Flachsinn, Tiefsinn

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Ein Garten ist etwas Schönes. Man kann sich an dem erfreuen, was die Natur aus dem Boden wachsen lässt. Man kann nachhelfen und die Oberfläche gestalten. Man kann ein wenig graben, um Blümchen zu pflanzen oder etwas tiefer zum Kultivieren diverser Gemüse. Man kann ein großes Loch ausheben für einen Teich. Ein noch größeres für einen Pool. Ein sehr tiefes, weil man einen Schatz zu finden hofft. Bücher sind auch Gärten. Sogar Krimis sind welche.

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Wahlkrimi – eine Rezension

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Lieber Wähler. Du magst zwar der Souverän dieses Landes sein (steht jedenfalls irgendwo), als Krimiautor bist du allerdings ein Versager. „Wahl 05“, dein aktuelles Werk, ist das typische Beispiel dafür, was der Außenminister – der vielleicht gar nicht mehr Außenminister ist, aber so genau weiß man das im Moment nicht, und das liegt an dir, Wähler – was also dieser Herr Fischer einmal den springenden Löwen nannte, der als Bettvorleger landet. Zum Schnarchen.

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Schule der Rezensenten -6-

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Lesen ist Arbeit. Schreiben ist Arbeit. Arbeit kann Spaß machen, muss aber nicht. Wer ein missratenes Buch liest und bespricht, hat keinen Spaß. Dann wird Arbeit ungeliebte Arbeit, aber sie muss nun einmal erledigt werden.

Der Verriss ist die Königsdisziplin des Rezensierens. Einige Autoren (merkwürdigerweise nur solche, die schon mindestens einen Verriss über sich ergehen lassen mussten), vermuten dahinter auch die einzige Freude des Rezensenten und nutzen den Verriss als Einfallstor in die finsteren Abgründe einer von Psychopathien aller Art beherrschten Kritikerseele.

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Oh!

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„Oh.“ Mehr hat sie nicht gesagt, die adrette Frau Andernach-Bietschüssel, bei der wir VHS-mäßig „Mit Blogs in 80 Tagen zum Millionär“ werden wollten, aber, weil das partout nicht zu klappen scheint, resolut unser Geld zurückgefordert haben. Kundenbindung! Tz! Reinfall! Schuss in den Ofen! Und die Dame sagt nur: „Oh“.
Aber schließlich sammelt sie sich, und wir können sie dazu überreden, sich unseren wunderbaren Blog anzuschauen. Und schon sagt sie wieder „oh“. Diesmal sind wir beunruhigt.

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Wahlplots -6-

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Na, sowas! Unsere kleine Serie von Wahlplots schien abgeschlossen, zumal das Ereignis selbst mit einer derart bunten Plakate- und Parolenflut ante portas steht, dass selbst der flinkeste Schreiberling nicht mehr im Stande wäre, zwischen das Wählmichheute und das Wahlmorgen noch einen Krimi zu schieben. Denkste! Die Wirklichkeit war wieder einmal stranger then fiction. Lesen Sie jetzt also: UND EWIG GRÜSST DER BUNDESWAHLLEITER.

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Schule der Rezensenten -5-

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Der Chirurg öffnet die Bauchdecke des Patienten, um den Zustand der inneren Organe zu untersuchen. Danach befinden sich im Körper des Patienten: ein Skalpell, das Glasauge des Chirurgen, ein dem Anästhesisten verlorengegangenes Hustenbonbon, ein Stückchen Mull und zwei Papiertaschentücher unbekannter Herkunft. Da der Patient über Schmerzen klagt, öffnet der Chirurg kurz darauf die Wunde noch einmal – und schreibt einen hochkompetenten Bericht über all die merkwürdigen Dinge, die er da gefunden hat und die er der ungesunden Lebensweise des Patienten anlastet.

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Schule der Rezensenten -5-

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Der Chirurg öffnet die Bauchdecke des Patienten, um den Zustand der inneren Organe zu untersuchen. Danach befinden sich im Körper des Patienten: ein Skalpell, das Glasauge des Chirurgen, ein dem Anästhesisten verlorengegangenes Hustenbonbon, ein Stückchen Mull und zwei Papiertaschentücher unbekannter Herkunft. Da der Patient über Schmerzen klagt, öffnet der Chirurg kurz darauf die Wunde noch einmal – und schreibt einen hochkompetenten Bericht über all die merkwürdigen Dinge, die er da gefunden hat und die er der ungesunden Lebensweise des Patienten anlastet.

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Oh wie so unterirdisch!

„Leonie Swann hat „Glennkill“ in bester angelsächsischer Erzähltradition geschrieben. Kein Wunder – sie hat englische Literatur studiert. „

Vollständig erblasst lehnen wir uns zurück und denken anlässlich dieses wahrhaft unterirdischen →Zitates über Ursache und Wirkung nach. Zigtausende studieren Deutsch in Deutschland. Sie werden einmal in bester deutscher Erzähltradition schreiben. Zigtausende Jean Pauls, Kellers, Fontanes, Manns – es wird nicht zum Aushalten sein. Und wir gedenken der besten angelsächsischen Erzähltradition: Swift. Sterne. Dickens. Trollope. Collins. Bulwer-Lytton. Und dann klappen wir „Glennkill“ auf. Und wären wir nicht schon vollständig erblasst, jetzt wären wir’s bestimmt.

Authentisch?

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Romane sind fiktiv, und manche beruhen auf Tatsachen, sind in ihrer Wurzel „authentisch“. Doch sind sie damit auch schon „wahr“?
Die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts veröffentlichten „Causes célèbres et intéressantes“ des französischen Juristen Francois Gayot de Pitaval sind der Proto- und Archetyp jener Sammlungen von „wahren Kriminalfällen“, die seither einen eigenen Zweig im Geäst des Krimis ausbilden. Pitaval sah sich durchaus als Lehrer des Volkes, in dem die dargereichten wahren Geschichten reinigenden Schrecken verbreiten sollten. Die „Authentizität“ stand im Dienste der Belehrung, das schlechte, aus dem Leben gegriffene Beispiel, wird passgenau in die Leben der Leser verpflanzt, eine Art moralischer Herzschrittmacher.

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Diskursladen

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Über Krimis im Allgemeinen und Frau Leon im Besonderen, über Klassiker und ihr Gelesenwerden, über das Alter und die Tücke von Kürzeln – darüber diskutiert man gerade in Ludgers Krimiblog. Doch da es uns der Webmaster nicht vergönnt, in seiner Abwesenheit eine Partie Online-Poker zu spielen, deaktiviert er für drei Wochen die Kommentarfunktion. Um nun die Diskussion nicht abzuwürgen, geht sie hier weiter. Also: Macht euch →dort schlau und gebt hier euren Senf dazu. Ihr wisst ja: Leserbindung. Le-ser-bin-dung. Wir habens nötig. Ihr auch.

Fluchten

Dass Herr Ludger Menke, →Blogbetreiber, den Rechtsstaat Deutschland überstürzt in Richtung nicht ganz so rechtstaatliches Ausland verlassen wird, ist eine Tatsache. Dass er Gefälligkeitsgutachten (=Rezensionen) für die krimiverarbeitende Industrie verfasst und die nicht unbeträchtlichen „Honorare“ haarscharf am Finanzamt vorbeigeschmuggelt hat, ist ein Gerücht, das wir hiermit in die Welt setzen.

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Matthew Pearl: Der Dante Club

Boston 1865. Eine Gruppe von Autoren und Forschern um den gefeierten Dichter Henry Wadsworth Longfellow beginnt das Projekt einer Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“. Nicht nur eine künstlerische Herausforderung. Traditionalistische und nationalistische Kreise opponieren mit Rufmord und sonstigen Intrigen gegen das Vorhaben, das Land steckt unmittelbar nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs in gesellschaftlichen Turbulenzen, dennoch wird das Projekt 1867 erfolgreich abgeschlossen.

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Die Woche des Authentischen

Die Schriftsteller schöpfen aus der Wirklichkeit, dem Faktischen, Authentischen. So weit so richtig so gut. Aber was kommt dabei heraus, wenn die Schriftsteller – die von Kriminalromanen im Besonderen – nicht nur aus dem Authentischen schöpfen, sondern es zur Grundlage ihrer Arbeit machen?

Über den Umgang mit Tatsachen in Kriminalromanen soll es für den Rest dieser Woche gehen. Nicht um die hanebüchene Beweisführung eines Dan Brown, obwohl dieser Fall in geradezu vorbildlicher Weise zeigt, wie anfällig schlichte Gemüter für das sogenannte „Faktische“ sind, zumal dann, wenn es im Gewand des Mysteriums und der Aufklärung daherkommt. Beginnen wir lieber mit einer stichwortartigen Sammlung von Gedanken und Indizien zum Thema.

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