Christine Lehmann: Harte Schule

Erinnert sich noch jemand an das Champions-League-Finale Bayern München gegen Manchester United? Genau; das mit den beiden Toren in der Nachspielzeit, als die wackeren Bayern doch noch um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden. In ähnlicher Erinnerung wird mir Christine Lehmanns „Harte Schule“ bleiben. Lehmann gegen die Unlogik, könnte man sagen, und zunächst sieht alles nach einem souveränen Sieg der Autorin aus.

Die in der ersten Halbzeit ihres Krimis alles richtig macht. Ein etwas zwielichtiger Lehrer wird ermordet im Schulhof aufgefunden, mit heruntergelassener Hose, erstochen. Lisa Nerz, Reporterin bei einer Stuttgarter Lokalzeitung, ermittelt, eine ungeliebte Volontärin im Schlepptau und nicht gerade mit konventionellen Methoden. Sie bricht ins Lehrerzimmer ein, macht sich an die Schüler ran, lernt einige merkwürdige Pädagogen kennen. Gut so.

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Ein Serienheld erzählt

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Hallo. Sie kennen mich. Oder nicht? Kevin Puffendorf, der Krimiserienheld. Na sehen Sie. Gewiss erinnern Sie sich noch, wie ich den vergrabenen Nazischatz aufgespürt und dabei die latente Pogromstimmung hierzulande gleich mit ausgebuddelt habe. „Kevin Puffendorf“, haben Sie ausgerufen, „Kevin Puffendorf ist schwer in Ordnung. Der bricht die Tabus, der ist einer von uns!“

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John Burdett: Bangkok 8

Britischer Humor, buddhistische Philosophie und thailändische Sexkultur, das ist der Mix für John Burdetts „Bangkok 8“. Sonchai Jitpleecheep ist Polizist in Bangkok. Der Sohn einer thailändischen Prostituierten und eines ihm unbekannten Amerikaners ist Buddhist und erzählt uns, den Weißen, den Farangs seine Geschichte.

Gemeinsam mit seinem Partner und langjährigen Freund verfolgt er einen schwarzen Amerikaner durch Bangkok. Der Amerikaner geht im Verkehrschaos verloren und als sie ihn wiederfinden, versucht eine Kobra vergeblich dessen Kopf zu verschlingen. Beim Versuch ihn zu retten, verstirbt auch Sonchais Freund und Partner an einem Schlangenbiss. Zusammen mit einer Mitarbeiterin vom FBI, die aus den USA kommt, macht Sonchai sich auf die Suche nach dem Verantwortlichen.

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Summer Camp -11-

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Der richtige Zeitpunkt. Irgendwann, nicht zu früh, nicht zu spät, sollte man das Skelett eines Gedankenprojekts in die Sonne stellen, es etliche Male umkreisen und sich vorstellen, wie das Fleisch der Wörter um die Knochen wuchert und ein Text zu leben beginnt. Tut er es überhaupt? Ebenmäßig? Mit allen lebensnotwendigen Organen versehen? Kein Frankenstein, der außer Kontrolle geraten ist?

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Noch eine Spur nach Island

Viktor Arnar Ingólfsson, dessen lesenswerter Krimi „Das Rätsel von Flatey“ →hier besprochen wurde, macht seine Leser in seinem →Tagebuch auf eben diese Besprechung aufmerksam:

„28.07.2005 Flateyjargáta datt út af þýska sölulistanum í síðustu viku en kíkti svo inn á hann aftur í þessari viku í 49. sæti. Svo fann ég fína umsögn á vefnum.“

Auf Deutsch: „Jetzt hat mich auch das legendäre Hinternet in seinem noch viel legendäreren Krimiblog besprochen! Das hat nicht mal Björk geschafft!“

Sommerkrimi -3-

Wir waren in Russland, wir waren auf Island. Jetzt lassen wir die Sau raus. Mit Modesty Blaise in den Pazifik, viel Sonne, viel Sex, viel Zynismus, viel Spaß.

Hotel „Zum hemmungslosen lustvollen Lesen“, die Peter-O’Donnell-Luxussuite. Comictapete an den Wänden, aber alles sehr geschmackvoll. Eine Frau mit Signalmund und Traumkörper, böse Action: Haie werden per Nasenstüber zurechtgewiesen, revolverschwingende Pfarrer mitten in die Stirn genagelt, Nymphomaninnen greifen wahllos in die männliche Statisterie, ein größenwahnsinniger Millionär bekommt seinen Minderwertigkeitskomplex präsentiert. Latenter Sex, latenter Zynismus. Modesty Blaise.

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Carl von Holtei: Schwarzwaldau

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Ich habe selten mit solch wachsendem Zorn und Unverständnis ein Buch gelesen wie Carl von Holteis „Schwarzwaldau“ – und das lag nicht an dem Buch, vielmehr daran, dass es ein Buch „Schwarzwaldau“ im handfest papiernen Sinne gar nicht gibt.

Seit seinem Erscheinen 1856 dürfte „Schwarzwaldau“ nicht mehr veröffentlicht worden sein; ein Kleinod der deutschen Kriminalliteratur, dessen man nur dank der vorbildlichen Arbeit der „Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser“ als →PDF-Datei habhaft werden kann, ein Kleinod, sage ich, das die uns gemeinhin als „Perlen der deutschen Kriminalliteratur im 19. Jahrhundert“ empfohlenen Werke à la „Judenbuche“ oder „Unterm Birnbaum“ als das erkennen lässt, was sie in Wirklichkeit sind: nette Petitessen, moralgetränkte, bestenfalls mit Küchenpsychologie gesäuerte Nebenarbeiten ihrer Schöpfer.

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Die Spur führt nach Island

Wem vom vielen Indridason-Lesen ganz Isländisch ums Herz geworden ist, dem sei die Zeitschrift →„Islenska“ an das selbige gelegt. Es gibt sie als Print- und E-Book-Ausgabe, das neue Heft enthält u.a. ein Interview mit Colette Bürling, der Indridason-Übersetzerin. Eine →Besprechung von des Letzteren Roman „Engelsstimme“ kann man gleich (mit aktueller Acrobat-Reader-Version) an Ort und Stelle lesen.

Iain Levison: Betriebsbedingt gekündigt

Das Hinternet ist stolz auf sich. Ein hochkarätiger Gastkritiker bespricht für uns exklusiv Iain Levisons Roman „Betriebsbedingt gekündigt“. Und Vinzenz Wehrlin, arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sprecher des „Wahlbündnisses Schwarzer September“ (der Zusammenschluss aller im Bundestag vertretenen demokratischen Parteien zur Abwehr der roten Gefahr), zeigt sich schwer beeindruckt. Aber lesen sie halt selbst.

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Nora Kelly: Old wounds

(Diese Rezension hätte auch in unserer aktuellen Sommerkrimi-Rubrik ihren berechtigten Platz. Cozy, meint der Rezensent – und nickt zustimmend.)

Krimis beschwören gerne die Geister der Vergangenheit und betonen die Verwurzelung von Verbrechen in der Vorzeit. Auch hierin offenbaren sie, in unserer zunehmend beschleunigenden Zeit, ihren im Kern eher konservativen Geist. So lebt dann auch Nora Kellys „Old Wounds“ von dem Wechselspiel zwischen den Erinnerungen Gillian Adams‘ an ihre Jugendzeit und der Gegenwart, die diesen Erinnerungen nur noch teilweise entspricht.

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Sommerkrimi -2-

Kein Zweifel: Der sogenannte „Island Krimi“ (sein Markenzeichen ist der fehlende Bindestrich) erfreut sich bei deutschen Lesern zunehmender Beliebtheit. Arnaldur Indridason nähert sich dem Bestseller-Status, Stella Blomkwist schreibt für ihren Verleger schwarze Zahlen – und Viktor Arnar Ingólfsson beweist mit seinem Erstling „Das Rätsel von Flatey“, dass die Insel im Nordatlantik mit ihren knapp 270.000 Einwohnern jederzeit für Nachschub sorgen kann.

„Das Rätsel von Flatey“ spielt 1960 auf der gleichnamigen Insel im Breidafjord in Islands Westen. Auf einem öden Eiland wird die schon stark verweste Leiche eines Unbekannten gefunden, der Vertreter des Bezirksamtmanns soll den Fall klären, aber er ist neu, überfordert und hat mit eigenen Leichen im Keller genug zu tun.

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