Augen auf!

Dass wer eine Bude auf dem Markt hat, kräftig schreien, trompeten und krakeelen muss, wusste man schon immer. Verkauf ist alles, und auch auf dem Krimimarkt stehen die Büdchen nun einmal dicht an dicht. Noch niemals ist ein schlechter, ja, nur durchschnittlicher Kriminalroman in Deutschland veröffentlicht worden – behaupten die Verlage. Also wird gelobhudelt, bis sich der kaltblütigste Klappentexter morgens nicht mehr im Spiegel betrachten kann, hübsche Flashfilmchen werden als „Trailer“ produziert und geistige Dünnpfifferei erreicht dank Beimischung starken Vokabulars die solide Konsistenz unverzichtbaren Schrifttums.

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Frank Goyke: Altweibersommer

Theodor Fontane ermittelt. So, so. Nicht mehr ganz jung, die großen Romane noch ungeschrieben, mit journalistischen Brotarbeiten hält er sich und seine Familie über Wasser. Auf einer Recherchereise durch die Mark Brandenburg wird er plötzlich mit dem Tod eines alten Bekannten konfrontiert. Der, einst Arbeitskollege Fontanes, hat es zum Immobilienking und eingeheirateten Adligen gebracht und liegt jetzt mit zerfetztem Kopf in einer Wildschweinkuhle. Selbstmord? Sieht so aus, denn die Geschäfte des Herrn standen vor dem Bankrott. Und Fontane? Der zweifelt an der Selbstmordthese, wie auch anders in einem Kriminalroman, und, siehe oben, ermittelt.

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Krimijahrbuch 2009 – Erinnerung

Ich möchte nur ganz zaghaft daran erinnern, dass das Krimijahrbuch 2009 Anfang März erscheinen wird. Kann →hier bestellt werden oder →beim Verlag oder in der Buchhandlung. Wie immer lesenswert – das sage ich jetzt mal als Unbeteiligter. Wir halten euch auf dem Laufenden. Ihr dürft auch gerne Anregungen geben, was man 2010 mal so alles machen könnte: Themen, Personen, Länder, Kontinente… Wir sind ja strikt basisdemokratisch. Ob wir es dann allerdings auch so umsetzen können, kann nicht garantiert werden…

TW and me

Wir beide sind Gegenstand des letzten „Krimigesprächs“, das Ulrich Noller mit der Moderatorin der →„Bücherwelt“ auf der Deutschen Welle geführt hat. TW, weil er nach fünfzig Jahren Beschäftigung mit dem Genre immer noch nicht weiß, was ein Krimi ist, meine Wenigkeit, weil ich „hyperaktiv“ bin. Meint Herr Noller. Kennt den jemand?

Die Kritikasterei – Weg zum Glück?

Wie ging es früher in Kreisen deutscher Krimischaffender zu? Überlebende erinnern sich schaudernd. Grausig wars, so der Tenor. Es herrschte Sengen, Morden und Brandschatzen, üble Nachrede war noch das Geringste, schwere Körperverletzung an der Tagesordnung. Doch dann hatten einige wenige Vernunftbegabte unter den Krimischaffenden die geniale Idee: Wir müssen einen Verband gründen!

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Grenzöffnung

Vielleicht sollten wir reinen Tisch machen, was die qualitative Vermessung von Kriminalliteratur angeht. Und, einfach mal so zu Erkenntniszwecken, davon ausgehen, es spiele letztlich keine Rolle, ob ein Hoch- oder ein Asphaltliterat das Genre mit seinen Kreationen beehre.

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Suhrkamp: Talent zum Unterhalter?

Eine persönliche Anekdote vorweg: Ende der siebziger Jahre schickte ich, „blutjunger Autor“, eine schmale Novelle zur Begutachtung an das Lektorat des Suhrkamp Verlags. Kein Krimi, aber eine leicht ins Mysteriöse driftende Geschichte. Sie kam nach zirka zwei Monaten zurück und enthielt den mir seither ins Gedächtnis gebrannten Satz: „Sie haben unbezweifelbar Talent zum Unterhalter“. Das war, aus der Feder eines Suhrkamp-Lektors, natürlich das Todesurteil.

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Stewart O’Nan: Alle, alle lieben dich

Die junge Kim ist verschwunden. In einer US-amerikanischen Kleinstadt nahe der Großen Seen, aus einem auf den ersten Blick doch so intakten Mittelstandsmilieu. – Das Setting kennen wir, es ist einer der Archetypen der Kriminalliteratur. Ein Verbrechen geschieht und gräbt die vorgebliche Harmonie so lange um, bis wir in gähnende Abgründe blicken. Nichts Neues, man denke nur an Laura Lippman, die so etwas prima hinkriegt. Und was macht Stewart O’Nan daraus?

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Absteiger 2009

Sie wissen nicht, was 2009 auf Sie zu kommt? An schlechten Nachrichten, schlechtem Cannabis und schlechten Krimis? Nun, was die letzteren betrifft, hat wtd wie immer seine Fühler weit in die Zukunft gestreckt und ist in der Lage, Ihnen die drei Absteiger des Jahres 2009 zu präsentieren. Machen Sie sich auf gruselige Momente deutschen Krimischaffens gefasst…

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Edgar, 3

Edgar Poe weilt am 19. Januar 2009 200 Jahre unter uns. Anlass für eine Serie von Aufsätzen, die dieses labile Wunderwerk der Literatur in loser Folge aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten sollen. Mit Anknüpfungen an die Kriminalliteratur, das Leben an sich, die Geschichte und die Gegenwart, das Politische und das Private, das Erhabene und das Niedere. Heute mit Teil 3 (Teil 1 →hier, Teil 2 →dort)

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Das gnadenlose Geschlecht.

Am heutigen Krimisamstag im Titel-Magazin wird mit einer Sensation aufgewartet: Edgar Poe ist vor 200 Jahren auf die Welt gekommen! →Tobias Allan Gohlis hat aus diesem Anlass den Klassiker gecheckt – und weitere Besichtigungen des unsterblichen Edgar werden folgen. Derweil sich der Rest von Wörtches Crew durch den Tag schmökert. →Anna Veronika Wutschel findet Arnaldur Indridasons neuestes Opus reichlich misslungen. →Beate Mainka hält Denis Lépées „Cartago-Code“ für einen „netten Versuch“. Einzig →Menschenfreund Dieter Paul Rudolph tätschelt sein Objekt, Daniel Twardowskis „Tod auf der Northumberland“. Nehmt euch ein Beispiel, ihr grausamen Damen! Zu denen sich auch →Christine Lehmann gesellt, die einen Fön in die mit Mann besetzte Badewanne wirft. Bei soviel Grausamkeit kann man sich nur noch mit einem ellenlangen Gedicht von →Hilaire Belloc trösten.

Herzlich lachen

… musste ich schon, als mir gestern Frank Goykes neuen Krimi „Altweibersommer“ ins Haus kam. Trägt doch das gute Stück den Untertitel „Theodor Fontanes erster Fall“. Au weh! Bloß weil das arme Luder mit „Unterm Birnbaum“ mal eine klassische Kriminalnovelle geschrieben hat, muss es jetzt ein posthumes Leben als Seriendetektiv fristen!

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Pieke hasst Vorurteile

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„Synergieeffekte“: Hau einem, der anders ist als du, kräftig auf die Schnauze. Und wenn du schon mal dabei bist: beklau ihn auch noch. Über „hate crimes“, die leider oft als „normale Raubdelikte“ abgetan werden, berichtet Pieke Biermann in ihrer neuen Kriminalreportage „3 Unbekannte“. Am Freitag, 16. Januar 2009 im RBB-Inforadio 93,1um 10:27 und 13:27 Uhr und am Sonnabend, 17. Januar 2009 in DER TAGESSPIEGEL. Oder wie gehabt im Internet, in das man merkwürdigerweise nur übers Radio kommt.

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