Presseschau 8. Juli 2009

Erst mal ganz seriös/theoretisch: Der Scientific American zum Thema ↑Why Music Moves Us

Und dann rein in die Praxis:

„Muss denn jeder, der Rap macht, unbedingt verhaftet werden?“ Der Spiegel über den weißen Rapper Asher Roth: ↑Ein Weißbrot kriegt’s gebacken

↑U2’s ‚massive carbon footprint‘ called into question

Filter: ↑You Should Already Know: …And You Will Know Us by the Trail of Dead

IGN ↑interviewt Pixies-Frontmann Black Francis.

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Gesprächskrimikultur

Wie bereits angekündigt, wurde soeben ein längeres Gespräch mit Else Laudan, Herausgeberin der Ariadne Kriminalromane im Argument Verlag, ins →Krimikultur: Archiv eingelagert. Aber nicht, um dort zu verstauben, das wäre nämlich sehr schade. Was im Krimijahrbuch locker über 15 Seiten gekommen wäre, wird Ihnen hier in sogar bebilderter Form präsentiert. Wir reden über den Zustand des „Krimimarktes“, das Aufklärerische im Genre, feministische Kriminalromane, Glanz und Elend der kleinen Verlage, das Affirmative und das Subversive, den Verlockungen des Erfolgs und warum man ihnen widerstehen sollte und, neben anderen Themen mehr, natürlich auch über die Ariadne Krimis selbst, die man, sollte man sie bisher noch nicht gekannt haben, spätestens seit den Kritikerhymnen für Lehmann, Geier, Scharsich und Co. auf der Rechnung haben muss.

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Feuchte Stelle im Westen

Seine Forderungen sind gefährlich, seine Schuldzuweisungen sind abenteuerlich, sein Selbstmitleid ist rührend — aber was mich wirklich fasziniert, ist, dass seine Interviews immer noch so sind wie früher. Die schlimmste Aufgabe hat nicht der Interviewer. Während man dabei ist, hat man das Gefühl: Das wird gut, der Mann sagt markige Sachen. Die schlimmste Aufgabe hat der Redakteur, der aus dem Interview eine Nachricht machen muss, eine Überschrift und einen Vorspann finden, und dabei merkt, dass all diese großen Wörter Scheinriesen sind. Je genauer man sich die Sätze anguckt, umso weniger schaut zurück. Beim Versuch, einen konkreten Inhalt zu erfassen, bleibt von den schillernden Sprechblasen nur ein feuchter Fleck.

Stefan Niggemeier über Dieter Gorny im Allgemeinen und ein Interview im WAZ-Portal Der Westen im Besonderen:  ↑Understanding Dieter

Halbe Schweden

Es muss schwer sein, in Schweden Karriere zu machen. Eine Prinzessin, einen Prinzen heiraten – okay, das schafft gerade mal drei gutdotierte Arbeitsplätze. Als ABBA-Nachfolgeband jede Menge Geld scheffeln, das lichtet auch nicht das Heer der um Ruhm und gutes Auskommen bemühten Nordländer, denen folglich nur der letzte und grausamste Schritt bleibt: KrimiautorIn werden.

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Frank Göhre: Seelenlandschaften

Manchmal ist es schon sinnvoll, die im Laufe eines Schriftstellerlebens verstreuten Kleinigkeiten in einem Bändchen zu sammeln. Schon, damit nun klar ist, dass die Kleinigkeiten gar nicht so klein sind. „Seelenlandschaften“ hat Frank Göhre seine Sammlung von Vor- und Nachworten, Glossen, Reportagen und Porträts genannt, im Untertitel „Annäherungen, Rückblicke“, alle der Kriminalliteratur und ihren Protagonisten gewidmet, aber auch immer: Annäherungen an Frank Göhre, Rückblicke auf sein bisheriges Schaffen.

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Verlagsinteressen

Wenn Herbert Burda in der FAZ einen Artikel schreibt ( →Wir werden schleichend enteignet) interessiert das hier normalerweise niemand. Spätestens aber wenn er fordert, „den Begriff des Leistungsschutzes weiter zu fassen“ sollte man genauer hinsehen. Anja Seligr vom Perlentaucher hat das schon mal gemacht: 

Dies alles wird gefordert nicht zugunsten einer freien Presse, sondern zum Schutz überkommener Geschäftsmodelle. Die Zeitungen werden schamlos für Lobbyarbeit in eigener Sache benutzt und sprechen schon damit jeder Form von Qualitätsjournalismus Hohn.

→Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz

P.S.: Ja, es ist die gleiche FAZ, die auch schon die Initiatoren des „Heidelberger Appells“ ausgiebig zu Wort kommen ließ, denen es ja auch vor allem um Leistungsschutzrechte ging. Passend dazu noch ein Lesetipp: Joachim Losehand im Freitag-Blog →Wir sind Troja – oder: Die FAZ scheißt auf Elke Heidenreich.

Chez Véro

Von ihrem ersten Gehalt hat sich wtd-Mitarbeiterin Anna Veronica einen Blog gekauft. Für ihren Einstand war da natürlich wieder „kein Geld“ da, aber nächsten Monat sollen sie dann knallen, die Champagnerkorken. Wir entkorken zur Feier des neuen Blogs →„Le Véro“ schon mal ein feines Fläschchen der lustigen Witwe…

Leser/innen gesucht!

Ja, ja, könnt jeder kommen. Leserinnen und Leser suchen sie alle. Aber wir suchen natürlich ganz besondere Leserinnen und Leser. Solche nämlich, die uns Auskunft über ihr Krimileseleben geben wollen. Wie reingeschlittert, welche Vorlieben, wo informiert man sich, was vermisst man, auf was könnte man verzichten? Kleine Interviews im großen Rahmen der „Krimikultur“. Veröffentlicht hier bei wtd und… das verrate ich noch nicht, Überraschung. Also Mut! Ich frage schon nichts Privates. Wir machen das per Email, wir haben jede Menge Zeit und ganz bestimmt viel Spaß. Einfach →hier melden.

Probleme

Ich weiß, einige von euch haben zur Zeit Probleme mit der ordnungsgemäßen Darstellung von wtd (Partnervermittlungsanzeigen und so…). Woran das liegt, weiß nur Chef Walter selbst. Er wurde strengstens ermahnt, sich zu outen, wir warten noch auf Rückantwort und fassen uns bis dahin fassungslos in Geduld. Sorry.

Little Feat

Liebe Corso-Moderatorin,
ob der heute vor 30 Jahren gestorbene Lowell George wirklich kleine Füße hatte weiß ich nicht, bin aber doch ziemlich sicher, dass er seine Band nicht danach benannt hat.
Oder zeichnet sich hier schon ein neues Feature am Horizont ab: „Legasthenie in der Rockmusik“ (mit Frank Supper, The Beetles, Bedfinger, Kings of Lyon, Herr Bert Gröhne-Meier und Def Leppard)?

Sky Saxon

In dem Mediengetöse um den Abgang von Michael Jackson ist fast untergegangen, dass es am gleichen Tag auch eine Größe der 60er Jahre erwischte: Sky „Sunlight“ Saxon (eigentlich: Richard Marsh), Frontmann der Seeds (“Pushin’ Too Hard”) starb am vergangenen Donnerstag in einem Krankenhaus in Austin an Nieren- und Herzversagen.

→Nachruf im Guardian

→Offizielle Website

1994 – 2009

15 Jahre sind eine lange Zeit. Eine Zeit in der manche ihr Abitur machen, sich zum fünften Mal von großen Liebe trennen, lernen wie man Souffles macht, überlegen, die FDP zu wählen, es dann doch nicht tun, eine Fremdsprache lernen, zum Akupunkteur gehen, nicht zur Darmspiegelung gehen, sich unsterblich in Michelle Pfeiffer verlieben, einen guten Freund zu Grabe tragen, einen Abschluss machen, bei der Steuer bescheissen, heiraten (nicht Michelle Pfeiffer), doch noch ein Kind kriegen, zum dritten Mal eine Beule ins Auto fahren und sich zum ersten Mal richtig darüber ärgern, fast auf eine Demo gehen, zum ersten (und – großes Ehrenwort – letzten) Mal pauschal nach Malle fahren, über Witze lachen, deren Pointe „Frisur egal“ lautet, sich schon ein bisschen vor dem Alter fürchten und endlich einsehen, dass Kerner kein Journalist ist. Weiterlesen