Krieg am Doppelnabel der Welt

Ja doch, es vermittelt uns, die wir am Rande der bewohnten Krimiwelt dahinvegetieren, schon ein wenig klammheimliche Freude, wenn wir Zeuge eines Schlagabtauschs werden, bei dem ein Weltnabel dem anderen seinen Platz missgönnt. Eine Gruppe britischer Autoren, die sogenannte „Curzon Group“ hat ein „Manifest“ in der →Presse lanciert, das sich gegen die Hegemonie amerikanischen Thrillerschreibens wendet und eine Rückkehr zur traditionellen – und originelleren – Form britischer Kriminalliteratur fordert. „All the writers in this group believe in bringing that back … Too many of the American thrillers are just being churned out to a rigid formula. Good writing is never a production line.“

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Krimistammtisch: Nachklapp

Nein, mit diesem Thema konnte Charles den Tex bei den Mitgliedern des Krimistammtisches nichts falsch machen. Die Risiken des Digitalen sollte man kennen, und wenigstens theoretisch können wir alle zu Opfern werden. Bis hin zum „Identitätsverlust“? Das sei dahingestellt, aber selten hat ein Autor einen Roman geschrieben, der es ihm so einfach machte, einen Sympathievorschuss von seinen LeserInnen zu kassieren. Ist doch, wie Henny erkannt hat, „die Einfühlung in den Protagonisten schon frühzeitig so stark fortgeschritten, dass der Vorschuss reicht, um für einen Bucherfolg alles Weitere aus dem professionellen Krimiärmel zu schütteln“.

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Krimistammtisch: Charles den Tex, Die Zelle

Fünf aufmerksame Leserinnen und Leser haben am Krimistammtisch Platz genommen: →Henny Hidden, Thomas Elfers, →Kirsten Reimers, →Joachim Feldmann und dpr. Sie erzählen von ihrer Lektüre des Kriminalromans „Die Zelle“ des Holländers Charles den Tex. Es werden keine Bierkrüge auf Köpfen zerschlagen, keine unüberwindlichen Gräben tun sich auf. Man ist sich, im Groben, einig: „Die Zelle“ ist ein verdienstvolles, aber kein überragendes Buch. Jede / jeder findet Stärken und Schwachstellen, das Spannende daran: jede / jeder findet andere. Darüber morgen etwas mehr. Für heute: die fünf Rezensionen.
Seitdem ich John Katzenbachs „Patienten“ gelesen habe, ist mir deutlich geworden, dass man mit einem Krimi, dessen Thema um einen Identitätsverlust kreist, große Spannung erzeugen kann.

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Nachösterlicher Krimisamstag

Nach einer kurzen Feiertagspause geht es an diesem Krimisamstag beim Titelmagazin wieder hoch her. Doris Wieser hat →Guillermo Martinez gelesen und assoziiert sofort Jorge Luis Borges. Derweil Claire Gorrara einer weiteren geschlossenen Krimibuchhandlung, dem →„Murder One“, nachtrauert. Nüchtern indes fragt Frau Dr. Lehmann in ihrer heutigen →Warenkunde, wie lange einer tot ist, wenn er tot ist. Und die anderen Herrschaften? Sven Jachmann hat in einem →Comic geschmökert, Sabina Schutter mit Gewinn →Stefan Kiesbye gelesen, Nadja Israel zweifelt an →J.M. Calder, Beate Mainka schwärmt für →Paule Constant. Und dpr? Der ist auf dem Holländertrip. Heute →Tomas Ross, am Montag Krimistammtisch mit Charles den Tex. Darauf ein mörderisches Wiegenlied von →Alfred Jarry.

Nichtstun

Mal gucken, ob der Alligator merkt, dass die heutige Krimirezension nicht von mir, sondern von Anna Veronica, unserer Fachreferentin für pakistanische Kriminalliteratur, geschrieben wurde. Ich selbst drehe Däumchen. Warte auf die letzten Eingänge zum Krimistammtisch, an dem am Montag Freibier und Meinungen in Strömen fließen sollen. Überlege, ob anlässlich eines runden Geburtstags ein Klassiker-Check angebracht wäre und wie ich den zweiten Mord im dritten Krimi inszenieren könnte. Und einen alten Krimi habe ich auch noch zu benachworten. Summa: Ich übe mich im Nichtstun und freue mich aufs Wochenende, wenn die Arbeit wieder richtig losgeht.

Cross-Marketing

„Meine Eltern sind übrigens durch einen IKEA Prospekt auf das Buch gestoßen, sagen sie. Es sei dort als Kaufempfehlung drin gewesen und sie hätten es daraufhin im örtlichen Buchhandel bestellt.“

Das schreibt Nina in einem →Kommentar zu ihrer Besprechung von Ralf Strackbeins Krimi „Der Billy-Code“ bei der „Krimikiste“. Ein Buch, in dem ein Mord geschieht und sich alle Beteiligten – wegen eines Schneesturms – bis zum Showdown in einem „Möbelgeschäft“ aufhalten. Hübsch.

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Andrea Maria Schenkel: Bunker

Je kürzer der Text, desto ausführlicher die Rezension. Und dann ist es noch nicht mal eine… Aber ist „Bunker“ überhaupt ein Krimi? Wird wohl, oder? Ihn zu analysieren, das ist ganz bestimmt einer…
Wenn einem die Kritikaster das eigene Werk wie ein nasses Handtuch um die Ohren hauen, dann kommt Lob gerade recht. Aber, mal ehrlich, möchte man wirklich SO gelobt werden? : „(…) nicht ganz so geglückt ist wie die ersten beiden (…) Dafür besticht die Konstruktion (…)“ – „eklatante sprachlich-dramaturgische Schwächen (…)bei aller Kritik, eher Respekt (…)“ – „Aber die frühere Faszination hat sie nicht hervorgerufen. (…) Eine Etüde eben.“

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Osterpause

So. Über Ostern urlaubt die wtd-Redaktion. Natürlich auf den Osterinseln, Geld ist schließlich genug da. Wir lesen Jerry Oster und hören die alten Scheiben von Blue Oster Cult, während sich unsere Leser im idyllischen saarländischen Ostertal oder einer italienischen Osteria erholen, Hartgesottene zieht es nach Osterreich, noch Hartgesottenere spielen die Schlacht von Osterlitz nach. Und bevor wir jetzt alle in die Wortspielhölle wandern: Frohe Ostern! Man sieht sich. Nächsten Dienstag.

Schlag nach bei…

Hallo, liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem plotverarbeitenden Gewerbe! Na? Sitzt ihr wieder niedergeschlagen vor dem weißen Bildschirm? Keine Idee? Nix Knackiges plotmäßig? Die Figurenrede will auch nicht so? – Heißer Tipp: Ihr müsst mehr Klassiker lesen! Genau!: Das Zeuch, das sie einem in der Schule bis zum Erbrechen um die Ohren… doch, doch, das hilft eurer Kreativität auf die Sprünge! Das hier zum Beispiel, daraus läss sich was basteln…

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Kaspars Bruder

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Wer war W. Hauser? Wir wissen es nicht. Gewiss ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Mutter und Vater. Und Krimis hat er geschrieben, einen einzigen zumindest, eine kurze Erzählung. „Dort sitzt der Mörder!“ – ja, genau, aber das hilft uns auch nicht weiter. Wo sitzt W. Hauser? Sein Text erschien 1902 in der Wochenschrift „Freya“ – und nun eben in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“. Er verrät uns einiges – aber nichts über den Autor. Sei’s drum.

Sprachbunker. Vorbereitungen einer Lektüre

Sprache spielt, seien wir ehrlich, in vielen Kriminalromanen keine besondere Rolle. Man brütet über Plot und Spannungsbogen, Personenzeichnung und dem Unterschied zwischen einer Pistole und einem Revolver, die Sprache indes bleibt eben die Sprache, so wie der Löffel, mit dem der Koch die delikate Suppe kostet, halt der Löffel ist. Knackig soll Sprache sein, eingängig, „gut“, einigermaßen dudenkonform.

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Die Krimisamstagstoten

Man glaubt es nicht, aber es ist so: Raymond Chandler ist tot. In der heutigen Ausgabe des Krimisamstags im Titelmagazin weist →Matthias Penzel noch einmal darauf hin und erklärt, warum Chandler dennoch lebt. MIt dem Phantomhaften der Toten hat es auch Uta-Maria Heim in ihrer Kopfschuss-Kolumne. Sie hat nämlich →Glenn Coopers „Die Namen der Toten“ gelesen. Still alive and well: →Pablo De Santis. Doris Wieser hat ihn porträtiert und interviewt.

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Heute in der Regionalzeitung

Wenn die Regionalzeitung etwas über den Regionalkrimi von einem wissen will, dann steht man natürlich jederzeit zur Verfügung. Die „Saarbrücker Zeitung “ wollte wissen. Jetzt weiß sie es. →Hier (leicht gekürzt nachzulesen), man beachte auch die hübsche Zeichnung. Stolz ist der Interviewte darauf, auch beim saarländischen Regionalkrimi Jerome Charyn und Pieke Biermann untergebracht zu haben. Soll ihm erst mal einer nachmachen…

John Farrow : Eishauch

Voilà: Wtd hat eine neue Rezensionsfachkraft! Anna Veronica Wutschel, bekannt aus „Krimizeit“, „Krimisamstag im Titelmagazin“ und als kundige Mitarbeiterin des Krimijahrbuchs, wird fortan in loser Folge das wtd-Publikum mit ihren fundierten Meinungen zu Werken der Kriminalliteratur beglücken. Herzlich willkommen! So, und jetzt geht’s los…

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