Andreas: Capricorne – Das Objekt

Irgendwie scheint es nichts Neues mehr unter dem Comic-Himmel zu geben und das in einer Zeit wo die Kunstszene in allen erdenklichen Formen wuchert und die seltsamsten Triebe zeigt. Tief im Dekor und im Geist der 80er ist ‚Capricorne‘ steckengeblieben: Hochgradig postmodern: harmonisch zusammengefügte Zeitzitate wie Zeppeline und mittelalterliche Bibliotheken, Chicago 1925 mit Gangstern in schwarzen Anzügen und Orwellschem Überwachungsstaat. Ausgeführt wird das Szenario im Stil von Moebius und bringt als Plot einen geheimnisvollen Fremden – Capricorne – der im endzeit-winterlichen New York in die Suche nach einem mysteriösen Objekt verstrickt wird. Einziges Manko: Gegenwärtiger Zeitpunkt 1998, wo das alles nicht mehr sooo originell wirkt.

Andreas
CAPRICORNE - Das Objekt
Carlsen 18,90 DM
ISBN 3-551-73351-1

Stella: Extralife

„An extra life is what I need…“

Wenn drei sich streiten, freuen sich die vierten. Und das sind all die, die in den nächsten Wochen das Debut-Album der Hamburger Band Stella in den CD-Player legen und in ihren Wohnzimmern tanzen. Stella sind cool und auftregend, elegant und tanzbar zugleich.

„Extralife“ verdient es, mit einem Klangkosmos verglichen zu wer-den: Tausend kleine Melodien, Geräusche und Samples verbinden sich zu einer eleganten Mischung aus Pop, New Wave und groovigen Beats.

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Musikbücher V

From the bottom of the ocean to the mountains of the moon: Willkommen zu einer musikliterarischen Reise aus den Niederungen deutscher Beschränktheit hin zu den Höhen deutschen Weltbürgertums, aus dem Elend der Sprache mitten hinein in den Reichtum der Phantasie.

I’m your captain: denn, Leser, du brauchst einen Lotsen, der dich nicht nur sicher führt, sondern dich auch darauf vorbereitet, welcher ungeheure Druck tief unten im Meer des Büchermarktes dein Haupt beschweren wird. Eine Gewöhnungssache. So nähern wir uns dem Ort, wo sich dir die geballte Dummheit tonnenschwer auf die Schädeldecke legt, ganz allgemach mit einem Zitat:

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Olympia und Fasching

Auch ein so ausgeglichener Mensch wie Dr. Zapp hat mal eine schlaflose Nacht. Dann greift er zur Fernbedienung und freut sich, daß gerade die Olympiade im fernen, rätselhaften Japan tobt. Das verspricht doch immerhin einen gewissen Neuheiten- und Unterhaltungswert und nicht die übliche Nachtmischung aus tausendfach wiederholten Serien, Telefonsexwerbung und den schönsten Bahnstrecken Ostfrieslands.

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HIM: Interpretive Belief System

Ganz im Sinne von NAPALM DEATH-Schlagwerker Mick Harris (s.SCORN) macht sich auch Doug Scharin, Ex-Schlagwerker bei Codein (gibt’s die eigentlich noch?) auf den Weg in’s Dub-Wunderland. Wie auch schon oben Genannter bevorzugt auch Scharin eher die dunklen Töne; weshalb er dann auch gleich bei Wordsound in Brooklyn veröffentlicht hat, den Spezialisten für Sounds im kranken Mischungsverhältnis.

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Mark Hollis

Sechs Jahre nach dem Ende der britischen Formation Talk Talk meldet sich deren damaliger Mastermind Mark Hollis mit seinem selbstbetitelten Solo-Debüt zurück. Wer ähnliche Wave-Reißer wie „Such A Shame“ erwartet, wird enttäuscht werden. Nur sehr spärlich arbeitet Hollis derzeit mit Instrumenten, die durchweg akkustischer Natur sind. Vorwiegend Holzblasinstrumente, ein getragenes Klavier, Jazz-Bass und Gitarre untermalen seinen wie eh und je melancholischen Gesang.

Den Mainstream-Pop hat er zugunsten avangardistischer Songs („Watershed“, „Inside Looking Out“) hinter sich gelassen und schlägt auch schon mal jazzige Sounds („The Gift“) an. Das macht dieses Album zwar zu keinem leichten Hörgenuß. Doch wer sich die Zeit nehmen will, kann sich bei Mark Hollis‘ eigenwilligen Kompositionen durchaus sanft treiben lassen.

RIP Carl Wilson (1946-1998)

It’s always a crass feeling when you have to condense your feelings about an artist down to a few sentences because they have passed away. But the fact is I’ve been thinking about Carl Wilson since first reading that he was suffering from cancer sometime last year. And somehow it’s not that hard to bring it down to one moment that summs up what his voice and music have meant to me. It’s an obvious moment perhaps nine out of ten fans would choose, which I guess qualifies it as his greatest legacy: his vocal on „God Only Knows“ from the 1966 album Pet Sounds.

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Wallace & Gromit: Jahrbuch für Käseliebhaber

Die Idee sich ein Handy zuzulegen und ein Filofax war ja vielleicht vor zwei, drei Jahren zwar auch nicht gerade originell, um als Mann/Frau von Welt zu gelten, aber wenigstens an und ab erfolgreich. Anno 1997, wo’s zum Jogginganzug auch gleich die farblich passende Telefonprothese gibt, ist diese Pose jedoch endgültig abgehalftert. Und wer heute noch mit bibelgroßen Kalendern rumrennen muß ist einfach nur zu bedauern. Wen interessiert ein Visitenkartensammeltascheninlet, wenn er mal über das Alter der Sammelbildchen und Quartettspiele hinausgekommen ist? Was ist von einem Faltplan der Tokioer U-Bahn zu halten, wenn er von Personen Gassi geführt wird, deren Japankenntnisse zwischen Nintendo und Sony angesiedelt sind? Alles Schnickschnack für Schrumpelmenschen.

Die Frau und der Mann von Welt, die mit Stilsicherheit und Charakter aufwarten, präsentieren sich im kommenden Jahr mit dem „Wallace & Gromit Jahrbuch für Käseliebhaber“ und beweisen damit wieder einmal auf der ihnen eigenen weltmännischen Art, daß sie die Nase vorne und im Wind haben. Da gibts nicht viel zu basteln, neue Inlets zu kaufen, pseudowichtige Notizen reinzukritzeln und ähnlich Entwürdigendes.

Das „Wallace & Gromit Jahrbuch für Käseliebhaber“ ist ein ausgereiftes und wohldurchdachtes Konzept, wie es von einem Künstler wie Nick Park zu erwarten ist. Das Buch ist komplett und vom Fleck weg zu verwenden: Persönliche Angaben sind bereits eingetragen, alle wichtigen Geburtstage markiert, Urlaubsfotos eingelegt und alles Wesentliche, was an den einzelnen Tagen des nächsten Jahres passieren wird, ist bereits heute notiert und nachzulesen. Dazu gibt es jede Menge Informationen über Käse, unter anderem eine Geruchsprobe, die durch anrubbeln ihr ganzes Aroma entfaltet. Und damit ist dieses Jahrbuch auch im Dunkeln zu finden – und dem Filofax, im wahrsten Sinne des Wortes eine Nasenlänge voraus. Sonst noch Fragen?

Wallace & Gromit
Jahrbuch für Käseliebhaber
Aardman animation & ehapa 19,80 DM
ISBN 3-7704-0215-4

Ein Yankee namens Blueberry

Totgeglaubte leben länger

1963 erblickte ein junger Yankee namens Leutnant Blueberry das Licht der Welt. Den Mann, der ihm die Worte in den Mund gelegt hat, Jean-Michel Charlier, hat er bereits überlebt. Vielleicht wird er auch noch seinen Zeichner Jean Giraud, auch bekannt als Moebius, überleben, der die Reihe seitdem in Eigenregie fortführt. Blueberry ist eine Kultfigur und einfach nicht totzukriegen. Bereits die nächste und übernächste Generation seiner Bewunderer investiert ihr Monatssalär oder Taschengeld in seine Abenteuer.
Einer von ihnen ist der 1960 geborene Daniel Pizzoli. Ihn trieb es bis in die USA, in die Indianerreservate in Arizona, an die Originalschauplätze von Blueberrys Abenteuer. Seine Leidenschaft ist nicht abgeklungen, im Gegenteil, er hat sie zu Papier gebracht. Das Ergebnis ist eine Dokumentation mit dem Titel ‚Ein Yankee namens Blueberry‘.

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