Alligators Urlaub

Ach ja: Der alte Alligator fährt zwei Wochen Ski (Hals- und Schwanzbruch!). Bis dahin bleiben seine Papiere blütenweiß. Wer also etwas findet, kann das ruhigen Gewissens diesem Blog hier zukommen lassen. Links bitte →an diese Adresse. Wir werden es – vielleicht nicht ganz so hurtig wie die alte Echse, aber genauso zuverlässig – der Welt mitteilen.

Traum?

Ich hatte einen bösen Traum. Mir träumte, die Kriminalliteratur sei von mitleidigen AutorInnen zu dem einzigen Zweck erfunden worden, auch die geistig weniger flexible Bevölkerung unseres Kulturlandes beim Lesen von Büchern mit intellektuellen Erfolgserlebnissen zu beglücken. Die Grundüberlegung: Ist der Leser zu doof, die Geheimnisse eines Textes selbstständig ans Tageslicht seines Verstandes zu bringen, spendiert man ihm via Krimi ermittelndes Personal, das diesen Job für ihn erledigt.

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Augen auf!

Dass wer eine Bude auf dem Markt hat, kräftig schreien, trompeten und krakeelen muss, wusste man schon immer. Verkauf ist alles, und auch auf dem Krimimarkt stehen die Büdchen nun einmal dicht an dicht. Noch niemals ist ein schlechter, ja, nur durchschnittlicher Kriminalroman in Deutschland veröffentlicht worden – behaupten die Verlage. Also wird gelobhudelt, bis sich der kaltblütigste Klappentexter morgens nicht mehr im Spiegel betrachten kann, hübsche Flashfilmchen werden als „Trailer“ produziert und geistige Dünnpfifferei erreicht dank Beimischung starken Vokabulars die solide Konsistenz unverzichtbaren Schrifttums.

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Frank Goyke: Altweibersommer

Theodor Fontane ermittelt. So, so. Nicht mehr ganz jung, die großen Romane noch ungeschrieben, mit journalistischen Brotarbeiten hält er sich und seine Familie über Wasser. Auf einer Recherchereise durch die Mark Brandenburg wird er plötzlich mit dem Tod eines alten Bekannten konfrontiert. Der, einst Arbeitskollege Fontanes, hat es zum Immobilienking und eingeheirateten Adligen gebracht und liegt jetzt mit zerfetztem Kopf in einer Wildschweinkuhle. Selbstmord? Sieht so aus, denn die Geschäfte des Herrn standen vor dem Bankrott. Und Fontane? Der zweifelt an der Selbstmordthese, wie auch anders in einem Kriminalroman, und, siehe oben, ermittelt.

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Krimijahrbuch 2009 – Erinnerung

Ich möchte nur ganz zaghaft daran erinnern, dass das Krimijahrbuch 2009 Anfang März erscheinen wird. Kann →hier bestellt werden oder →beim Verlag oder in der Buchhandlung. Wie immer lesenswert – das sage ich jetzt mal als Unbeteiligter. Wir halten euch auf dem Laufenden. Ihr dürft auch gerne Anregungen geben, was man 2010 mal so alles machen könnte: Themen, Personen, Länder, Kontinente… Wir sind ja strikt basisdemokratisch. Ob wir es dann allerdings auch so umsetzen können, kann nicht garantiert werden…

TW and me

Wir beide sind Gegenstand des letzten „Krimigesprächs“, das Ulrich Noller mit der Moderatorin der →„Bücherwelt“ auf der Deutschen Welle geführt hat. TW, weil er nach fünfzig Jahren Beschäftigung mit dem Genre immer noch nicht weiß, was ein Krimi ist, meine Wenigkeit, weil ich „hyperaktiv“ bin. Meint Herr Noller. Kennt den jemand?

Die Kritikasterei – Weg zum Glück?

Wie ging es früher in Kreisen deutscher Krimischaffender zu? Überlebende erinnern sich schaudernd. Grausig wars, so der Tenor. Es herrschte Sengen, Morden und Brandschatzen, üble Nachrede war noch das Geringste, schwere Körperverletzung an der Tagesordnung. Doch dann hatten einige wenige Vernunftbegabte unter den Krimischaffenden die geniale Idee: Wir müssen einen Verband gründen!

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Grenzöffnung

Vielleicht sollten wir reinen Tisch machen, was die qualitative Vermessung von Kriminalliteratur angeht. Und, einfach mal so zu Erkenntniszwecken, davon ausgehen, es spiele letztlich keine Rolle, ob ein Hoch- oder ein Asphaltliterat das Genre mit seinen Kreationen beehre.

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Suhrkamp: Talent zum Unterhalter?

Eine persönliche Anekdote vorweg: Ende der siebziger Jahre schickte ich, „blutjunger Autor“, eine schmale Novelle zur Begutachtung an das Lektorat des Suhrkamp Verlags. Kein Krimi, aber eine leicht ins Mysteriöse driftende Geschichte. Sie kam nach zirka zwei Monaten zurück und enthielt den mir seither ins Gedächtnis gebrannten Satz: „Sie haben unbezweifelbar Talent zum Unterhalter“. Das war, aus der Feder eines Suhrkamp-Lektors, natürlich das Todesurteil.

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Stewart O’Nan: Alle, alle lieben dich

Die junge Kim ist verschwunden. In einer US-amerikanischen Kleinstadt nahe der Großen Seen, aus einem auf den ersten Blick doch so intakten Mittelstandsmilieu. – Das Setting kennen wir, es ist einer der Archetypen der Kriminalliteratur. Ein Verbrechen geschieht und gräbt die vorgebliche Harmonie so lange um, bis wir in gähnende Abgründe blicken. Nichts Neues, man denke nur an Laura Lippman, die so etwas prima hinkriegt. Und was macht Stewart O’Nan daraus?

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