Ton: Wie haben die Zeit sie uns zu nehmen

Die Band Ton wohnt im Grenzland neben Jupiter Jones, Schulze und Voltaire und auf der anderen Seite des Zauns leben Pur und Konsorten. Was diese Grenzlinie unüberwindbar macht ist die Unbeirrbarkeit, mit der das Trio musiziert. Hier fehlt klar erkennbar der Wille, eine Herz-Schmerz-Ballade in einer Vorabendserie von Pro7 zu platzieren. Stattdessen regiert der Wille nach gefühlvollen deutschen Texten und großen Melodien ohne als Schlagerfuzzis abgestempelt zu werden.

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The Killers: Sawdust (The Rarities)

Es ist ja schon fast eine Hygienefrage, ob man es gut finden kann, dass Lou Reed mit The Killers einen Song aufgenommen hat. Wer sich aber von dieser ‚Das geht ja gar nicht‘-Attitüde nicht beeindrucken lässt, entdeckt einen großartigen Song, der wahrscheinlich zum Tiefsten gehört, was die junge Band aus Las Vegas bisher produziert hat. „Sawdust“ ist eine B-Seiten- und Raritätensammlung, die neben der erwähnten Single „Tranquilize“ noch drei weitere unveröffentlichte Titel enthält und ansonsten The Killers von einer dreckigeren und unfertigeren Seite zeigt als zuletzt auf „Sam’s Town“ (2006).

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Justin Currie: What Is Love For

„Can You Do Me Good“ (2002), das letzte Album von Del Amitri, war so mau, dass man kaum den Willen aufbringen konnte, die an sich großartige schottische Band zu vermissen. Deren Sänger Justin Currie ist jetzt wieder da und hat sich mit der schon so oft besungenen Liebe nicht gerade ein Nischenthema ausgesucht. Aber wenn er mit seiner unnachahmlichen Stimme Sätze wie „Once I get my heart back in my hand, I’ll squeeze out every drop of love I can“ singt, dann geht das unmittelbar ans Herz.

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Minor Majority: Candy Store

Platten von Minor Majority sind wie die ausgebeulte Lieblingshose und der verknubbelte Pulli für einen gemütlichen Couch-Mittag. Wenn es dann überraschend klingelt, bekommt man den desolaten Zustand nicht schnell genug ausgebügelt und murmelt etwas von >…wollte mich gerade umziehen…< Auch wenn man weiß, dass coole Platten anders aussehen, haben uns die Norweger um Pål Angelskår mit vier wunderbar kuscheligen Studioalben belohnt, die allesamt runtergehen wie eine heiße Tasse Ovomaltine.

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Kari Bremnes: Reise

Das einzig schlechte, das man über Kari Bremnes‘ erstes Livealbum sagen kann, ist, dass sie keine Mitschnitte von der Tour in der kleinen Besetzung veröffentlicht hat. „Reise“ umfasst 14 Aufnahmen in voller Bandbesetzung, die zum großen Teil im Januar dieses Jahres in Deutschland mitgeschnitten wurden. Aber auch in der etwas üppigeren Version transportiert „Reise“ die Strahlkraft, die von den Liveauftritten der Norwegerin ausgeht.

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Nick Cave & Warren Ellis: The Assassination Of Jesse James

Jesse James ist durchaus eine ambivalente Figur in der Reihe meiner Kindheitsidole. Im Hollywood-Streifen mit Henry Fonda zum amerikanischen Robin Hood stilisiert, kam er ein paar Jahre später bei Lucky Luke weitaus schlechter weg. Aber es scheint ein Grundbedürfnis des Menschen zu sein, dass es immer noch den guten Outlaw gibt, der die Ganovenehre hochhält. Ohne Kenntnis, auf welche Seite sich der aktuelle Film mit Brad Pitt schlägt, wurde zumindest der Soundtrack von einem Musiker gemacht, dem man durchaus auch das Adjektiv ‚ambivalent‘ auf den Rücken malen könnte.

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Band Of Horses: Cease To Begin

Was für ein Anfang! Über einer sanft hingezupften Gitarre setzt bereits nach sieben Sekunden der Gesang ein und so wehmütig wie Ben Bridwell singt, werden die Worte auf Tage dein Gehirn nicht mehr verlassen. Dabei kann man wirklich nicht behaupten, dass die – sich immer wiederholende –Zeile „I could sleep“ extrem ausgefuchst ist und zudem erinnert Bridwells Stimme an Roger Hodgson von Supertramp.

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Riverside: Rapid Eye Movement

Polen hat ein Imageproblem. Die meisten Menschen tun sich schwer, mehr als nur ein paar ausgelutschte Vorurteil zum Besten zu geben. Damit sich dieser bedauernswerte Zustand ändert, muss man unverzüglich Riverside ins Feld führen. Die polnische Prog-Rock-Combo um Bandleader Mariusz Duda hat sich vor ein paar Jahren von Null in die Oberliga des Prog katapultiert und festigt diese Position mit ihrem neuen Album „Rapid Eye Movement“.

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Blackfield: Live In New York City

Würde man Steven Wilson als Perfektionisten beschreiben, wäre er wahrscheinlich noch nicht mal beleidigt. Bisher hat er die Grenze zum Antiseptischen zwar nicht überschritten, aber es tut auch gut, ihn etwas gelöster zu hören als bei Porcupine Tree üblich. Auf der Blackfield-Spielwiese mit Aviv Geffen scheint er auch mit simpleren Songs leben zu können und traut sich, ohne Stimmverzerrung zu singen.

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Serj Tankian: Elect The Dead

„Elect The Dead“ hätte auch locker „Wähle den leichtesten Weg“ heißen können. Hat Serj Tankians Axis Of Justice-Kumpane Tom Morello bei seinem Solodebüt wenigstens eine andere Klangfarbe gewählt, macht sich der System Of A Down-Frontmann die Mühe erst gar nicht. Das instrumentale Spektrum wird zwar wesentlich erweitert und speziell dem Klavier eine große Bedeutung eingeräumt, aber immer bevor etwas entstehen kann, das wirklich anders wäre, donnert Tankian die System Of A Down-Würzmischung drüber.

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Dave Gahan: Hourglass

Man hegt große Sympathien für Dave Gahan, wie er sich nach rund einem Vierteljahrhundert als ’nur‘ Depeche Mode-Sänger mit seinem Solodebüt „Paper Monsters“ (2003) vom übermächtigen Songwriterschatten Martin Gore’s freigeschwommen hat. Leider schafft er es aber auch mit seinem zweiten Soloalbum „Hourglass“ nicht, sich weit von der DM-Küste zu entfernen.

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Robert Wilson: Die Maske des Bösen

Robert Wilson hat es nicht leicht. Man kommt fast nicht umhin, seine neuen Bücher mit seinem Meisterwerk „Der Blinde von Sevilla“ zu vergleichen. „Die Maske des Bösen“ ist schon der dritte Fall des spanischen Ermittlers Javier Falcón und wie so oft bei einer Krimi-Reihe mit durchlaufenden Charakteren scheinen den Autoren die Lebensgeschichten der Einzelnen wichtiger zu sein als der eigentliche Fall.

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Rooney: Calling The World

Mit „Calling The World“ verhält es sich wie mit hochdosierten Medikamenten: Die Platte ist nur mit Vorsicht zu genießen. Rooney geizen nicht mit der Dosierung und schmeißen in die 13 Songs alles, was ihnen aus den 60ern, 70ern und 80ern in die Finger fällt. Speziell die ersten fünf Songs des Albums sind ein Spaß und gefallen in ihrer gutgelaunten Melodieseeligkeit.

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R.E.M. Live

R.E.M. sind in einem undankbaren Stadium angekommen: Fast jeder wurde von ihren alten Hits irgendwann tief berührt und trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass man sie vielleicht inzwischen zu oft gehört hat. Dass die vergangenen Alben nicht gerade von Kreativität durchzogen waren, ist auch kein Geheimnis und so startet man mit gemischten Gefühlen in das erste Livealbum, das die Band je veröffentlicht hat.

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Fauxliage: Fauxliage

Das erste Album des Projekts Fauxliage hat etwas von einem Spinnennetz: Technisch perfekt, gleichermaßen fragil wie stabil, von unbestrittener Schönheit und trotzdem überlegt man, ob man’s nicht doch wegmachen sollte. Aber während man noch versonnen vor der Stopp-Taste steht, liegt Thekla schon auf der Lauer und spinnt den Hörer ein.

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