Der Mondmann auf dem Cover mit dem Goldfischglas auf dem Kopf verrät es schon: es soll recht spacig werden, aber die Füße stecken in normalen Halbschühchen, nicht in Moonboots – es sind also keineswegs nur Plastiktasten-Instrumente mit Knöpfen und Reglern zugelassen, sondern auch verdammt irdische E-Gitarren!
WeiterlesenAutor: Katja Preissner
Marianne Faithfull: Vagabond ways
Neues von La Faithfull, die zuletzt einen Gast-Auftritt auf Metallicas „Re-Load“ hatte und mit Alex James von Blur zusammenarbeitete. Woran man unschwer erkennt: die Frau ist ein Klassiker, eine Ikone – und schließlich seit 30 Jahren im Geschäft!
Auch wenn sie nicht wirklich singen kann, auch wenn sie immer noch nur in Balladen macht, auch wenn sie einst als Geliebte so ziemlich aller Ur-Stones bekannt wurde und sich danach vornehmlich durch Abtreibungen, Drogenexzesse und Selbstmordversuche hangelte – nein, stimmt nicht, die Frau hat daneben noch einen Sohn großgezogen und schlicht überlebt!
WeiterlesenSkinny: Friday
Also, wenn diese Band mal nicht die große Feierabend-Offensive eröffnet: die Single-Auskopplung des Duos heißt „Friday“, und der komplette Longplay gar „Weekend“! Und in der Tat, ein Hauch von Saturday Night Fever weht durch Skinnys Take, der in fünf verschiedenen Versionen auf der Scheibe vertreten ist, darunter ein Mix des Big Beat-Meisters Norman Cook.
WeiterlesenLee Hazlewood: Farmisht, Flatulence, Origami
Vergessen wir mal George Gershwin und Cole Porter und setzen die Zeitenwende so vor fünfzig Jahren an, dann ist Lee Hazlewood sowas wie der Bach (Johann Sebastian) unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts – nämlich ein ganz, ganz Großer, lange vor Piffern wie Mozart oder Beethoven, und auch wenn ihr Ruhm den seinigen überstrahlen mag: er war vorher, und er war größer!
WeiterlesenYazoo: Upstairs At Eric’s
Das schönste Rätsel des Pop
Bis heute haben Yazoo einen riesigen Stammplatz in meinem Fan-Herzen inklusive Altar und Kerzen, aber ich rätsel bis heute, ob sie einfach nur die „perfekte Band“ waren oder eher ein Anti-Phänomen des Pop, das tolle Musik gemacht hat?!
WeiterlesenTroy Young Campbell: Man vs. Beast

Ich sag´s zum tausendsten Mal: Blue Rose ist immer eine klasse Adresse für klasse Musik, in der Regel akustischer Roots Rock vom Feinsten! Da paßt Troy Young Cambell hervorragend rein: ein texanisches Pfannkuchengesicht mit leiser Stimme und hauptberuflich Gitarrist und Sänger der „Loose Diamonds“. „Man vs. Beast“ ist sein erstes Solo-Album und durchweg in moderatem Tempo gehalten, aber nicht aufdringlich balladig, sondern im unschmalzigen Gänsehaut-Sound aus Folk, Blues, Rock, Country und hoher Songwriter-Kunst. Gern auch mal mit Hammond, Piano und Cello, aber niemals überladen.
WeiterlesenThe Candyskins: Feed it
The Candyskins gehören zu der Sorte von Britpoppern, die´s krachen lassen. „Feed it“ ist ein wuchtiger Ohrwurm mit lassigem Geschrammel, brachialen Stromgitarren und coolem Gesang. Noisiger Charme und rüpelhafte Arroganz – bei strikter Mainstreamtauglichkeit.
WeiterlesenClinic: Three EPs
Endlich wieder eine Band, die den Mut und die Inspiration hat, zu spinnen! Der Bandname muß ja irgendwo seine Berechtigung haben… Das Info spricht von giftigen Grooves und Killer-Harmonien, Großstadtparanoia, Nonsense und Chaos. Ich wollte schon schreiben, „in die Charts kommt man so vielleicht nicht, aber an eine eingeschworene Fan-Gemeinde lebenslang“, doch siehe: das Liverpooler Quartett gelangte schon unter die Top 30 der NME Singles of the week! Qualität setzt sich also doch durch?!
WeiterlesenVelocette: Bitterscene
„Mocca-Sahne“ würd ich sagen. Süß, aber nicht zu süß. Velocette kommen aus London, bestehen im harten Kern aus vier Mitgliedern, spielen wunderschönen, eingängigen Gitarren-Folk-Pop und baden wie immer in schwelgerischer Romantik. Mit Sarah Bleach haben sie ein glockenhelles Zuckerstück am Mikro, dazu die obligatorischen Streicher im Hintergrund und – ja, diese schrammeligen Riffs, denn Velocette-Songs sind keine Kaffeestückchen, sondern zartbittere Desserts mit melancholischem Nachgeschmack.
WeiterlesenCalvin Russell – Sam
Wer wissen will, wie sich schmieriger Rythm´n´Blues mit unterschwelligen Rock´n´Roll-Anklängen anhört, der sollte schleunigst Calvin Russell in den Player schieben. Aber was heißt hier „unterschwellig“ – das Rock´n´Roll-Element ist so subtil eingeschoben – wenn der Texaner sein Album nicht in Memphis eingespielt hätte und sich der Geschichtsträchtigkeit des Ortes vermutlich nur allzu bewußt war, würde ich sagen, „Sam“ ist schon ein Fall für Freud! Aber der Text von „Wild wild West“ belehrt mich eines besseren: Russell weiß sehr genau, wes Geistes Kind er ist:
WeiterlesenKnorkator: Hasenchartbreaker

Dies ist keine Rezension, sondern eine Warnung. Knorkator ist ein Trio, dessen Mitglieder sich Alf Ator, Stumpen und Buzz Dee nennen. Und schon der Titel der CD deutet an: hier versucht jemand witzig zu sein. Krampfige Wortspiele, Analvokabular im Überfluß (gähn), Mähdrescher-Gitarren wie von der Schablone gezeichnet und Klavier-Balladen aus dem Idioten-Computer wahlweise zu Gebrüll oder Kastraten-Geheul.
WeiterlesenCatatonia: Equally Cursed and blessed
Hurra! Catatonia sind wieder da! Dieses walisische Quintett mit dem weiblichen Vocal-Faktotum namens Cerys Matthews – nee, im Ernst: die Frau gehört zum Aufregendsten und Unvergleichlichsten, was die Rockwelt derzeit zu bieten hat! Kratzig und blechern die Stimme, hört sich nicht wirklich gesund an, ist aber eine ganze Welt für sich!
„Equally cursed and blessed“ ist das dritte Album der Band, die letztes Jahr mit dem exqisiten Vorgänger „International Velvet“ den Durchbruch schaffte, vielleicht erinnern sich manche noch an die Single „Mulder and Scully“…
WeiterlesenNightmares On Wax: Car boot soul
„Car boot soul“ ist im Grunde ein Instrumental-Werk, und der musikalische Navigationsdienst ortet die Scheibe irgendwo zwischen Trip Hop und Funk-Jazz. Synthetik mit nervösen Rhythmen zu coolem Gewaber in gemäßigtem Tempo: für meinen Geschmack leider etwas uninspiriert, denn zum einen fehlen packende Melodien – ach was, hier fehlen Melodien schlechthin, wahrscheinlich lenken die beim Chill Out zu sehr ab. Aber so nudelt das Teil halt fade vor sich hin…
WeiterlesenThe Rotosonics: P. M. Undercover
Der Terminus „Band“ ist hier fehl am Platz: „The Rotosonics“ sind eine „Kapelle“! So anglophil und technisch ihr Name auch anmutet, so altmodisch ist doch ihr Retro-Sound: historisch zwischen 50s und 60s angesiedelt und strikt instrumental! Im Vordergrund stehen dabei elektronische Tasten-Geräte, allerdings weniger moderne Synthie-Klänge, auch nicht space-ige Moogs, sondern flächige Orgel-Harmonien, jedoch wiederum nicht ganz so plüschig wie eine echte Hammond. Schade! Für den optimistischen Easy Listening-Touch reicht´s trotzdem, und klassische Tanz-Rhythmen sorgen für nostalgisches Ach-Damals…-Flair. Der Baß arbeitet konservativ an der Basis, und die Gitarre macht sich gern den Hall-Effekt der Surfer zunutze.
WeiterlesenThe Soundtrack of our lives: Instant Repeater ´99″
Weiß der Himmel, warum sich die renommierte Musik-Journaille zu schade ist, „The Soundtrack of our lives“ eines Rezensenten-Blicks zu würdigen! Geht das schmale Schweden-Budget schon für die Kenntnisnahme der Roxette-Reunion drauf? Oder liegt es daran, daß die sechs Skandinavier mit längst erprobten, nichtsdestotrotz probaten Zutaten und verdächtigem Stampf-Rhythmus für Laune sorgen? Zuviel 80er-Simplizität? Who cares?!
WeiterlesenSubway to Sally: Henkersbraut
Hilfe, hilfe, hilfe! Ougenweide trifft Rammstein! Hatten wir das nicht schon? Bands, die beim geringsten Zucken der Mundwinkel auf die Streckbank müssen, mit grimmigem Blick vom Cover starren, erbarmungslose Texte über infantile Folter-Phantasien schreiben und ihre Gitarren mit Brechstangen bearbeiten?! Ja, aber vielleicht noch nicht ganz so schlecht wie von „Subway to Sally“.
WeiterlesenFaithless ft. Sabrina Setlur: Bring my familiy back
Die Kombination von Faithless und Sabrina Setlur provoziert zwangsläufig Polemik, denn krasser kann man Qualität und Müll kaum zusammenbringen. Wie unvorsichtig von Frau Setlur, ausgerechnet mit der wohlklingendsten, voluminösesten und charismatischsten Stimme des Rap eine gemeinsame Scheibe zu besingen, denn gerade auf engstem akustischem Raum mit Hohepriester Maxi Jazz, auch genannt GOD (Grand oral disseminator), wird offenbar, wie dünn, blechern und gekünstelt ihre pseudomäßig hingerotzte Ich-bin-ein-Kind-der-Straße-Attitüde mit den unschönen hessischen Artikulationsschwächen klingt.
WeiterlesenStraw: Moving to California
Es gibt Songs, bei denen man mit etwas Glück noch den Refrain allein vor sich hinsummen kann, der Rest aber ist praktisch nicht ohne harmonische Untermalung sangbar, er hat einfach keine Melodie, sondern lebt allein von der Summe seiner Einzelteile und der so erzeugten Atmosphäre. Bei psychedelischer Musik geht das gar nicht anders.
WeiterlesenBeangrowers: Astroboy
Einer Band aus Malta (!) gehört schon vorab meine ganze Sympathie, denn wer schenkte uns vor wenigen Jahren beim Grand Prix de la Chanson Eurovisien den einzigen Punkt?! Ja-ha, das war Malta! Die Beangrowers sind ein Trio: eine Frau und zwei Typen, allesamt Jahrgang ´77, die seit vier Jahren gemeinsam Musik m machen. Der Label-Waschzettel verweist auf Pixies-Einflüsse, und ich weiß, was er meint, denn lange hab ich nicht mehr eine solch spannende und frische CD in Händen gehalten!
WeiterlesenGeschmeido: Zwischen den Mahlzeiten
Großer Gott, lange hab ich beim Rezensieren nicht mehr aus den Label-Waschzetteln zitiert, aber diesmal tu ich´s wieder, denn hier kommt Freude auf: Album und Single sind „behutsam produziert und können sich eines gewissen amtlichen Touches nicht erwehren“, in jedem Song findet sich eine „kleine Melodie, die auch ein Kind hätte erfinden können, hätte es sich nur an die Aufgabe gewagt und ab und zu ein paar Bier gesoffen“, „was im Hintergrund der durchaus klassisch-gitarristischen Instrumentierung noch orgelt und fönt, is so subtil eingesetzt, daß man dem Synthie nun endlich sein verdientes Comeback im Poprock gönnen möchte. Trotzdem, Europa braucht die Gitarre, und zwar so schnell wie möglich“, anderslautende Argumente werden beim Hören „geknickt wie Schilf im Sturm“. Kompliment!
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