Wem der Samstag längst zum Krimisamstag geworden ist, der weiß, was das Titelmagazin auch heute wieder zu bieten hat: wahre Worte. Christiane Geldmacher, Krimisamstags-Neulingin, interviewt →Christian Linker, den Gewinner des Hansjörg-Martin Kinder- und Jugendkrimipreises 2009.
WeiterlesenAutor: dpr
E.V.? IG?
Ah ja, danke für den Rat. Man kann, bevor die Frage der Gründung eines e.V. angegangen wird, das Ganze erst einmal als Interessengemeinschaft (IG) laufen lassen. Das ist keine Rechtsform im eigentlichen Sinne, hat man mir gesagt, sondern eben – eine Interessengemeinschaft. Und da wir (ja, tatsächlich, es gibt schon Interessenten) eh alles fein demokratisch klären wollen, so denn auch dies: ob nun Krimikultur e.V. oder nicht. Also vorläufig: IG Krimikultur, auch wenn das wie IG Bergbau klingt. Ist es ja auch, irgendwie. →Melden! Mitmachen! Wer? Leser, Autoren, Kritiker, Verlage… bis auf die Verlage natürlich auch alles in der weiblichen Form.
Ich tret in keinen Verein ein
Ich weiß nicht, was deutscher ist: einem Verein beizutreten oder Vereine in Bausch und Bogen als reichlich miefige Spießbürgerversammlungen zu verdammen. Bleiben wir bei den Tatsachen. Die Gründung eines Vereins empfiehlt sich immer dann, wenn Menschen ein gemeinsames Ziel anstreben, gegen bestehende Strukturen aufbegehren oder, im Spezialfall des Kulturellen, eine Insel im Mainstream aufschütten wollen. Beispiele gibt es zuhauf. Attac oder Amnesty International? Ohne Trägervereine undenkbar. Oder nehmen wir literarische Zeitschriften wie „Am Erker“ unseres geschätzten Krimifreundes Joachim Feldmann. Auch hier ist die Basis →ein Verein.
WeiterlesenVon Simenon lernen
„Er war drauf und dran, diese braven, anständigen Leute zu verabscheuen.“
Warum tut sich Kommissar Maigret nur so schwer mit diesem Fall? Monsieur Josselin ist in seinem Wohnzimmer ermordet worden, ein ehemaliger Fabrikant, dann Rentier, glücklich verheiratet, keine besonderen Vorkommnisse. Und alle, alle sind wie er: so brav, so reputiert, anständig eben. Gut; wir verstehen den Kommissar. Das ist nicht sein Metier. Dort wo gemordet wird, kann es mit dem Anstand nicht weit her sein. Doch einer dieser Biedermenschen muss der Täter sein – dafür spricht alles. Nur wie will Maigret die Maske vom Gesicht des Mörders reißen, wenn auf diesem Gesicht gar keine
Maske sitzt?
Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster
Ganz kurz in Amazon-Manier: Wenn Ihnen „Dr. Siri und seine Toten“ von Colin Cotterill gefallen hat, dann dürfte Ihnen auch „Dr. Siri sieht Gespenster“ gefallen. Erkannten Sie indes schon in Cotterills Erstling Vorboten des Unterganges des kriminalliterarischen Abendlandes, dann… Bisschen ausführlicher? Na, okay.
WeiterlesenKrimikultur e.V.
Na, geht’s noch? Ein Verein? Ja, es geht noch, denn es geht nicht anders. Ein Verein, der „Krimikultur e.V.“ heißen könnte und dessen Ziel und Zweck die Förderung publizistischer Plattformen für die kritische Erforschung von Kriminalliteratur und den Gedankenaustausch zwischen AutorInnen und LeserInnen sein sollte. Mehr sei vorerst gar nicht expliziert.
WeiterlesenMonika Geier: Die Herzen aller Mädchen
Die Ermittler werden auch immer unzulänglicher. Und dafür die Krimis immer dicker, kein Wunder. Ganz zu schweigen von den Geschichten, die da erzählt werden. Rettete man sich früher vor dem prallen Leben und seinem Handlungsgewirr in eine schön überschaubare Spannungsgeschichte, ist man jetzt nach der Lektüre bisweilen froh, in die Übersichtlichkeit des wirklichen Lebens zurückkehren zu dürfen. Mei, was für Fäden da manchmal ausgelegt werden! Tröstlich immerhin, wenn man an Ariadnefäden durch diese Labyrinthe gelotst wird.
WeiterlesenAus den Katalogen
Die Herbstkataloge flattern ins Haus. Und versprechen uns: Auch in den nächsten Monaten wird der Krimistrom nicht abreißen. Dick sind sie, diese Kataloge, hochglänzend, Marktgeschrei tönt aus den Seiten. Aber wenden wir uns den schmaleren, nüchterneren, nicht ganz so lauten Katalogen zu, den kleinen oder zumindest kleineren Verlagen. Was versprechen sie uns für die zweite Hälfte des Jahres? Einige Hervorhebungen.
WeiterlesenLiteraturkenntnisse: Null
Nein, nein, wir reden hier nicht von manch ahnungslos-fröhlicher Netzkritikasterei und natürlich schon gar nicht vom Krimisamstag des Titel-Magazins. Sondern von →Sherlock Holmes, den Peter Münder für ebendieses Magazin und anlässlich des 150. Geburtstages von Arthur Conan Doyle kritisch betrachtet hat.
WeiterlesenÜberlegungen zum Polizeiroman
Man kann das Krimigenre recht übersichtlich nach den Tätigkeiten der Protagonisten sortieren. Da gibt es Detektive und Polizisten und Helden, die berufsmäßig nichts mit Verbrechen zu tun haben, durch Zufall oder Fügung aber in solche geraten. Beschäftigen wir uns heute ein wenig mit dem qua Profession in Verbrechen verstrickten – und zumeist verbeamteten – Personal, den Polizisten und der ihnen angemessenen Krimiform, dem Polizeiroman, auch „police procedural“.
WeiterlesenLeser fragen: Der kleine Unterschied
Liebe Redaktion! Ich habe jetzt 492 Krimis gelesen und möchte es endlich wissen: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen „cozy“, „Regiokrimi“, „hardboiled“ und „noir“? Wenn Sie mir das bitte kurz erläutern könnten? Aber bloß nicht theoretisch! Ich bin schließlich nur Krimileser! Ihr treuer Fan A.K. aus X.
WeiterlesenSmall Talk
Es ist der größte anzunehmende Unfall. Und im Gegensatz zum atomaren GAU, der uns höchstens alle zwanzig Jahre beglückt, ereignet er sich tagtäglich in unseren Fernzügen: eine Geschäftsreise mit dem Chef. Stundenlanges Sichgegenübersitzen, Erzählzwang, Nickautomatismus. Aber was soll man reden mit diesem ausbeuterischen Arschgesicht? Dieser Ein-Mann-Terrororganisation? Als treuer Leser von wtd weiß man sich natürlich zu helfen. Man zieht ein dickes Buch, Krimi, versteht sich, aus dem Reisenecaissaire und beginnt zu lesen. – Hat aber einen entscheidenden Fehler gemacht! Doch lesen Sie selbst…
Chef: Sie lesen einen Krimi? Einen deutschen Krimi? Sind die nicht furchtbar schlecht?
Sie: Och… nö, eigentlich…
Chef: Hab ich aber gelesen!
Sie: Echt? Dass deutsche Krimis schlecht sind? Und warum?
Chef: Weil es nur fünf wirklich bekannte deutsche KrimiautorInnen gibt! Und weil bekannt gleich gut und unbekannt gleich schlecht ist.
Sie: Aha.
Chef: Doch! Hingegen gibt es ca. 500 – 5000 bekannte britische und amerikanische KrimiautorInnen!
Sie: Also gute…
Chef: Genau!
Sie: Und wer sind – äh – die guten deutschen?
Chef: Moment mal, obs mir noch einfällt… ja, genau: Patrick Süßkind, Charlotte Link, Frank Schätzing, Andreas Franz und Ingrid Noll.
Sie: Hochinteressant. Und warum haben wir so wenige gute Schreiber?
Chef: Ganz einfach. Weil bei uns kaum Verbrechen passieren! In einer einzigen amerikanischen Großstadt werden exakt so viele Verbrechen begangen wie in allen deutschen Großstädten zusammen!
Sie: Ui!
Chef: Ja! Und eine CIA haben wir auch nicht! Noch nicht mal ein FBI! Oder ein MI-6! Wo sollen sie also herkommen, die guten deutschen AutorInnen?!
Sie: Das leuchtet ein. Traurig.
Chef: Traurig, ja. Aber es leuchtet ein Lichtlein am Horizont! Ich sage nur: Wimmer Wilkenloh!
Sie: Wimmer…
Chef: Wilkenloh! Oder Ella Danz! Ganz zu schweigen von Manfred Bomm!
Sie: Genau… ganz zu schweigen…
Chef: Und Uta-Maria Heim!
Sie: Nun, die ist ja durchaus… aber jetzt mal unter uns, Chef: Wer schreibt denn so etwas? Der Gmeiner Verlag, bei dem alle genannten…
Chef: Ach was! Das ist →wissenschaftlich erwiesen!*
Sie: Hört, hört.
Chef. Das schreibt niemand anderes als →„Katrin“*. Katrin ist die Krimiexpertin bei „Claudia’s Literaturblog“ – man beachte den Deppenapostroph, Claudia hat nämlich Germanistik studiert. Und Katrin auch! Sie ist zarte 25 und sitzt gerade an ihrer Doktorarbeit zum Thema „Britischer Kriminalroman“!
Sie: Ja dann… Früher habe ich auch solche ewigen Erstsemester gekannt. Die haben ständig vor dem Kaffeeautomaten gestanden und drauf gewartet, dass unten die Seminarscheine rauskommen. Und plötzlich waren sie Vollakademiker.
Chef: Ja, das geht manchmal schnell mit den Karrieren. Jedenfalls mal vormerken, die Frau, wenn wir noch Kompetenzen für unser Team brauchen. So, aber jetzt lesen Sie ruhig weiter. Ich lausche mal in mein Hörbuch rein. Andreas Franz, „Hochspannung pur!“, sagt Katrin. Wecken Sie mich bitte, wenn wir am Ziel sind.
(*Die genannten neuen Hoffnungsträger des Deutschkrimis klaube man sich gefälligst selbst von der Seite. Oder lasse es vernünftigerweise bleiben. Mit den angegebenen Links kann es unter Umständen Schwierigkeiten geben, was nicht an der Fehlerhaftigkeit der Links, sondern der Fehlerhaftigkeit der aufgerufenen Seiten liegt. Wer partout dort lesen möchte, muss sich über die Hauptseite durchhangeln.)
Nachtrag: Und dann noch, wie konnte ich das nur übersehen, →einige schlagende Argumente, warum Frauen bessere Krimis schreiben als Männer. – Weil die guten Männer schon alle tot sind! Jawoll!
WeiterlesenDer Vater des Kriminalromans
Und wieder eine Folge aus unserer ebenso beliebten wie endlosen Reihe „Na, wer hat ihn denn nun erfunden, den Deutschkrimi?“ Hören wir heute: Horst Bosetzky.
WeiterlesenFred Vargas: Der verbotene Ort
Vorweg: Ich glaube an die Existenz von Vampiren. Mit ihrem neuen Roman, „Der verbotene Ort“ hat mich Fred Vargas davon überzeugt, dass es diese Untoten gibt- jedenfalls in der Wirklichkeit des Textes. Das ist keine geringe Leistung.
WeiterlesenEssen, Trinken, Schädelbrummen
Und wieder ist Krimisamstag beim Titelmagazin. Der beginnt mit dem wahrhaft Essentiellen, dem Essen. Wohl ist kriminelles Kochen out, aber das Thema doch interessant genug. Fred A. Walterspiel hat ihm deshalb ein →„Bloody-Food-Special“ gewidmet. Essentiell auch →Frau Dr. Lehmanns heutige Frage: Sollte man beim Morden Handschuhe tragen? Natürlich. Reinfallen kann man trotzdem. Alles ziemlich kompliziert.
WeiterlesenKommunikationsangebote
Dieser Blog ist ein Kommunikationsangebot. Jemand schreibt etwas – und alle können dieses Geschriebene kommentieren und wiederum alle können die Kommentare kommentieren. Wir möchten dieses Angebot gerne ausweiten, vor allem auf AutorInnen von Kriminalliteratur und (kleinere) Verlage.
Ein Angebot läuft ja bereits. AutorenInnen können mir Ihre Werke zum Rezensieren schicken. Veröffentlicht werden nur positive Besprechungen, negative nur auf Wunsch der UrheberInnen.
Fast ein Krimimagazin
Weiterlesen„Ich weiß, was Sie schreiben, aber um ehrlich zu sein, habe ich Sie nie gelesen – einfach weil ich mit 25 Jahren beschlossen habe, keine Romane mehr zu lesen. Und tatsächlich habe ich seit 1928 keinen mehr gelesen.“
22. Mai 1859: Arthur Conan Doyle. Aus dem Notizbuch
Das Jahr der runden Geburtstage. Edgar Poe wird 200, Eric Ambler 100 – und Arthur Conan Doyle, hübsch und sinnig dazwischen, feiert seinen 150sten.
Doyle ist überall, das heißt: sein Held Sherlock Holmes ist überall, nur manchmal nicht dort, wo Doyle ist. Doyle mag aufatmen, denn die Gesellschaft seines Protagonisten war ihm zeitlebens lästig. Er hat ihn geschaffen und ist von ihm geschaffen worden, er hat ihn irgendwann verabscheut und schnöde in den Reichenbach-Fällen entsorgt, bis er den Ungeliebten zähneknirschend wieder aus dem Wasser fischte. Treppenwitz: Ausgerechnet der Schöpfer dieses Vernunftmenschen par excellence ergab sich in späteren Jahren dem Spiritismus und sagt seiner Kopfgeburt Holmes endgültig good bye.
Blogs for sale
Das hier ist ein Blog. Hier zu lesen kostet nichts. Aber – das könnte sich bald ändern, in den USA tuts das schon, vorausgesetzt, man ist stolzer Besitzer des Amazon-Ebookreaders KINDLE und, aus welchen Gründen auch immer, geneigt, Blogs auf diesem Gerät zu lesen – und dafür zu bezahlen.
WeiterlesenChristiane Geldmacher: Rheingauer Spitzen
Eigentlich geht das ja so: Jemand schreibt ein Buch, das Buch wird veröffentlicht, der Kritiker bespricht das Buch. Wenn wir heute eine Ausnahme von dieser Regel machen und ein Buch besprechen, das es als solches noch gar nicht gibt, dann aus gutem Grund. Von Christiane Geldmachers Kriminalroman „Rheingauer Spitzen“ wurde im Netz schon viel gemunkelt; kein Wunder, spielen doch Internet und Blogosphäre darin eine entscheidende Rolle.
Weiterlesen