Preußenkrimis

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Knorrige Kerle waren sie allemal, die Preußenkönige, ob der „Soldatenkönig“ oder die Friedriche, von denen der zweite als „der Große“ geradezu identitätsstiftend für das Preußen- und spätere Deutschentum wirken musste. Sie bauten auf ihre „langen Kerls“, philosophierten mit Voltaire, kämpften gegen Schweden, Russen, Österreicher, schufen ein mächtiges Reich, in dem die Sonne trotzdem unterging und ein Zwielicht für Intrigen schuf, aus dem man, wäre es denn schon à la mode gewesen, die feinsten Krimis hätte backen können. Sollte nicht sein; aber die Nachfahren der Preußen sind umso rühriger und verplotten alles, was bei drei nicht im Dunkel der Geschichte verschwunden ist.

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Büttenrede 2007

Er war der Höhepunkt beim diesjährigen Event der Hinternet-Arbeitsgruppe „Saisonalbedingte Heiterkeit“. Der Auftritt von Herrn Diplompsychologen Florian Bricke-Doornkaat als „Krimiirrenarzt“ überzeugte durch subtile Diagnose und grobes Witzeplotting. Hätte man einem Akademiker gar nicht zugetraut! Wir wollen unseren Lesern diese Sternstunde deutscher Kriminalkomik nicht vorenthalten und drucken nachfolgend die Büttenrede Herrn Bricke-Doornkaats ab.

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Vorschau: historische Krimis

Historische Krimis? Das sind doch die Dinger, in denen bevorzugt Köche ermitteln und man neben „historischen Fakten“ auch noch „historische Rezepte“ hingeknallt bekommt. Alles „sauber recherchiert“, versteht sich, dabei ist man schon froh, dass der römische Gladiator oder napoleonische Soldat nicht dauernd auf die Armbanduhr schaut, die er leider beim Kostümwechsel abzulegen vergessen hat.

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Pieke randaliert

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Nein, man möchte wirklich nicht neben ihr auf der Tribüne stehen. Sie guckt einen von der Seite an. Fragt dann: „Sag mal, hörst du eigentlich meine Kriminalreportagen?“ Man murmelt: „Äh, ich hab doch nur so’n altes Kofferradio, da krieg ich nur Europawelle Saar rein“ – und zack, hat sie schon ausgeholt, einem den Siegelring auf die Backe gedrückt, auf der nun für alle Zeiten wie ein Brandzeichen steht: „RBBinfoRADIO 93,1“. Oder (sie hat nämlich zwei Ringe zur Auswahl): „Tagesspiegel“. „Am Sonnabend,17.Februar 2007“, sagt die Biermann dann lakonisch, „kannste meine neue Reportage ‚Vorbeugen statt keilen‘ um 11 Uhr 45 hören. Oder die Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45. Und im ‚Tagesspiegel‘ kannste sie lesen. Es geht natürlich um Fußball, aber das hast du dir schon gedacht.“ Dann sollte man beflissen nicken und fragen, worum es denn diesmal geht.

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Paul Freeman: Die Legenden von Ophir

Ein Krimi aus Zimbabwe – da assoziiert man unwillkürlich Blettenberg und Blaudez, also den Blick von außen auf einen turbulenten Kontinent, zumal auch der Autor von „Die Legenden von Ophir“, Paul Freemann, kein Einheimischer ist, sondern Engländer, der als Lehrer im Lande tätig gewesen war. Ein Krimi mit einer gehörigen Portion Erste-Welt-Kritik also, noch dazu aus einem Staat, der als Musterbeispiel für das Wüten eines autokratischen Herrschers gelten kann. Aber nein: „Die Legenden von Ophir“ entstand noch in der Zeit der demokratischen Hoffnung Mitte der neunziger Jahre und entwickelt sich rasch zu einem geradezu klassischen Whodunnit.

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Linksliberal

Man wäre ja schon gerne dabei, wenn es am 9. und 10. März 2007 in →Schloss Genshagen nahe Berlin wieder einmal heißt: „Krimis in Deutschland, Frankreich und Polen – Spiegelbild der Gesellschaft?“. Eins der Themen: „Die großen Geschichten der kleinen Leute. Wessen Geschichte erzählen Krimis?“ Darunter aber unvermittelt noch eine zweite Frage: „Die Leser von Krimis: das linke Bildungsbürgertum?“ Und gleich eine dritte: „Gibt es noch Krimis fürs ‚Volk'“? Ich gestehe, von Frage zu Frage verwirrter zu werden.

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Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (5)

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Fassen wir bündig zusammen. Von „literarischen Krimis“ spricht, wer Entwicklungen ignoriert, einen unvollständigen Literaturbegriff hat, keine große Faktenkenntnis oder sich darin gefällt, „Krimi“ und „Literatur“ gegeneinander auszuspielen. Was literarisch sein soll, möge sich gefälligst vom Genre entfernen. Vergessen wollen wir aber bei alledem nicht die Wohlmeinenden, denen es um das Ansehen des Kriminalromans zu tun ist, welches unter allen Umständen – und seien es solche fragwürdiger Herkunft – befördert werden soll.

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Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (4)

„Als er abends im Bett lag und versuchte einzuschlafen, dachte er, so ist das Leben, eine Unmenge von Rolltreppen, die niemals anhalten, und niemand weiß, von wo und von wem sie gesteuert werden, sicher ist nur, dass es ohne das geringste Mitgefühl, ohne Logik oder gar Absicht geschieht. Manchmal führen sie in die richtige Richtung und wir sind eine Zeit lang glücklich.“

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Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (3)

Die Literatur ist schon ein merkwürdiges Land mit noch merkwürdigeren Bewohnern. Sprache, so sagen wir, ist ein Werkzeug. In unserer Normalwelt ziehen wir mit dem Vorschlaghammer in den Steinbruch der Wirklichkeit und legen mit dem Skalpell das Innere der Menschen frei. Im Lande Literatur ist alles ganz anders. Dort kann man auch mit dem Vorschlaghammer auf die Psyche klopfen und mit dem Skalpell im Steinbruch arbeiten.

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A.a.O.

DIe Fortsetzung meiner Reise ins Herz der Finsternis gibts wohl erst morgen. Wer jetzt aber thematisch Blut geleckt hat, kann →hier weiterlesen, wie man den armen Reisenden, der sich so mühselig durch den Dschungel der Begrifflichkeiten machetet, auch noch auf Ab- und Umwege leiten will. Böser, böser JL! Aber das gehört zum literarischen Entdeckungsreisen, ohne das wärs ja keins, sondern ein Sonntagsspaziergang. Also: Danke, lieber, lieber JL!

Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (1)

Ganz oder gar nicht. Die Dinge sind nie „einfach“. Wohl könnte man das Phänomen der „literarischen Krimis“ als sprachliche Schuderei verdammen und sich nicht weiter darum kümmern. Spannender erscheint indes eine Expedition durch jenes wunderbare und geheimnisvolle Land der „literarischen Krimis“. Nun denn, ziehen wir den Tropenanzug an und setzen uns in Bewegung.

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Moral

Krimibloggen ist nichts für Klosterschüler. Man muss austeilen und einstecken können, der Kampf um Marktanteile ist, wie in jeder anderen boomenden Branche auch, hart und nicht selten an den Grenzen des Erlaubten. Schließlich geht es um Millionen, was kümmern uns da Menschlichkeit und Moral?

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Exkurs

„Literarische Krimis“ und kein Ende. Markiert der Deutsche Krimipreis 2007 tatsächlich einen Wendepunkt, wie es → Tobias Gohlis in der ZEIT vermutet, einen Paradigmenwechsel gar? Oder werden hier lediglich alte Vorurteile bestätigt und neue Moden kreiert, wie die →Reaktion auf Gohlis nahelegt? – Man kann darüber trefflich spekulieren, sollte aber vielleicht auch die Literaturgeschichte nicht geringschätzen, die einen ganz ähnlichen – und überraschenden – Fall von „Emanzipation eines Genres“ kennt.

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Pieke drängt sich vor

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Eigentlich sollte an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen werden, dass das →Krimijahrbuch 2007 immer noch zum Vorzugspreis von 16 Euro (statt später 20) hier geordert werden kann. Noch – aber nicht mehr lange. Doch da flattert, so ein Zufall, die neueste Ankündigung von Pieke Biermann – Schwerpunkt des KJB 2007 – in die Mailbox. MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT, die beliebte Serie im RBBinfoRADIO 93,1, wird am 3. Februar 2007 um 11:45 Uhr Isy Michelis, Augenzeugin eines Mordes porträtieren (Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45). Dies hier anzuzeigen, ist allemal wichtiger als so ein Krimijahrbuch mit 340 Seiten zu läppischen 16 Euronen.

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John Harvey: Schrei nicht so laut

Würde man den Inhalt von John Harveys neuem Roman „Schrei nicht so laut“ nacherzählen, um danach zu betonen, man halte das Buch für sehr gelungen, ja, originell – es gäbe wohl eine ganze Menge Unverständnis zu ernten. Gelungen, mag sein; aber „originell“? Das was man von der Handlung und ihrer dramaturgischen Gestaltung zu berichten gehabt hätte, wäre kaum über das Aufzählen von Genreüblichem hinaus gekommen. Selbst den Schluss hält nur für überraschend, wer noch nicht viele Krimis gelesen hat. Warum also ist „Schrei nicht so laut“ ein Buch, das die Kriminalliteratur bereichert?

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