Das Weeth Experience: Aural scenic drive

Läßt sich Trip Hop auch auf Gitarren spielen? Ja! Fragt „Das Weeth Experience“. Die machen´s euch vor. Spielen herrlich melancholischen Americana-Rock im Zeitlupen-Tempo, verlieren sich in endlosen Feedback-Schleifen, brechen mittendrin ab, fangen wieder an, lassen ihre Verzerrer krachen, die Stromgitarren heulen und geben der Lead-Klampfe für ein Solo „frei“. Pedal Steel Guitar und Vibraphon sind auch dabei. Manchmal zumindest. Kritiker schrieben einst: „Als wolle Neil Young Tortoise remixen“. Und das triffts.

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Kloster, Kölsch und Kaffee

Ein Gespräch mit Nick Laird-Clowes alias Trashmonk

Laird Clowes war in den 80ern Chef der Dream Academy, als Teenie – nachdem er mit 13 von zu Hause auriß, um zum Isle of Wight Festival zu kommen – Dauergast bei John Lennon (in dessen Haus er seinen ersten Sex hatte), später Mitbewohner von Paul Simon, Backing Vocals auf dem letzten T. Rex-Album, Mitarbeit an Pink Floyds „Division Bell“, von Brian Wilson als Genie bezeichnet und und und…

Nach neun Jahren meldet sich der Engländer jetzt mit eigenem Album zurück („Mona Lisa Overdrive„), das zurückhaltend und leicht verschroben klingt, wunderschöne lyrische Folksongs und beatle-esque Ethno-Elektronik-Fusion enthält und den gesammelten Weltreisen des Typs Rechnung trägt. Es ist sein erster Deutschlandbesuch, aber die Basics hat er schon drauf: „Ein Kolsch bitte“. Etwas sei noch vorausgeschickt: „amazing“ ist eines seiner Lieblingworte: amazing, isn´t it? It is.

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Console: 14 Zero Zero

80er-Jahre Synthie-Pop mit altmodischem Casio-Rhythmus und futuristischer Computer-Stimme, das ist die Basis von „14 Zero Zero“. Martin Gretschmann, der Sound-o-nat von The Notwist und der Mann hinter „Console“, ist allerdings kein Fast-Food-Stümper, sondern ein Tüftler vor dem Herrn, und so hat er einen netten kleinen, verschachtelten und mit allerlei Geräusch-Mätzchen gespickten Elektronik-Ohrwurm zusammengefriemelt, der sich fröhlich und luftig durch seine 3´45 min swingt!

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Badly Drawn Boy: Once around the block

„Future Folk“ nennt die Plattenfirma das, was Badly Drawn Boy macht. Odyssee of the space farmer! Tatsache ist: der Einmann-Betrieb (Damon Gough) liefert wieder drei fröhliche Low-Fi-Kunstwerke ab. Und wenn man mag, kann man diesen Schrammel-Pop als „Folk“ bezeichnen.

„Once around the block“ ist clever gemachter Swing mit einem Hauch von Sixties. Der Anfang klingt ein bißchen wie das Intro von „Tanze Samba mit mir“. Dazu ein wenig Wah-Wah in der Gitarre, daß sie gerade so schmatzt. Obendrüber sprödes, aber munteres Sing-a-Long, denn Badly Drawn Boy will nie wirklich virtuos oder „schön“ klingen – tut es aber doch. Ätsch! Ein cool gezupfter Bass und kleine Vibra-Tupfer sorgen für den letzten Schliff.

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Radiotron: Dangerous Love Songs

Nikolai Tomás (Ex-Poems fo Laila) ist wieder da, und die 80er-Jahre hat er auch im Gepäck, allerdings geschickt verknüpft mit hochaktuellen Milleniums-Moden. Also der Reihe nach: Tomás ist Poet geblieben, Chansonnier, um genau zu sein. Jetzt aber nicht mehr mit Gitarren und Folklore, sondern als Synthie-Popper. Der Synthie-Pop der 90er heißt „Elektronik“, wenn´s edel gemacht ist, auch „Club-Music“. Alles drei verbindet Tomás sehr geschickt.

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Trashmonk: Mona Lisa Overdrive

Hui, welch Namedropping: Trashmonk alias Nick Laird-Clowes sang die Backing Vocals auf dem letzten T-Rex-Album, lebte mit Paul Simon zusammen, der ihn das Songschreiben lehrte, er verlor seine Jungfräulichkeit im Haus von John Lennon (mit ungefähr 14…), Brian Wilson nannte ihn ein Genie (!), und außerdem wirkte er an Pink Floyds „Division Bell“ mit. Naja, Letzteres sollte man besser nicht so laut sagen, ich erinnere mich noch gut an das enttäuschte Gesicht meines kleinen Bruders, als er sie unaufgefordert zum Geburtstag geschenkt bekam, und ich konnte ihn weiß Gott verstehen.

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Oleg Kostrow: The great flashing tracks from Iwona

Vielleicht erinnert sich noch jemand: im März erschien „Storage Kompilation“, ein Rundumschlag bizarrer Elektonik-Avantgarde-Sounds der Acts, die Storage derzeit vertreibt. Nach Auslegen des Köders folgt nun der Offenbarung zweiter Teil, nämlich eine Serie namens „Storage Secret Sounds“: komplette Alben der Kompilation-Künstler. Den Anfang macht der Petersburger Oleg Kostrow mit seinen „Great flashing tracks from Iwona“.

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Ray Wylie Hubbard: Crusades of the restless knights

Also, die Plattenfirma nennt Ray Wylie Hubbard – mit Blick auf seine verschlissenen Jeans und den „scruffy“ Bart – einen Dante Alighieri, verkleidet als Willie Nelson, wenn der seine musikalische Höllen-Tour veranstaltet. Nun, ich bin nicht gebildet genug, Dante Alighierie zu kennen, aber vielleicht hilft´s Euch ja weiter.

Tja, wenn einer schon Ray Wylie Hubbard heißt, dann riecht es zehn Meter gegen den Wind nach rotem Sand und Southern Temperament – und richtig, Hubbard stammt aus Dallas und ist der Texas-Szene treu geblieben – bis heute.

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Orchestre National de Barbès: Poulina

Ich kann mir den kompletten Namen nicht merken, aber in Paris gibt es eine Métro-Station, die das Wort „Barbès“ im Titel trägt, und aus einen Pariser Viertel mit maghrebinischen Einanderern kommt auch das „Orchestre National de Barbès“. Es zeugt von Selbstbewußtsein und Humor, wenn sich ein Konglomerat von 12 Mann nordafrikanischer Abstammung (Marokkaner, Algerier etc.) „Nationalorchester“ nennt, und das ist schonmal eine prima Visitenkarte!

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VA: Ska!faced. Allsorts & Allstars Vol. 1

Für die einen ist Ska nur schneller Reggae, auf den sich gut Pogo tanzen läßt, oder eine Musikrichtung mit Schachbrett-Logo, für die anderen ist Ska eine Philosophie. Gehört wird er von einer kleinen eingeschworenen Gemeinde, denn Ska ist zwar meist eingängig, flott und kurzweilig – in meinen Augen hat er eine ganz eigene Komik, vielleich durch das hektische Staccato-Spiel – aber infolge des penetranten Off-Beats eben auch etwas monoton.

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Scritti Politti: Anomie & Bonhomie

Menschen, deren Ohren in den 80ern schon richtig verwöhnt wurden, jauchzen laut auf bei der Nachricht: „Neues Album von Scritti Politti“! Immerhin war die englische Band um Green Garthside bekannt für exquisiten Pop mit intelligenten, gar intellektuellen Texten – eben das, was man gern „sophisticated“ nennt, besonders wenn es sich, wie schon der Bandname (ein Gramsci-Text) andeutet, um politisch linksorientierte Akteure handelt.

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Tocotronic: K.O.O.K.

Tocotronic – K.O.O.K. Es gibt zwei Dinge, die darüber hinweg täuschen könnten, wie genial Tocotronic in Wirklichkeit sind: ihr monotoner, gelangweilter Gesang und die brachialen, etwas statischen Gitarren-Riffs. Doch unter der spröden, minimalistischen Oberfläche lodert und brodelt es, denn niemand kann es auf so viele unterschiedlichen Weisen schrammeln und krachen lassen, wie das Trio aus Hamburg!

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T.One: Somewhere out there

Hallo, wollt Ihr mir beim Packen zusehen?! Bin gleich weg, bevor dieser Scheiß hier die Charts stürmt… Wird er? Hhm, mal sehen, ist immerhin ein Anhängsel des neuen Star Wars-Blockbusters, und der dürfte so ziemlich jeden Dreck in Gold verwandeln. Hoffentlich ist der Streifen nicht so blöd wie dieses Lied. Mr. John Williams – so schon tot – dreht sich im Grab um, so schwuchtelig-schwülstig wird hier sein Original-Thema durch den Pop-Fleischwolf gedreht.

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