Pardon

Da war ich wieder einmal zu voreilig und hab einen guten Mann ungerechterweise →der Kenntnislosigkeit geziehen. Der Berliner „Tagesspiegel“ hat mir mitgeteilt, im Artikel von Herrn Professor Brittnacher gehe es nicht um einen Vergleich deutsche / britische Kriminalliteratur, sondern um die Ursprünge der Kriminalliteratur, „die Professor Brittnacher offenbar für Großbritannien und Deutschland zu unterschiedlichen Zeitpunkten verortet“. Na, dann ist ja alles gut. Die Ursprünge der britischen Kriminalliteratur liegen bei Conan Doyle, die der deutschen bei Schiller. Schön, dass mans endlich weiß. Wir haben mal wieder ein ganzes Jahrhundert Vorsprung. Prima. Auf den Schreck hin nehme ich mir morgen blogfrei. Am Samstag hab ichs hoffentlich wieder verdaut.

5 Gedanken zu „Pardon“

  1. Heureka. Schiller war nicht Miss Marple, aber auch ein Genie. Das hat man mal sagen dürfen. Hoffentlich wird noch ein wenig weiter in dieser Richtung geforscht und publiziert.

    Es staunt erwartungsvoll

    tkl

  2. Aha – Hier also Schiller und da Conan Doyle. Wenn aber hier Schiller, warum nicht dann dort z.B. Dickens – Bleakhouse als Gerichtskrimi, Great Expectations als ein bissl hard-boiled oder so, es darf ja offensichtlich munter zwischen Äpfeln und Birnen hin und her gehüpft werden. Es ließe sich daraus auch sicher eine ordentliche These hämmern. Etwas in Richtung „Ursprung des britischen Kriminalromans in der sozialen Milieu-Studie“ oder professoraler: „Störung der KONTINGENZ sozialer Ordnungen“ usw. Und warum nicht gleich Shakespeare (Macbeth als Verschwörer-Thriller, Hamlet ein Who-done-it). So was mischt sich aber leider nicht gut in den Zement des Klischees vom kniffelnden Briten und tiefschürfenden Deutschen.

    Wie auch immer. Ich schätze, der tiefere Anlass für diese überaus erkenntnisreiche dialektische Erörterung liegt darin, mal wieder ein Bonmot „gallig“ nennen zu dürfen.

  3. Sie sprechen mir aus der Seele, mein Lieber. Zu Schiller könnte Shakespeare passen, na ja, auch nicht ganz. Dickens und sein göttliches Bleakhouse keinesfalls. Was mich aber schwer wundert: Selbst ein deutscher Professor müsste „Die Judenbuche“ oder „Unterm Birnbaum“ oder „Stopfkuchen“ kennen. Die generös in die Hochliteratur gewunkenen „Krimis“. Na, gegen Schiller, den deutschen Krimierfinder kommen die nicht an.

    bye
    dpr

  4. Entschuldigen Sie bitte, aber ich muss einfach noch „Das Fräulein von Scuderi“ nachnominieren. Ich fürchte sonst sehr das Gespenst eines kleinen aber genialen Mannes, mit dem die Herren Schiller und Goethe recht wenig anzufangen wussten. Schlappe 110 Jahre älter als Miss Marple. Und immerhin 20 Jahre vor Poes Dupin. Jetzt will ich’s aber gut sein lassen.

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