Stephan Eicher’s Favourite Hotel*s

Best Of-Alben sind oft unnütz: Vertragserfüllung, lieblos zusammengestellt und man steht als Fan grübelnd davor, ob man sich für zwei neue Lieder wirklich nochmal alle anderen mit kaufen soll. Umso erfreulicher, wenn ein Künstler seine 19 liebsten Songs selbst zusammenstellt, sie mit einem umfangreichen Booklet und eigenen Liner-Notes versieht und die Erstausgabe in einen Papp-Schuber mit einer zweiten CD zusammen packt. Auf dieser sind nochmal 12 Titel, die unter der Überschrift „Lost and Found“ allerlei Remixes, Demoversionen, Backstage-Aufnahmen, auf den komischsten Medien im Originalzustand aufgenommen, präsentiert.

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Lammbock OST

Keine Ahnung, auf was für einem Qualitätslevel der Film „Lammbock“ spielt, aber der Soundtrack ist ziemlich cool. Die meisten vertretenen Bands sind dafür bekannt, dass sie immer dezent neben der Spur liegen: Ween, Calexico, Sportfreunde Stiller, Kings Of Convenience und das 80er-Relikt Captain Sensible mit „Wot“. Die Newcomer Oblivia machen mit „My Friend“ eine gute Figur und auch unbekannte Bands wie Muki verheddern sich im Trommelfell. 16 Titel, cool zusammengestellt, mit extrem assoziativer Färbung – was will man mehr von einem Soundtrack?

Lammbock OST
(Zyx)

Urban Tale: Urban Tale

Journey! Mehr muss man zum Debüt des schwedischen Quintetts gar nicht sagen. Sänger Kimmo Blom klingt an manchen Stellen so sehr nach Steve Perry, dass dieser wahrscheinlich denkt, er wär’s. „Passion Takes Over“ oder „Runaway Train“ hätten auch auf jeder Journey-Scheibe dabei sein können. Wer also seine alten Scheiben von Neal Schon & Co. Schon dünn genudelt hat, kann Urban Tale eine berechtigte Chance geben.

(5 Fritten)

Urban Tale: Urban Tale
(Frontiers / Point)

Gillian Slovo: Roter Staub

„Schuld und Sühne“, „Gut und Böse“, „Schwarz und Weiß“ – seit jeher ein in Büchern vorherrschendes Thema. Wobei „Schwarz und Weiß“ bei „Roter Staub“ nicht nur metaphorisch gemeint ist. Im Südafrika der späten 90er treffen sich vor der Wahrheitskommission zwei Männer wieder, deren Rollen jetzt vertauscht sind. Der inhaftierte ex-Polizist Dirk Hendricks und der schwarze ehemalige ANC-Kämpfer Alex Mpondo.

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John Hiatt: The Tiki Bar Is Open

Wem noch das letztjährige Meisterwerk „Crossing Muddy Waters“ im Ohr klingt, der sollte jetzt wieder auf „elektrisch“ umschalten. John Hiatt hat wieder seine Begleitband The Goners reanimiert, mit der er das letzte Mal 1988 „Slow Turning“ auf Platte gebracht hat. Obwohl überraschend rockig, knüpft „The Tiki Bar Is Open“ doch an die akustischen Klänge des Vorgängers an. Direkt, spontan, unverkrampft – es sind die gleichen Attribute, mit denen man beide Platten beschreiben kann. Und nach einer kurzen „Einhörphase“ hat man sich auch daran gewöhnt, dass die Folk- und Countryeinflüsse diesmal gering sind.

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Neal Morse: It’s Not Too Late

Der rührige Sänger von Spock’s Beard hat neben diversen Projekten jetzt auch sein zweites Soloalbum am Start. Überraschend ist die poppige Leichtigkeit, die er diesmal in die Songs einfließen lässt. Prog ist Fehlanzeige, Neal Morse zeigt vielmehr, dass das Klavier sein Heimatspielfeld ist und kommt dabei gefährlich nahe in Gefilde von Joshua Kadison und Elton John, um sie dann doch zu umschiffen.

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In Extremo: Sünder ohne Zügel

Bin ich mittelalter-müde oder liegt es daran, dass In Extremo auf ihrem neuen Album gar nicht mehr so richtig nach Mittelalter klingen? Gut, der neue Gitarrist Basti ist wirklich eine Bereicherung. Sein Spiel ist um einiges heftiger und variantenreicher als das seines Vorgängers. Auf der anderen Seite haben In Extremo jetzt eine unheimliche Schlagseite bekommen. Düster gemurmelte Strophen unterlegt von harschen Riffs münden in hymnischen Refrains. Wer sich jetzt an Combos wie Oomph! oder Megaherz erinnert fühlt, der liegt damit genau richtig.

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The Strokes: Is This It

Oh, Retro-Rock mit Samtuntergrund. 11 Mal herrlich scheppernd zwischen ungestüm und larmoyant. Sänger Julian Casablancas gibt sicherheitshalber mal den großen Rockstar – wer weiß, wie die Platte einschlägt!? Die Fünf zelebrieren so gekonnt ihren Revivalismus, dass ich es nicht über’s Herz bringe zu motzen, dass das alles schon mal da war und seitdem Trillionen von Bands versucht haben, diesen Sound wiederzubeleben.

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Slipknot: Iowa

Was bliebe von dieser Band, hätte sie ihr Image nicht? Das neunköpfige Psychokollektiv hat zu seinem zweiten Schlag ausgeholt und haut dem Hörer auch gleich standesgemäß „People = Shit“ um die Ohren. Einbetoniert in einen Mix aus allen deftigen Metalspielarten mit dem selbst formulierten Ziel: „I’m about to punch you as hard as I can in the fucking face“. Buh, die Jungs sind ja richtig böse. Deswegen gibt es auch ganz viele gruselige Sounds und Gestöhne – so ein bisschen wie in der Geisterbahn. Dass Sänger Corey dazu immer die Luft einzieht wie ein Lustmörder, der sich in Stimmung bringt, macht das Ganze auch nicht authentischer.

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