
…heißt der 1910 erstveröffentlichte Roman Alfred Schirokauers, den wir stolz in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ präsentieren. Das sollte man lesen. Zumal es nichts kostet. Echt.

…heißt der 1910 erstveröffentlichte Roman Alfred Schirokauers, den wir stolz in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ präsentieren. Das sollte man lesen. Zumal es nichts kostet. Echt.

„Krimiweisheiten aus dem BÜRGERECK“. So heißt eine neue Serie, in der wir zufällige Gäste der bekannten einheimischen Gaststätte BÜRGERECK zu fortgeschrittener Stunde mit krimiaffinen Themen konfrontieren und um möglichst empirisch abgesicherte Weisheiten zum Genre bitten. Heute wollen wir uns anhören, was Karl-Heinz T. nach sieben „Männergedecken“ (1 Pils, 1 Klarer, 1 Klosterfrau Melissengeist) zu sagen hat.
Nein, es lässt einem keine Ruhe. „Mehr als ein Krimi“, „über das Genre hinaus“ … da schwillt sogar dem notorisch netten →Tobias Gohlis die Kollerader kindskopfdick, Krimidummdeutsch ist das, aber selbst das Unterirdische muss doch irgendwo einen Ausgang nach oben haben, nur wo, bitteschön, ist der? Oder anders gefragt: Was ist ein Krimi, wenn er mehr als ein Krimi ist?
Ganz schreckliches Eingeständnis: Ich kann diese Frage beantworten. Es macht überhaupt keine Schwierigkeiten, sich vorzustellen, wohin man gelangt, wenn man diesen Mehrwert sucht: zu den Kritikern nämlich. Schreibt ein Rezensent dieses „mehr als Krimi“, dann meint er unweigerlich: „mehr als mein Kopf fassen kann“. Mein Kopf? Wie das? Oder, anders gefragt: Was ist das eigentlich, Kopf? Und was ist drin?
Stellen wir uns das mal rein rezeptionstechnisch vor. Jemand liest einen Krimi. Wohin liest er ihn? In seinen Kopf selbstverständlich. Denn dort sitzt etwas, das ein Kritiker besitzen sollte: ein Gehirn. Dort wiederum, im Gehirn, sitzen Zellen – ich will das jetzt nicht ausführen, aber diese Zellen sind von Natur aus ziemlich intelligent, fast so intelligent wie ein Buchhändler, das heißt: Diese Zellen brauchen nur auf einen Buchumschlag zu gucken und schon wissen sie: Aha, ein Krimi. Wenns denn draufsteht. Manchmal steht „Kriminalroman“ drauf, da sagen sich die Zellen schon: Obacht, da steht Roman dabei, vielleicht ist das ja Literatur und überhaupt kein Krimi und wenns kein Krimi ist, dann ist es sofort „mehr als Krimi“.
Der Kritiker liest also in seinen Kopf, in sein Gehirn, in seine Zellen. Und siehe: Es ist ein Krimi. Weils nämlich draufgestanden hat und der Kritiker, wenn er Krimikritiker ist, einen Krimi quasi von berufswegen lesen muss, er liest gar nichts anderes, kriegts ja nicht bezahlt, außer Harry Potter auf Englisch in der U-Bahn, das zeugt von Abitur.
Das ist wie in der Backstube, verstehen Sie? Also in der Backstube: Da wird Brot gebacken. Aus Mehl. Wenn jedoch der Bäcker feststellen muss, nanu, auf dem Sack da steht „Mail“, aber es sind Smarties drin, dann bäckt er eben mit Smarties und nennt das Ergebnis „mehr als ein Brot“. Weil er kann ja nicht sagen: Das sind gebackene Smarties und sie schmecken scheußlich. Klar, ja? Und so geht es einem Krimikritiker, der etwas liest, das gar kein Krimi ist, obwohls draufsteht, sondern, sagen wir mal: irgendso ein gesellschaftsrelevant kritischer Dünnpfiff, dass du garantiert auch dünnpfeifst, aber jetzt mal ehrlich: Davon kann ein Krimikritiker nicht leben. Er muss eine Krimikritik schreiben und er kann das dann auch nicht Dünnpfiffkritik nennen, sonst wäre er ja rein logisch ein Dünnpfiffkritiker, was aber kein Mensch sein will außer denen im Fernsehen. Er kann höchstens feststellen, dass das, was er da gelesen hat, überhaupt kein Krimi ist, nur da wären wir wieder beim Bäcker, der auch gucken muss, wo er bleibt mit seinen gebackenen Smarties und der doch der Omma nicht sagen kann, hör ma Omma, das ist kein Brot, das sind Smarties, die ziehen dir das Gebiss aus, also lass ma die Finger von.
Das Problem ist also: Der Kritiker hat etwas gelesen, das heißt, seine Zellen haben festgestellt: Uh, ich pack das nicht. Soll Krimi sein, ist aber nicht Krimi. Soll nicht höhere Literatur sein, ist es aber, denn höhere Literatur ist qua definitionem alles, was nicht unterhält und ein Krimi sollte schon unterhalten, sonst wärs ja kein Krimi, sonst wärs gleich Literatur, aber für die ist der Kritiker – und jetzt kommts! – ja gar nicht zuständig, davon müsste er nämlich etwas verstehen, deshalb ist er ja Krimikritiker geworden, weil er von Literatur nichts versteht und von Krimis auch nicht, aber er muss drüber schreiben, als wärs ein Krimi, und weils partout keiner werden will, er kann sich die Finger wundschreiben, ist es halt mehr als ein Krimi, nämlich gar kein Krimi oder doch einer, aber der Krimikritiker ahnt nichts davon.
So geht’s ab in den Zellen da oben, man glaubt es nicht. Krimikritiker ist schon ein Scheißberuf. Und jetzt leckt’s mich doch…
WeiterlesenUm das grundlegende Bauprinzip von Patrick Bomans Peabody-Reihe auf den Punkt zu bringen, genügt es eigentlich, die Schlussszene des aktuellen Bandes, „Peabody geht in die Knie“, nachzuerzählen. Unser Titelheld, Ausbund lüsterner, fettiger Schmierigkeit, kniet vor einem jungfräulichen Mädchen und reibt seinen schwitzenden Kopf an ihrem entblößten Schoß. Das zunächst schockierte, überrumpelte Mädchen wird erregt, packt Peabodys Kopf – und die Geschichte ist aus. – Und was sagt uns das jetzt?
Weiterlesen…und zwar ganz offiziell:

Natürlich bei →Shayol / funny crimes, natürlich nur in allerbester Gesellschaft (Lansdale, Block et al), natürlich mit der Möglichkeit, sich bei mir ein signiertes Exemplar vorzubestellen (ohne Aufpreis, portofrei, Buch kostet wohl so 12-14 €), natürlich werd ichs nicht selber rezensieren. Warum eigentlich nicht?

Aus Köln zurück. Bahn verflucht. Im Dom gewesen (weils draußen geregnet hat). Das Schönste: die neuen bunten Fenster! Schnell was essen und dann ins Bett. Mittwoch – also heute! (Achtung, das ist jetzt ein Zeitsprung!) seid ihr dran! Schreibt, was das Zeug hält. Das ist jetzt euer Blog! Lobt, tadelt etc. Noch ne Pizza da? (Achtung, das war jetzt ein Gedankensprung!)

Sprechen wir vom „Krimi“, meinen wir den KriminalROMAN. Alles unter 200 Seiten fristet sein Dasein im Schatten des Genres und muss sich gelegentlich gar den Vorwurf gefallen lassen, „zu kurz“ zu sein und damit ein schlechtes Preis-/Leistungsverhältnis aufzuweisen (man denke nur an „Tannöd“). Der Kurzkrimi immerhin hat noch seinen, wenn auch begrenzten Platz im Krimisegment. Anders sieht es bei der Kriminalerzählung, der Kriminalnovelle gar, aus. Außerhalb der lobenswerten Reihe „kaliber .64“ der Edition Nautilus scheint sie hierzulande nicht mehr zu existieren. Dabei ist doch sie die Urform des gesamten Genres.
WeiterlesenEinen Kalender braucht der Mensch. Sei es, um löbliche Maximen zukünftiger Lebensplanung festzuhalten wie Astrid Paprotta („Endlich wieder mit dem Bloggen anfangen!“), sich eigene Schwächen einzugestehen wie Ludger Menke („30.11.: Wieder nichts gelernt“) oder einfach zum Festhalten besonders schöner Momente des Alltags wie Anobella („Dpr ist ja so süüüüüß!!!“). Aber welchen Kalender braucht man nun? Keine Frage: Den „Kalender für Kriminalliteratur 2008“.
WeiterlesenDie Welt in naher Zukunft. Das US-amerikanische Irak-Abenteuer endet im Fiasko, in Bagdad haben die Iraner das Sagen. Und noch etwas besitzen sie inzwischen: Atombomben. Saudi-Arabien gibt es nicht mehr, das Land heißt jetzt Islamijah und wird von Gottesfürchtigen regiert, Fundamentalisten und gemäßigte Kräfte ringen um die Macht. China, immer öldurstiger, schickt „Berater“ nach Islamijah, Raketen sollen folgen, eventuell mit Atomsprengköpfen? Der Iran schließlich hat Interesse an den Emiraten. Keine Rolle in diesem Szenario spielen die EU und Russland, was denn doch ein wenig überrascht.
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Der Blogdiktator macht heute Ferien und lässt die Geknechteten und Unterdrückten an den Fleischtopf der Kommentarfunktion. Nutzt sie! Schüttet eure Herzen aus! Macht ihnen Luft! Öffnet sie! Werft euren kriminellen Ballast von der Seele! Hier dürft ihr es! Ohne Vorgaben! Macht was ihr wollt! Nur niemanden beleidigen. Außer den Blogdiktator selber.
Nichts gegen Elmore Leonard. Aber manchmal wünscht man sich, die Krimiautoren blieben Krimiautoren und hielten sich bei den Gesetzgebungsverfahren des Genres zurück. Zehn „Schreibregeln“ hat Leonard zum Besten gegeben und Kollege Bußmer diese dankenswerterweise verdeutscht und → ins Netz gestellt. Grausige Regeln.
WeiterlesenHa, zu früh gefreut! Der Blogger verabschiedet sich nicht mit einem letzten „bye“, nein, er stellt die erste saarländische Krimi-Anthologie vor, „Letzte Grüße von der Saar“ eben, wo man nicht nur das Savoir Vivre schätzt, sondern auch das Saarvoir Mourir.
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…der deutschen Kriminalliteratur ist Karl Labacher vielleicht nicht. Aber wenig weiß man über ihn, fast gar nichts. Wer ihn kennenlernen möchte, der sei am sofort an die →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ verwiesen, die ihn als 39. AutorIn in ihre Regale gestellt hat. Mit dem ca. 1905 erschienenen Erzählbändchen „Der Dämon vom Walde“.

Es muss schleunigst einen neues Subgenre her, um eine seit Jahren zu beobachtende Entwicklung am Schlawittchen packen zu können. Nach dem Boom des Regionalkrimis, der ja eigentlich keiner ist, sondern schnöder Fremdenverkehrskrimi, plustert sich in den letzten Jahren der sogenannte „historische Krimi“ gar mächtig auf. Und der ist natürlich auch nicht „historisch“, sondern allenfalls „historisierend“, bei genauerer Betrachtung aber dann doch nur oberflächliches Infotainment für Leute, die im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst haben. Genau: Nennen wir das Kind doch Infotainment-Krimi.
Einen solchen hat Jan Eik mit „Der Ehrenmord“ in der Reihe „Es geschah in Berlin“ verfasst, wo sich Horst Bosetsky schon dem Jahr 1910 und Sybil Volks dem Jahr 1912 gewidmet haben. Eik hat „1914“ aus der großen Lostrommel gezogen und schickt den Reihenermittler Kappe in einen Fall von Mädchenmord. Was nun so dröge und vorhersehbar, so holzschnittartig und wenig aufregend ist, dass wir hier kein weiteres und schon gar kein gutes Wort darüber verlieren wollen. Interessant ist das „historische Setting“ am Vorabend des ersten Weltkrieges. Wir erfahren, dass die meisten Deutschen begeistert von der Aussicht auf ein zünftiges Schlachten waren, „jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuss ein Russ“ eben, ein paar waren auch dagegen. Wir erfahren auch, dass es in Berlin damals genauso ausgesehen hat wie auf den Bildern von Meister Zille. Die Armen waren halt arm, die Reichen reich, die Hinterhöfe dunkel und die Triebe schweinisch. So. Und das wars schon mit dem Gratisgeschichtsunterricht. Selbst für Infotainment ein bisschen wenig.

Man muss dem Volk aufs Maul schauen. Sprich: Auf die Finger, wenn die elegant über der Tastatur kreisen. Tun wir hiermit. Also: lasst kreisen. Schreibt. Über alles, was irgendwie mit Krimi oder Literatur zu tun hat. Lobt, tadelt etc. Um eine kleine Anregung zu geben – die man aber nicht aufgreifen muss -, hier zwei extreme Definitionen von „Krimi“ und „KriminalLITERATUR“…
WeiterlesenRick DeMarinis Roman „Kaputt in El Paso“ ist ein Text über Grenzerfahrungen oder, was nur ein anderes Wort dafür ist, über das Verwischen von Grenzen, die Entgrenzung. Dass er in El Paso, also unmittelbar an der Grenze zu Mexiko und somit dem, was wir die „Dritte Welt“ nennen, spielt, ist natürlich kein Zufall.
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…dass man ihre Kriminalreportagen ab sofort nicht mehr Samstags, sondern schon Freitags im Radio hören kann. die neue also am Freitag, 26. Oktober 2007 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 Uhr und 13:27 Uhr (am Wochenende wird sie dann noch mehrmals wiederholt). Bei der Printversion bleibts unverändert: immer am Samstag. Und das mit dem Podcast? Eh klar. Pieke anklicken, reinhören. In „ein Lehrstück über private Solidarität, zugeschweißte öffentliche Kassen und echte Gesetzeshüter“.
WeiterlesenAuch wir wollen es nicht versäumen, einen neuen Krimiblog in unserer Mitte zu begrüßen. →„Tatort: Krimi“ heißt der und konzentriert sich momentan auf Rezensionen, zuletzt Robert Littells „Kalte Legende“. Tja, und da bin ich nun über den Schlussabschnitt der Besprechung gestolpert:
„Nur zum Schluß ein kleiner Wermutstropfen: Selbstjustiz, so gerechtfertigt sie auch zu sein scheint und zu deren Zustimmung Littell uns geneigt machen will, ist immer, immer reaktionär.“
Hm, LITTELL macht geneigt? Nicht vielleicht eine Figur aus dem Roman? Und selbst das halte ich für fraglich.
In der Pfalz ist der Erdenplanet ein prallrunder Saumagen, auf dem die Kontinente wie fette Wurstscheiben driften und die Meere als Weinpfützen dümpeln. Und erst Bad Dürkheim! Pfalzkrimi kann also im Regelfall nichts anderes sein als lausig dramatisierte Tourist Information, aber da der Regelfall seine Ausnahmen kennt, sehen wir uns heute in der glücklichen Lage, von einem solchen berichten zu dürfen. Denn Monika Geiers „Schwarzwild“ ist ein gelungenes Stück Kriminalprosa.
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Jetzt, mit dem neuen Logo aus der Logoschmiede von Ludger „Blog der Woche“ Menke, macht das Volksbloggen sogar noch mehr Spaß! Hier ist – fast – alles erlaubt! Rummosern, hemmungslos loben, schüchtern anfragen, gnadenlos fordern, grenzenlos Eigenwerbung betreiben. Heute hole ich noch mal eine Frage von gestern zum Anheizen hervor: Muss, wer einen Krimi schreibt, wirklich „über Krimis nachdenken“? Wenn ja: was denn? — Aber schreibt doch, was ihr wollt…
(Unsere neue Montagsserie ist ein Kriminalroman der besonderen Art. Zunächst: Er spielt in der Zukunft. Dann: Es wird nicht gemordet. Weiter: Sein Gegenstand ist der Kriminalroman selbst und wie er Wirklichkeit herstellt oder abbildet oder was auch immer. Am Ende gibt es auch keine Lösung, sondern nur Lösungen. Das heißt: viele Fragen.)
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