Beziehungszauber

Manchmal leben wir wirklich wie in einem einzigen großen Kriminalroman. Und wenn einer einen schreibt und dazu noch einen liest, dann kann es sein, dass er in dem, was er gerade liest, etwas entdeckt, was er eigentlich selbst schreiben möchte. So ist es mir gerade bei der Lektüre eines alten Krimis ergangen, während ich meine eigene schriftstellerische Frucht polierte. Eine eher beiläufige Begebenheit, wenngleich mit hübscher Interpretationstiefe.

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Bitter

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muss es für Maxim Gorki sein, sich in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ wiederzufinden. Hielt doch der alte Sowjet Kriminalliteratur für einen „der Gründe, warum sich ihr Klassenbewußtsein so langsam entwickelt“ und verdächtigte ihn gar, „Mord und andere Verbrechen zu verbreiten“. Dennoch: Im Kontext „bürgerlicher Kriminalliteratur“ ist Gorkis „Die Geschichte eines Verbrechens“ durchaus die 38seitige Lektüre wert. Der Herausgeber gibt ein paar einleitende Hinweise, die bei entsprechender Muße ausgebaut werden könnten.

Suhrkamp und anderes Voodoo

Heute gehts wieder heiß her am Krimisamstag des Titelmagazins. Chef Wörtche persönlich beginnt mit einer Betrachtung der Romane von →Nick Stone und des Verhältnisses von Realpolitik und Voodoo. Uta-Maria Heim platziert auch ihren zehnten →Kopfschuss zielgenau, während Ulrich Deurer das genaue Ziel der neuen →Suhrkamp-Krimireihe (die ja gar keine ist) ergründen möchte. Zu ergründen gibt es auch bei →Frank Göhre genug. Elfriede Müller tut es in einem Porträt. Lena Blaudez schließlich rezensiert →Nick Brownlee, und →Shemekia Copeland kündigt an, niemals nach Memphis zurück zu gehen.

Erinnerung…

Die aufmerksamen LeserInnen von wtd haben es natürlich längst den Alligatorpapieren entnommen und notiert. Aber hier nochmals zur Erinnerung: Morgen Abend (16.5., 20 – 22 Uhr) gibt es, nach der großen Eröffnungsparty, SKL (Serie Krimi International) im →Funkhaus Europa, das große Radiokrimiexperiment. Und danach jeden Monat bis in den Oktober die Fortsetzung. Auf jeden Fall reinhören!

Anlässlich eines Anlasses

Die Criminale ist vorbei – der Skandal beginnt jetzt. Welches mürbe Hirn konnte auf den Gedanken verfallen, ausgerechnet Wieland Bückling, das enfant terrible der deutschen Endreimlyrik, mit dem Verfassen des offiziellen Abschluss- und Lobgedichtes zu beauftragen? Nun hat Bückling sein Elaborat abgeliefert (das Honorar war wohlweislich schon im Voraus kassiert worden) – und sofort herrschen Heulen und Zähneklappern im Syndikat. Warum? Lesen Sie selbst…

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Andreas Laudan: Pharmakos

Die Menschen arbeiten nur noch zwei Stunden die Woche, bei vollem Lohnausgleich, versteht sich. Den Rest machen Roboter. Deutschland ist Abonnements-Fußballweltmeister, und am Wochenende erholen wir uns auf den Marskolonien. – So etwa hätte eine Zukunftsvision auf das Jahr 2009 in den Fünfziger Jahren aussehen können. Man führt Entwicklungen einfach linear fort, rechnet sie hoch. Dagegen lässt sich nichts einwenden, außer vielleicht, dass eh alles anders kommt, als man es sich zusammengereimt hat. Hoffen wir das auch von der wirren Vision des Andreas Laudan.

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Da kracht die Couch!

Die Krimicouch gehört zu den Nominierten für den diesjährigen →Grimme-Online-Award. Herzlichen Glückwunsch, liebe Kolleginnen und Kollegen! Obwohl… wir von wtd haben auch etwas dazu beigetragen, unseren früheren Azubi Jochen nämlich, der heute als Stellvertreter des Chefs auf der Couch sitzt. Bei wtd für teuer Geld ausgebildet im Rezensionenklöppeln, Whirlpooleinlassen und Leserbeschimpfen, haben wir Jochen vor Jahr und Tag leich… äh, schweren Herzens ziehen lassen. Saarländische Entwicklungshilfe für das krimirückständige NRW. Und jetzt feiert schön!

Ein Krimimärchen

Ups… hab ich wieder mal ein neues Subgenre erfunden? Oder gibts schon „Krimimärchen“? Na, egal. Das Ding liegt jedenfalls in seiner ersten Fassung vor, trägt den Arbeitstitel „Das Märchen von der Zeit ohne Zeit“, spielt im 22. Jahrhundert und ist eigentlich ein Fall für die „Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“. Durchtrainierte 145 Seiten, formal zwischen Roman und Novelle, auf jeden Fall immer mit „Kriminal-“ davor. Und wer schon mal den Absatz lesen möchte, mit dem man mich denunziatorisch rufmorden kann, hier ist er:

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Wer braucht ein Krimimagazin?

Erst einmal der Chronistenpflicht Genüge tun und ein paar aktuelle Reaktionen auf das Krimijahrbuch 2009 nachgetragen: →Ingeborg Sperl hält es für „keinesfalls langweilig oder unverständlich“, →Thomas Klingenmaier verspricht, man habe „das bisschen Geld für den Band (…) schnell wieder raus“, wundert sich aber über das Fehlen eines Krimimagazins, während →Axel Bussmer im KJB 2009 „nur eine beliebige Zusammenstellung von kriminalromanaffinen Texten“ sieht, „die auch an anderen Orten zu anderen Zeiten, zum Beispiel einem Krimimagazin, hätten erscheinen können“.

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A woman must have everything (Joni Mitchell)

Das passt. →Vorgestern haben sie sich gefragt, warum Frauen keine – oder nur wenige – Krimipreise gewinnen, gestern dann haben sie drei →Glauser-Preise an Frauen verliehen. An Gisa Klönne für „Nacht ohne Schatten“ (Roman), Lucie Klassen für „Der 13. Brief“ (Debüt) und Judith Merchant für ihren Kurzkrimi „Monopoly“. Glückwunsch. Und was hat der Blogger über Gisa Klönnes Roman →geschrieben? – „Ein Krimi ist ein Krimi. Und ein völlig uninspiriert in Szene gesetzter Krimi ist ein schlechter Krimi.“ Auch wenn er einen Preis bekommt.

Vier glorreiche Frauen

Vier Frauen haben es auf die neue Liste der Sieben Glorreichen geschafft. Selma Mahlknecht mit ihrem Nicht-, also Doch-Krimi „Es ist nichts geschehen“, natürlich (!) Fred Vargas und „Der verbotene Ort“ (ausführliche Rezension folgt), Monika Geier, die nicht nur „Die Herzen aller Mädchen“ betört (noch nicht mal ausgelesen, aber auch hier gibt’s eine Besprechung) sowie, tata, Andrea Maria Schenkel mit „Bunker“. Weichen mussten vier Männer. Und weil mit Uta-Maria Heim eine weitere Frau auf der Liste geblieben ist, sind es jetzt also fünf. Insgesamt: Meine bisherigen Favoriten des Jahres. Aber das ist ja noch nicht vorbei.

Der lezze Satz

„Lezz“ sein bedeutet im Saarländischen so viel wie „nicht ganz bei der Sache“ sein. Ein lezzer Satz ist also einer, der einem so rausrutscht, während sich der Kopf gerade mit was anderem beschäftigt, der nächsten Mahlzeit etwa oder dem Für und Wider der Abwrackprämie. Meistens sind solche lezzen Sätze schnell vergessen, es sei denn, irgend jemand schreibt sie auf und stellt sie ins Internet. So ergangen ist es einem lezzen Satz von Burghard Driest. →„Die Befragungen“ haben ihn verewigt – und jetzt rätseln wir, was dieser lezze Satz bedeuten soll…

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Augenwurm

Es ist ärgerlich, sehr ärgerlich. Sagte Herr Bonnich, der Vorsitzende von „Krimi anders lesen, bitte“ (K.A.L.B.). Man schaue doch nur hin zur Musik! Gerade jetzt! Wo sie alle wieder vor plärrenden Radios und hinter stinkenden Rauchschwaden im Garten beim Grillen sitzen! Und wenn du Pech hast, beschallen sie dich an linden Sommerabenden xmal mit – Herr Bonnich überlegte – DIESER LADY GAGA!

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Man wird ja wohl noch träumen dürfen

Stellt euch mal vor: Ich rufe hier auf, mir doch bitteschön 20 oder 30 Euro zu überweisen, damit ich in Ruhe einen Krimi schreiben kann. – Und ihr macht das wirklich! Nach ein paar Wochen hab ich 50.000 Euro zusammen! Würde doch reichen: Davon kann man ein Jahr leben, die Herstellungs- und Versandkosten zahlen, bisschen Werbung machen. – Hm, ziemlich dämliche Vorstellung, oder? Andererseits: In der Musik scheint das tatsächlich zu funktionieren, wie →die taz heute berichtet. Is halt ne andere Kultur, irgendwie. Die sind besser drauf vorbereitet, wenn die andere Kultur tatsächlich kommt…