Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (5)

litkrimi_cover.jpg

Fassen wir bündig zusammen. Von „literarischen Krimis“ spricht, wer Entwicklungen ignoriert, einen unvollständigen Literaturbegriff hat, keine große Faktenkenntnis oder sich darin gefällt, „Krimi“ und „Literatur“ gegeneinander auszuspielen. Was literarisch sein soll, möge sich gefälligst vom Genre entfernen. Vergessen wollen wir aber bei alledem nicht die Wohlmeinenden, denen es um das Ansehen des Kriminalromans zu tun ist, welches unter allen Umständen – und seien es solche fragwürdiger Herkunft – befördert werden soll.

Eines der Instrumente dieser Wohlmeinenden ist der Deutsche Krimipreis, ein undotierte, dennoch reputierte, von Kritikern und Buchhändlern in den beiden Kategorien „national“ und „international“ vergebene Auszeichnung. Anlässlich des DKP 2007 nun entfachte Jurymitglied Tobias Gohlis eine heftige Diskussion um die „literarischen Krimis“, indem er behauptete, die Literatur habe den „Detektivroman“ verdrängt und der Krimi sei „tot“. Seine Argumentation ist nicht durchgehend schlüssig, doch vermag man ihm auf den ersten Blick nicht zu widersprechen, wenn er konstatiert, fünf der sechs ausgezeichneten Titel seien mehr als „nur Krimi“ (die Ausnahme ist Oliver Bottinis „Im Sommer der Mörder“, ein Werk, das ich als einziges der sechs nicht gelesen habe, obwohl es mich juckt, es nachträglich zu tun, weil ich befürchte, dass ausgerechnet Bottinis Buch dasjenige sein könnte, dem das Bemühen um „Literatur“ am leichtesten nachweisen sei. Inhaltsangaben und Rezensionen erhärten diesen Verdacht).

Betrachten wir uns die fünf Titel etwas genauer und fragen uns, warum sie Literatur sein sollen respektive nicht mehr Nur-Krimi sind. Pete Dexters „Train“ (Rang 3 international) verwirrt den naiven Krimifreund durch einen Protagonisten, der das Böse tut, um das Gute zu unterstützen. Zudem ist der Roman randvoll mit „gesellschaftlicher Problematik“, wobei der Rassismus als Leitthema fungiert. Was daran neu sein soll? Ich weiß es nicht. Wenn „Train“ mit dazu beiträgt, den Krimi in die Grube zu werfen, dann liegt er dort seit Jahrzehnten drin, denn etwas anderes als eine Variante der Grundmuster, wie man sie von Hammett über Himes bis Peace besichtigen kann, vermag ich nicht zu erkennen.

Auf dem zweiten Platz in der Kategorie „international“ liegt Leonardo Paduras „Adios Hemingway“. Im Gegensatz zu Dexter benutzt Padura tatsächlich einige Techniken der literarischen Moderne, die Aufhebung des chronologischen Erzählens z.B., indem er die erzählte Vergangenheit (eine fiktive Episode aus dem Leben Hemingways) mit der Gegenwart des Ermittlers so verzahnt, dass beide Ebenen und mit ihnen die Zeiten korrespondieren, sich gegenseitig referenzieren. Als Nur-Krimi besäße „Adios Hemingway“ wohl tatsächlich kaum das Potential, uns die Schauer über die Rücken zu jagen, aber, ganz ehrlich, welcher Klassiker des Genres kann schon damit aufwarten? Auch dort ist es die Gesamtheit des literarischen Konzepts, die das Werk rundet.

Die Krone wurde international Robert Littells „Die kalte Legende“ aufgesetzt, jenem Werk also, an dem wir eingangs vorexerzierten, dass bloße Betrachtung der Sprache allein uns nichts, aber auch gar nichts über seine literarische Qualität verraten kann. „Legends“ (der Originaltitel trifft den Kern wesentlich besser) erzählt uns, dass wir alle unsere EINE Identität längst verloren haben und mit mehreren hantieren – und dabei nicht unglücklich sind. Es ist ein vielschichtiger, auch sprachlich genau gearbeiteter Roman, der aber – und das soll hier hervorgehoben werden – seiner literarischen Qualitäten entledigt auch als „Nur-Krimi“ perfekt funktioniert, spannend ist, Action bietet, ein Rätsel gar.

Kommen wir nach Deutschland. Hier konnte 2007 vor allem Andrea Maria Schenkel mit „Tannöd“ überraschen, einem dünnen Roman, der seine Geschichte im perspektivischen Wechsel erzählt, nicht mit dem dramaturgischen Mittel der Recherche einer ordnungschaffenden Instanz arbeitet, sondern einfach, indem die Beteiligten ihre Version der Ereignisse wiedergeben, die Geschichte eines Mehrfachmordes im ländlichen Raum ausbreiten. Literarisches Neuland wird hier nicht betreten, aber getan, was die Kriminalliteratur schon immer getan hat: Sie nimmt sich aus dem bestehenden literarischen Fundus das, was sie braucht.

Auch Paulus Hochgatterers „Die Süße des Lebens“ arbeitet mit Perspektiven, umreißt die Enge einer ländlichen Gemeinschaft, die erst durch einen Mord erkennbar wird. Vieles daran erinnert an Friedrich Dürrenmatts Kriminalromane, das meiste jedoch an die in der Siebziger Jahren hierzulande geblüht habende „kritische Heimatliteratur“, was natürlich auch für Schenkel gilt..

Die entscheidende Frage aber muss lauten: Warum wählten alle fünf PreisträgerInnen das Genre „Krimi“, um ihre literarischen Konzepte in dessen Rahmen umzusetzen? Hätten sie es nicht auch anders gekonnt? Bedarf etwa die geistige Enge unbedingt des Verbrechens, um als geistige Enge markiert zu werden, ist nicht die multiple Identität längst ein Thema von Nicht-Kriminalliteratur, braucht der gesellschaftskritische Ansicht unbedingt Mord und Totschlag, um uns die Wirklichkeit zu beschreiben?

Nein, das „Kriminal-“ ist nicht vonnöten. Aber ihm obliegt seit jeher im Wortsinn eine Schlüsselfunktion, es öffnet Türen zu verborgenen Zusammenhängen, Verwerfungen und Indizien für die Täuschungen an der Oberfläche der Wirklichkeit. Diese Schlüsselfunktion ist geradezu die Wurzel aller Kriminalliteratur, ihr ureigenste Leistung. Schon Poe beschrieb den Mord nicht um des Mordes und seiner Aufklärung willen, er hantierte damit als Avantgarde der analytischen Erklärbarkeit von „Welt“ im allgemeinen Sinne. Einer der frühesten deutschen Kriminalromane, Carl von Holteis „Schwarzwaldau“ erschließt mit dem Verbrechen bislang verborgene Kammern der Psyche und lässt zwei literarische Großkonzepte – Romantik und Realismus – aufeinander prallen. Friedrich Dürrenmatt nähert sich philosophisch-existentialistischen Themen über „das Genre“, ja, verlassen wir den „literarischen Krimi“, selbst die unleugbar nur dem Unterhaltenwerden dienenden Produkte sensibilieren uns für Wahrheiten jenseits der Wahrheit.

Und damit haben wir am Ende die Dinge vom Kopf auf die Füße gestellt: Nicht die Literatur veredelt den Krimi, der Krimi veredelt die Literatur, er bereichert ihr Arsenal an erzählerischen, dramaturgischen Strategien.

Und setzen wir noch eins drauf. Wie es der Zufall will, habe ich während der Überlegungen und Abfassung dieser kleinen Arbeit ein Buch in die Hand bekommen, das uns endgültig beweisen sollte, dass es keinen Unterschied zwischen Nur- und literarischen Krimis geben kann. Es ist „Die sechste Laterne“ des Argentiniers Pablo De Santis. „In vielen Ländern war oder ist der Kriminalroman marginalisiert, keine ernst zu nehmende Literatur. Bei uns war das dank Borges anders. Es ist hier kein Problem, Literatur mit Elementen des Kriminalromans zu schreiben“, heißt es im Anhang. De Santis’ Werk selbst ist nun der lebende Beweis einer These, die uns aus dem chaotischen Dunkel, der im Herzen des „literarischen Krimis“ herrscht, herausführt. Kein Zweifel: Hundert von hundert Befragten würden „Die sechste Laterne“ als „literarischen Krimi“ identifizieren, etwa fünfzig davon mit Verachtung bis Abscheu, weil sie fast alle Ingredienzien des Genres vermissen, die übrigen mit dem guten bildungsbürgerlichen Gewissen, einen „Vollroman“ zu konsumieren. Tatsächlich aber weckt „Die sechste Laterne“ die pawlovschen Reflexe des Krimilesers genau dort, wo kein Krimi ist: im verwirrend geknüpften Netz der Bedeutungsebenen des Textes. Dieser Roman, in dem nicht „ermittelt“ wird, findet seine Ermittler außerhalb, im Leser selbst. Und das geschieht in allen wirklich guten Romanen, ob bei Kafka, Proust, Pynchon oder Schmidt (ersparen Sie mir bitte die Aufzählung weiterer 999 Namen): Jeder literarische Text, der seinen Namen verdient, verbirgt seine Ungeheuerlichkeiten unter der Oberfläche und fordert Verstand und Imagination des Lesers. So betrachtet, ist jede gute Literatur Kriminalliteratur und Kriminalliteratur lediglich die Verlagerung dieses Automatismus in den Text selbst. Kriminalromane erfordern also immer zwei ermittelnde Instanzen: die innerhalb und die außerhalb der Wörter. Und genau das unterscheidet gute Literatur von schlechter.

dpr

(Alle fünf Teile dieses Textes gibt es als 16seitigen Sonderdruck für Vorbesteller des „Krimijahrbuchs 2007“ oder „Die Zeichen der Vier. Astrid Paprottas Ina-Henkel-Kriminalromane“. Voraussetzung: Die Bestellung muss bis spätestens 1. März hier eingegangen sein. Die Broschüre ist limitiert, numeriert und handsigniert.)

14 Gedanken zu „Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (5)“

  1. Lieber dpr,

    in aller Kürze, da eine ausführliche und vernünftig begründete Antwort einen größeren Umfang erreichte, ein Zitat aus dem Amerikanischen (von Sarah Weinman), welche exemplarisch das vorliegende Mißverständnis verdeutlicht:

    Is this the bridge book between literary and crime fiction?

    Und damit mag vielleicht auch zusammenhängen, dass „genre“ im Englischen sowohl Genre als auch Gattung bedeutet.

    Beste Grüße

    bernd

  2. Wer, lieber Bernd, die Krimigeschichtsschreibung mit Poe beginnt, kann nicht von einem „bridge book“ reden, da der Krimi von Anfang an „literarisch“ ist. Man könnte es sich natürlich leicht machen und dekretieren: Okay, crime fiction ist all das Futter, das man sich vergnügungs- und unterhaltungshalber reinstopft, literature der kleine feine Rest, aber da müsste mir erst einmal jemand die Kriterien erläutern und erklären, wo die Grenzen zu ziehen sind. Ich müsste dann erläutern, warum ich den zitierten Herrn C.H. Guenter für literarischer halte als Herrn F. Ani in seinem letzten Roman, und dann wärs auch schon vorbei mit dem Burgfrieden.
    Oder: Ich nenne alles Misslungene zukünftig nicht mehr Literatur. Bin ich sofort dabei. Aber dann bitte nicht nur auf den Krimi anwenden. Es gäbe Heulen und Zähneklappern, wenn ich dann den Bierdeckel präsentieren würde, auf dem alle deutschen Romane der letzten 30 Jahre stehen, die ich NICHT für misslungen halte.
    Genre: Ich mag den Begriff inzwischen, weil er mir die ganze Bandbreite vom Höchsttrivialen bis zum Hochkunstvollen eröffnet und nicht von Anfang an sortiert. Wünschte ich mir ebenfalls generell für alle Druckwerke, damit man mit Vergnügen z.B. den Zusammenhang von H.Hesse,Ernst Jünger und Kitsch diskutieren könnte (Leseempfehlung: Karl-Heinz Deschner: Kitsch, Kunst und Konvention. Alt, aber immer noch erfrischend.)

    bye
    dpr

  3. Lieber dpr,

    das ist wohl anders gemeint: Es gibt die Menge der Bücher. Hier kann man die fiktionalen und nicht-fiktionalen unterscheiden. Innerhalb der fiktionalen kann man Krimis, Science Fiktion, Romanzen u.A unterscheiden. Dann bleibt eine Menge an Büchern die wir keinem der großen Genres zuordnen, dass ist dann das, was der Studienrat unter Literatur versteht – also „literary fiction“.

    Folge ? Ich brauch mich nicht über die (alberne) Frage streiten, ob Krimis Literatur sind oder nicht. Sie sind gleichberechtigt.

    Ganz eindeutig ist es dabei so, dass jedes dieser Genre gute und schlechte Vertreter kennt. Ganz eindeutig ist es auch so, dass es Charakteristika gibt, die einem Genre zugeordnet werden. Krimis und Literatur unterscheiden sich nun also und jetzt kann man Gohlis Bemerkung dahin deuten, dass es mehr Krimis als früher gibt, die Anleihen machen beim „literarischen“ Genre. Aber klar, das ist jetzt kein Phänomen, welches letztes Jahr neu aufgetreten ist; auch wenn man die früheren Preisträger des DKP anschaut, findet man dort einige, die als „literarisch“ gelten können

    „Literarische Krimis“ ist also ein semantisches, definitorisches Problem – das meinte ich mit Mißverständnis.

    Auch (und gerade) wenn man unter der historischen Sichtweise überprüft, ob es zu einer „literarischen“ Veränderung des Genres gekommen ist, kann man diese nicht übersehen. Welches Bild hätte sich denn einem gebildeten kunstbeflissenen englischen Leser, der mit den modernen Werken der damaligen Literatur vertraut war, geboten, wenn er/sie Ende der 20er Jahre die Krimiwelt beschaut hätte und welches Bild bietet sich seinem/ihren zeitgenössischen Pendant ?

    Spannender ist da die Frage, wie denn diese „neuen Bücher“ qualitativ dastehen, wenn man sie unter den Vorgaben „klassischer“ Krimis betrachtet !

    Mir hat an Deinem Text ein wenig gefehlt, dass Krimi sich nicht monolithisch aus den Detektivgeschichten Poe entwickelt hatten, sondern dass Poe auch sensationelle (Kurz)Geschichten schrieb [die hast Du wohl angedeutet], dass sich die Dickensschule über Collins Bahn brach, und dass über Conrad, Ambler usw ein „literarischer“ Zustrom erfolgte, der, so scheint es mir, immer noch nicht vollständig von den Lesern integriert wurde. [Über die Spuren der deutschen Schreiber des 19. Jahrhunderts kann ich nichts sagen]

    Beste Grüße

    bernd

    PS. Ach ja, ich halte mich da an die amerikanische Vorstellung: Krimi = Detektivgeschichte + Thriller.

  4. Das finde ich nun wirklich einen interessanten Definitionsansatz: „Literatur“ ist alles, was nicht zu einem Genre wie „Krimi“ gehört. Also quasi die große Abfalltonne. Ob das hält, möchte bitte dpr in seinem nächsten Mehrteiler erklären. Und dann gleich noch, was er mit den restlichen zwei Dritteln des Bierdeckels gemacht hat, auf die er nicht die Titel gekritzelt hat, die „bleiben“. (Interessante Überlegung. Bei mir bleiben da auch immer nur recht wenige.)

  5. Ich bin mal wieder zweigeteilt, lieber Bernd. Einmal hast du ja schon Recht, die letztliche Albernheit der ganzen Diskussion zu betonen. Ich hab mir auch länger überlegt, wieder auf diesen Zug aufzuspringen, es dann aber doch getan, weil man an diesem Thema ein paar allgemeine Anmerkungen zum „Literaturverständnis“ loswerden kann. Nur noch einmal ganz kurz zwei Punkte: Literatur ist nicht nur das, was ich „mag“. Bei Fuentes etwa geht mir die Sprache gehörig auf den Geist, aber ich muss akzeptieren, dass sie zu seinem recht interessanten Konzept dazugehört. Das ist wie die von A.P. angesprochene „Stummelsprache“. Muss ich ja nicht mögen. Aber Literaturkritik jenseits des berüchtigten „Geschmacks“ hat diese Sprachbehandlung auch zu würdigen. Zweiter Punkt: Alles Lesen ist Krimi. Bei Pablo De Santis wurde es noch einmal überdeutlich. Ich gehe ja nun nicht so weit, die Genregrenzen aufheben zu wollen. Krimi = Detektivstory und Thriller: dagegen ist ja nichts einzuwenden. Sehr wohl aber gegen die Praxis, sich aus den Detektivstories / Thrillern diejenigen heraus picken, die angeblich „Literatur“ sind. Das ist albern, aber auch symptomatisch.
    Ganz rasch zu Poe et al: Ich konnte auf diesen wenigen Seiten nicht die Geschichte des Krimis in allen Verästelungen nachvollziehen. Dass es hier aber eine Entwicklung gegeben hat, die selbstverständlich auch eine literarische war, steht natürlich fest.
    Und, dear Dschordsch: Wahrscheinlich hab ich einfach eine größere Schrift als du und mach die Bierdeckel mit weniger voll…

    bye
    dpr

  6. Ja. Aber nur ein bisschen, oder? Und gar nicht in böser Absicht.

    Denn eigentlich stimme ich dir zu: Ich halte das für ein definitorisches Problem und darüberhinaus, wie du, für ziemlich unsinnig. Entweder das Buch ist gut oder es ist schlecht. Zu einem Urteil muss ich nun mal kommen. Oder sagen: Ich weiß es nicht.

    Wenn ich dann noch weiß, woher das alles kommt und wo es enden wird, ist das sehr schön. Da kann man dpr nur dankbar sein (sorry, dpr, einmal muss man es sagen), dass er sich so aus dem Fenster hängt.

  7. Na gut lieber Georg,

    ganz unsinnig ist das Alles natürlich nicht. Wir brauchen doch Begrifflichkeiten um unser Urteil in Worte kleiden zu können. Ich persönlich verwende den Terminus „literarischer Krimi“ durchaus bewusst und denke, dass Gohlis et al. dieses genauso machen.

    Das einzige Problem das ich sehe, ist, dass unsere Vorstellungen von „literarischen Krimis“ sich möglicherweise voneinander unterscheiden.

    Mein persönliches „literarische Krimi“-Highlight des Lesejahres 2006, z.B. ist „California Girl“ von T. Jefferson Parker, weil die (reichlich vorhandenen) genretypischen Charakteristika wie Spannung und Rätsel direkt nebensächlich wirken in der Erzählung der Geschichte der Gebrüder Becker in den 60er Jahren in Californien.

    Viele der Leser die feuilletonistisches mit dem Begriff des „literarischen Krimis“ assoziieren, würden „California Girl“ wohl nicht damit etikettieren.

    Gute Nacht, wünscht

    bernd

  8. Ach ja Georg,

    ich habe natürlich den wichtigsten Aspekt vergessen. Bewertungen erfolgen doch nicht im luftleeren Raum, sondern sind an Kontexte gebunden.

    Ich will da gar nicht die Haas-Debatte wieder aufwärmen (zur Erinnerung: Ich hatte behauptet, er schriebe gute Bücher aber schlechte Krimis), aber ohne dass ich meine Kriterien kenne, kann ich von einem Buch doch gar nicht sagen, dass es gut sei.

    Beste Grüße

    bernd

  9. Logisch. Ich kenne ja auch meine Kriterien.

    Wenn ich den Begriff „literarischer Krimi“ benutze, dann nur, um zu kennzeichnen, dass er den normalen Unterhaltungskrimi, also den, den man so abends zur Entspannung mal eben so wegliest, übersteigt, dass also noch was drin und dran ist, was ein Weglesekrimi nicht hat: eine gute Sprache z.B., die gute Schilderung einer mir unbekannten Welt, ungeahnter Zusammenhänge oder was auch immer. Das muss ich ja hier nicht wiederholen.

    Insofern fällt Bottini bei mir nicht unter die „literarischen Krimi“, weil seine Sprache so grottenschlecht ist, dass ich ihn nicht einmal so weglesen kann, geschweige denn literarisch genießen.

  10. Ach ja, ich halte mich da an die amerikanische Vorstellung: Krimi = Detektivgeschichte + Thriller.

    Die übrigens auch Nusser in Der Kriminalroman verwendet. Ist also irgendwie schon eingedeutscht. „Detektivgeschichte“ ist hingegen ein bisschen unpassend, da sich der Terminus von der detective story ableitet und im Englischen sowohl Detektiv im Sinne des privaten Ermittlers als auch den Detective, also den ermittelnden Kommissar, beinhaltet. Dass eine „Detektivgeschichte“ also auch ein „Tatort“ sein kann, wird bei dem deutschen Begriff wenig deutlich.

  11. Ja Lars, stimmt schon. „Detektivgeschichte“ konnotiert die „PI-Geschichte“.

    Im Englischen wird ja dem „thriller“ üblicherweise „mystery“ gegenübergestellt; also dann: „Rätselkrimi“ ?

    Beste Grüße

    bernd

  12. Nein, „Whodunit“ passt nicht.

    So wie ich es verstehe, steht „Whodunit“ für eine bestimmte (historische) Nische des Kriminalromans. Es würde R. Chandlers Text „The Simple Art of Murder“ konterkarieren, wenn nun auch seine und Hammetts Bücher als „Whodunits bezeichnet würden.

    Beste Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert