Die Redaktion von wtd wünscht allen Freunden und Feinden mehr oder weniger besinnliche Tage im Glanze der Kerzen. Pünktlich zum neuen Jahr werden wir mit der Erfüllung unseres Auftrages weitermachen: Das Gute loben, das Schlechte verdammen, die Wissbegierigen streicheln, Banausen- und Denunziantentum ärgern. Bis dahin wird eine Notredaktion (Edelazubine Fräulein Anobella und ihr spanischer Zwangspraktikant Luis) den Betrieb provisorisch aufrecht erhalten und bei Bedarf existentielle Dinge in die feiertägliche Welt hinaus bloggen. Wahrscheinlich aber nur die letzten Plätzchenvorräte wegknabbern.
Autor: dpr
Edgar, 2
Edgar Poe weilt am 19. Januar 2009 200 Jahre unter uns. Anlass für eine Serie von Aufsätzen, die dieses labile Wunderwerk der Literatur in loser Folge aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten sollen. Mit Anknüpfungen an die Kriminalliteratur, das Leben an sich, die Geschichte und die Gegenwart, das Politische und das Private, das Erhabene und das Niedere. Heute mit Teil 2 (Teil 1 →hier)
WeiterlesenAnspruchslose Hefte

Beim flanierenden Blättern in alten Krimis plötzlich lauthals lachen müssen. Angesichts der Rückseite von „Der Bluffer“, dem 371. (!) Abenteuer des Detektivs Harald Harst von →Walter Kabel (der hier das Pseudonym Max Schraut benutzt). Das Heft ist 1933 oder 1934 erschienen, Kabel, obwohl Parteimitglied seit 1925, war von Schreibverbot bedroht (das ihn dann auch wohl tatsächlich ereilte – im NS-Deutschland gab es schließlich keine Verbrechen). „An unsere Leser!“ ist ein wunderbar schreckliches Dokument, über das man wahrscheinlich wirklich nur ablachen kann, schon zum Selbstschutz. Aber lesen Sie selbst…
WeiterlesenZoran Živković: Das letzte Buch
Seit geraumer Zeit behelligen uns mehr (Giwi Margwelaschwilis „Officer Pembry“) oder weniger (Pinar Kürs „Mordsfakultät“) gelungene „postmoderne Krimis“, die weit davon entfernt sind, „postmodern“ zu sein und im Grunde nur ein simples Thema variieren. Das geht wie folgt:
WeiterlesenKrimijahrbuch 2009

Ach ja: so siehts aus, das KRIMIJAHRBUCH 2009. Erscheint im März 2009 bei Pendragon, hat ca. 288 Seiten und kostet 12,90 Euro. Über den Inhalt wird bei Gelegenheit auch noch was verraten…
Advent, prallvoll
Tja, gäbe es jetzt Konsumgutscheine, nur in Buchhandlungen einzulösen, wir wüssten schon, wo man Ihnen die entsprechenden Tipps zum Verbraten der Penunze servieren kann. Beim Titelmagazin und seiner samstäglichen Krimiausgabe. Heute mit →Prinzesschen Diana, →Friedrich Ani und Gender Mainstreaming, → mörderischem Dinner for One, →hinterhältigen Tieren und →Schwaben im Weltall. Sowie völlig →hemmungslosen Konsumaufforderungen des Bloggers und einem →besinnlichen Gedicht von Herrn Loriot.
Pieke spendet keinen Trost

Sie würde ja gerne… aber bei Betrachtung der Welt… Hören / lesen sollte man die neue Kriminalreportage auf jeden Fall. „Kein Trost zu Neujahr“ gibt es am Freitag, 19. Dezember 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr sowie am Sonnabend, 20. Dezember 2008 in DER TAGESSPIEGEL. Und wie immer durch Aktivieren des unter dem Radio versteckten Links.
WeiterlesenKurzratekrimi: die Auflösung!
Noch nie haben wir Dale Patrick Rutherford, spiritus rector der Kurzratekrimibranche, so ziellos und gedankenverloren die Räumlichkeiten der Redaktion durchmessen sehen. Hin und her, das graue Haupt schüttelnd, „mei, mei, mei“ jammernd. – Was ist los, maestro? Und wo bleibt die Lösung →unseres jüngsten Kurzratekrimis?
WeiterlesenCarl Hiaasen: Striptease
Mit seinen über 500 Seiten ist „Striptease“ ein längliches Vergnügen. Aber wir winken es trotzdem durch; denn das Vergnügen obsiegt am Ende doch über das Längliche.
Weiterlesen„Leibrenten“ jetzt auch als e-book
Das hätte sich die gute Emilie Heinrichs nicht träumen lassen: 2008 kommen ihre „Leibrenten“ zu neuen papiernen Ehren – und jetzt findet sich das 400-Seiten-Werk auch noch als e-book wieder. →Hier im PDF-Format, für skandalöse 6,99. Weitere Formate werden folgen.
Eine Bestseller – Strategie

Endlich hat Bestseller-Kurzratekrimi-Autor Dale Patrick Rutherford das Flehen seiner Gemeinde erhört und eine legendäre Figur reanimiert, um sie in ihrem vertracktesten Fall durch die Welt des Verbrechens zu geleiten: Anna Beller! Wie immer wird sie von ihrem Assistenten Gunter Gras begleitet, dem Experten für das Eisenbahnwesen im Sachsen-Anhalt der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, dessen Fachwissen schon bei der Aufklärung so mancher Straftat von Nutzen war.
WeiterlesenEin Sonntagsgedanke
Sprache ist ein wogendes Meer. Sie nimmt, sie gibt. Sie kann nicht anders, denn sie lebt. Würde man von ihr verlangen, die im Laufe der Jahrtausende angesammelten Beutestücke aus ihrem Fundus zu entfernen und durch eigengeschaffene Wörter zu ersetzen, niemand verstünde mehr, was gesagt wird. Stellen Sie sich das Deutsche ohne das Lateinische, das Griechische, das Französische, das Englische vor – und sie reden in einer Fremdsprache über eine Fremdsprache.
Aber selbst urdeutsche Wörter bleiben nicht, was sie sind und waren. Sie verändern sich auf ihrer semantischen Ebene. Das Wort „Bankert“ zum Beispiel. Das ist nun keine Hochsprache, aber jeder weiß, was damit gemeint ist: ein ungezogenes, nervendes Kind. Heutzutage jedoch käme so manch einer leicht auf den Gedanken, den Bankert Bänker-t auszusprechen und etwas ganz anderes darunter zu verstehen.
Oder „Schirm“. „Einen Schirm aufspannen“. Urigstes Deutsch. Man spannt einen Schirm auf, um sich vor Regen zu schützen. Der Regen ist hier also der Bösewicht, sonst bräuchte man sich ja nicht vor ihm zu schützen. Zur Zeit hat „einen Schirm aufspannen“ eine gänzlich andere Bedeutung. Man spannt den Schirm auf, um den Bösewicht vor dem Fluch seiner schlechten Taten zu schützen.
Daneben gibt es Wörter – auch sie von krachendstem Deutschtum – deren Bedeutungsspektrum seit jeher von den Annahmen der Unschärfetheorie bestimmt wird. „Tugend“ etwa. Wir wissen alle, was damit gemeint ist. Aber ist „Tugend“, genauer besehen, nicht aus dem bekannten „Wörterbuch der Unmenschen“? Assoziieren wir, ganz tief in uns drin, damit nicht gleich seinen Antipoden, den „Terror“? Der Tugendhafte vermag seine Tugend nur als Terror durchzusetzen. Er ist ein Tugendterrorist, das zweite Wort hängt unsichtbar und untrennbar am ersten. Wir stellen uns darunter einen Menschen vor, der Handgranaten werfend durch die Landschaft rennt und dabei „Weg mit den Handgranaten! Friede!“ schreit. Und zum Schreien hat er allen Grund, denn er sitzt in einer dialektischen Falle.
Eines aber tröstet uns. Tugendterroristen sind stets Selbstmordattentäter. Hier ist die Sprache wunderbar eindeutig.
Besinnlicher Samstag
Ein deutlich zerknirschter Chefredakteur stellt heute morgen die Beiträge des Krimisamstags im Titelmagazin vor. Grund: Der TW ist als offizielle Maßeinheit für Krimikrawall durch den DPR abgelöst worden. Bis April 2009 gilt eine Übergangsregelung (1 DPR = 1,7 TW). Ansonsten: Lob und Tadel.
WeiterlesenJetzt wiss’ma’s endlich
Was Fräulein Fippy →hier schreibt, kann ich nur unterschreiben.
Krimijahr 2008: die Zielgruppenliste
Endlich! Die Liste! Zehn Werke der Kriminalliteratur, die mich durch ein wie immer turbulentes Jahr geleiteten. Mit einem Zielgruppenschlagwort versehen, damit es unter der Edeltanne nicht zu bösen Überraschungen kommen kann. Mehr dazu nächste Woche am Krimisamstag des Titel-Magazins (wo sich ein notorischer Leserbeschimpfer morgen der „bad fiction for a merry X-mas“ annehmen wird…).
Die Besten 2008 (in willkürlicher Anordnung)
Matt Ruff: Bad Monkeys (für alle, die sich beim Lesen auch mal gerne düpieren und auf die eigene Lese-Schwäche hinweisen lassen)
Hans Lebert: Die Wolfshaut (für alle, die gerne langsam lesen, weil es die Sprache von ihnen verlangt. 1960 erstveröffentlicht)
Norbert Horst: Sterbezeit (für alle, die einen Polizeiroman nicht nur als Polizeiroman lesen wollen)
Pieke Biermann: Unter dem Asphalt von Berlin (für alle, die den Alltag nicht vom Verbrechen trennen)
Anne Chaplet: Schrei nach Stille (für alle, die auch mal ihre Meinung ändern wollen)
Tana French: Grabesgrün (für alle, die vertrags- und versicherungslos durchs Leseleben laufen)
Amir Valle: Freistatt der Schatten (für alle, die den Dreck und seine künstlerische Bearbeitung nicht ignorieren)
Tran-Nhut: Das schwarze Pulver von Meister Hu (für alle Freunde der Vergangenheit, die die Gegenwart beleuchtet)
Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs (für alle Freunde der phantastischen Nüchternheit oder der nüchternen Phantasie)
Hannelore Cayre: Das Meisterstück (für alle, die, wenn’s lustig wird, nicht gleich ihr Hirn aus der Schale lachen)
Allen, die ebenfalls auf dieser Liste stehen könnten, es aber nicht tun, weil 10 nun einmal 10 sind und nicht 16: sorry.
WeiterlesenEdgar, 1
Edgar Poe weilt am 19. Januar 2009 200 Jahre unter uns. Anlass für eine Serie von Aufsätzen, die dieses labile Wunderwerk der Literatur in loser Folge aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten sollen. Mit Anknüpfungen an die Kriminalliteratur, das Leben an sich, die Geschichte und die Gegenwart, das Politische und das Private, das Erhabene und das Niedere.
WeiterlesenLeonard Schrader: Der Yakuza
Romane, die nach Drehbuchvorlagen entstehen… nun ja. Eher mit Vorsicht zu genießen. Aber es gibt auch hier Ausnahmen – und „Der Yakuza“ von Leonard Schrader ist eine davon. 1974 wurde der Stoff von Sydney Pollack verfilmt, im selben Jahr erschien der Roman des Drehbuchautors Schrader. Und er ist bis heute, da uns der Alexander Verlag das gute Stück noch einmal beschert, keinen Tag älter geworden.
WeiterlesenOkay, für die Akten
Und kommentarlos: →das hier. Ich werde mich dazu nicht mehr äußern.
P.S.: Eben seh ich: Auch →Tobias Gohlis muss jetzt in Hamburg auf die schwarze Liste.
Das wäre mal was
„Sie wollen und können es nicht begreifen, dass Kriminalromane nach anderen Gesetzen funktionieren als die avancierte Literatur. Gestern noch schlug ich Uwe L. vor, während des nächsten Krimifestivals mal eine Diskussion zum Thema „Stieg Larsson und seine Geringschätzung durch die Kritik“ zu veranstalten, schon liefert Dieter Paul Rudolph im Titelmagazin das Futter dafür. So reflexartig wie genussvoll und erwartbar greift er die offensichtlichen literarischen Schwächen des Schweden an und merkt nicht, dass er mit seiner wohlfeilen Polemik mal wieder unter der Latte durchspringt. Andererseits: Will ich mich wirklich so tief in das Thema verbeißen, bis ich mir auch den letzten Vertreter der Branche zum Gegner gemacht habe …?“
Schreibt →Jan Seghers. Der natürlich weiß, nach welchen Gesetzen Kriminalromane funktionieren; denen der Schlampigkeit in Sprache und Inhalt nämlich. Dass er aber auch noch wissen will, wie „avancierte Literatur“ (zu der Kriminalromane anscheinend nicht gehören können) funktioniert, glaubt nicht einmal der letzte Vertreter der Branche.
Ein völlig abseitiger Exkurs über das Lesen
Jeder vierte Deutsche, so haben wir jüngst erfahren, liest keine Bücher. Das ist schlecht. Drei von vier Deutschen lesen also Bücher, und das ist gut. Für die Buchindustrie. Auch für die Leser? Lesen, das wissen wir, ist eine erlernbare Kulturtechnik, unentbehrlich für den Alltag, unentbehrlich auch für die Beurteilung dessen, was da gelesen wird. Was oder wieviel einer liest, spielt dabei zunächst keine Rolle. Mancher Konsument von Bildzeitungen mag seine Lektüre intellektuell ergiebiger verarbeiten als manch manischer Verschlinger von Höchstliteratur die seine. Das WIE ist entscheidend.
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