Tori Amos: Strange Little Girls


„Strange Little Girls“ist kein Märchenalbum, das Sagen über seltsame, kleine Mädchen verbreitet. Ebenso wenig ist es ein gewöhnliches Studioalbum einer Frau, die über Jahre hinweg mit ihrer Musik nicht nur Männerherzen verzaubert hat. Die rothaarige Sängerin Tori Amos hat sich ein neues Konzept zurechtgelegt, um den Tour-Studioalbum-Tour-Zirkel aufzulockern: Man nehme Songs männlicher Künstler und packt diese auf eine Platte.

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Interview: Princess Superstar

Sexgeile Feministin

Princess Superstar kämpft für die Rechte der Frauen und setzt dazu gerne und oft ihre üppige Oberweite ein. Irgendwie muss man ja Aufmerksamkeit erregen.

Erst einmal eine kurze Einleitung, was euch auf „Princess Superstar Is“ (Rapster/Zomba) erwartet: Die liebe Princess Superstar ist ein Biest – Feministin, Reimmeisterin und Sexbesessene in Personalunion. Sie ist eine heißblütige Vertreterin einer neuen Girlpower-Bewegung. Einem Movement, das selbstbewusst und bestimmt auftritt. Dazu zählen unabhängige Frauen, die sich selbst um ihre Sachen kümmern, die genug Kraft haben und sich nicht unterbuttern lassen. Ein eigenes Label, vier Soloalben und ein sicheres Auftreten gehören in den Augen der New Yorkerin ebenso dazu. Nichts ist ihr heiliger als die eigene Unabhängigkeit. Die kann ihr kein Major der Welt bieten. Wenn während einer ihrer Auftritte plötzlich ein Zuschauer auf die Bühne klettert, ihr seine Aufwartung macht und ihr den Bauch küsst, findet sie das amüsant, schmeichelhaft und insbesondere sexy. Letztgenanntes Attribut passt auf ihre Texte und Songs gleichermaßen. Sie zollt dem Old School-HipHop Tribut und würzt ihre (schlüpfrigen) Reime mit viel Witz und Ironie. Was nicht heißen soll, sie würde sich nicht über die Rolle der Frauen im HipHop, also die der dekorativen Sexpüppchen in den Videoclips, echauffieren. Das macht sie zu Schwestern im Geiste mit Bahamadia und Beth Orton, die auf diesem grandiosen Album mitgewirkt haben.

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Eels: Souljacker

Soll ich all den vielen Fans des Scientologen Beck mal auf die Füße treten? „Souljacker“ ist besser als das, was Beck zuletzt zustande gebracht. Es geht in die selbe Richtung, nur weiter, nur schöner, nur großartiger, nur atypischer. Schön, dass es solche Alben gibt, die einer Berg- und Talfahrt der Gefühle durch das Land der gekreuzten Genres ähneln. Wer auf dieser Platte nicht mindestens zwei oder drei Stücke findet, denen er sich bedingungslos und mit Freude hingeben kann, der hat keine Ahnung von Musik. Arroganz galore!

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Biohazard: Uncivilization

Ein Wunder, dass es Biohazard noch immer gibt und sie noch nicht den Kopf in den Sand gesteckt haben. „Uncivilization“ ist ein knallharter, tonnenschwerer Nu Metal/Hardcore-Brocken, auf dem die New Yorker keine Kompromisse eingehen. Mit Unterstützung von Phil Anselmo, Pete Steele, Sen Dog, Hatebreed und anderen Supportern im Rücken werden sie ihrem Tough Guy-Image gerecht.

(6 Fritten)

Biohazard: Uncivilization
(Steamhammer/SPV)

Sally Oldfield: Flaming Star

Sieben neue Songs und eine überarbeitete und längere Version von „Mirrors“ (aus dem Jahre 1980) hat Sally Oldfield auf „Flaming Star“ anzubieten. Die Kompositionen stehen ganz im Zeichen ihres „spirituellen Wachstums“, d.h. sie klingen esoterisch und weltmusikalisch. Mit der Zeit aber auch unheimlich langweilig und banal.

(2 Fritten)

Sally Oldfield: Flaming Star
(New World Music/Indigo)

Her Space Holiday: Ambidextrous

Sie verstehen ihr Handwerk und verleihen auf dieser Remixscheibe den Originalen von Ruby, Elastica, Bright Eyes, Brave Captain und sich selbst einen eigenen Touch. Dieser rekrutiert sich aus Elektro, Postrock und drüber gespielten Klassikinstrumenten (Glockenspiel, Streicher, Klarinette und Harfe). Überaus angenehm und sehr anders; nicht zu vergessen: abwechslungsreich.

(8 Fritten)

Her Space Holiday: Ambidextrous
(Clearspot/EFA)

Röyksopp: Melody A.M.

Zu dem unaussprechlichen Bandnamen gesellen sich die ebenso exotischen Namen der Protagonisten: Torbjorn Brundtland und Svein Berge. Beide kommen aus (Achtung!) Tromsö. Ist das nicht süß? Okay, dann eben nicht. Sie selbst würden, müssten sie denn eine gute Umschreibung ihrer Musik finden, sagen: „Eine Kombination der Harmonien von Filmmusik, klassischen Komponisten wie Erik Satie und den Melodien von (Kunstpornofilmproduzent) Francis Lai in Verbindung mit der analogen Wärme der Siebziger und der fatness of the eighties over a thorough beat programming“. Wow! Ich bin beeindruckt und applaudiere ob der treffenden Definition.

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Good Times 2

In Anbetracht der jüngsten weltpolitischen Entwicklungen traue ich mich kaum, es in den Mund zu nehmen. Aber diese Platte ist der Stimmungsmacher überhaupt. Man sagt ja überall, dass das Leben weitergehen muss. Irgendwie halt. Selbst wenn es unglaublich schwer fällt. Mit „Good Times 2“ fällt es zumindest mir etwas leichter, auf andere Gedanken zu kommen und die Bilder des Terrors aus dem Kopf zu jagen.

Joey und Norman Jay heißen die beiden tollkühnen Discjockeys, die mit diesem Sampler wieder mein Herz zum Tanzen gebracht haben und mich aus der Beklommenheit und Lethargie gerissen haben. Wenn ihr schon immer eine Doppel-CD mit absoluten Partytunes haben wolltet, das vom guten alten Soul und Funk regiert wird, dann kommt ihr an dieser Compilation nie und nimmer vorbei. Hier steppt der Bär. Ich bin zu diesen Klängen selbst schon durch die Wohnung getanzt. Das will was heißen. Wir sollten den Gebrüder Jay dankbar sein, dass sie sich die Mühe gemacht, zwei CDs bzw. vier Vinylscheiben voll großartiger Stimmungsmacher zusammenzustellen. Und nicht wundern, wenn Funk und Soul Hand in Hand mit dem ein oder anderen Stück Reggae, HipHop, House oder Dance gehen.

Eins bleibt allen Tracks auf „Good Times 2“ gleich: Sie knallen, packen dich und reißen dich binnen Sekunden mit. Das liegt an deren vollkommen positiver Ausstrahlung.

Sampler
Good Times 2
(Nuphonic/Zomba)

Firebird: Deluxe

Bill Steer (ex-Napalm Death/Carcass), Ludwig Witt (Spiritual Beggars) und Leo Smee (Cathedral) sind weiterhin auf dem 70er Rock-Trip. Firebird geben sich auf ihrem zweiten Album erneut gerne der Nostalgie hin. Im Ansatz gut, in der Vollendung etwas zu schwach, da es zuhauf Stadtfest-Kapellen gibt, die das ebenso gut hinkriegen.

(6 Fritten)

Firebird: Deluxe
(Music For Nations/Zomba)

Crass: You’ll Ruin It For Everyone

Im Frühling 1981 stand Großbritannien in Flammen. In Großstädten wie London, Birmingham, Liverpool, Manchester und Bristol flogen Molotowcocktails, wurden Autos umgestürzt und in Flammen gesetzt. Ein heute nicht mehr ganz fremdes Bild und Begleiterscheinung fast jeden Treffens internationaler Politprominenz im großen Rahmen. Seinerzeit waren diese Dinge noch ungewohnter und brachte die Polizei auf den Plan, die sofort ein Eilgesetz erließ, dass sich nicht mehr als drei Personen versammeln durften.

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The Bigger Lovers: How I Learned To Stop Worrying

Je größer, desto besser? Hm, weiß nich‘. Aber wie man lernt, sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, das lasse ich mir von The Bigger Lovers gerne verraten. Viel sagen müssen Bret Tobias (Gesang, Gitarre, Keyboards), Scott Jefferson (Bass, Gesang, Keyboards), Ed Hogarty (Gitarre, Gesang) und Patrick Berkery (Schlagzeug) gar nicht, um in mir eine gewisse Sorgenleere zu erzeugen.

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Brothers Keepers: Adriano (Letzte Warnung)

Lassen wir uns einmal ehrlich sein: „Adriano (Letzte Warnung)“ ist der wohl beste und wichtigste Song, den HipHop-Deutschland seit vielen Jahren zustande gebracht hat. Hier stimmt alles: das Konzept, die beteiligten Interpreten aus den Bereichen HipHop, Soul und Reggae, der Song von DJ Desue, der Inhalt, das Video von Dani Levy und der gute Zweck, dem der Verkauf der Single zugute kommt – nämlich den Hinterbliebenen der Opfer von Skinhead-Attacken. Es ist wichtiger, dass auch „Underground“-Künstler dem braunen Mob den Kampf ansagen und nicht nur die alten Großen wie Maffay oder Lindenberg. Denen hört eh keiner mehr zu. Erst recht keine Kids mehr.

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Mina: A To B

Lassen wir den Hype der Briten und einiger Deutscher einfach mal beiseite und beschäftigen uns mit den nackten Tatsachen. Mina sind vier Menschen aus der Mitte Deutschlands, sprich dem politischen und angeblich popkulturellen Herzen der Nation: Berlin. Mina wollen nur von A nach B kommen, nicht sich gleich durch das ganze Alphabet kämpfen und bis zu Z vordringen. Kleine Brötchen also. Was nicht heißen soll, die kleinen würden nicht ebenso gut schmecken wie die großen. Von wegen.

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