Die Glorreichen im Herbst

Drei Viertel des Jahres sind jetzt auch schon wieder vorbei. Langsam muss man sich Gedanken über die Krimihöhepunkte machen, aber ich hab ja meine Glorreichen Sieben. Tja… aber da gibt es ein Problem.
Neu auf die Liste haben es Rex Miller mit →„Im Blutrausch“ sowie Vamba Sherif mit →„Geheimauftrag in Wologizi“ geschafft. Einen Ehrenplatz dort hätten natürlich auch Geoffrey Household („Einzelgänger, männlich“) und Gerald Kersh („Ouvertüre um Mitternacht“) verdient – nur: Dann müsste ich ja gleich VIER altbewährte Kräfte von der Liste kicken!

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Gerhard Loibelsberger: Die Naschmarkt-Morde

Wie läppisch hätten wir sie denn gern, die Kriminalliteratur? Man hat sich ja mit vielem schon abgefunden: mit unbeholfen in die hohle Hand formulierter Regiofremdenwerblerei, dummbeuteliger special-interest-Spannung für Freunde des Kulinarischen, der Spirituosen oder einer bestimmten Tierart, mit zusammengegoogelten und besinnungsaufsatzmäßig verfassten „historischen Krimis“… sogar, wenn alles zusammenfällt, das Bieder-Regionale, das schlichtweg Präpotente, das Nichtschreibenkönnen als Attitüde – selbst dann also haut uns das nicht mehr wirklich um. Bei Gerhard Loibelsbergers „Die Naschmarkt-Morde“ allerdings kommen wir ein wenig ins Wanken.

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Parallel

In den letzten Wochen hatte ich aus Zeitgründen darauf verzichten müssen, Bücher parallel lesen. Jetzt setze ich wieder an und auch gleich in der idealen Konstellation, ein gelungenes neben einem misslungenen Werk. Das schärft allgemein die Sinne, lässt die Hochachtung vor der literarischen Leistung steigen und die Verachtung des schlichtweg langweiligen Runterschreibens wachsen.

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Literatur an historischen Stätten

Einen kurzweiligen literarischen Abend verbrachten 120 zumeist ältere MitbürgerInnen aus Schwäbisch-Gmünd in der historischen Orangerie des saarländischen Barockstädtchens Blieskastel. Auf Einladung der renommierten Firma CONTE – LITERATUR UND GEBRAUCHSGEGENSTÄNDE GmbH & Co. KG waren sie per Bus angereist, um die im Werbeprospekt versprochenen Leistungen des Unternehmens gegen einen Unkostenbeitrag von Euro 9,95 in Anspruch zu nehmen: „Große Stadtführung mit anschließender Vesper – Riesensteak und Riesenpommes – in einem ortsüblichen Lokal. Danach großer Unterhaltungsabend mit Peter König und Dieter Paul Rudolph in der Orangerie (Verkaufsveranstaltung, Teilnahme freiwillig). Jeder Gast erhält garantiert ein Paket mit Saarländischen Schlachtspezialitäten – Blutwurst, Leberwurst, Currywurst, Bauchfleisch – sowie ein vom Autor handsigniertes Exemplar des Regionalkrimikrachers ARME LEUTE.“

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Eine Stadt sucht ihren Mord

Man muss das verstehen. Jahrhundertelang lag die Stadt im Halbschlaf, nichts geschah. Ein Reichsgrafengeschlecht verschwand in den Wirren der Französischen Revolution (und tauchte – von der Leyen – irgendwann in Gestalt einer angeheirateten Familienministerin wieder auf), das Schloss brannte, an den Straßenrändern Myriaden von Reissäcken, die einfach nicht umfallen wollten. Irgendwann, Gebietsreform, kamen umliegende Gemeinden (zumeist gegen ihren Willen) zur Stadt hinzu und brachten mit: einen Grillweltmeister, einen Mann, der das verbrach, was heute seinen Namen wie einen Rufmord trägt: Hartz IV. Und jetzt das:

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Gerald Kersh: Ouvertüre um Mitternacht

Das ist Krimi: Ich mach dir deine schöne Welt kaputt, kitte sie wieder – und am Ende steht sie schöner da denn zuvor. Schicken wir eine alte, exzentrische Lady auf Mördersuche, das wird spannend und lustig. Aber wenn es nicht spannend und lustig wird? Wenn die Welt am Ende keineswegs schöner, nein, hässlicher und kaputter ist als am Anfang? Dann nennt man’s Noir. Also nennen wir Gerald Kershs „Ouvertüre um Mitternacht“ einen Noir.

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Die Krimifabrik

Wer als Autor mit dem Schreiben von Kriminalromanen nach materiellem Reichtum strebt, braucht Glück und eine durchschlagende Strategie, also am besten beides. Am wichtigsten: Verabschiede dich von der Vorstellung des irgendwie authentischen „Kunstwerks“, der individuellen Maßanfertigung, gar der literarischen Tradition des Genres, in die du deinen geistigen Erguss platzierst. Wir leben in einer Welt der rationalisierten Massenfertigung, des kostenoptimierten Fließbandes und der globalen Diversifizierung von Arbeitsabläufen. Nicht wer einen Krimi SCHREIBT, wird reich, sondern der, der ihn designt und schreiben lässt. Wie James Patterson.

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Kein Urlaub!

Das Kreuz tut weh, die Bandscheiben ächzen. Schwere Hautabschürfungen, eingerissene Fingernägel, dazu eine Art Platzwunde am Kopf, der Wandschräge sei Dank. Was heißt das? Klar: Der Blogger renoviert. Verrückt Möbel, streicht an, bringt Rolllädenkästen wieder auf den neuesten Stand. Und kommt diese Woche nicht mehr zum Bloggen ob all des Häuslich-Kriminellen. Falls nicht Unvorhergesehenes (Blogger wird unter dem Kleiderschrank begraben) passiert, melde ich mich nächste Woche wieder. Bis dahin: Betet für meine Gesundheit!

Auf der September-Couch

Und wieder sitzt das verlegerische Großkapital feist und zigarrenpaffend auf der irgendwie notorischen →Krimi-Couch: Der Buchgigant Edition Phantasia mit Rex Miller, der globale Literaturkonzern Ariadne mit Monika Geier und Nora Miedler, der Schweizer Megaverlag Kein & Aber mit Joaquín Guerrero Casasola… Da freut es mich schon, neben diesen Krösussen ein kleines Plätzchen ergattert zu haben. Für die kleine →Kolumne über Polizeiromane, einen herzhaften →John-Hart-Verriss und einen netten →William-Boyd-Krimi. Setzen Sie sich einfach dazu…

Auf der Fährte

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eines großen und vergessenen Kriminalromans? Einiges spricht dafür. Etwa die Aussage eines Herausgebers, bei H.F. Woods „The Passenger from Scotland Yard“ handele es sich um „den besten Kriminalroman zwischen The Moonstone und The Hound of the Baskervilles“. Ob das stimmt, kann man jetzt anhand der deutschen Übersetzung von 1889 nachprüfen. Wo? Natürlich in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“

Geoffrey Household: Einzelgänger, männlich

Ein Mann mit einem Gewehr schleicht sich auf das Grundstück eines Diktators und bekommt ihn ins Fadenkreuz. Bevor er schießen kann (will er das überhaupt?), wird der Mann entdeckt, gefoltert, von einem Felsen geworfen. Er überlebt und flüchtet aus dem Land des Diktators in seine Heimat, England. Gerettet ist er nicht. Die Agenten des Diktators sind ihm auf den Fersen, als er einen von ihnen tötet, jagt ihn auch die englische Polizei. Der Mann gräbt sich einen Bau, lebt dort wie ein Tier. Es nützt ihm wenig. Die Agenten scheuchen ihn auf, es kommt zum großen Showdown…

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Heißer Buchtipp

Frisch aus der Druckerei, ein epochales Werk für jeden gepflegten Krimihaushalt. Ich kann das bestätigen, denn ich habe das Buch gelesen. UND KONNTE ES NICHT MEHR AUS DER HAND LEGEN! Schon der Anfang kommt prächtig: Ein Engel schneidet einem Maler ein Ohr ab und nagelt es auf ein Bild! Das ist neu in der Kriminalliteratur, das war noch nie da! Und so munter geht es weiter, über 200 Seiten lang!

Das Beste aber: Sie können das Buch sofort kaufen! Bewegen Sie den Zeiger Ihrer Maus auf das Bannerchen links – und er wird zur Hand! Das heißt: Hier darf geklickt werden! Hier ist verlinkt worden! Der Link führt direkt zur Seite des Conte Verlages, wo weitere wertvolle Informationen sowie eine bequeme Bestellmöglichkeit Ihrer harren. Die freundliche Mitarbeiterin Saskia erwartet Ihre Bestellung und wird sie prompt ausführen! Und bedenken Sie: Wenn Saskia bis Monatsende nicht die gesamte Auflage verscherbelt hat, wird sie von den beiden brutalneoliberalen Verlegern FRISTLOS ENTLASSEN! Das kann doch kein Mensch wollen!

Also: zögern Sie nicht. Es wird Ihr Schaden nicht sein. Meiner jedenfalls ist es bestimmt nicht…

Wahlkrimi

Ein klassischer Who-will-do-it der Sonderklasse: Jamaika? Volksfront? Oder am Ende wieder die lasche Nummer Große Koalition? Es ist spannend im Saarland, und ich bin mittendrin! Die Protagonisten bringen sich in Stellung, jeder hat gewonnen – und alle anderen haben dann logischerweise verloren.

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