Gregorian: Masters of Chant

Wir hatten Wassermusik, wir hatten Feuerwerksmusik und wir hatten Fahrstuhlmusik. Als neusten Ausfluss der globalen Unterhaltungsindustrie liefert man uns konsequenterweise Beichtstuhlmusik: Die Retortengruppe „Gregorian“ präsentiert zum festlichen Jahresende ihr Album „Masters of Chant“. Es kommt daher, als hätte ein verwirrter Doktor Guildo Horn mit Uriella gekreuzt und ins Kloster gesperrt.

Das Produkt stellt gemäss Promo-Text „die Popmusik auf den Kopf und konfrontiert sie mit einem Choralstil, der sich um das Jahr 600 unter Papst Gregor dem Ersten in Kirchen und Abteien entwickelte.“
Natürlich ist solche Musik nur nach dem Verzehr einer Klinikpackung Ponstan geniessbar. Das aufgeblasene Geseire des Pressetextes, das wie die Musik an die Formation Enigma („Sade, donne-moi, Sade, dis-moi“) erinnert, ist einfach ekelhaft. Die „zwölf enigmatischen Choral-Sänger“ und ihr „spirituelles Sound-Ereignis“ klingen abgeschmackt wie Hostien hundert Jahre jenseits des Ablaufdatums. Das ginge ja alles, und „Brothers In Arms“ können sie meinetwegen behalten. Aber musste sich diese Armee der Schreckensmönche an schönen Songs wie „Vienna“ von Ultravox und „Losing my Religion“ von REM vergreifen? Dafür werden sie in der Hölle braten.

Verzichten Sie auf den Kauf dieses Albums, ausser Sie möchten wissen, wie „Nothing Else Matters“ von Metallica klingt, wenn man es mit Millennium-Geraune wattiert. „Ist der Song neu?“, könnte man analog zum Weichspüler-Werbespot aus dem Fernsehen fragen. „Nein“, wäre die Antwort, „mit Choral gewaschen.“

Gregorian: Masters of Chant
(Edel)

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