Sandro Veronesi: XY

veronese.jpg In diesem Roman geht es um eine Frau, die nach 15 Jahren wieder Ski fahren möchte. Damit sie das am Ende auch tun kann, sterben elf Menschen eines gewaltsamen Todes. Eigentlich ist „XY“ wie der „Ulysses“ von James Joyce, nur andersrum. Im Mittelpunkt steht ein Rätsel, das nicht gelöst werden kann, weil es keines ist. „XY“ ist kein Krimi und auch nicht mehr als das, man lernt daraus aber, wie Krimi nicht funktioniert, wenn er funktioniert.

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Klüger werden!

kalender_ludger.jpgDieser nette →Herr hat schon einen. Wir versprechen natürlich nichts, von wegen „30% klüger in 10 Tagen“, aber wenn Sie mit dem „Mord(s)kalender 2012“ binnen 10 Tagen nicht mindestens 30% klüger werden sollten, würde uns das ganz schön enttäuschen. Deshalb verlosen wir hier ein Exemplar des „Mord(s)kalenders“ unter allen, die sich durch →knappe Willensbekundung für die Steigerung der eigenen Klugheit aussprechen. Ausgelost wird am Dienstag, eine/r wird gewinnen. Alle anderen können dieses nützlich Büchlein käuflich erwerben, →direkt beim Verlag, beim stationären oder ambulanten (Internet-) Händler.

Gut gemacht und gut gemeint

Die September-Ausgabe der Krimicouch ist online und darauf haben auch zwei Rezensionen aus der Feder des Bloggers ihren Platz gefunden. Das famose →„Müllers Morde“ von Monika Geier und das leider leicht an den Möglichkeiten vorbeigeschrammte →„Feindberührung“ von Gregor Weber. Natürlich wie immer höchst subjektive Einschätzungen des Kritikers, aber wir lernen: Lieber höchst subjektiv als objektiv höchst verlogen…

Wenn die Möbel gespart werden

filantropos_200.jpgDas Buch selbst liegt mir immer noch nicht vor, ich werde es wohl selbst bestellen müssen in Spanien, wenn ich mir endlich die Portokosten leisten kann. Immerhin gibt es jetzt →die erste Rezension von „Los Filantropos“, den deutschen „Menschenfreunden“ (bitte nach unten scrollen, die Seite ist ziemlich lang). Da meine Spanischkenntnisse noch miserabler sind als meine Portugiesischkenntnisse, habe ich mir die Rezension übersetzen lassen. Gleich von fünf verschiedenen Tools, die von „Google Übersetzer“ war die beste. Die beste? Nun, urteilen Sie selbst. Alles ist irgendwie relativ. Immerhin scheint festzustehen: Die Rezension ist positiv. Und nur darauf kommt es bekanntlich an. „Kurz gesagt, eine Polizei-Genres Roman, weit entfernt von jenen in Skandinavien“. Das freut mich. Und nun bitte lesen und staunen:

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Was ist Krimi? Ein Projekt

Seit 2005 bin ich ein Krimi-Afficionado, ein Spannungssuchti, der das Objekt seiner Begierde nicht aus der Hand legen kann, bis das letzte Detail geklärt, das furchtbarste Monster seiner gerechten Strafe zugeführt wurde und selbst der niedrigste Instinkt befriedigt schlummert. Das klingt nicht gut. Und überhaupt fühle ich mich am falschen Platz, so wie ein Liebhaber mongolischer Obertonmusik, dessen Faible für Volksmusik ihn in eine volkstümliche Veranstaltung verschlagen hat, in der blondierte, dickliche Jünglinge „Gell mei Schatzi“ singen und dirndlbewaffnete Jodlerinnen ihre Halsschmerzen ausleben. Der Krimi boomt? Nichts weniger. Man mag das, was uns da von den Bestsellerlisten herab angrinst, an einem menschenfreundlichen Tag Kunsthandwerk nennen, an einem normalen nennt man es nüchtern und treffend Bockmist, mit einigen vielsagenden Überschneidungen, aparten Missverständnissen und dem üblichen Posaunenschall des Marketings, das wohl, aber dennoch: Der Krimi als literarische Form blüht nach wie vor im Verborgenen.

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Es geht voran

Über das literarische Experiment sagte Hans Magnus Enzensberger einmal sinngemäß, es habe im Labor stattzufinden und nicht in aller Öffentlichkeit. Mit anderen Worten: Was den Lesern vor die Augen kommt, ist das Ergebnis von Experimenten, das Endprodukt einer Versuchsreihe, im besten Fall eine Novität, die ihre Marktnische sucht oder, weg von den Chiffren der Ökonomie, die optimale Verpackung für einen neuen Inhalt. So hält es die Literatur seit jeher, auch die Kriminalliteratur brachte solche neuen Inhalte und suchte ihre Formen, fand sie, stellte sie infrage, ließ sich von allgemeinen literarischen Weiterentwicklungen inspirieren – oder auch nicht.

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Ein Buch, eine Serie, der falsche Feuje-Ton und der ganze Rest

True Crime. Gibt’s das Ganze auch in False? Naja, müßige Frage. Wenigstens gibt es jetzt eine, ähm, True-Crime-Bibel auch auf Deutsch, „Homicide – ein Jahr auf mörderischen Straßen“ von David Simon. Simon? Klar, „The Wire“ und natürlich „Homicide“ selbst, die TV-Serie zum Buch. Lief auch in Deutschland, noch im vergangenen Jahrhundert bei VOX, zu einer Sendezeit, die man als „nachtschlafen“ bezeichnen kann, was die Dinge ziemlich genau trifft. Nacht im Gehirn, Schlaf in den trägen Gliedern, so kennen wir unser Ländchen, wenn es um das Besondere, das Andere, das Exzellente geht, da haben wir wenigstens das „Weltniveau“, das uns sonst fehlt.

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Reisevorbereitungen

So, noch sechs Wochen bis Frankfurt und zur Buchmesse. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit werde ich diesmal am Messe-Freitag anreisen, gegen 9 ankommen, gegen 11 einige Zeit am Stand des Conte Verlags verbringen, schließlich gibt es mit dem „Mord(s)kalender 2012“ dann etwas zu feiern und zu fördern. Wie immer freue ich mich auf Begegnungen mit KollegInnen, FreundInnen und Menschen, die mal einen leibhaftigen Krimikritiker sehen wollen, sei es am Conte-Stand oder sonstwo. Noch ist mein Terminkalender einigemaßen luftig, wer mich treffen möchte, melde sich bitte →per Mail.

Rainer Gross: Kettenacker

kettenacker.jpg Nach einem knappen Viertel von „Kettenacker“ tauchte ein schrecklicher Verdacht auf: Sollte Rainer Gross auf den Spuren von Friedrich Ani wandeln? Es hatte wie ein ordentlicher Krimi begonnen, mit einer Leiche also, genauer gesagt: den sterblichen Überresten eines vor knapp 80 Jahre ermordeten und verscharrten Kindes. Dann jedoch und immer dominierender kommt der liebe Gott ins Spiel und mit ihm die Moral und mit ihr all die Fragen, die man von Ani kennt, dieses Zweifeln und Verzweifeln, dieses Trauern und Wüten und Resignieren.

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Goethe hat Geburtstag und äußert sich zum Krimi

„Das größte Übel“, sagte der Titan und ließ seinen Kopf dabei pendeln, wie er es stets tat, wenn ihm das Leben gerade trostlos erschien, „sind ja nicht die schlechten Bücher. Es sind die schlechten Leser.“ Wir, die wir in den Genuss einer Audienz gekommen waren, nickten die bittere Erkenntnis ab. Nicht dass er uns da etwas Neues erzählte. Es aus seinem Munde zu vernehmen, war indes tröstlich, obwohl es doch unsere Vermutung zu einem Naturgesetz machte, zu einem Zustand jenseits des Feldes, auf dem wir selbst oder andere (was den Titan mit einbezog) hätten heilend wirken können. „Nehmen Sie nur einmal diesen —“ Er zögerte, suchte scheinbar den Namen in seinem Gedächtnis; wir wussten aber, es war eine seiner skurillen Eigenheiten, nichts sonst, er kannte den Namen ganz genau.“— diesen Hoffmann aus Berlin, diesen Kammergerichtsrat. Soeben hat man mir eine neue Arbeit von ihm gebracht, darin ein hübsches Kriminal um ein Fräulein von Scuderi.“

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Der Krimi boomt! Eine Analyse

Liebe Leserinnen, liebe Leser: Der Krimi boomt. Jetzt fällt Ihnen die Kinnlade auf die Brust, schon klar. Der Krimi? Ausgerechnet der Krimi? Ja, denn immer mehr Menschen müssen sich in Scheinwelten flüchten, weil die wirkliche Welt – die Eurokrise, die Libyenkrise, die Bayern-München-Krise – einfach nicht mehr auszuhalten ist. Aber warum der Krimi? Warum nicht der Arztroman?

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Das Kindheits-Vater-Muster. Eine Notiz

Irgendwie habe ich es dieses Jahr mit der neueren deutschen Kriminalliteratur. Und den Wiederveröffentlichungen, seien es freudig begrüßte Neuauflagen in Vergessenheit geratener Klassiker oder privat aus den Regalen gezogene, leicht angegilbte Taschenbücher. Gegenwart, Vergangenheit also – und ein Schuss Zukunft, wenn man über die Grenzen der Genres schaut, von der sogenannten „Hochliteratur“ zum sogenannten „Krimi“ zur sogenannten „Science Fiction“, dann sind die Grenzen plötzlich keine mehr und man weiß noch weniger, was das eigentlich ist, mit dem man sich seit Jahren beschäftigt. Gut so.

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Victor Koman: Der Jehova-Vertrag

koman_jehova.JPGKein Krimijahr ohne Wiederentdeckung. 2011 brachte die Rückkehr von David Osborns „Jagdzeit“ und „Flussfahrt“ von James Dickey, deren erneutes Auftauchen aus dem weitgehend dümpelnden Teich des Regionalserialkillercomedy-Chichi für Belebung sorgte. Dass beide Texte thematisch miteinander verwandt sind, ist zufällig. Hier wird eine existentielle Wurzel von Kriminalliteratur, das Archaische unter einer dünnen Membran namens Zivilisation, sehr beeindruckend hochgezüchtet. Einem nicht minder großen Thema widmet sich der Roman, dem man so bald wie möglich eine Wiederentdeckung hierzulande wünscht, Victor Komans „Der Jehova-Vertrag“.

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