Der Australier Paul Kelly ist ein altes Reptil. Seit 23 Jahren veröffentlicht er mit/in den unterschiedlichsten Bands/Konstellationen Alben.
WeiterlesenAutor: Dirk-Michael Mitter
Evereve: e-mania
Der Albumtitel verrät es schon – Evereve sind noch ein Stückchen in Richtung Elektronik gerutscht und haben ihrem Gothicrock damit eine ordentliche Portion Schmiss eingeworfen. Meistens fett und eingängig („Pilgrimage“ und „Demons“), manchmal konzeptlos („Suzanne“) oder überflüssig wie das Cover von „Fade To Grey“.
(6 Fritten)
Evereve: e-mania
(Massacre Records/Connected)
Fito de la Parra: Living The Blues
Grundsätzlich hätte ich vollmundig behauptet, dass für Canned Heat die großen Zeiten schon lange vorbei sind. Nachdem aber Schlagzeuger Adolpho „Fito“ de la Parra (der seit dem zweiten Album „Boogie With Canned Heat“ ununterbrochen dabei ist) in seinem Buch unermüdlich beteuert, dass Canned Heat immer noch voll dabei sind, bitte ich die Aussage zu streichen. Trotzdem frage ich mich immer, wieviel Spirit noch in einer Band ist, die geprägt ist von permanenten Zu- und Abgängen und „nur“ vom Schlagzeuger zusammengehalten wird.
WeiterlesenLive: Subway To Sally
Frankfurt, Batschkapp, 23. 4. 2001
Es ist lange her, dass ich bei einem Konzert eine richtig schlechte Vorgruppe gesehen habe. Urplötzlich unterbrochen wurde diese Serie jetzt von einer Combo mit dem Namen Zombie Joe. Brachialer Rock mit deutschen Texten, einem Sänger, der seine Zwischenansagen beim „Telekolleg Esoterik und Hausfrauenpsychologie“ entlehnt hat und Songs, die sich so ähnlich waren wie genmanipulierter Mais. Als gegen Ende ihres Sets das Publikum in einer ruhigen Stelle spontan „Julia & die Räuber“ von Subway To Sally intonierte, haben mir die vier Jungs von Zombie Joe ein bisschen leid getan.
WeiterlesenStaind: Break The Cycle

Haben wir es nicht immer Alle gewusst? Fred Durst ist doch Creed-Fan. Oder warum klingen seine Schützlinge, für die er als A&R-Manager verantwortlich zeichnet, mehr nach Creed als nach Limp Bizkit? OK, keine falschen Fährten – Staind haben mit ihrem zweiten Album in den Staaten schon ordentlich abgeräumt und das absolut zurecht! Shouter Aaron Lewis erinnert zwar an Scott Stapp, schwingt sich aber nie zu dessen Pathos-Höhen auf. Statt dessen erreicht er fast die Intensität von Deftones‘ Chino Moreno.
WeiterlesenThe Calling: Camino Palmero
Zuerst die Frisur – dann die Songs. Warum gibt es so viele Major-Bands, die scheinbar diesem Credo folgen (müssen)? The Calling machen Ami-Poprock, neben dem Matchbox Twenty wirken wie echte Backstreet-Köter. Die fünf Jungs mühen sich zwar, kommen aber über nettes Radiofutter nicht hinaus.
(4 Fritten)
The Calling: Camino Palmero
(RCA / BMG)
Ellen ten Damme: I Am Here
Tja, da ist sie – die erste Platte der Holländerin, die sich mit ihrer Rolle in der ersten Folge der Kult-Cops „Die Musterknaben“ nachhaltig festgesetzt hat. „I Am Here“ ist aber beileibe kein Plastikprodukt einer Aktrice, vielmehr hat Ellen ten Damme alle 12 Songs selbst komponiert und im Studio noch in die Tasten gehauen.
WeiterlesenAmbrose: Transatlantic Blues
Der Opener „Head In The Sand“ beginnt mit einem Jimmy Eat World typischen Gitarrensound und irgendwie merkt man schon bei den ersten Takten, dass „Transatlantic Blues“ ein extrem gutes Album geworden ist. Die Nähe zu den US-Vorbildern schüttelt die Karlsruher Band locker ab und präsentiert auf ihrem zweiten Album 11 Granaten.
WeiterlesenFred Eaglesmith & The Flying Squirrels: Live In Santa Cruz
Stellt euch vier Männer vor, die mit akustischen Instrumenten bewaffnet eine Bühne entern und mit „Freight Train“ loslegen, als hätten sie den Schlagzeuger vergessen. Das atemberaubende Tempo drosseln sie danach ein bisschen, aber die auf der Doppel-CD vertretenen 24 Songs sind schlichtweg kurios.
WeiterlesenSupreme Majesty: Tales Of Tragic Kingdom
Ja, es sind halt immer noch die guten Songs, die eine Platte ausmachen. Und gerade in einem stagnierenden Genre wie dem melodischen Powermetal ist es schon eine Kunst, aus der Veröffentlichungsflut Scheiben herauszuziehen, die Aufmerksamkeit verdienen. Da ich einer guten Hardrock-Platte nie abgeneigt bin, es aber immer schwerer wird, gute Alben zu finden, ist „Tales Of Tragic Kingdom“ wahrhaft eine Entdeckung.
WeiterlesenGood German Grillies
Eiskalt beim Grillen erwischt! Versucht mal, euch hinter diesem Packungsaufdruck eine – sagen wir mal – links-liberale Firma vorzustellen. Da hilft auch der tarnende Anglizismus nicht mehr weiter. Gute deutsche Grillkohle! Mann, was bin ich stolz, dass sogar meine Grillkohle höchsten Qualitätsanforderungen gerecht wird und „garantiert sauber ausglüht“. Schade nur, dass die Dinger klein und schwarz sind, blond und groß müssten sie sein.
Eric Bibb: Painting Signs

Hätte Eric Clapton öfter den Blues, Joe Cocker mehr Soul und Keb‘ Mo‘ mehr Pop, würde alles zusammen klingen wie Eric Bibb. Mit „Painting Signs“ ist er diesmal noch mehr von seinem fingerpickenden Akustik-Blues abgerückt und präsentiert ein vergleichsweise poppiges Album mit starken Soul-, Gospel- und Blues-Einflüssen. So melodisch und songverliebt, dass Blues-Puristen wahrscheinlich eben diesen kriegen.
WeiterlesenLullacry: Be My God
Herzlich willkommen in der Abteilung „sinnfreier Rock’n’Roll“. Nach dem Mai-Sieger Lucyfire präsentieren wir heute: Lullacry. Man vermag nicht zu sagen, ob es die Resonanzkörper der Sängerin oder das ideenreiche Wortspiel im Bandnamen sind, die den Blick auf dem CD-Cover verweilen lassen. Wer mutmaßt, dass alle Düsterbands des 1000-Seen-Landes ähnlich klingen, mag Recht haben, bringt sich aber selbst um den Spaß.
WeiterlesenShe’s China: Satellite Motel
Die Jungs von She’s China haben bestimmt eine gaaanz riesige Plattensammlung mit gaaanz vielen Lieblingssongs. Leider hat ihnen niemand den Unterschied zwischen inspiriert und geklaut erklärt. Textlich wie musikalisch wird hier alles verbraten; Albert Hammond, Pink Floyd, OMD, Spandau Ballett treffen auf Seventies-Rock. In weiten Teilen kann man Original und Fälschung problemlos übereinander legen – passt wie die sprichwörtliche Rechte auf die Iris.
WeiterlesenHorizontales Spülbohrverfahren
Ja, so ein Titel weckt Erwartungen. Ich kenne auch außer meiner Oma niemanden, der dieses Wort ohne ein leicht anzügliches Grinsen aussprechen könnte. Diese Bezeichnung wird in der Dämlichkeit nur getoppt von einer Firma namens „Büro-Quickie“, die irgendwann mal im Büro stand und fragte: „Haben Sie einen Büro-Quickie bestellt?“ Egal, ob die einen tatsächlich nur in der Kanalisation rumbohren oder der andere nur Aktenordner vorbei bringen wollte – es kann manchmal ganz schön schwer sein, seinen Eltern keine Schande zu machen.
Alligator Stew: A First Taste Of Alligator Stew

Als Southern-Rock Band den Alligator im Namen zu tragen ist eine pfiffige Idee. Die Viecher wirken unbeweglich, sehen seit Jahrtausenden gleich aus und scheinen etwas hartschalig. Passt doch komplett auf ein ganzes Genre. Aber immerhin gehen die vier Jungs von Alligator Stew zum selben Friseur wie Molly Hatchet oder Lynyrd Skynyrd.
WeiterlesenStyx: World Live 2001
Styx live? Gab’s das nicht erst vor ein paar Jahren als Doppel-CD? Genau – hieß „Return To Paradise“ und war noch mit Dennis DeYoung am Mikro. Die vorliegenden Aufnahmen stammen alle von der Tournee mit Glen Burtnik und Lawrence Gowan und lassen aber den Unterschied zur letzten Live-CD vermissen. Sattsam bekanntes Programm, nur 6 von 13 Songs, die nicht auf „Return To Paradise“ sind. Gut, „Come Sail Away“ oder „Rockin‘ The Paradise“ gehen immer, aber sowas riecht schwer nach Abzocke.
(5 Fritten)
Styx: World Live 2001
(Sanctuary)
The Quireboys: This Is Rock’n’Roll
Penetrant proklamatisch starten The Quireboys in ihr erstes Album seit acht Jahren mit dem Titelsong „This Is Rock’n’Roll“. Ich hab‘ mich für einen Moment gefragt, ob man eine Reunion oder ein Wiederkommen der Quireboys wirklich braucht, aber im Laufe der Spiellänge entwickelt das Album einen ganz eigenen Charme und besinnt sich auf den Old-School-Rock’n’Roll.
WeiterlesenBlackmore’s Night: Fires At Midnight
Als 1997 die erste CD von Blackmore’s Night erschien, hegte ich noch die Hoffnung, dass der Gitarrengott irgendwann zurückkommt und sagt: „Ha, war Alles nur Spaß.“. Statt dessen hat er zum dritten Mal hoch in die Küche gerufen und seine Lebensgefährtin Candice Night ans Mikro gebeten. Und da liegt das größte Problem des Projekts: Ihre Stimme passt nicht zur Musik. Irgendwo zwischen Abba und Anita Hegerland angesiedelt, will einfach keine Assoziation zu holden Jungfrauen oder geheimnisvollen Elfen aufkommen.
WeiterlesenFor Stars: We Are All Beautiful People
Spröder Akustik-Folk, der manchmal zu behäbig ist, um restlos zu überzeugen. Es kommt aber einer satten Überraschung gleich, wenn die Band nach 11 Titeln schlurfenden Wohlklanges beim letzten Track „If I Could“ auf einmal Gas gibt, als müßte noch jemand den Bus erwischen. Wunderbares Ergänzungsfutter für Abhängige von Leisetretern wie Kings Of Convenience oder Turin Brakes.
(7 Fritten)
For Stars: We Are All Beautiful People
(Munich Records)