Tarnation: Gentle Creatures

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Countrymusik vielen als Inbegriff von Rückständigkeit, reaktionärem Denken oder schlicht künstlerischer Verirrung. Diese Zeiten haben sich inzwischen geändert, nicht zuletzt dank vieler junger Musiker, die einer angestaubten Musikrichtung wieder Leben einhauchten. Eine dieser vielen neuen Bands, die unverkrampft Tradition und Moderne mischen heißt TARNATION.

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Buffalo Tom: Sleepy Eyed

Bei Buffalo Tom verhält es sich fast wie bei den Ramones oder AC/DC. Man weiß schon vor dem Kauf was einen erwartet: Hochmelodischer U.S. Gitarrenrock der Marke Moving Targets. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Veröffentlichungen offenbart sich nur durch die Güteklasse der Songs. War man mit „Let Me Come Over“ auf dem Höhepunkt der songschreiberischen Kreativität angelangt, ging es mit dem Nachfolger „Big Red Letter Day“ bergab.

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Sampler: L’amigamore

Keine gewöhnliche Compilation, aber das wäre bei dem Selbstanspruch von L’age D’or verwunderlich gewesen. Es wurden nur deutsche Künstler auf den Sampler gepackt, was ja im Hinblick auf den sonstigen Output des Labels nicht ungewöhnlich erscheint. Hingegen ist der Fakt, daß sämtliche Interpreten die Gemeinsamkeit aufweisen, nämlich Tanzmusik in den 60er Jahren, dazu noch in der DDR, gemacht zu haben, eine Kuriosität.

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Ed Kuepper: A King In The Kindness Room

Irgendjemandem etwas über Ed Kuepper erzählen zu wollen, würde Bücher füllen, wäre eine Extrastory wert, würde im Rahmen einer Plattenbesprechung zuviel Raum einnehmen.
Der Meister hat schon so viel Material veröffentlicht, daß es schier unglaublich ist. Egal ob es die SAINTS oder die AINTS waren, die LAUGHING CLOWNS oder die Veröffentlichungen unter eigenem Namen, alles trug deutlich Ed Kueppers Handschrift.

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Filter: Short Bus

Eigentlich merkwürdig, wenn einige sogenannte Fachblätter bei den Merkmalen harte Gitarren, verzerrter Gesang und Drumcomputer auf den Begriff „Industrial“ kommen. Filter gehören in die Rubrik „Industrial“ genauso wenig wie die musikalisch artverwandten Ministry oder Lard. Ein geeigneter Name für diese Schublade muß erst noch gefunden werden. Der Unterschied zu den genannten Vorreitern liegt im filterschen Hardcoreverständnis.

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Dirty Three: same

Kennt eigentlich noch irgendjemand den Begriff Acid-Rock. Acid- oder auch Psychedlic-Rock bezeichnete Ende der 60er Jahre die Musik, die durch akustische Einwirkung Halluzinationen wie unter LSD erzeugen sollte. Unter dem Begriff Acid- Rock liefen damals ganz unterschiedliche Bands wie JEFFERSON AIRPLANE, LOVE, MAD RIVER (großartiger West-Coast) und THE BYRDS (manchmal).

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Michael Hall: Adequate Desire

Nach „Quarter To Three“ von 1990 und „Love Is Murder“ von ’92 nun das dritte Werk von Michael Hall. Momentan nur als Export zu bekommen, aber natürlich trotzdem besprechenswert.
Persönlich, sich erinnernd, nachdenklich, sich orientierend, suchend bewegt sich Michael Hall musikalisch zwischen Singer/Songwriter, Rock, Neo-Folk und Country. Motto des Ganzen dürfte wohl sein: „Life is alright for the time being“. Bewußtsein, daß alles mal ein Ende haben wird, dazwischen aber auch noch etwas ist. Mit dem man sich auseinandersetzen muß. „Hello Mr. Death, is that all you can do, is that your best? Mr. Death, I’m going nowhere… the guitars are out“

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Sampler: For The Love Of Harry

Tribute-Sampler, die dem Werk eines mehr oder minder verdienstvollen Musikers gewidmet sind, gibt es derzeit wie Sand am Meer. Die Zahl der guten ist schon wesentlich geringer. „For The Love Of Harry – Everybody Sings Nilsson“ ist ein guter, der durch gute Songs, gute Musiker und ausführlichste Linernotes glänzt.

Auf „For The Love Of Harry“ erweisen 23 Freunde und Kollegen dem im Januar ’94 verstorbenen Harry Nilsson ihre Referenz, darunter u.a. Randy Newman, Beach Boy Brian Wilson, Ringo Starr, Marc Cohn, Aimee Mann, Fred Schneider (dessen Version von „Coconut“ aus dem Sampler durch erhöhte Nervigkeit herausragt), Joe Ely, Al Kooper, Victoria Williams, Jellyfish, Adrian Belew, The Roches und Richard Barone

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Jacobites: Old Scarlett

Auf dem Cover präsentiert sich die gesamte Mannschaft bei Sonnenschein im Innenhof einer zerfallenen Burgruine. Romantisch, wallende Gewänder, Rüschenhemden, alles wie gehabt. Nikki Sudden und Dave Kusworth liefern wieder ein gefühlsbetontes schönes Album ab, das sich so anhört wie Zuckeressen. Im Hintergrund begleitet ständig die Orgel, bzw. das Piano von Terry Miles, darüber die Stimmen von Kusworth und Sudden. Sie singen das ewige Lied der Liebe, das ewige Lied vom Tod, das ewige Lied vom Alkohol. Keine Ecken oder Kanten, fast schon zu schön. „Boutique“ hört sich von der Instrumentierung fast an wie Dylans „Like a Rolling Stone“. Nur viel süßer.

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Holly Cole: Temptation

Holly Cole ist eine 31jährige Kanadierin, die bislang 3 Alben veröffentlicht hat auf denen sie sich als Interpretin von alten Standards und aktuellen Kompositionen profilierte. Bei uns am bekanntesten waren wohl die zwei Stücke, die sie zum letztjährigen Prince-Tribute-Sampler „When Doves Cry“ beisteuerte. Das mit dem „Tribute To“ scheint ihr gefallen zu haben, denn jetzt hat sie mit „Temptation“ erstmals eine CD veröffentlicht, die ausschließlich den Kompositionen eines einzigen Songschreibers – Tom Waits – gewidmet ist.

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Mein Leben mit Hugo Pratt

Hugo Pratt ist tot und er hat einen ganz schönen Haufen Zeichnungen hinterlassen. Das erste, was ich von Pratt las, müssen die Südseeballaden mit Corto Maltese gewesen sein, Mitte der siebziger Jahre. Sie erschienen als Fortsetzungsgeschichte in „Zack“, das ich damals neben „Perry Rhodan“ gegen eine Lesegebühr von 5O Pfg. von meinem älteren Bruder bezog.

Ehrlich gesagt konnte ich damals 15-jähriger mit Pratts „romantischen Helden“ nicht allzuviel anfangen. Ich stand ihnen und ihren Abenteuern mit einer pubertären Mischung aus Neid und Ablehnung gegenüber und konnte mich nicht damit abfinden, dass es vor 60 Jahren Leute gegeben haben sollte, die tollere Sachen erlebten, als ich sie jemals erleben würde. Ich kehrte schnell zu Michel Vaillant und Luc Orion zurück – da war noch alles drin.

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Zum Tod von Hugo Pratt

Corto Maltese, Abenteurer und Kapitän ohne Schiff, der vielleicht poetischste, sicherlich aber geheimnisvollste Held der Comic-Literatur, ist in seinen Bestimmungshafen eingelaufen – am 20. August starb der Autor und Zeichner Hugo Pratt im Alter von 68 Jahren in der Pully-Klinik von Lausanne.

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Royal Trux: Thank You

Nun da die Rolling Stones der Welt noch einmal zeigen wollen, wer im Musikbiz die einflußreichste Band war und ist, werden Epigonen der „Sticky Fingers“-Phase – namentlich „Royal Trux“- zu einer Vorzeigekopie. Die Unterschiede zwischen den ehrwürdig ergrauten Herren Jagger und Co. liegen klar auf der Hand:
1)Erstere haben (immer noch) die besseren Songs,
2) Erstere können wirklich ihre Instrumente bedienen und
3) hat Mick Jagger trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch mehr Sex Appeal als die hippieske Jennifer Herrema.

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Natacha Atlas: Diaspora

Natacha Atlas kombiniert auf ihrer ersten Platte moderne westliche Rhythmen mit arabischer Folklore. Bill Laswell hat bereits in den 80er Jahren solche Versuche mit seiner Band MATERIAL gestartet. Er wirkt aber bei dieser Produktion nicht mit.

Natacha Atlas wurde in Belgien geboren, ihre Mutter ist Engländerin, ihr Vater Ägypter, ihre erste Muttersprache ist französisch. Multikulturell ist sie aufgewachsen, multikulturell, auch so ein Schlagwort der 90er, ist ihre Musik. Auf Jah Wobbles Album „Rise Above Bedlam“ (1992) – auch so eine multikulturelle Angelegenheit – sang sie auf fünf Liedern mit. Den Durchbruch landetete sie als Sängerin und Bauchtänzerin der britischen Dance-Formation TRANS GLOBAL UNDERGROUND, die traditionelle Sounds aus verschiedenen Kulturen – ganz multikulturell – mit Rap- und Dance-Elementen verbindet.

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Das ABC der Jugendbewegung

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Jugend! Begleitet Tocotronic bei ihrem freien Fall durch die Ideenwelt einer charmanten, einfühlsamen und sozial wie politisch korrekten Jugend. Startet in Utopia (A) und schaufelt den Weg frei, damit ihr über metaphorische Imolas (I) ins Feindesland langhaariger, bärtiger Menschen und überhaupt alles Bösen (Z) gelangt. Hört zwischendurch immer wieder die beste Musik, die 22-jährige so geprägt haben kann. Und hört letztendlich die ganz neue Tocotronic-LP (was dann die dritte wäre), denn nichts anderes ist in diesem Gespräch entstanden.

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