Ein plüschiges Wesen mit sanftem Schmelz in der Stimme und viel Schlag bei Frauen ist uns zugelaufen: Engelbärt. Es steht ein bisschen schräg. So, als wäre jemand beim Stoff-Zuschneiden nachlässig gewesen, weil Vorder- und Rückseite ganz offensichtlich nicht deckungsgleich sind. Und dann hat sich jemand beim Zusammennähen noch gedacht: och, das macht bestimmt nix – ich näh einfach mal… Weiterlesen

Nach einer Reihe eher unlustiger, dafür aber bekömmlicher Bücher sollte es diesmal etwas Leichtes sein. Weg vom amerikanischen Noir, hin zum österreichischen Schmäh. Während des Kirchweihfestes, titelgebend „Kirtag“ genannt, wird in Altaussee ein Mann erstochen. Gendarm Gasperlmaier, der den Toten entdeckt hat, macht sogleich einen schweren Fehler und schafft die Leiche aus dem Festzelt ins Pissoir, denn auch im Lande der Lederhosen und Dirndl muss die Show weitergehen, sprich der Gerstensaft ungestört von polizeilichen Ermittlungen fließen. 


Es gibt keinen Grund, „Tödliche Injektion“ zu lesen. Gegen die Todesstrafe sind wir sowieso, über das schwere Leben in Fixerkreisen ausreichend informiert. Auch Ehekrisen und üble Gesellen, die älteren Frauen das Gesicht wegblasen, kennen wir aus der Kriminalliteratur zur Genüge. Ok, das Cover ist gewohnte Pulpmaster-Klasse und die Sache mit der Kakerlake, der man den Rücken lackiert hat… oder Colleen, deren mit Kratern übersätes Gesicht es schafft, dass wir an Hässlichkeit und Schönheit zugleich denken… aber sind das wirklich gute Gründe, sich einen „Noir“ reinzuziehen, also ein Stück Krimikuchen, das weder süß noch sahnig noch angenehm im Abgang ist? Nö. Es gibt nur einen einzigen Grund, der allerdings alle Nichtgründe überwiegt: Jim Nisbet hat das Buch geschrieben.

Drei Mörder, zwei Opfer, ein Rächer. Die Rollen in David Osborns „Jagdzeit“ sind klar verteilt, das Setting verspricht Hochspannung nach dem Reinheitsgebot des Genres. Ein turbulenter, harter Thriller, der seit seiner Erstveröffentlichung 1974 nichts verloren hat und zumindest an Patina nichts dazugewonnen. Aber ganz so reibungslos und als Filetstück für im Lesesessel versunkene Genießer verläuft dann die Lektüre doch nicht. Zum Glück.