Hir schteht’s

Wie versprochen: der →Link zu Pieke Biermanns Rezension von Jenny Hirschs Kriminalroman. In einer Stunde und zehn Minuten auf Deutschlandradio Kultur zu hören. Diese göttliche Stimme! Vor allem wenn sie sagt: „dpr ist der einzige Anbieter alter Krimis, von dem man auch unbesehen einen Gebrauchtwagen kaufen kann.“

Laura Lippman: By a Spider’s Thread

Wie Kollege dpr hier angesichts des Buches →„Gefährliche Engel“ bedauernd anmerkte, hat Laura Lippman, immerhin eine der derzeit erfolgreichsten Krimiautorinnen in den USA, in Deutschland bisher nur relativ wenig Beachtung gefunden. Nun, vielleicht liegt dieses auch daran, dass bei uns zuvor nur ihre älteren Werke erschienen waren. Unaufgeregte Bücher, moralisch korrekt, die sauberes Handwerk demonstrieren, jedoch nicht besonders komplex oder raffiniert sind.

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Dossier, Nachtrag

Aus dubioser Quelle wurde uns ein Dokument (DER SPIEGEL, 2.2.1950) zugespielt, das die Tätigkeit der „Arbeitsgruppe Kriminalroman“ in einen historischen Kontext zu stellen vermag, welcher vielleicht aktuell nicht publik zu machen ist, dem ungeachtet jedoch ein Beleg für die Folgerichtigkeit unserer Überlegungen zur Nutzbarmachung des Kriminalromans im Sinne der Volksbefriedung. Das Faksimile wurde uns vom inzwischen in München-Stadelheim inhaftierten →Betreiber eines der nach den Unruhen 2010 verbotenen sogenannten „Krimiblogs“ zur Verfügung gestellt. Der Mann darf nun auf frühzeitige Begnadigung hoffen, während wir gegen die noch flüchtigen sogenannten „Krimiblogger“ (u.a. Menke, dpr plus Helfershelfer) mit aller Strenge des Gesetzes vorgehen werden.

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Hört die Signale!

Morgen früh, 9 Uhr 33, wollen wir alle wtd-Leser als Hörer von Deutschlandradio Kultur sehen. Spricht doch just um diese Zeit Pieke Biermann über einen Krimi der Frauenrechtlerin Jenny Hirsch, „Ein seltsamer Fall“. Zur Vorbereitung auf diese Sendung ist das rezensierte Buch in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“ vollständig zu lesen. Wir machen Stichproben und bestrafen Zuwiderhandlungen. Also! Lesen! Hören! Wer dies aus schwerwiegenden Gründen nicht kann (bitte ärztliches Attest o.ä. einreichen), kann die Biermannsche Reze auch nachlesen. Wir liefern den Link as soon as possible nach.

Die Welt im Rucksack

„Sein Rucksack enthielt eine detaillierte Wanderkarte, einen Kompaß und ein Fernglas, zwei Sandwiches mit Käse und Gurken, einen Keksriegel mit Pfefferminzgeschmack, einen Apfel und eine kleine Fleischpastete. Außerdem Schokoladenbonbons für Jess, eine Flasche Wasser für beide und ein zerfleddertes Buch des Tierschutzvereins über heimische Vögel. Erst vor kurzem hatte er sich dazu durchringen können, den in Deutschland hergestellten Wanderstock mit Federung zu benutzen, den ihm eine seiner Nichten vor drei Jahren gekauft hatte.“

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Aus Piekes Bell-Epoque

Das muss schon ein selten dummer Hund sein, der nicht riecht, wie da aus Berlin nur kriminell Gutes aus Druckpresse und Äther kommt. Natürlich nur dann, wenn DER TAGESSPIEGEL und RBBinfoRADIO 93,1 involviert sind und la Biermann, die Trüffelschnauze der deutschen Kriminalreportage, wieder eine Wuchtknolle aus dem Polizeialltag freilegt. Am 20. Januar 2007, Punkt 11.45 Uhr im Radio (wann Sie’s im Tagesspiegel lesen, bleibt Ihnen überlassen), Wiederholungen um 16:45, um 22:45 und in der folgenden Nacht und 03:45: „Schnüffler vom Dienst“. Pieke bringt die Blutspur- und Leichensuchhunde auf Vordermann.

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Andree Hesse: Das andere Blut

Deutsche Wertarbeit. Ein Mordfall wird ausermittelt, ein wenig Regionales sorgt für Atmosphäre, man hat private Probleme und sehr, sehr viele tiefe Gedanken. Das alles in einer Sprache, die auf merkwürdige Weise Marshall McLuhans legendäre Identifizierung des Mediums als Botschaft variiert. Die Botschaft: Kümmert euch nicht um das Medium, fragt euch einfach, wer der Täter ist, oder lasst es bleiben, ich sag es euch eh.

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Ohne Worte

Eigentlich erzählt „Schrei nicht so laut“ von John Harvey eine Geschichte, wie man sie schon oft gelesen hat. Ein Polizist, der jetzt im Ruhestand vor sich hin lebt, schleppt einen Fall mit sich herum, den er zu seinen aktiven Zeiten nicht hat aufklären können. Ein Mädchen ist verschwunden und nicht mehr aufgetaucht, weder tot noch lebendig. Der Polizist rollt nun den Fall wieder auf.

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Verschärfte Gedanken I

(Und wieder rotierts im Köpfchen. Form und Inhalt, das rechte Maß, die dicken und die dünnen Krimis. Verschärft Gedanken machen heißt die Nummer, ja, aber mehr als diese verschärften Gedanken kriege ich momentan nicht zustande. Ein paar besonders abwegige gibt es in nächster Zeit hier zu bestaunen. Der erste pöbelt gegen Pieke Biermann – die Strafe folgt auf dem Fuß.]

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Wieder was gelernt

Und wieder geht eine gesicherte Wahrheit den Bach runter. Wer liest eigentlich Krimis? Bisher antwortete man ohne Zögern: Na, linke Vögel, sexuell frustrierte Hausfrauen, alkoholisierte Arbeitslose, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Angestellte des Öffentlichen Dienstes, durchgeknallte akademische Schreckensmänner, bei denen es für Kafka nicht gereicht und – „imbezile Couch-Potatoes!“, gröhlt vom Redaktionsdiwan der soeben vom „Raven“ eingetroffene, nun „outchillende“ Azubi Jochen. Jetzt aber muss auch die Geschichte der Krimilesersoziologie neu geschrieben werden, der „Westfälischen Rundschau“ sei Dank.

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Die dicken Krimis

In Mailand, habe ich gehört, dürfen jetzt Models, die aussehen wie mit Haut umspannte Kleiderständer, nicht mehr auf den Laufsteg. Weg mit den Hungerhaken, mehr Form, mehr Inhalt, bitte. Gut so. In Deutschland, lese ich gerade, will man übergewichtige Kriminalromane abspecken lassen. So jedenfalls steht es →hier und →hier, ja sogar →dort regt sich Unmut über die Wabbelkrimis und eigentlich ist das so wie in Mailand: mehr Form, mehr Inhalt, weniger Füllstoff.

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Carl Albert Loosli: Die Schattmattbauern

Im vorgeblichen Dunkel der Geschichte des deutschsprachigen Kriminalromans blitzen zwei Werke aus schweizer Federn: Friedrich Glausers „Wachtmeister Studer“ (auch als „Schlumpf Erwin Mord“ bekannt) aus dem Jahr 1935 und „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt, 1950. Wüssten wir es nicht besser, wüssten vor allem nicht, dass die Leerstellen vor und zwischen diesen Marksteinen keine wirklichen Leerstellen sind, sondern einzig und allein der jahrzehntelangen betrieblichen Blindheit der Forschung geschuldetes Übersehen, dann also könnten wir uns den Spaß erlauben, neben die beiden Menhire, die da aus kriminalliterarischem Flachland wachsen, einen dritten eidgenössischen zu stellen: Carl Albert Looslis „Die Schattmattbauern“ von 1932.

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