Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (1)

Ganz oder gar nicht. Die Dinge sind nie „einfach“. Wohl könnte man das Phänomen der „literarischen Krimis“ als sprachliche Schuderei verdammen und sich nicht weiter darum kümmern. Spannender erscheint indes eine Expedition durch jenes wunderbare und geheimnisvolle Land der „literarischen Krimis“. Nun denn, ziehen wir den Tropenanzug an und setzen uns in Bewegung.

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Moral

Krimibloggen ist nichts für Klosterschüler. Man muss austeilen und einstecken können, der Kampf um Marktanteile ist, wie in jeder anderen boomenden Branche auch, hart und nicht selten an den Grenzen des Erlaubten. Schließlich geht es um Millionen, was kümmern uns da Menschlichkeit und Moral?

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Exkurs

„Literarische Krimis“ und kein Ende. Markiert der Deutsche Krimipreis 2007 tatsächlich einen Wendepunkt, wie es → Tobias Gohlis in der ZEIT vermutet, einen Paradigmenwechsel gar? Oder werden hier lediglich alte Vorurteile bestätigt und neue Moden kreiert, wie die →Reaktion auf Gohlis nahelegt? – Man kann darüber trefflich spekulieren, sollte aber vielleicht auch die Literaturgeschichte nicht geringschätzen, die einen ganz ähnlichen – und überraschenden – Fall von „Emanzipation eines Genres“ kennt.

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Pieke drängt sich vor

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Eigentlich sollte an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen werden, dass das →Krimijahrbuch 2007 immer noch zum Vorzugspreis von 16 Euro (statt später 20) hier geordert werden kann. Noch – aber nicht mehr lange. Doch da flattert, so ein Zufall, die neueste Ankündigung von Pieke Biermann – Schwerpunkt des KJB 2007 – in die Mailbox. MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT, die beliebte Serie im RBBinfoRADIO 93,1, wird am 3. Februar 2007 um 11:45 Uhr Isy Michelis, Augenzeugin eines Mordes porträtieren (Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45). Dies hier anzuzeigen, ist allemal wichtiger als so ein Krimijahrbuch mit 340 Seiten zu läppischen 16 Euronen.

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John Harvey: Schrei nicht so laut

Würde man den Inhalt von John Harveys neuem Roman „Schrei nicht so laut“ nacherzählen, um danach zu betonen, man halte das Buch für sehr gelungen, ja, originell – es gäbe wohl eine ganze Menge Unverständnis zu ernten. Gelungen, mag sein; aber „originell“? Das was man von der Handlung und ihrer dramaturgischen Gestaltung zu berichten gehabt hätte, wäre kaum über das Aufzählen von Genreüblichem hinaus gekommen. Selbst den Schluss hält nur für überraschend, wer noch nicht viele Krimis gelesen hat. Warum also ist „Schrei nicht so laut“ ein Buch, das die Kriminalliteratur bereichert?

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Justizmord?

Das sind noch Fragen. Eine Antwort verspricht Artur Landsbergers Kriminalroman, „Justizmord?“ heißt er, wie nicht anders zu erwarten. Ein schönes Stück aus dem Jahr 1928 von einem der erfolgreichsten Autoren der Epoche, in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“, Abteilung frühes zwanzigstes, jetzt nachzulesen. Die Datei wird im schlanken rtf-Format angeboten, die Faksimile-Version liefern wir irgendwann nach.

William Kent Krueger: Mercy Falls

„Mercy Falls“ ist ein ungewöhnlich spannendes Buch mit einem außergewöhnlichen Ende. Die Spannung des Buches resultiert aus der Vielzahl der Episoden, ihrer Dichte und der Qualität der Erzahlung; Kapitel-Enden sind ein Ort des Innehaltens und des Luftholens. Am Ende des Buches jedoch steht, es lässt sich nicht anders bezeichnen, ein großer Cliffhanger, der den Leser atemlos zurücklässt.

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Die Goldene Krimikrone

Krimipreise gibt es wie Sand am Meer, aber keiner reicht an die Goldene Krimikrone heran, die wir heute zum ersten Mal vergeben. Im September baten wir die 379 führenden deutschsprachigen Krimirezensenten um ihre Meinung, von A wie Aachener Wirtschaftsmagazin über I wie Itzehoer Volksbote bis Z wie Zwieseler Post. 298 antworteten, 34 davon ablehnend, doch 262 erzählten uns, wen SIE für die wichtigste und einflussreichste Persönlichkeit der Krimigeschichte halten. Und, voilà, hier ist das Ergebnis:

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Karel Svoboda

Der tschechische Komponist erschiesst sich 68jährig im Gartens eines Hauses in der Nähe von Prag.
Zu seinen bekanntesten Kompositionen gehören die Musiken zur „Biene Maja“, „Pinocchio“, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ sowie diverse Schlager für Karel Gott (“Lady Karneval“).

KrimiWelt Bestenliste Februar 2007

Damit war zu rechnen: John Harvey hat mit „Schrei nicht so laut“ die Spitzenposition der aktuellen Bestenliste erreicht. Dass er es verdient hat, wurde hier schon mehrfach angedeutet und wird bald in einer ausführlichen Rezension untermauert. Reggie Nadelsons „Rote Wasser“ ist der Shootingstar des Monats, von 0 auf 2, die Autorin eine Garantin für intelligente Krimis, eine Rezension wird hier aber nicht zu erwarten sein, da das Buch bei Piper erschienen ist und Piper mich nicht liebt.

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Kryptischer

Na, in Ordnung, auf mehrfachen diskreten Wunsch. Der komplette letzte Satz lautet:

„Ich drücke auf die Klinke und öffnet die Tür —„

Wer diesen Satz versteht, hat gute Chancen, den Roman zu verstehen. Wer „falsch!“ schreit, ist auf dem Holzweg und soll sich schleichen.

Luca: Sick Of Love

Wer schon mit Howe Gelb und mit Calexico auf einer Bühne und in der Funktion des Toningenieurs mit ihnen im Studio stand, der hat natürlich etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Sollte man meinen. Doch irgendwie ist das, was Nick Luca auf „Sick Of Love“ uns da in die Ohren schickt, nicht der Weisheit letzter Schluss. Netter bis süßer Indiepop mit ein paar Country-Einwürfen – mehr ist das nicht.

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Merle Kröger: Kyai!

Ganz merkwürdige Leseerfahrung. Selten hat man so häufig in Zitronen gebissen, das Gesicht so unter Schmerzen verzogen. Legionen von platten Personen, Handlungen, Zuständen, Dialogen, Monologen sind an einem vorbeigerauscht, 372 Seiten lang, das schlaucht. Und am Ende? Klappt man das Buch zu und sagt sich: Okay. Wenns nicht völlig misslungen ist, ist es halt gut gelungen, ja, doch: Merle Krögers „Kyai!“ ist ein gelungenes Buch – wenn man es so möchte.

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KJB 2006 – noch eine Rezension

Kaum ist das Krimijahrbuch 2007 in einigermaßen trockenen Tüchern, gibt es auch schon eine →Rezension des Vorgängerbandes bei IASL online. Stefan Tomasek moniert zwar das „grundsätzliche strukturelle Defizit der mangelnden Verzahnung“, findet allerdings „viele Anregungen sowohl zu einzelnen Autoren, deren Themen und zur Gattungsdiskussion“. Und das ist doch auch schon etwas.

Charlie Huston: Ein gefährlicher Mann

(Unser Azubi Jochen mag besonders das Fach „Rezensionsgeschichte“ in der Berufsschule. Wie es die Alten so trieben, wenn sie lobten oder verrissen. „Wie sehen die Rezensionen der Zukunft aus?“ lautete die Aufgabe der letzten Hausarbeit, und Azubi Jochen hat sich sofort was ausgedacht. SO, sagt er, werden in hundert Jahren Kriminalromane rezensiert! Na, wollen doch mal sehen…)

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