe mit dem immer wiederkehrenden Eingeständni Guthries: „Ich weiß nicht, was ich (in dieser Situation) tun würde“.

„Mermaid Avenue“ – benannt nach der Straße auf Coney Island in der Guthrie wohnte – weist ein gerüttelt Maß an Traditionsbewußtsein auf, ohne daß es plakativ oder gar angestaubt klänge. Billy Bragg und Wilco ist damit eine passende Würdigung gelungen. Und im Guthrie-Archiv warten angeblich noch zweieinhalbtausend Texte auf ihre Vertonung.

Billy Bragg & Wilco: Mermaid Avenue
(Elektra)

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