Live: Mambo Kurt/John Boy Walton

Tangente Bielefeld. 13.3.2004

Die Tangente, eine gemütliche Bielefelder Kneipe, war gut gefüllt – Glückwunsch an die Kneipenkult-Veranstalter. Eigentlich sollte ja zuerst der halbvergessene Buttermaker auftreten, der war aber leider krank. Schade, ich habe damals nur den Hype mitbekommen, ihn aber nie gehört. Vielleicht aber auch ganz gut – auf seiner Homepage wird ein lokalpatriotischer Versand empfohlen, der „Bielefeld“-Shirts verkauft (grusel). Für die, die das mit dem Patriotismus richtig verstanden haben, gibt’s auch noch gleich „Deutschland“-Shirts, naja…

Stattdessen ist spontan der Bielefelder John Boy Walton eingesprungen. Mit Cowboyhemd und Gitarre spielte er sich stimmgewaltig durch jede Menge Songs von Johnny Cash und Hannes Wader (!), gewürzt mit einigen Evergreens. Aber, John Boy: „City of New Orleans“ ist von Steve Goodman, bekannt durch Arlo Guthrie, nicht durch den Man in Black, aber was soll’s. Ein sehr angenehmer Einstieg, jedenfalls.

Danach war ich überrascht und begeistert. Vielleicht gehörte ich ja zu einer Minderheit, aber ich habe Mambo Kurt bisher noch auf keinem der vielen Festival- und Clubtouren gesehen, sondern kenne nur seine Platten. Die sind natürlich interessant und witzig, aber auf die Dauer doch etwas eintönig. Dazu kommt, dass jemand, der auf Rammstein, Clawfinger und Bloodhound Gang steht, mir doch erstmal suspekt in Sachen Sympathie ist. Mambo hat mich aber überzeugen können: Dieser Kerl bietet eine Riesenshow, Entertainment und musikalische Professionalität an der größten je produzierten Heimorgel, ein eher seltenes Gerät. Metal und Pop wurden da durchgejagt, der Beweis der nahen Verwandschaft von Techno und Marsch wiederholt und Stagediving (in der Kneipe!) praktiziert.

Ein ganz besonders begeisterter Gast namens Dirk wurde kurzerhand von Mambo gekonnt mit in die Show einbezogen – der Mann hat mehr drauf als Anzug, Brille & Heimorgel. Das Kneipenpublikum jubelte immer mehr, der Meister mußte zweimal zur Zugabe an die Orgel zurück. Nach „Samba-Struck“ der bekannten Paartanzkombo AC/DC konnte selbst Kurt keinen mehr draufsetzen und beruhigte die Leute mit zwei Kitsch-Schnulzen, wobei der Britney Spears-Song schlussendlich als quälender Loop Autogrammstunde und CD-Verkauf aus eigener Hand untermalte, bis die Fans beruhigt waren und den König der Oldschool-Yamaha gehen lassen konnten. Beeindruckend!

Links:
www.mambo-kurt.de
www.kneipenkult-online.de

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