F.S.K.: Bei Alfred

15 Jahre FREIWILLIGE SELBSTKONTROLLE.
15 Jahre in unveränderter Besetzung: Thomas Meinecke, Michaela Melian, Justin Hoffmann, Wilfried Petzi.
15 Jahre Diskussion um den Import der amerikanischen Populärkultur.
15 Jahre das, was irgendwann mal Neue Deutsche Welle hieß und das was daraus geworden ist.
„Bei Alfred“ faßt auf zwei CDs ein Großteil der Lieder zusammen, die F.S.K. zwischen 1980 und 1990 beim Zick Zack-Label des Hamburger Musikjournalisten Alfred Hilsberg veröffentlichte. 44 Stücke von elf verschiedenen Singles, LPs, EPs. Über 150 Minuten F.S.K., das heißt zahlreiche magische Momente zwischen B52, Velvet Underground, Saufliedern und kammermusikalischem Jazz-Rock. Minimalistische Soundstrukturen und kritische-lustige-zynische Texte.

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Alex Chilton: A Man Called Destruction

Mit 16 Jahren hatte Alex Chilton seinen ersten und größten Erfolg. Mit seiner Band THE BOX TOPS und dem Stück „The Letter“ gelang ihm gleich zu Beginn seiner Karriere ein Nummer 1 Hit in Amerika. Anfang der 70er spielte er mit BIG STAR einige exzellente Platten ein, die damals zwar keiner kaufen wollte, die ihm heute aber Kultstatus – vor allem in Kollegenkreisen (siehe z.B. „Alex Chilton“ von den Replacements) – sichern.

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Ol´ Dirty Bastard: Return To The 36 Chambers

The Other Face Of Hip Hop – The baddest, meanest guy in the music business. So kündigt er sich an und von Übertreibung kann man nicht mal sprechen. Hier bekommt der geneigte Hörer eine eindeutige Antwort auf die Frage, was Hardcore im Hip Hop-Kontext wirklich bedeutet. Vergeßt selbsternannte Gangster wie Bushwik Bill, Wilie D. und Scarface – here is the real dope. Alleine die Art und Weise, in der Ol‘ Dirty Bastard seine Gedankenergüsse dem Publikum näher bringt, ist einzigartig. Wenn sich das personifizierte Böse in Ekstase rappt, kommt der Schaum von seinem goldzähnegeschmückten Mundwerk förmlich aus den Boxen gekrochen.

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Pere Ubu: Raygun Suitcase

Eine der wichtigsten Underground-Bands aller Zeiten. Wichtig – kaum eine Kritik oder ein Artikel über PERE UBU kommt ohne dieses Wort aus.
Gegründet wurde die Band 1975 in Cleveland/Ohio. Von der Ur-Formation wirken heute noch David Thomas, Sänger, Texter und Kopf der Band und der Gitarrist Jim Jones mit. PERE UBU verstanden sich in ihren Anfangstagen als ein liberales Musikerkollektiv, das Fragmente aus Rock, Blues, Punk und Elektronik zu einem dissonanten Industrial-Rock, so nannte man das Jahre später, zusammensetzte. Anfangs verfremdete die Band Material der STOOGES und von VELVET UNDERGROUND (natürlich).

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Ruby: Salt Peter

Schade, aber es wird spannender sein, zu beobachten, was jetzt in den Medien aus Lesley Rankine gemacht wird, als diese CD zu hören. Dabei hatte sich bei mir große Vorfreude auf das erste Solo-Album der ex-Silverfish-Sängerin eingestellt. „Paraffin“ nämlich, die Vorweg-Auskopplung, war bester zeitgenössischer Pop und klang etwa nach Portishead ohne James Bond. Bei besagtem Stück klappt das auch noch mit dem tollen Refrain. Leider aber wird der oft auch da bemüht, wo ein Track dadurch spannend geblieben wäre, wäre er offen gehalten worden.

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Ice-T: Who Gives A Fuck

„Who Gives A Fuck“ ist der deutsche (?) Titel von Ice-T’s „The Ice Opinion“. Bereits die Überschriften der einzelnen Kapitel („Gesetz des Dschungels“, „Verbrechen und Strafe“, „Männer, Frauen und Sex“, „Rap: Die Kunst, Scheiße zu reden“) zeigen, daß Ice T hier zum großen Rundumschlag ausholt. Von der Kindheit im Ghetto über seine Zeit als Gangmitglied („Die Gangkultur ist auf die Spitze getriebene Männerfreund- schaft“) und als Zuhälter („Aber um ein guter Zuhälter zu sein, muß man auch seine eigene Superhure sein“) und seinen Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Rapper Amerikas spricht er über sein bisheriges Leben. Dabei sieht er sich selbst aber stets nur als Beispiel für die Probleme und Möglichkeiten seiner schwarzen „Brüdern und Schwestern“.

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Interview: Funki Porcini

Bleibt am Fließen

Einer der weiteren gelungenen Versuche, Beats und Sounds zu abstrahieren, läßt sich auf Funki Porcinis Langspielplatte ‚Hed Phone Sex‘ finden. Wie Funki selbst erklärt, ist bei seiner Arbeitsweise der Beat das Kernstück, und der soll sinnlich klingen. Die meist ambient-artigen Klanglandschaften, die dann um diesen Kern gewebt werden, klingen dazu seltsam belebt – wie eine Mischform aus Kriechtier und Insekt etwa.

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Wilco: A.M.

Jeff Tweedy ist kein Unbekannter: er spielte vor Wilco bei den famosen Uncle Tupelo, die uns in Deutschland irgendwann auch mal als Support von Sugar verzauberten. Ihr beseelter Country’n’Schrammel findet bei Wilco seine würdige Fortsetzung. Die Besetzung hat einen Fachmann für Banjo, Mandoline und Slideguitarre, der sich gefühlvoll ins Ganze einordnet. Als Gastmusiker ist noch der Pedal Steel-Spieler Brian Henneman lobend zu erwähnen, der Tweedys Gesangslinien sanft umschmeichelt.

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Interview: Sharon Stoned

Es scheinen bessere Zeiten anzubrechen! Wenn eine Band wie Sharon Stoned ausgiebig tourt und noch (relativ) viel Unterstützung von Seiten der deutschen Musikmedien erhält, gibt dies Anlaß zur Hoffnung für alle, die das „Mein Gott was sind wir so hart“-Ding satt haben. Noch verwunderlicher erscheint die Tatsache, daß 250 zahlende Gäste den Weg in das Dampfbad „Haifischbar“ nach Saarbrücken gefunden hatten, dachte ich immer, daß diese Stadt eine Art Wasteland für artverwandte Musik darstellt. Ein Hoch also auf Mingo Diener, den Herausgeber des „GOAR“, der die hohe Kunst Christofer Uhes schon zu Speedniggs-Zeiten, zu schätzen wußte. . .

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Fischmob: Männer können seine Gefühle nicht zeigen

Der Name, das Cover und dieser „Wie meinen die das denn“ – Titel legen den Gedanken an eine superfiese Spaßmacher und -habertruppe nahe. Er wird noch verstärkt von Titeln wie „Hasch un Rock“ (Hallo Prollhead!), „Bonanzarad“.

In Wirklichkeit widersetzt sich dieser Hamburger Hiphop-Vierer hartnäckig einer Kategorisierung à la Rödelheim Vier und Konsorten. Denn zu den Spaß-hab-Drogen-Nummern kommen noch diverse Stücke mit, äh, Anspruch (Political Correctness darf man ja nicht mehr sagen!).

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Scott Walker: Tilt

Vor fast 30 Jahren war Scott Walker mit den Walker Brothers ein weltweit gefeierter Teenie-Pop-Star. Vor mehr als 10 Jahren erschien seine letzte Solo-LP „Climate of hunter“, die – wie er selbst scherzhaft meinte – schlechtestverkaufte Platte in der Geschichte der Plattenindustrie.

Seine neue CD „Tilt“ treibt die Nicht- Kommerzialität jetzt noch einen – oder zwei – Schritte weiter. Alles, was dem Zuhörer den Zugang erleichtern könnte, fehlt hier: keine eingängigen Melodien oder eindeutigen Geschichten mehr, kein durchgängiges Klangbild. Stattdessen wirft er seine Hörer in ein Wechselbad von Klängen, abrupten Dynamikwechsel, pendelt zwischen bedrohlichen Percussionsounds und großen Streicherarrangements hin und her.

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18th Dye: Tribute To A Bus

Als ich 18th Dye zum ersten Mal live im Vorprogramm von The Notwist sah, dachte ich mir, daß diese Band ihre Sonic Youth – Lektion hinsichtlich der Verarbeitung von Noise-Elementen gut gelernt hat. Beim zweiten Mal, im Vorprogramm von Shellac, und erst Recht nach dem Anhören ihres bis dato dritten Albums, mußte ich meine Meinung modifizieren; lassen Sonic Youth öfters ihre Songs in Gitarrenlärm zusammenbrechen, um dann wieder den Faden aufzunehmen, verlieren 18th Dye denselbigen nie. Krach-Passagen werden in die Songs so eingebaut, wie andere Bands Soli gebrauchen, also als sich in den Kontext eingliedernde Einheiten.

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Fettes Brot: Auf einem Auge blöd


Deutscher Rap die 1235te. Mittlerweile dürfte wohl jeder mitbekommen haben, daß auch deutsche Menschen gerne rappen. Frühestens seit den Fantastischen Vier, spätestens seit dem Rödelheim Hardreim Projekt und Schwester S ist dieser Musikstil massenkompatibel. Einen großen Vorsprung bekommt jeder deutsche Rap-Act, wenn die Texte „lustig“ sind – also weg mit den „Hardcore-Acts“, die teilweise doch zu ernst/links/sexistisch/radikal/weiß der Geier was noch sind…

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Clawfinger: Use your Brain

Das Cover ziert eine Gehirn-Handgranate. Clawfinger sind also offensichtlich der Ansicht, unsere Hirnmasse sei ein hochexplosiver Stoff, der als Kampfstoff einsetzbar ist. Es ist Clawfingers gutes Recht, dieser Meinung zu sein, aber ich mach‘ mir echt Sorgen um all die zwölfjährigen, die die CD (wahrscheinlich wie bescheuert) kaufen werden: werden sie sich nicht am nächsten Kinderfasching auf die Idee kommen, sich lustige Knallkörper vermittels Hirnentnahme (womöglich an ihren Erziehungsberechtigten!) zu verschaffen. Man sollte die jungen Menschen behutsam auf die Gefahren hinweisen.

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Tindersticks: Tindersticks

Die Tindersticks sind ein Beispiel dafür, daß manche Musiker auch heute noch in die Metropolen ziehen müßen, damit „etwas“ aus ihnen wird. Ursprünglich aus Nottingham – also: musikalischer Provinz – gelang ihnen erst in London der Weg zur Kultband (mit einigen Kultsingles) und dann zur vielbeachteten Debüt-LP. Und das, obwohl die Tindersticks sich beharrlich unmodern geben. Daran hat sich auch mit ihrer zweiten CD nichts geändert.

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