Beziehungszauber

Manchmal leben wir wirklich wie in einem einzigen großen Kriminalroman. Und wenn einer einen schreibt und dazu noch einen liest, dann kann es sein, dass er in dem, was er gerade liest, etwas entdeckt, was er eigentlich selbst schreiben möchte. So ist es mir gerade bei der Lektüre eines alten Krimis ergangen, während ich meine eigene schriftstellerische Frucht polierte. Eine eher beiläufige Begebenheit, wenngleich mit hübscher Interpretationstiefe.

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Bitter

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muss es für Maxim Gorki sein, sich in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ wiederzufinden. Hielt doch der alte Sowjet Kriminalliteratur für einen „der Gründe, warum sich ihr Klassenbewußtsein so langsam entwickelt“ und verdächtigte ihn gar, „Mord und andere Verbrechen zu verbreiten“. Dennoch: Im Kontext „bürgerlicher Kriminalliteratur“ ist Gorkis „Die Geschichte eines Verbrechens“ durchaus die 38seitige Lektüre wert. Der Herausgeber gibt ein paar einleitende Hinweise, die bei entsprechender Muße ausgebaut werden könnten.

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Der Banker Köhler hat uns mit keiner Silbe vor dem Bankendesaster gewarnt, nur um im Moment des Geschehens aber mal ein ganz kritischer Mahner zu sein. Der Heißluftrhetoriker schickt Truppen in den Kongo, fordert „Vorfahrt für Arbeit“, denn die „Agenda war bei Weitem nicht genug“, um beim nächsten Wetterwechsel der beste Freund des Arbeitnehmers und ein Friedensfürst zu sein. Das Verbraucherinformations- und das Flugsicherungsgesetz kassierte er, um jeweils seinem Förderer Westerwelle Gelegenheit zu geben, von der Rückbank die Bundesregierung als Stümper zu beschimpfen. Kurz: Köhlers Verdienst wird bleiben, dass man sich statt seiner lieber einen Profi in dem Job gewünscht hätte. Oder einsieht: Wenn so ein Spaßvogel in dem Amt keinen Schaden anrichtet, ist das Amt echt über.

Friedrich Küppersbusch in der →taz

Suhrkamp und anderes Voodoo

Heute gehts wieder heiß her am Krimisamstag des Titelmagazins. Chef Wörtche persönlich beginnt mit einer Betrachtung der Romane von →Nick Stone und des Verhältnisses von Realpolitik und Voodoo. Uta-Maria Heim platziert auch ihren zehnten →Kopfschuss zielgenau, während Ulrich Deurer das genaue Ziel der neuen →Suhrkamp-Krimireihe (die ja gar keine ist) ergründen möchte. Zu ergründen gibt es auch bei →Frank Göhre genug. Elfriede Müller tut es in einem Porträt. Lena Blaudez schließlich rezensiert →Nick Brownlee, und →Shemekia Copeland kündigt an, niemals nach Memphis zurück zu gehen.

Erinnerung…

Die aufmerksamen LeserInnen von wtd haben es natürlich längst den Alligatorpapieren entnommen und notiert. Aber hier nochmals zur Erinnerung: Morgen Abend (16.5., 20 – 22 Uhr) gibt es, nach der großen Eröffnungsparty, SKL (Serie Krimi International) im →Funkhaus Europa, das große Radiokrimiexperiment. Und danach jeden Monat bis in den Oktober die Fortsetzung. Auf jeden Fall reinhören!

Anlässlich eines Anlasses

Die Criminale ist vorbei – der Skandal beginnt jetzt. Welches mürbe Hirn konnte auf den Gedanken verfallen, ausgerechnet Wieland Bückling, das enfant terrible der deutschen Endreimlyrik, mit dem Verfassen des offiziellen Abschluss- und Lobgedichtes zu beauftragen? Nun hat Bückling sein Elaborat abgeliefert (das Honorar war wohlweislich schon im Voraus kassiert worden) – und sofort herrschen Heulen und Zähneklappern im Syndikat. Warum? Lesen Sie selbst…

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The Soundtrack Of Our Lives: Communion

Eigentlich hat man The Soundtrack Of Our Lives (TSOOL) längst für tot gehalten. Wir erinnern uns: 2004 erschien ihr letztes Studioalbum →‚Origin Vol. 1‘. Kurz darauf ward von dieser famosen schwedischen Rockband nichts mehr gehört, gesehen oder gelesen. Dabei trug man immer die Hoffnung in sich, eines baldigen Tages ‚Origin Vol. 2‘ in seinen Händen halten zu können. Doch nix da. Fünf Jahre nach Teil eins, was in der Popwelt mehr als eine halbe Ewigkeit ist, liegt nun nicht Teil zwei vor, dafür aber mit ‚Communion‘ ein brandneues Studioalbum, das sich gleich über zwei CDs erstreckt. Weiterlesen

Andreas Laudan: Pharmakos

Die Menschen arbeiten nur noch zwei Stunden die Woche, bei vollem Lohnausgleich, versteht sich. Den Rest machen Roboter. Deutschland ist Abonnements-Fußballweltmeister, und am Wochenende erholen wir uns auf den Marskolonien. – So etwa hätte eine Zukunftsvision auf das Jahr 2009 in den Fünfziger Jahren aussehen können. Man führt Entwicklungen einfach linear fort, rechnet sie hoch. Dagegen lässt sich nichts einwenden, außer vielleicht, dass eh alles anders kommt, als man es sich zusammengereimt hat. Hoffen wir das auch von der wirren Vision des Andreas Laudan.

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Da kracht die Couch!

Die Krimicouch gehört zu den Nominierten für den diesjährigen →Grimme-Online-Award. Herzlichen Glückwunsch, liebe Kolleginnen und Kollegen! Obwohl… wir von wtd haben auch etwas dazu beigetragen, unseren früheren Azubi Jochen nämlich, der heute als Stellvertreter des Chefs auf der Couch sitzt. Bei wtd für teuer Geld ausgebildet im Rezensionenklöppeln, Whirlpooleinlassen und Leserbeschimpfen, haben wir Jochen vor Jahr und Tag leich… äh, schweren Herzens ziehen lassen. Saarländische Entwicklungshilfe für das krimirückständige NRW. Und jetzt feiert schön!

Ein Krimimärchen

Ups… hab ich wieder mal ein neues Subgenre erfunden? Oder gibts schon „Krimimärchen“? Na, egal. Das Ding liegt jedenfalls in seiner ersten Fassung vor, trägt den Arbeitstitel „Das Märchen von der Zeit ohne Zeit“, spielt im 22. Jahrhundert und ist eigentlich ein Fall für die „Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“. Durchtrainierte 145 Seiten, formal zwischen Roman und Novelle, auf jeden Fall immer mit „Kriminal-“ davor. Und wer schon mal den Absatz lesen möchte, mit dem man mich denunziatorisch rufmorden kann, hier ist er:

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Wer braucht ein Krimimagazin?

Erst einmal der Chronistenpflicht Genüge tun und ein paar aktuelle Reaktionen auf das Krimijahrbuch 2009 nachgetragen: →Ingeborg Sperl hält es für „keinesfalls langweilig oder unverständlich“, →Thomas Klingenmaier verspricht, man habe „das bisschen Geld für den Band (…) schnell wieder raus“, wundert sich aber über das Fehlen eines Krimimagazins, während →Axel Bussmer im KJB 2009 „nur eine beliebige Zusammenstellung von kriminalromanaffinen Texten“ sieht, „die auch an anderen Orten zu anderen Zeiten, zum Beispiel einem Krimimagazin, hätten erscheinen können“.

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A woman must have everything (Joni Mitchell)

Das passt. →Vorgestern haben sie sich gefragt, warum Frauen keine – oder nur wenige – Krimipreise gewinnen, gestern dann haben sie drei →Glauser-Preise an Frauen verliehen. An Gisa Klönne für „Nacht ohne Schatten“ (Roman), Lucie Klassen für „Der 13. Brief“ (Debüt) und Judith Merchant für ihren Kurzkrimi „Monopoly“. Glückwunsch. Und was hat der Blogger über Gisa Klönnes Roman →geschrieben? – „Ein Krimi ist ein Krimi. Und ein völlig uninspiriert in Szene gesetzter Krimi ist ein schlechter Krimi.“ Auch wenn er einen Preis bekommt.

Billy Joel, zum 60.

Still, the mystery persists: How can he be so bad and yet so popular for so long? He’s still there. You can’t defend yourself with anti-B.J. shields around your brain. He still takes up the space, takes up A&R advances that would otherwise support a score of unrecognized but genuinely talented artists, singers, and songwriters, with his loathsomely insipid simulacrum of rock.

Slate: ↑The Worst Pop Singer Ever

Vier glorreiche Frauen

Vier Frauen haben es auf die neue Liste der Sieben Glorreichen geschafft. Selma Mahlknecht mit ihrem Nicht-, also Doch-Krimi „Es ist nichts geschehen“, natürlich (!) Fred Vargas und „Der verbotene Ort“ (ausführliche Rezension folgt), Monika Geier, die nicht nur „Die Herzen aller Mädchen“ betört (noch nicht mal ausgelesen, aber auch hier gibt’s eine Besprechung) sowie, tata, Andrea Maria Schenkel mit „Bunker“. Weichen mussten vier Männer. Und weil mit Uta-Maria Heim eine weitere Frau auf der Liste geblieben ist, sind es jetzt also fünf. Insgesamt: Meine bisherigen Favoriten des Jahres. Aber das ist ja noch nicht vorbei.