Christina Aguilera: Stripped

„He loves every freckle, ever curve, every inch of my skin“, heißt es in „Loving Me 4 Me“. Ihr virtueller oder gar reeller Lover kann sich glücklich schätzen. Christina Aguilera steht in der Gunst der Pop-Sängerinnen eindeutig höher als ihre Erzrivalin Britney Spears, viele träumen wohl von Aguileras Inches. Während Britney zum Lustobjekt pädophiler Träume verkommen ist, hat Aguilera den Sprung in die Erwachsenenliga geschafft. Diese These mag nicht politisch korrekt sein, aber der Realität entsprechen.

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Bob Dylan: The Bootleg Series Vol. 5

Der nach wie vor untastbare Bob Dylan tourt wieder und wieder durch die Welt und wird dessen partout nicht müde. Augenzeugen berichteten, dass er auch im Jahr 2002 noch großartige und unvergessliche Konzerte gegeben hat. Das trifft auf frühere Jahre noch umso mehr zu, spricht aber auch dafür, dass Dylan im Laufe seiner Karriere ein gewisses (hohes) Maß an Qualität halten konnte. Um ihm dies zu bescheinigen, muss man kein Die Hard-Fan sein. Verwundert es einen noch, dass der deutsche „Rolling Stone“ sein junges Album „Time Out Of Mind“ zum besten Album aus den bisher hundert Ausgaben des deutschen Ablegers erkoren hat? Nicht wirklich. Zumal dem „Rolling Stone“ nach wie vor der Ruf anhaftet, ein Magazin für die ältere Garde unter den Popmusikliebhabern zu sein. Und eben diese spricht Dylan im großen Masse an.

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Tori Amos: Scarlet’s Walk

Trügt der Eindruck oder ist Tori Amos tatsächlich positiver Stimmung? Während ich ihrem letzten Album „Strange Little Girls“ eine „bedrückte, fast gruselige Stimmung“ attestieren musste, hat sich Amos für das neue Album anscheinend einiger negativer Emotionen entledigt. Die mögliche Schlussfolgerung, „Scarlet’s Walk“ sei ein optimistisches und frohlockendes Werk geworden, ist jedoch falsch. Auf dieses Glatteis hat sich Tori Amos nicht begeben. Sie ist stattdessen ihren Wurzeln näher gerückt, hat sich hinters Piano gesetzt und wurde von Musikern wie Jon Evans am Bass und Matt Chamberlain am Schlagzeug begleitet. Und John Philip Shenale war dabei, der mit Hilfe der Sinfonia Of London die Streicherarrangements in Szene gesetzt hat. Aufgenommen wurde in Amos Privatstudio im englischen Cornwall.

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Musikfernsehen in Deutschland

Dr. Matthias Kurp ist Medienforscher, Fachjournalist und Lehrbeauftragter an der Universität Münster. Claudia Hauschild arbeitet bei der Hamburger PR-Agentur MMK Markt- und Medienkommunikation. Klemens Wiese ist für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei Mute Records in Berlin zuständig. Alles Personen vom Fach, die es sich Aufgabe gemacht hatten, das deutsche Musikfernsehen unter die Lupe zu nehmen. Aus verschiedenen Blickwinkeln – politischer, soziologischer und medienökonomischer Natur – analysieren sie das Programm von Viva, kehren die Rollen des Global Players MTV heraus und versuchen sich an den Themen Kommerz, Politik sowie ganz allgemein an dem des kriselnden deutschen Musikmarktes.

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Dieter Bohlen – Nichts Als Die Wahrheit

Besser spät als nie… Dafür jedoch, hier und jetzt, die ultimative Lobhudelei über eines der lustigsten Bücher der letzten Jahre.

Wenn wirklich alles der Wahrheit entspricht, was Herr Bohlen in Kooperation mit der Bild-Klatschkolumnistin Katja Kessler niedergeschrieben hat, dann ist es im Rückspiegel betrachtet ein durchaus bewegtes und aufregendes wie amüsantes Leben, das der Modern Talking-Mann führt beziehungsweise bis zur Fertigstellung des Buches geführt hat. „Nichts Als Die Wahrheit“ erklärt dann auch, warum er ist wie er ist.

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Christian Gasser: Mein erster Sanyo

Heute versteht sich die Elektro-Firma Sanyo unter anderem auf das Bauen schicker und nobel gestalteter Miniatur-HiFi-Anlagen. Doch es soll eine Zeit gegeben haben, da gab es Kassetten-Recorder anstelle von Kassetten-Decks. Und die portablen Vorgängermodelle – später auch mit integriertem Radio – waren groß, unhandlich und schwer. Mit denen ohne Radio saß man dann am Sonntagnachmittag vor dem Radio und schnitt live ein paar seiner Lieblingsnummern aus dem Radio mit. Da durfte natürlich keiner dazwischen reden, hüsteln oder mit dem Geschirr klappern. Absolute Stille war befohlen. Das eingebaute, einen auf einen Zentimeter große Mikrofon wurde möglichst nahe an die Lautsprecher des Radios herangeführt. Die genaue Abstimmung zwischen Lautstärke des Radios und dem Abstand des Kassetten-Recorder zum Radio waren eine knifflige Angelegenheit. Kurzum: Genau in diese Phase der jugendlichen Tüftelei und der vielleicht ersten Entdeckung und Aufarbeitung der Popmusik geht das kurzweilige Buch von Christian Gasser zurück.

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Fatso Jetson: Cruel & Delicious

Auf dem Label von ex-Kyuss-Gitarrero Josh Homme erscheint das vierte Werk von Fasto Jetson. Wie Hommes aktuelle Band Queens Of The Stone Age verstehen es Fatso Jetson einen bunt gemischten Cocktail der Marke Stoner Rock’n’Roll zu reichen, der bei jedem Strohhalmzug anders mundet. Um es kurz zu machen: Wer ohne QOTSA und Masters Of Reality nicht leben kann, der braucht unbedingt auch diese Band zum Weiterleben.

(8 Fritten)

Fatso Jetson: Cruel & Delicious
(RekordsRekords/EFA)

Boards Of Canada: Twoism

Zum ersten Mal gibt es dieses famose Mini-Album der schottischen Elektro-Frickler auf CD. Bis dato nur für Vinyl-Junkies und spendable Sammler (da seinerzeit auf mickrige 100 Exemplare limitiert) zu erstehen, komplettiert diese 1995 auf Music70 erschienene EP die Diskographie. Elektro-Easy Listening vom Feinsten. Und einmal mehr ein Indiz für die Genialität des Duos.

(8 Fritten)

Boards Of Canada: Twoism
(Warp/Zomba)

Gaffers: Dear Hiwatt

Wer schräge Elektronik mag, der könnte sich jetzt angesprochen fühlen. Die Gaffers haben ihren Indierock mit reichlich wirren und schrägen Samples aufgemotzt, so dass von der Gitarre so gut wie nichts mehr zu hören ist – mit Ausnahme von „Most Welcome“. Manchmal entspannend, da psychedelisch; meistens anstrengend nachzuvollziehen. Der Gack: Das eigenwillige Cat Stevens-Cover „Sad Lisa“.

(6 Fritten)

Gaffers: Dear Hiwatt
9:PM Records/Indigo

NME Presents 1Love

Pop und Politik gehörten enger zusammen als sich das manch ein Künstler wünscht. Das britische Wochenblatt NME, auch Pop-Bibel genannt und von vielen als Hype-Gazette verschrien, aber von allen jede Woche gelesen, hat etwas gegen Krieg. Um genauer zu sein: Sie sind gegen Gewalt, Brutalität und Zerstörung. In den Londoner Büros ist man sich der Tatsache bewusst, die Welt nicht vom täglichen Horror in Krisengebieten befreien zu können. Doch man kann dafür Sorge tragen, dass die Missstände nicht als Randnotiz wahrgenommen werden, sondern den Menschen etwas länger im Gedächtnis bleiben. Aus diesem Grunde hat man diesen Sampler zusammengestellt, dessen Verkaufserlöse der Organisation „War Child“ gespendet werden.

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Moguai: Headliners: The New Generation

Moguai – bitte nicht verwechseln mit der schottischen Indierock-Band Mogwai – hat sich seit seinem ersten öffentlichen Auftritten Anfang der Neunziger zu einem der begehrtesten europäischen Dance-DJs gemausert. Die Berliner Dependance des britischen Dance-Labels Ministry Of Sound gab Moguai endlich die längst überfällige Gelegenheit, einen exklusiven DJ-Set für eine Doppel-CD zusammenzustellen.

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Today Is The Day: Sadness Will Prevail

Eine ganz persönliche Nachricht an Herrn Steve Austin, den Kopf von Today Is The Day:

„Herr Austin, ich war lange ein großer Fan ihrer Band, die sich stets darauf verstand, Musik fernab des Massenstroms zu produzieren. Selbst ihre letzten, durchaus schwierigen Veröffentlichungen konnte ich mit Genuss hören. Doch mit dieser Doppel-CD haben sie selbst meinen weiten Horizont überschritten. Sie überfordern mich mit – verzeihen Sie es mir den Ausdruck – kranken Soundcollagen, die ich keineswegs nachvollziehen kann.“

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JJ72: I To Sky

Man könnte fast annehmen, Queen hätten einen Track auf die neue Scheibe von JJ 72 geschmuggelt. Ich spreche vom Opener „Nameless“. Schöne Pianoakkorde, zu denen die knabenhafte und alles durchdringende, das Glas zum Bersten bringende Stimme von Mark Greaney ertönt. Schöner Beginn des Nachfolgers eines völlig unterschätzten und hier auf dem Festland verschmähten Debüts.

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Guitar: Sunkissed

Electronic Beats mit Gitarrenflächen der cinemascopischen Art angereichert. Da sitzt man zwischen einigen Stühlen, die da hießen. Obendrein exotischer Gesang aus fernen Landen von Ayako Akashiba. Mal schreddern die Gitarren verzerrt und verechot über dem trance-mäßigen Beat-Gerüst, mal treten sie völlig in den Hintergrund und lassen dem süßlichen Reverse-Pop den Vorrang.

(7 Fritten)

Guitar: Sunkissed
(Morr Music/Hausmusik)

Add N To (X): Loud Like Nature

Ohne lang um den heißen Brei zu reden: „Loud Like Nature“ ist in wenig enttäuschend. Da fehlt ein Hit wie „Plug Me In“ – ganz zu schweigen von der Pornoversion des dazugehörigen Videos. Das Album wirkt überhastet zusammengeklaubt. Einige Ideen wurden ohne einem roten Faden miteinander verknüpft. Alles in allem klingt es zu pseudo-trashig, wobei aber nicht alles an „Loud Like Nature“ schlecht ist.

(4 Fritten)

Add N To (X): Loud Like Nature
(Mute/Virgin)

Electricity 2002

Das kleinste Bundesland ist außerhalb seiner Landesgrenzen nicht bekannt dafür, eine nennenswerte Elektro-Szene sein Eigen nennen zu dürfen. Elektronische Musik ist nicht das Steckenpferd der Saarländer. Um so erstaunlicher war es als die Landesregierung vor einigen Monaten mitteilte, sie wolle in der Landeshauptstadt ein Festival für elektronische Musik organisieren. Mit internationalem Flair und großen Einzugsbereich versteht sich.

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