Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

Da ist alles drin: Intrige und Verrat, politische Schweinereien und zwischenmenschliche Tragödien, Pulverdampf und Agentenjargon. Ein Polit-Spionage-Krimi halt und damit genau das, was mich normalerweise nicht hinterm Ofen hervorlockt. Auch reichlich vorhersehbar in seinem Ablauf. Dennoch: Jenny Silers „Portugiesische Eröffnung“ ist ein brillanter Zug. Und das hat sehr einfache Gründe.

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Ach so, ja.

Morgen bin ich nicht da. Also morgen Ruhetag. Übermorgen vielleicht Jenny Siler, wenn ich das heute noch hinbekomme, oder gar nichts oder später am Tag was. Mittwoch: wtd – die Zeitschrift, Nr. 3. Donnerstag, Freitag: So weit kann nicht mal ich in die Zukunft schauen. So. Und jetzt schreib ich noch ein bissel an meinem Regionalkrimi to end all Regionalkrimis und bereite mich für morgen vor. Wichtiger Termin für die Krimikultur!

Hey Krimifan!

It’s Saturday Morning Fever! Im Titel-Magazin spricht die Stimme der Kritik. Betroffensheitsspezialistin Leni Bauer bespricht →Kathy Lette, Außenseiterspezialistin Beate Mainka hat →Sadie Jones gelesen, Dürrenmattspezialist Sebastian Karnatz bespricht, ähem, →Dürrenmatt zum Hören und Allroundspezialist Dieter Paul Rudolph hat sich →Iain Levison angetan. Zum krönenden Abschluss singt und spielt uns Gitarrenspezialist →Jimi Hendrix ein hübsches gereimtes Lied. Nur Spezialistenspezialist Wörtche schweigt.

Titelärger

„Was der nach einem Schachspiel klingende Titel mit der Geschichte der von der CIA verfolgten und von ihren Erinnerungen gemarterten Fälscherin Nicole Blake zu tun haben soll, bleibt ebenso im Dunkeln wie das schwarz-bläuliche Cover des Buches, das – Hauptschauplatz Lissabon! – natürlich eine in die Unterstadt fahrende Straßenbahn bei Nacht zeigt. Im Original heißt der Thriller „An Accidental American” – „Ein zufälliger Amerikaner” –, eine feine Anspielung auf das persönliche Drama der Protagonistin.“

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Pieke raucht schwarz

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Rauchen schadet Ihrer Gesundheit. Und der des Staates, dem durch sogenannte „Schmuggelzigaretten“ Millionen an Steuereinnahmen entgehen. Also: Hören Sie auf zu rauchen, damit der Staat vollständig pleite wird. Oder rauchen Sie wie die Schlote – aber nur die legalen Glimmstengel, auf dass Sie selbst pleite werden. Wie der Handel mit Schmuggelkippen funktioniert, das weiß keine besser als Pieke Biermann, und sie erzählt es uns in „Steuern per Tabaksonde“, der neuesten Kriminalreportage, die man am Freitag, 29. August 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr hören und am Sonnabend, 30. August 2008 in DER TAGESSPIEGEL lesen kann. Oder beides, wenn man den Ort findet, an dem aus dem Mauszeiger ein Mausfingerchen wird. Und viele, viele Kriminalreportagen von P. B. kann man lesen, wenn man über den →„Asphalt unter Berlin“ flaniert.

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Zum Thema

Autorinnen und Autoren, selbst die von Kriminalromanen, haben zumeist ein Anliegen. Nennen wir es neutraler: ein gesellschaftliches Thema. Die einen schreiben über die Dekadenz der Schickimickiszene (Max Bronski, „Schampanninger“, noch nicht gelesen, ich höre auf den Klappentext), die anderen in einer gewaltigen, allumfassenden Geste über die USA und darüber hinaus (Jerome Charyn, neu: „Citizen Sidel“, ebenfalls noch nicht gelesen, aber ich freue mich drauf). Dann gibt es die Spezialisten, die ihre Erfahrungen aus der Kirchen- und Bürowelt, der Gartenbau- oder IT-Branche mitteilen, die eher aus Psychologie Gestrickten und die Frauenbewegten, die Antikindsmissbrauch Anprangernden, die… ein Thema also hat jeder. Und?

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Der Blogger fragt. Wer antwortet?

Wenn einem Kritiker, dem ein Buch gefallen hat, nichts Gescheites einfällt, dann lobt er „das Atmosphärische“, gar „die atmosphärische Dichte“. Aber was ist das? Die landläufige Definition, ein atmosphärischer Text sei einer, in dem ich mich als Leser wohlfühle, an dem ich ganz nahe dran, ja, in dem ich mitten drin bin, ist ein wenig – nun ja: beliebig. Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt – und genau das tue ich zur Zeit -, wird die Frage nach der Natur dieses Atmosphärischen zur zentralen. – Aber wie sehen die Leserinnen und Leser dieses Blogs das alles? Was macht für sie die Atmosphäre eines Textes der Kriminalliteratur aus? Und was nicht? Oder halten sie den Begriff für eine reine Worthülse? Um Antworten wird gebeten.

Übersetzerelend

Eine neue Diskussion zu einem alten Thema erschüttert die →„Krimi-Couch“: Hat der (Neu-)Übersetzer von Rex Millers „Fettsack“ geschludert? Schlimmer noch: Hat er eigenmächtig in den Text eingegriffen und die Erzählperspektive manipuliert? Und obendrauf noch die Mutmaßung, die angeblich gekürzte Erstübersetzung von 1992 sei gar nicht gekürzt worden.

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Viel Geld

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Die neue Woche beginnt mit einem alten Krimi. Joseph Treumanns „86000 Dollars“ gehört nicht zu den bevorzugt in Wanne-Eickel oder Garmisch-Partenkirchen verfassten original amerikanischen Thrillern. Nein, der Journalist Treumann lebte seit 1883 bis zu seinem Tod 1904 in New York. „86000 Dollars“ entstand ca. 1890 und ist in Deutschland erschienen und ab heute auch in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ in zwei Teilen zu lesen.

Was für ein Tag ist heute?

Gemach, gemach, wir wissens doch. Heute ist Titeltag beim Krimimagazin oder so ähnlich, und Thomas Wörtche, Cheftröster aller Witwen und Depressiven, verabreicht →gleichdreiGegenmittelchen gegen Trübsal. Hammett-Buchhändler Christian Koch gibt einen →Kauftipp ( Jean-François Vilar: Die Verschwundenen), Hanns Heinz Ewers reimt →„Im Karpfenteiche“, Ute Evers hat →„Wölfe in Genua“ von Bruno Morchio gelesen und dpr wie versprochen ein Fachgutachten zu →Sjöwall / Wahlöö erstellt. Muss reichen bis Montag, wenn das Überkrimischreib-Maschinchen wieder allerorten anspringt.

Kurze Notiz über die Peripetie der Regel unter besonderer Berücksichtigung des Föns

Chef Walter haut mit der Faust auf den Tisch.
„Ruhe! Ich erkläre die Diskussion über die Benutzung des Whirlpools hiermit für beendet! Kommen wir zu den unwichtigen Themen! Wtd! Sie wünschen – wir schreiben! Einen Wunsch müssen wir noch abarbeiten!“

Gemurre.

„Doch nicht etwa den von diesem stinkfaulen Menke?“ fragt Dale Patrick Rutherford, Papst der Kurzratekrimis.

„Doch!“ antwortet der Chef. „Man kann sich seine Leser schließlich nicht aussuchen, und ohne Menke hätten wir 20.000 Klicks am Tag weniger. Also! Hier noch einmal sein Themenvorschlag:“

Untersuchung über den Einfluss des französischen Regeldramas im 17. und 18. Jahrhundert auf die Dramaturgie und Erzählaufbau moderner Kriminalliteratur in den USA unter besonderer Berücksichtigung der Peripetie und Retradation bei Raymond Chandler.

„Irgend welche Ideen?“

Die Runde schweigt. Nur Fräulein Anobella, mit dem Auftragen leuchtend grünen Lacks auf ihre Fußnägel hinreichend beschäftigt, murrt ein „Ignorieren, den Schmock“ in die aufgeladene Luft des Redaktionssaales.
„Geht nicht“, bedauert Didier Pascal Rocheford, unser Pariser Neo-Polar-Korrespondent, der das französische Regeldrama in- und auswendig kennt, aber „leider nur das 19. Jahrhundert“, wie er bedauernd gesteht.
„Ach was!“ meldet sich jetzt noch einmal Fräulein Anobella zu Wort, „die Regel war für jede Frau zu allen Zeiten und an allen Orten ein Drama! Und dieser Chandler hat das brutal ausgenutzt! Wie auch immer.“
„Wir sollten unser Augenmerk auf die Peripetie lenken“, schlägt Peripetie-Junkie Donald Pilsner-Radeberger vor. „Dieser plötzliche Wechsel, wie es auch auf Deutsch heißt, also wenn zum Beispiel bei Chandler der Protagonist gerade einen gesoffen hat und plötzlich wieder nüchtern ist. Das hat was. Prost.“
Wieder breitet sich the big silence aus. Und wieder ist es Fräulein Anobella, die, einen riesigen Fön schwenkend, die bedrückende Stille durchbricht.

„Alles Unfug! Dies hier ist übrigens mein neuer Fön! Ein Monstergerät! Damit kann ich sogar meine Fußnägel trocken fönen!“ *schaltet das Gerät ein und fönt ihre Fußnägel trocken.

„Aufhören!“ schreit der Chef, „man versteht ja seinen eigenen Gedanken nicht mehr!“

„Okay, okay“, beschwichtigt Fräulein Anobella. *schaltet den Fön aus.

„Aber hat sich schon mal jemand überlegt, welche Rolle der Fön als Mordwaffe in der Kriminalliteratur spielt? Wie oft er, der Fön, schon in Badewannen geworfen wurde, um untreue Ehemänner, verschwenderische Frauen und kriminell gewordene Kinder zu bruzzeln? Oder welche Möglichkeiten es gibt, einen Fön so zu manipulieren, dass man beim Angreifen desselben einen dermaßen prima Stromschlag kriegt…“
Jetzt wird es laut in der Runde.

„Genial!“
„Das machen wir!“
„Und was ist mit gesalzenem Hering als Mordwaffe, hä?“

„Apropos“, bemerkt der Chef schmunzelnd, „am Whirlpool stehen gesalzene Heringe, Champagner und ukrainische Zwangspraktikantinnen bereit. Und für Fräulein Anobella niemand Geringeres als unser gegelter Redaktionsgigolo Dante Pasquale Redundandi. Ich schlage vor, wir verlegen die Sitzung…“

Niemals zuvor hat sich der Redaktionssaal so schnell geleert…

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Eine kurze Notiz zu Klassikern

Das Serviceteam von wtd macht sich heute an die Beantwortung der Frage des verzweifelten Lesers Claus. Was sind Klassiker? Wie werden die das? Und bleiben sie es auch? Wenn nein: warum nicht? – Ein Fall für unseren wissenschaftlichen Mitarbeiter, Dr. Detlef Plinius Rauschenberg, emeritierter Professor für Literaturgeschichte und seit seinem Rückzug aus dem wissenschaftlichen Leben als begeisterter Anhänger des Trivialen geoutet.

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Eine kurze Notiz über das Lesen von Kriminalromanen

„Sie wünschen – wir schreiben“ versprachen wir gestern an dieser Stelle. Unsere Leserin Frau Krimi aus Österreich wollte wissen, warum Menschen eigentlich Krimis lesen. Kein Problem. Diplomphilosoph Darius Pjotr Radunzki, der das wtd-Team in existentiellen Fragen („Wer darf mit den Mädels in den Whirlpool?“) berät, hat sich so seine Gedanken gemacht. Gestern. Beim Kaffee. Zwischen 14.45 und 14.49 Uhr. Wir stellen sie im Folgenden zur Diskussion.

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Erstaunliches Amazon

Ich verstehs nicht. Gestern abend waren bei Amazon noch 2 „Menschenfreunde“ am Lager und das Buch tummelte sich irgendwo um Rang 230.000. Heute morgen ist noch 1 Menschenfreund verfügbar, einer also wurde über Nacht verkauft, was natürlich großartig ist und der Erwerber sei hiermit gepriesen und gebenedeit unter den Amazon-Kunden.

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Sie wünschen – wir schreiben

Im Moment steht mir der Kopf woanders, da will einfach kein Blogthema rein. Aber wozu hat man seine Leserinnen und Leser? Sollen doch die einem sagen, über was man mal was schreiben könnte. Mehr so allgemein oder mehr speziell, bitte keine Rezensionen, bitte keine Autorenporträts, bitte nichts, von dem ich keine Ahnung habe – okay, da bleibt nicht mehr viel übrig. Versucht es trotzdem mal: Das hier ist ein Wunschblog, das ist perfekter Service. Na? Worüber soll ich jetzt schreiben?