1. Deutscher Atomkrimi-Preis

Der Krimi ist DER Gesellschaftsroman. Sagt man. Doch wo, bitte schön, ist dann der Atomkrimi? Es gibt ihn einfach nicht, und das ist ein Skandal. Ist es doch die Atomenergie, die uns billigen Strom liefert, die Lebenshaltungskosten niedrig hält und so für sozialen Frieden sorgt. Außerdem besteht jeder Mensch aus Atomen, die einen mehr, die anderen weniger. Atom heißt Kraft – und Atomkraft heißt Lebensfreude – und Lebensfreude heißt: Krimis lesen.

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Hansjörg Schneider: Hunkeler und die Augen des Ödipus

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Ein Krimi, in dem über Sophokles und Adorno räsonniert wird, kann nur bei Diogenes erscheinen, erspart es doch Patricia Highsmith und Georges Simenon, den Friedhof zu wechseln, wenn sie sich in ihren Gräbern wälzen. Eine Art Bildungsbürgerkrimi ist das, überraschenderweise, denn vielleicht hatte man geglaubt, der sei nur eine Schimäre, es gebe ihn gar nicht. Aber es gibt ihn wie etwa die Menschen, die ihre Kinder nicht mit „Unterprivilegierten“ allzu lange die Schulbänke drücken lassen wollen, liberal-asoziales Pack eben, doch pardon: Das passt jetzt nicht zu Hansjörg Schneiders „Hunkeler“-Roman, das ist eine spontane Assoziation des Kritikers, der die Gemüter durch die Versicherung zu beruhigen versucht, dass sie in „Hunkeler und die Augen des Ödipus“ kein bisschen in Gefahr schweben werden, irgend etwas assoziieren zu müssen.

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Australische Blogschelte

„Challis sinnierte eine Weile über die Idee von Blogs nach, vor allem in Dirk Roes Fall. Es schien ganz so, als hätten Privatsphäre, Würde und Zurückhaltung für die Cyberspace-Generation keinerlei Bedeutung mehr. Man konnte meinen, dass es heute vollkommen in Ordnung war, jeden halb ausgegorenen, langweiligen oder bösartigen Gedanken, jedes Gefühl, jeden verletzten Stolz hinauszuposaunen.“ ( Garry Disher, „Rostmond“, Unionsverlag 2010, S. 67/68)

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Sozialer Profit

Deutschland verarmt. Woran liegt das? An der Globalisierung! Weil Asiaten und Afrikaner sich nicht entblöden, für einen Sack Reis oder Maniok zu arbeiten, müssen wir es auch! Das ist doof, aber nicht zu ändern. Nicht zu ändern? Doch! Durch unternehmerische Mildtätigkeit! Man nehme nur den Saarbrücker Conte Verlag und sich an diesem ein Beispiel.

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Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers

Beginnen wir mit einer Falschmeldung: Der Afrikakrimi boomt. Oje. Natürlich nicht. Was fröhlich hypt, ist der Südafrikakrimi und auch das ist wohl schon passé, nachdem es sich fußball- und trötenmäßig ausgehypt hat. Und Afrikakrimi? Nun ja. Der moderne Kriminalroman, wie man ihn allerorten mehr oder weniger routiniert runterschreibt. Also kein Afrikakrimi. Dafür, wenigstens in kleinen Dosen gereicht, eine Art Abkehr vom amerikanisch-europäisch geprägten Ratiokrimi. Nach Vamba Sherifs →„Geheimauftrag in Wologizi“ jetzt Nii Parkes mit „Die Spur des Blenenfressers“.

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3 Minuten noir

Man muss nicht wie Derek Raymond die Gesellschaft für einen Zustand halten, der nur im Schreibmodus des noir sichtbar wird. Ein Röntgengerät ist er durchaus, denn noir erlaubt einen Blick durch das Fleisch auf die Knochen unseres Zusammenlebens und seiner Regeln. Nur: Ein Skelett ist ein Skelett, und das agiert höchstens in Gruselfilmen als zusammenhängend Menschliches. Ansonsten ist es nichts weiter als ein Haufen Knochen, ohne Muskeln und Sehnen, ohne Fleisch und Fett die Andeutung von Form.

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10 Themen, über die zu schreiben sich nicht lohnt

Mann, über was ist hier in den letzten Jahren nicht alles geschrieben worden! Manchmal wolkig, manchmal heiter, erschöpfend oder en passant, mit anschließender Prügel für den Autor oder nicht. Aber manche Themen sind inzwischen so was von durch, dass es an der Zeit ist, sie endgültig kurz und bündig abzuschließen. Keine Diskussionen mehr, höchstens noch das eine oder andere Späßlein drüber. Hier die Worstlist nicht nur für diesen Monat. Freuen wir uns statt dessen auf neue Themen wie „Welche Farben bevorzugen Krimiautoren bei ihren Unterhosen?“

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Robert B. Parker: Alte Wunden

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Ein neuer Auftrag für Spenser (na ja, im Original von 2003) und die alten Reflexe. Nichts zu bemängeln, Kriminalliteratur auf bestem Unterhaltungsniveau, gute Bekannte, die tun, was sie schon immer getan haben. Ein Banküberfall von 1974, bei dem eine scheinbar Unbeteiligte erschossen wurde, sorgt diesmal für „alte Wunden“, als die Tochter der Getöteten Spenser um Aufklärung bittet. Die Aktion war von einer „studentischen Aktionsgruppe“ durchgeführt worden und rasch zeigt sich, dass alte Wunden, wenn sie aufbrechen, schnell zu neuen führen können.

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Wolfgang Bitburger rests in pieces

Wolfgang Bitburger, der Doyen der deutschen Krimikritik, ist tot. Der bei Kollegen wie Autoren wegen seiner stets kenntnisreichen und ausgewogenen Rezensionen gleichermaßen geschätzte Bitburger verstarb gestern im Alter von 89 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls, den er bereits im Frühjahr während der Tagung „Krimikritik – Fluch oder Segen oder beides?“ in Bad Krotzingen erlitten hatte. „Wir verlieren einen Gentleman der liebevollen Krimianalyse“, heisst es in einem Nachruf des „Itzehoer Volksboten“, für den Bitburger ebenso schrieb wie für andere Massenmedien.

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Problem gelöst

Grummeln bei FACEBOOK. Steht doch auf der neuen Krimiwelt-Bestenliste mal wieder nur ein deutscher Titel, noch dazu auf hinteren Plätzen. Ein unhaltbarer Zustand, finden die AutorInnen, man erfährt erstaunt, selbst die Verlage hätten sich schon darüber „beschwert“, ohne Erfolg allerdings. Wer ist dran schuld? Die Kritiker. Und überhaupt.

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Rückständige Zeitgenossen

Es ist unglaublich. Jetzt, wo es quasi amtlich ist, dass man sich für Arthur Conan Doyle und sein mediokres Geschöpf Sherlock Holmes nicht mehr zu interessieren braucht, →protestieren gestandene Autoren wie Julian Barnes oder Ian Rankin oder Stephen Fry gegen den Zerfall des Landhauses des alten und überschätzten Meisters. Ja sakra, wo leben die eigentlich? Warum nehmen diese Ignoranten einfach keine Notiz von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen? Es ist manchmal wirklich traurig, in welch rückständigen Zeiten man leben muss.

Eifel in der taz

Eine ganze Seite Eifelkrimi in der →taz? Na ja, nicht wirklich. Jacques Berndorf hat seinen neuen Roman „Die Nürburg-Papiere“ in der Mainzer Staatskanzlei vom Ministerpräsidenten persönlich vorstellen lassen, der wiederum ächzt unter der tatsächlichen „Nürburg-Affäre“, die das Buch thematisiert, Krimiautoren schreiben häufig unter Pseudonym, weil sie früher mal Pornos geschrieben haben, in den meisten Krimis kommt der Ausdruck „nicht wirklich“ vor, so der Autor Helmut Höge, und eigentlich verfehlt Berndorf sein Thema, aber wieso eigentlich, das erfahren wir nicht, über das ganze Buch erfahren wir eigentlich nichts und so könnte man behaupten, Höge habe irgendwie sein Thema verfehlt oder auch nicht, wenn das Thema die „Nürburg-Affäre“ war und nicht die „Nürburg-Papiere“, genaueres weiß man nicht wirklich, das aber ganz bestimmt.

Suite Noire

Mit vier Bändchen startet der Distel Literaturverlag seine Übersetzungen der französischen Buchreihe „Suite Noire“. Herausgegeben wird sie seit 2006 vom einschlägig bekannten Jean-Bernard Pouy, 36 Titel sind es bisher, acht davon 2008/2009 vom französischen Sender France 2 für das Fernsehen adaptiert.

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Verbrechensbekämpfung

Und wieder redet jeder vom absoluten Beweis. Von der elektronischen Hochrüstung, der lückenlosen Videoüberwachung, der totalen Kontrolle. Ein Ball kracht gegen die Unterkante der Latte, springt zurück und kommt hinter der Torlinie auf. Kein Tor. Also Fehlentscheidung. Ein Verbrechen, das nicht geahndet wird.

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