Metallica: S&M

Wenn´s auf Weihnachten zugeht, gilt es sich vor drei Dingen in Sicherheit zu bringen: vor verstopften Fußgängerzonen, dem jährlichen Disney-Film und dem neuesten Metallica-Album. Es ist wirklich zum Verzweifeln! Vor zwei Jahren die ausgelutschte Re-Load, dann die mottenstichige Garage Inc. und jetzt eine Kooperation mit dem San Francisco Symphony Orchestra. Titel: S&M. San Francisco Dingsbums und Metallica – Habt Ihr Euch so gedacht, Ihr Herren Musiker, was? Von wegen. Sado-Maso ist schon vollkommen korrekt assoziiert: Sado eurerseits und Maso meinerseits. Hilfe, hilfe. Aua, aua.

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Big in Iowa: Bangin‘ ’n‘ knockin‘

Keine Frage, deftigen Roots-Rock mit aufgerollten Ärmeln und Southern Flair – das beherrschen Big in Iowa meisterhaft. Und der Sound ist, wie man´s von Blue Rose erwartet: klar und glitzernd. Richtig aufregend wird´s nur, wenn richtig gute Songs am Start sind. Und da steht das Verhältnis circa Sechzig-Vierzig. Der Rest ist beherztes, aber austauschbares Saiten-Gedresche.

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The Cinematic Orchestra: Motion

Ich geb´s ja zu: ich hab zweimal reinhören müssen, bevor ich was damit anfangen konnte. Aber dann war ich komplett infiziert! The Cinematic Orchestra machen irgendwas zwischen Free Jazz, Post Rock und Trip Hop. Ein spannendes Gewirr von Clustern, Hooks und Soli, zusammengemischt aus Samples und „live“ dazu gespielten Noten. Mit einem Line up aus Sopransaxophon, Flügelhorn, Akustikbass, Turntables, Piano und Drums. Den Musikern finden die Hooks zunächst auf Datenträgern im Briefkasten, dürfen sich was dazu ausdenken und spielen dass dann im Studio ein. Anschließend geht der Kopf des Sextetts, der Brite Joe Swinscoe, nochmal hin und mischt alles neu ab, arrangiert um und entwickelt weiter.

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The Auteurs – How I learned to love the Bootboys

„How I learned to love the Bootboys“ ist ein Album mit 12 Singles. Vielleicht nicht mit 12 Hits, aber auf jeden Fall mit 12 Singles.´ O-Ton Auteurs-Frontman Luke Haines. Der Mann hat ja so recht! Jeder Take ein kleines Pop-Meisterwerk und dabei so cool und so ironisch, dass Pulp sich daneben warm anziehen müssen. Die Auteurs klingen allerdings weniger nach Britpop als nach Glam Rock und Motown, nach New Wave, Disco und dem Rüpel-Rock von Slade. Die Songs auf ihrem vierten Album heißen etwa „The Rubettes“, „1967“ und „Johnny and the Hurricanes“. Eingespielt wude das Ding in den legendären RAK Studios.

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NEO: Persuaders

Big Beat aus Ungarn! Mark Moldvai und Matt Milkovics sind Anfang-Mitte-Zwanzig und Riesige 80erJahre-Fans. Besitzen angeblich alle möglichen Synthies, vom Steinzeit- bis zum Hightech-Teil. Haben früher gern Depeche Mode und Kraftwerk gehört. Springt einem hier allerdings nicht sofort ins Ohr. Klingt eher nach James-Bond-meets-Norman-Cook-meets-Propellerheads. Ziemlich pathetisch und sehr funky mit jeder Menge Phyilly-Sound. Also eher 70er als 80er. Und sehr edel, mit Pseudo-Streichern und ein bißchen Symphonie-Orchester. Richtig schöner, spaciger Easy-Listening-Soundtrack! Up and away, in a wonderful balloon…

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Ottens/Rubin: Klezmer-Musik

Das Ziel des Buches

Jiddische Klezmer-Musik kennt heute fast jeder. Allerdings weiß kaum jemand, wo sie herkommt und welche Bedeutung sie in der jüdischen Kultur hat. Damit sich das ändert, hat das Autorenpaar Joel Rubin und Rita Ottens ein Buch veröffentlicht, das sich auf populärwissenschaftlichem Wege des Themas annimmt.

Das Wort „Klezmer“

Das Wort „Klezmer“ kommt übrigens aus dem Hebräischen und heißt eigentlich „Musikinstrument“. Seit dem 16. Jahrhundert steht es in Osteuropa für den Musikanten, und heute bezeichnet es einen spezifischen Musikstil.

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Basement Jaxx: Jump n´ Shout

Sie heißen Basement Jaxx, und sie haben nur eine Mission: zu nerven. Das soll keine Kritik sein, sondern nur betonen, dass der Sound des Projekts halt etwas extrem ist. Nix für Geschmacks-Weicheier oder den Beliebigkeits-Autopiloten. Der würde hier sofort Alarm schlagen. „Progressive House“ nennt das Label das. Klingt mehr nach ´ner Verlegenheits-Schublade, spricht also für Basement Jaxx.

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Seesaw: Come back and stay

Naja, auch mit String-Synths, Geräusch-Mätzchen, Hardcore-Riffs und Verzerrern wird eine „Come back and stay“-Coverversion keine große Sache. Ich hab den Song damals gehaßt, aber jetzt muß ich ihn in Schutz nehmen, außerdem lebte er vor allem von der überirdischen Röhre Paul Youngs und der gruseligen Atmo, die ihm das Original-Arrangement verlieh. Die Melodie an sich ist so toll nicht, dass sie in einer spröden Rock-Fassung viel hermacht. Und dermaßen gleichmäßig runtergenudelt, resigniert auch noch das letzte Quentchen Spannung und die ganze Sache klingt einfach nur lahm. Mußte es zudem unbedingt die 80er-Jahre-Retro-Masche sein? Nein danke.

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F. K. Waechter im Interview

Die Ähnlichkeit mit Rainer Langhans ist verblüffend, zumindest optisch. Auch wenn die Lockenmähne mittlerweile silbrig und fein ist. Nicht mehr der Afrokopf von früher, und vermutlich zu keinem Zeitpunkt so verfilzt wie der von Langhans. Aber der hatte ja bekanntlich auch anderes zu tun. Wo soviele Frauen befriedigt werden wollen, bleibt die Hygiene halt auf der Strecke. Das Denken auch, aber darum geht´s hier nicht.

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Dietrich Schwanitz: Bildung

„Bildung. Alles, was man wissen muss“. Schon der Titel ist eine einzige Provokation! So kennt man Dietrich Schwanitz, den ehemaligen Professor für Anglistik aus Hamburg und Autor des Romans „Der Campus“. Nun also ein Sachbuch. Mit ihm will Schwanitz gegen die Krise des deutschen Lehrbetriebs anschreiben, und zwar auf zweierlei Weise. Zum einen mit einem Einleitungs-Pamphlet über den „Zustand der Schulen und des Bildungssystems“, gerichtet an die Adresse von Lehrern, Eltern und Politikern. Und zum andern mit einem blitzartigen Streifzug durch den Grundstock des humanistischen Bildungsguts, adressiert an alle Interessierten, an Gebildete wie Ungebildete gleichermaßen. Und dies ist nur der erste Teil des Buches, ein weiterer Abschnitt ist dem „Können“, also der Anwendung des „Wissens“, gewidmet und wäre durchaus eine eigene Publikation wert gewesen.

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Lovatux: Stop hanging around

Schrammel-Pop aus England mit Ohrwurm-Melodien. Lässig, cool und romantisch. Mit hübschen Gitarren-Soli, wie man sie lang nicht mehr gehört hat. Brit-Pop? Nö, nicht in erster Linie. Dafür ist das Line Up zu gitarrenlastig. Keyboards haben hier nur unmerklich im Hintergrund was verloren. Aber das britische Pop-Gütesiegel klebt schon drauf. Eben das, was die Engländer den Amis in Sachen „Pop“ voraus haben: die Kunst zart-spröder, lässig-romantischer Gitarren-Arrangements. Pop-Appeal halt. Mit melancholisch-süßen, flotten Melodien, kunstvoll-simpel komponiert.

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Willard Grant Conspiracy: Mojave

Trali, trala, der Herbst ist da. Jetzt kriechen sie wieder aus ihren Löchern, diese herrlich modrigen Akustik-Klampfer mit dem ganzen Resonanzkörper voll Weltschmerz. Naja, nicht wirklich, aber die Musik von Willard Grant Conspiracy passt schon gut zur Saison. Mit ihrem 16-Mann-Line-Up sprengen sie die Singer-Songwriter-Schublade, obwohl sie genau danach klingen. Irgendwo zwischen Folk und Country, immer mehr mit viel Hall, nah dran an den Walkabouts, deren Support-Act sie längst waren, und beheimatet in Boston, an der amerikanischen Ostküste also. Ihr Name stammt übrigens von der Willard Grant Street ab, in der sie ihr erstes Album eingespielt haben.

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Wheat: Hope and Adams

Manchmal sind Bands, die sich nicht entscheiden können, die interessantesten. So wie Wheat, ein Trio aus Taunton, Massachussets. „Machen wir nun niedlichen, aber spröden Pop mit Synthies und Geschrammel, Low-Fi-Lounge, Noise oder ein bißchen Folk?“ mögen sich die drei gefragt haben. Gut, dass sie sich selbst keine Antwort geben konnten. Low-Fi und lazy klingt jedenfalls alles, was sie abliefern. Gut abgehangen, kratzig und dezent melancholisch mit viel Understatement. Aber auch mal mit halb-symphonischen Streichern, kombiniert mit absichtsvoll dilettantischer Melodika und betont gelangweiltem Genöle. Princes in rags…

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Brendan Perry: Eye Of The Hunter

Alle Gänsehäute in Hab-Acht-Stellung, hier kommt die ultimative Mischung aus Frank Sinatra, Nick Cave und Chris Isaak! Der perfekte Entertainer, geklont aus einer Hälfte des Goth-Duos „Dead can dance“. Muß man sich mal vorstellen! Drei Jahre nach dem letzten „Dead can dance“-Album jetzt also das erste Solo-Album von Brendan Perry. Und was für eines! Düstere Balladen mit viel Hall, süßlichen Melodien und spartanischer Instrumentierung. Verhuschte Synthies und dunkle Bläser, zartes Akustik-Gezupfe, jede Menge Pedal Steel Guitar, ein paar Streicher und ein jazziger Off-Beat-Rhythmus. Perry ist nunmal ein melancholischer Kaltblüter. Schneller als in Zeitlupe geht hier gar nichts. In seiner Ernsthaftigkeit und der ausgefeilten Produktion fast schon ein Singer-Songwriter-Werk oder ein hypersensibles Folk-Album. Wären da nicht der Hall, die Pedal Steel Guitar, die Synthies, die Bläser…

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Studio Grande: Studio Grande

Schrammelrock kann man nölig und betroffen schlenzen lassen (das nennt sich dann „Grunge“), man kann ihn aber auch ordentlich und stramm festsurren – und ab geht die Post (das machen Studio Grande)! Lange ist mir nicht mehr ein solch minimalistisches Line up untergekommen: Gitarre-Baß-Schlagzeug, und der Gitarrist ist zugleich noch der Sänger. Die meiste Zeit lassen Studio Grande es richtig krachen und bewegen sich irgendwo zwischen Independent und Punk, mitunter ufert die ganze Sache auch ein bißchen aus (das nennt sich dann „Noise“), aber zum Ausgleich gibt´s dafür auch einige langsamere Stücke, sogar eine wunderschön triefige Ballade („Manchmal“) – naja, wunderschön bis auf den Text, aber auf die Lyrics komm ich später noch zu sprechen, die haben´s verdient…

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Hardknox: Hardknox

Wenn Ihr Eure Anlage mal so richtig aufmischen wollt, dann legt Hardknox ein! Das klingt reißerisch, entspricht aber lediglich dem monsterhaften Sound des Big-Beat-Duos. Prodigy sehen arm dagegen aus, naja, sie sind zumindest melodischer verglichen mit Hardknox und machen im Gegensatz zu diesen regelrecht „Popsongs“. Hardknox-Songs sind stets akustische Massaker, selbst noch im Downtempo: grimmig, bedrohlich und laut. Das besorgen die Verzerrer, ohne die keiner ihrer Takes auskommt. Und schön phatt kommen sie daher, mindestens so phatt wie Propellerhead, die dagegen allerdings wie zahme Dandys wirken. Nur um nochmal das aggressive Potential von Hardknox zu unterstreichen, aber das steckt ja schon im Namen…

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