Aufforderung zum Widerstand

Öffentlicher Personennahverkehr, du hast es gut. Liegt bei dir etwas im Argen, demonstriert ganz Deutschland, wenigstens halb Stuttgart. Da soll aus einem Kopfbahnhof ein unterirdischer werden, da geht es um alte Bäume und junge Juchtenkäfer, da erscheint Heiner Geißler höchstselbst und schlichtet grummelnd vor sich hin. Und was passiert, wenn man dem Krimi an den Kragen will? Nichts passiert.

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In Gottes Ohr

„Viele junge Kollegen wissen nichts über das Genre, blicken mich fragend an, wenn ich zum Beispiel den Namen Chandler erwähne“ (….) Es reicht eben nicht nur Deutsch zu können, um einen Krimi zu schreiben, auch wenn viele pensionierte Lehrerinnen das zu glauben scheinen.“

Sagt Frank Göhre der →TAZ. Aber obs denn hilft?

Deutscher Krimi endlich auf Weltniveau!

– oder: das bescheuertste Projekt aller Zeiten. Immerhin: Superlative verspricht das soeben freigeschaltete →„Edwin-Drood-Projekt“, der einzige Kriminalroman, der als FRAGMENT angelegt ist. Jeden Tag schreibt der Autor eine Seite – und erst der Tod wird ihm den Laptop aus der Hand nehmen. Ein unvollendeter Krimi also, vielleicht der längste Krimi der Welt – wenn der Autor nur lange genug lebt. Eine Hommage an Charles Dickens und sein „Das Geheimnis des Edwin Drood“, jetzt endlich auch in Deutschland. Also schauen Sie, lesen Sie!

Listensäue

Es war eine dieser Nächte, in denen der Gewissenswurm durch die Gedärme kriecht, das eigene Tun als ein Nichtstun vor einem steht und den Kopf schütteln würde, hätte es denn einen, eine in zermürbender Wachheit verbrachte Nacht, in der man erst einschlafen kann, wenn der Hahn kräht, doch es ist kein erquickender Schlaf, es ist ein Schlummer der Resigination, der Traum albt wie die Kuh kalbt, sagten die Altvorderen – und siehe, sie hatten recht.

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Man wird irgendwie ruhiger

… oder toter? Ja, kann sein. Jedenfalls täuscht sich gewaltig, wer von mir eine ausführlich-kritische Reaktion auf →diesen Artikel erwartet. So siehts aus, wenn sich „die Kultur“ des Krimis annimmt und von Krimikultur weit und breit nichts zu sehen ist. Tante ZEIT eben, behäbig wie meist, die Skelette sitzen im Lesezimmer und kämpfen mit dem Papier. Ach, lasst sie doch. Man lacht nicht mehr drüber, man regt sich nicht mehr auf. Man nimmt einfach nur noch zur Kenntnis. Man liegt also im Trend.

Leser als Kritiker

Jetzt hat es Thomas Willmann erwischt. Sein hoch gelobtes Buch „Das finstere Tal“ ist Gegenstand einer →„Leserunde“ auf der Krimicouch, der Autor beteiligt sich, einer schönen Tradition folgend, an der Diskussion. Ein Buch wird abschnittweise gelesen, die Initiatoren und Teilnehmer der Runde sind keine berufsmäßigen Rezensenten, sondern mehr oder weniger zufällig zusammengekommene Interessenten mit unterschiedlichen Vorstellungen von dem, was „Krimi“ sein sollte. Man geht respektvoll miteinander um, macht aus seinem Herzen aber keine Mördergrube. Den einen gefällts, den anderen weniger, manche schauen auf die Details, manche eher auf das Große-Ganze, die üblichen Fragen werden verhandelt – wer war’s warum? – und auch dieses oder jene eher abseitige Feld bestellt. Kurzum: Das ist spannend und nicht nur für den Autor, die Autorin aufschlussreich.

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Gestern in der Post

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Hatte ich schon beinahe vergessen, aber gestern lag es in der Post: ein Bändchen mit Geschichten von Jodokus D.H. Temme, „Wer war der Mörder?“ betitelt. Neben der Titelgeschichte werden die Kriminalerzählungen „In einer Brautnacht“ und „Der tolle Graf“ präsentiert sowie die westfälische Sage „Der letzte Burggraf von Stromberg“. Biografisches und Bibliografisches, ein Aufsatz des Bloggers zum Noirpotential Temmes runden das bei Pendragon erschienene Buch ab. Kostet 12.95, hat 284 Seiten und hilft vielleicht mit, einen der Ahnen des deutschen Krimis dem interessierten Publikum näher bekannt zu machen. Dann hätte es seinen Zweck erfüllt. Besprechen darf ich das Teil ja wieder mal nicht…

Ein Verlegerbrief

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Sehr geehrter dpr! Mit größter Freude und Genugtuung begrüßen wir Ihre in der gestrigen Ausgabe des Online-Krimimagazins WTD bekannt gemachte Entscheidung, den in unserem Hause veröffentlichten Krimi „Joint Adventure“ von Peter J. Kraus nicht zu rezensieren. Wie Sie vielleicht wissen, haben Ihre Leseempfehlungen, die Produkte unseres Verlags betreffend, in der Vergangenheit stets zu dramatischen Absatzeinbrüchen geführt. Manch hoffnungsvoll begonnene Laufbahn als Kriminalschriftsteller fand so ein abruptes Ende, es kam zu Massenentlassungen in unserem Hause etc., mithin zu Heulen und Zähneklappern, bitterer Not und Depression allenthalben.

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Der Antikrimi als Musterkrimi

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„19 Variationen über Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff“ verspricht uns das Buch „So wie du mir“ aus dem Pendragon Verlag. Und ebenso spontan wie traumatisiert erinnert man sich des Textes, Schrecken des Deutschunterrichts, als Lektüre- und Interpretationszwang den Verdacht nährten, ein Studium der Literaturwissenschaft ähnele gewiss einer Runde Folter im Keller der Inquisition. Andererseits: Jahrzehnte später, abgeklärter und der Folter entronnen, hat „Die Judenbuche“ durchaus ihren Reiz. Das liegt, wie Mitherausgeber Walter Gödden in seinem Nachwort treffend erwähnt, „an der elementaren Offenheit des Textes, der mehr Rätsel aufgibt, als er löst“.

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