Nightwish: Over The Hills And Far Away

Als ich vor rund zwei Jahren das erste Mal „Oceanborn“ hörte, war ich auf Anhieb begeistert. Ein Album und diverse Live-Auftritte später hat sich die Begeisterung entsprechend manifestiert. Wenn Tarja walkürenartig ihre geschulte Opernstimme erhebt, geht das bis ins Mark. Faszinierend finde ich es aber immer noch, dass die fünf Finnen es mit ihrer konsequenten Mischung aus Metal und Operngesang geschafft haben, ein so großes Publikum zu erreichen.

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Patrick Bruel: Rien ne s’efface (Live)

Patrick Bruel ist in Frankreich mindestens so beliebt wie bei uns Grönemeyer und Hartmut Engler zusammen (wilde Kombination). Dementsprechend nimmt das Publikum auf der CD einen großen Raum ein – da wird mitgesungen und gejubelt wie bei den Kelly’s und als sich dann noch Johnny Hallyday zum Duett auf die Bühne schleppt, ist kollektive Ekstase angesagt.

Davon abgesehen hat die Doppel-CD aber wirklich Charme. Patrick Bruel pendelt zwischen Chanson und Pop, weicht aber dem Prädikat „Schmalzbacke“ geschickt aus. Manchmal erinnert er sogar an Stephan Eicher. Unterstützt von einer wirklich respektablen Band und einem kompletten Streichorchester geben die Aufnahmen den Blick frei auf das Phänomen Patrick Bruel. Ich hab’s versucht, aber ich kann mich der entspannten Eingängigkeit der 24 Songs nicht entziehen. Ist das das vielzitierte „savoir vivre“? Egal, Sonne, Balkon, Rotwein raus, „Rien ne s’efface“ rein, alles Andere interessiert nicht.

Patrick Bruel
Rien ne s'efface (Live)
(14 Production / BMG )

Jackie Leven: Creatures Of Light & Darkness

„Creatures Of Light & Darkness“ eröffnet ungewohnt beschwingt mit Mariachi-Feeling und klar südlichen Tönen („My Spanish Dad“). Dass bei dem sonst so melancholischen Schotten eine lockere Fröhlichkeit Einzug gehalten hat ist überhaupt nicht schlimm, schlimm ist nur, dass die nächsten zwei Songs klingen, als würde er sich und die Welt nicht mehr Ernst nehmen können. Speziell der zweite Song „Exit Wound“ erinnert ganz bedrohlich an Gene Pitney und Marc Almond. Aber im weiteren Verlauf der Platte findet er dann doch zur gewohnten Form zurück, auch wenn diesmal kein durchgehendes Konzept zu erkennen ist.

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Liebficken

Das alte Urs-Jenny-Prinzip – fast zwanzig Jahre danach lacht es einen aus den Charts an. Funktioniert also immer noch. Wenn auch zur Unkenntlichkeit verstümmelt und mit Clearasil verwässert. Nur das Aussehen der Band und das Ausmaß ihrer kreativen Tiefstapelei erreichen noch annähernd das Schockniveau vom „Babyficker“.

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Mitchel Forman Trio: Patience

Das Instrumentalalbum „Patience“ ist gleichermaßen spannend wie entspannend. Der Jazzpianist Mitchel Forman geht in den ersten drei Stücken erstaunlich melodisch zu Werke und lässt den Jazz nur durchschimmern („Patience“). Erst im weiteren Verlauf entlockt er seinen Tasten eben diese Klänge, bei denen Jazz-Hasser immer proklamieren, dass hier irgend jemand nicht mehr die richtigen Töne findet („Speedy“).

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Michael Fitz: Gleichgewicht

Wer den Fehler begangen hat, in die ARD-Serie „Die Boegers“ länger als fünf Minuten reinzuschauen, sollte sein Urteil nicht auf die neue CD von Michael Fitz übertragen. Sein fünftes Werk „Gleichgewicht“ ist ein solides Popalbum mit deutschen und englischen Texte sowie je einem französischen und italienischen Beitrag. „Chi“ driftet zwar ein wenig in Richtung Francesco Napoli ab, aber Michael Fitz ist als Typ zu glaubwürdig um ihn als Schnulzenträllerer abzutun.

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Hosh: Hosh

Es gibt Alben, über die mag man als Kritiker gar nicht schreiben. Ganz selten sagt dann das Gehirn „Nein“, während die Ohren begeistert sind. Also, Ratio über Bord, kein Gejammer über Innovation und eigenes Profil – mir gefällt „Hosh“. Das selbstbetitelte Album des deutschen Quintetts steht zwar komplett im Schatten amerikanischer Vorbilder, hat aber trotzdem Farbe abbekommen. Das schlägt sich dann in so starken Songs wie „It’s Not Your Fault“, „Metaphor For You“ oder „Corn Mummy“ nieder.

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New American Shame

Rotzrock-Offensive aus Seattle

Manche Alben liegen Monate nach ihrer Veröffentlichung immer noch wie Blei im Regal und entwickeln sich erst nach einiger Zeit zum Megaseller. „Throwing Copper“ von Live ist dafür sicherlich ein Paradebeispiel. Das Debüt von New American Shame wartet auch schon gut sechs Monate auf den Wendepunkt des Bekanntheitsgrades und der Verkaufszahlen. Sieht man mal von den Lobeshymnen eines deutschen Hardrock-Magazins ab, ist das Quintett faktisch unbekannt.

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Iced Earth: Horror Show

Lang erwartet und bereits im Vorfeld heiß diskutiert: Das siebte Langeisen von Iced Earth. Die Zusammenarbeit mit Hansi Kürsch von Blind Guardian bei Demons & Wizards scheint Jon Schaffer nachhaltig beeinflusst zu haben. „Horror Show“ hat in Sachen Chören und Bombast eine kleine Schlagseite in diese Richtung bekommen. Macht aber Nix, macht gar Nix. Geschwindigkeits- und Härtefanatiker werden zwar jammern, weil das neue Werk kein gnadenloser Nackenbrecher geworden ist, aber dafür haben Iced Earth ein überraschend abwechslungsreiches Album eingezimmert.

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Nikolo Kotzev: Nostradamus

Die Zeiten stehen schlecht für melodischen Hardrock – lange vorbei die Tage, an denen diese Art von Musik die breite Masse begeistert hat. Schade für die Rockoper „Nostradamus“, die so nie die Aufmerksamkeit bekommen wird, die sie verdient. 21 Stücke auf Doppel-CD über den französischen Arzt und Astrologen Michel de Notre-Dame. Der bulgarische Gitarrist Nikolo Kotzev hat in drei Jahren dieses Werk erarbeitet und bemüht zum Einen die sattsam bekannte Kombination aus Orchester und Rock, zum Anderen ist die Oper so homogen und einfallsreich, dass man das Geschehen förmlich vor sich sieht.

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selber

Ja, es ist wieder so weit: „Erdbeeren zum selber Pflücken“. Ich versuche immer, wenn ich an besagtem Feld vorbeifahre, das schreckliche, inzwischen vom Duden legitimierte, Wort „Selber“ zu übersehen. Hilft nichts, bei uns gibt es sogar „Spargel zum selber Stechen“. Was kommt als Nächstes? Baumwolle? Zum Pulli selber Machen? Deutschland, das Convenience-Volk, macht es sich wieder selber.

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Walter Trout And The Radicals: Go The Distance

Im Moment läuft’s bei Walter Trout wie am Schnürchen. In steter Regelmäßigkeit haut er seine Alben auf den Markt und begeistert mit seinem zupackenden Gitarrenspiel. Der neueste Rundling „Go The Distance“ bietet gewohnte Kost, obwohl auffällt, dass erstaunlich viele eingängige Stücke vertreten sind. Mit „Buggle Billy“ und „Always Been A Dreamer“ sind sogar zwei Akustik-Klampf-Balladen dabei.

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