Justizmord?

Das sind noch Fragen. Eine Antwort verspricht Artur Landsbergers Kriminalroman, „Justizmord?“ heißt er, wie nicht anders zu erwarten. Ein schönes Stück aus dem Jahr 1928 von einem der erfolgreichsten Autoren der Epoche, in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“, Abteilung frühes zwanzigstes, jetzt nachzulesen. Die Datei wird im schlanken rtf-Format angeboten, die Faksimile-Version liefern wir irgendwann nach.

Die Goldene Krimikrone

Krimipreise gibt es wie Sand am Meer, aber keiner reicht an die Goldene Krimikrone heran, die wir heute zum ersten Mal vergeben. Im September baten wir die 379 führenden deutschsprachigen Krimirezensenten um ihre Meinung, von A wie Aachener Wirtschaftsmagazin über I wie Itzehoer Volksbote bis Z wie Zwieseler Post. 298 antworteten, 34 davon ablehnend, doch 262 erzählten uns, wen SIE für die wichtigste und einflussreichste Persönlichkeit der Krimigeschichte halten. Und, voilà, hier ist das Ergebnis:

Weiterlesen

KrimiWelt Bestenliste Februar 2007

Damit war zu rechnen: John Harvey hat mit „Schrei nicht so laut“ die Spitzenposition der aktuellen Bestenliste erreicht. Dass er es verdient hat, wurde hier schon mehrfach angedeutet und wird bald in einer ausführlichen Rezension untermauert. Reggie Nadelsons „Rote Wasser“ ist der Shootingstar des Monats, von 0 auf 2, die Autorin eine Garantin für intelligente Krimis, eine Rezension wird hier aber nicht zu erwarten sein, da das Buch bei Piper erschienen ist und Piper mich nicht liebt.

Weiterlesen

Kryptischer

Na, in Ordnung, auf mehrfachen diskreten Wunsch. Der komplette letzte Satz lautet:

„Ich drücke auf die Klinke und öffnet die Tür —„

Wer diesen Satz versteht, hat gute Chancen, den Roman zu verstehen. Wer „falsch!“ schreit, ist auf dem Holzweg und soll sich schleichen.

Merle Kröger: Kyai!

Ganz merkwürdige Leseerfahrung. Selten hat man so häufig in Zitronen gebissen, das Gesicht so unter Schmerzen verzogen. Legionen von platten Personen, Handlungen, Zuständen, Dialogen, Monologen sind an einem vorbeigerauscht, 372 Seiten lang, das schlaucht. Und am Ende? Klappt man das Buch zu und sagt sich: Okay. Wenns nicht völlig misslungen ist, ist es halt gut gelungen, ja, doch: Merle Krögers „Kyai!“ ist ein gelungenes Buch – wenn man es so möchte.

Weiterlesen

KJB 2006 – noch eine Rezension

Kaum ist das Krimijahrbuch 2007 in einigermaßen trockenen Tüchern, gibt es auch schon eine →Rezension des Vorgängerbandes bei IASL online. Stefan Tomasek moniert zwar das „grundsätzliche strukturelle Defizit der mangelnden Verzahnung“, findet allerdings „viele Anregungen sowohl zu einzelnen Autoren, deren Themen und zur Gattungsdiskussion“. Und das ist doch auch schon etwas.

Hir schteht’s

Wie versprochen: der →Link zu Pieke Biermanns Rezension von Jenny Hirschs Kriminalroman. In einer Stunde und zehn Minuten auf Deutschlandradio Kultur zu hören. Diese göttliche Stimme! Vor allem wenn sie sagt: „dpr ist der einzige Anbieter alter Krimis, von dem man auch unbesehen einen Gebrauchtwagen kaufen kann.“

Dossier, Nachtrag

Aus dubioser Quelle wurde uns ein Dokument (DER SPIEGEL, 2.2.1950) zugespielt, das die Tätigkeit der „Arbeitsgruppe Kriminalroman“ in einen historischen Kontext zu stellen vermag, welcher vielleicht aktuell nicht publik zu machen ist, dem ungeachtet jedoch ein Beleg für die Folgerichtigkeit unserer Überlegungen zur Nutzbarmachung des Kriminalromans im Sinne der Volksbefriedung. Das Faksimile wurde uns vom inzwischen in München-Stadelheim inhaftierten →Betreiber eines der nach den Unruhen 2010 verbotenen sogenannten „Krimiblogs“ zur Verfügung gestellt. Der Mann darf nun auf frühzeitige Begnadigung hoffen, während wir gegen die noch flüchtigen sogenannten „Krimiblogger“ (u.a. Menke, dpr plus Helfershelfer) mit aller Strenge des Gesetzes vorgehen werden.

Weiterlesen

Hört die Signale!

Morgen früh, 9 Uhr 33, wollen wir alle wtd-Leser als Hörer von Deutschlandradio Kultur sehen. Spricht doch just um diese Zeit Pieke Biermann über einen Krimi der Frauenrechtlerin Jenny Hirsch, „Ein seltsamer Fall“. Zur Vorbereitung auf diese Sendung ist das rezensierte Buch in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“ vollständig zu lesen. Wir machen Stichproben und bestrafen Zuwiderhandlungen. Also! Lesen! Hören! Wer dies aus schwerwiegenden Gründen nicht kann (bitte ärztliches Attest o.ä. einreichen), kann die Biermannsche Reze auch nachlesen. Wir liefern den Link as soon as possible nach.

Die Welt im Rucksack

„Sein Rucksack enthielt eine detaillierte Wanderkarte, einen Kompaß und ein Fernglas, zwei Sandwiches mit Käse und Gurken, einen Keksriegel mit Pfefferminzgeschmack, einen Apfel und eine kleine Fleischpastete. Außerdem Schokoladenbonbons für Jess, eine Flasche Wasser für beide und ein zerfleddertes Buch des Tierschutzvereins über heimische Vögel. Erst vor kurzem hatte er sich dazu durchringen können, den in Deutschland hergestellten Wanderstock mit Federung zu benutzen, den ihm eine seiner Nichten vor drei Jahren gekauft hatte.“

Weiterlesen

Aus Piekes Bell-Epoque

Das muss schon ein selten dummer Hund sein, der nicht riecht, wie da aus Berlin nur kriminell Gutes aus Druckpresse und Äther kommt. Natürlich nur dann, wenn DER TAGESSPIEGEL und RBBinfoRADIO 93,1 involviert sind und la Biermann, die Trüffelschnauze der deutschen Kriminalreportage, wieder eine Wuchtknolle aus dem Polizeialltag freilegt. Am 20. Januar 2007, Punkt 11.45 Uhr im Radio (wann Sie’s im Tagesspiegel lesen, bleibt Ihnen überlassen), Wiederholungen um 16:45, um 22:45 und in der folgenden Nacht und 03:45: „Schnüffler vom Dienst“. Pieke bringt die Blutspur- und Leichensuchhunde auf Vordermann.

Weiterlesen

Andree Hesse: Das andere Blut

Deutsche Wertarbeit. Ein Mordfall wird ausermittelt, ein wenig Regionales sorgt für Atmosphäre, man hat private Probleme und sehr, sehr viele tiefe Gedanken. Das alles in einer Sprache, die auf merkwürdige Weise Marshall McLuhans legendäre Identifizierung des Mediums als Botschaft variiert. Die Botschaft: Kümmert euch nicht um das Medium, fragt euch einfach, wer der Täter ist, oder lasst es bleiben, ich sag es euch eh.

Weiterlesen

Ohne Worte

Eigentlich erzählt „Schrei nicht so laut“ von John Harvey eine Geschichte, wie man sie schon oft gelesen hat. Ein Polizist, der jetzt im Ruhestand vor sich hin lebt, schleppt einen Fall mit sich herum, den er zu seinen aktiven Zeiten nicht hat aufklären können. Ein Mädchen ist verschwunden und nicht mehr aufgetaucht, weder tot noch lebendig. Der Polizist rollt nun den Fall wieder auf.

Weiterlesen

Verschärfte Gedanken I

(Und wieder rotierts im Köpfchen. Form und Inhalt, das rechte Maß, die dicken und die dünnen Krimis. Verschärft Gedanken machen heißt die Nummer, ja, aber mehr als diese verschärften Gedanken kriege ich momentan nicht zustande. Ein paar besonders abwegige gibt es in nächster Zeit hier zu bestaunen. Der erste pöbelt gegen Pieke Biermann – die Strafe folgt auf dem Fuß.]

Weiterlesen

Wieder was gelernt

Und wieder geht eine gesicherte Wahrheit den Bach runter. Wer liest eigentlich Krimis? Bisher antwortete man ohne Zögern: Na, linke Vögel, sexuell frustrierte Hausfrauen, alkoholisierte Arbeitslose, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Angestellte des Öffentlichen Dienstes, durchgeknallte akademische Schreckensmänner, bei denen es für Kafka nicht gereicht und – „imbezile Couch-Potatoes!“, gröhlt vom Redaktionsdiwan der soeben vom „Raven“ eingetroffene, nun „outchillende“ Azubi Jochen. Jetzt aber muss auch die Geschichte der Krimilesersoziologie neu geschrieben werden, der „Westfälischen Rundschau“ sei Dank.

Weiterlesen