Sophia: The Infinite Circle

Meisterwerke sollen sicherlich ebensowenig vor dem Abend gelobt werden wie alles andere, das Gefallen weckt und ohne weiteres Begeisterung hervorruft. Daß Robin Proper-Sheppard Mist fabriziert, hätte ich als Fan seiner songschreiberischen Künste sowieso nicht für möglich gehalten. Schon zu The God Machine-Zeiten erwies sich seine Stimme und sein Gitarrenspiel als perfektes Auffangbecken negativer Emotionen, in denen sich der Hörer bis zum Weinkrampf ertränken konnte.

Was dieser Mann zu Papier bringt, respektive in Töne verwandelt, gehört anscheinend automatisch zur Schattenseite unseres aller Daseins. Selten (wenn überhaupt) keimt Hoffnung in seinen Texten auf, selten (wenn überhaupt) kriechen frohlockende Tonfolgen aus den Speakern wenn ein SOPHIA-Silberling unter dem Laser rotiert.

Mister (oder lieber Monsieur) Sheppard (er wohnt nicht mehr in London, sondern in Belgien) scheint gezeichnet – und manchmal glaube ich, daß er noch immer nicht den Tod des „göttlichen“ Bassisten Jimmy Fernandez verdaut hat, der zugleich einer seiner engsten Freunde war und Anfang der Neunziger mit ihm aus den USA flüchtete und sich in London niederließ. Er zeigt sich von Depression und Trauer angetrieben und bringt dies wie schon auf dem Debüt „Fixed Water“ sehr überzeugend rüber. „The Infinite Circle“ hört sich keiner im Schnelldurchlauf an und läßt sie links liegen, wenn er etwas Herz übrig hat und das ein oder andere Mal die kunterbunte Brille absetzt und der Realität ins kalte Auge schaut. Ich möchte mich fast für diese Schwarzmalerei entschuldigen, doch warum? Irgendwo haben wir alle unsere schwarzen Löcher und den damit verbundenen Hang zur Depression. Anbei daher folgende Textzeilen als Anreiz zum aufmerksamen Hinhören:
„Do you really think that I never loved you and every day I think of everything I could ever say“ (aus „Every Day“), „Woman, you are a whore, at least you are a happy one, woman it is not easy to forget that you destroyed me, I don’t think I’ll ever be the same again“ (aus „Woman“) oder „Going to the river to find someone to protect me from what I’ve become“ (aus „The River Song“).

Diese Themen sind sicherlich nicht neu (wie auch, bei der Flut von Texten, die täglich irgendwo entstehen?), aber die Herangehensweise und die Sichtweise sind interessant. Vielleicht bin ich auch der einzige, der sich für solch depressive Musik derart begeistern kann.

Sophia: The Infinite Circle
(Flower Shop Recordings/RTD)

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