Den ersten „modernen Krimalroman“ möchte →Kollege Ludger Menke im Auftrag wissbegieriger Leser eruieren – und der Haken ist natürlich dieses „modern“. Wie bestimmt man nun diese Zeitenwende, diesen Punkt, an dem etwas Etabliertes obsolet, etwas Neues aktuell wurde? Geht das überhaupt? Na, versuchen wir’s mal mit einer geistigen Stampede über die Steppen der Literaturgeschichte – und traben am Ende erschöpft auf die Weide zurück.
WeiterlesenAutor: dpr
Krimis schweben vorüber
Wo? Natürlich in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“. Oder genauer: In ihrem Appendix „Frühes 20. Jahrhundert“. „Ursula schwebt vorüber“ heißt die Neuanschaffung des 1931 verstorbenen Walther Harich, der nebenbei ein veritabler Literaturwissenschaftler und Vater des Philosophen Wolfgang Harich war. Ach ja: Und wer alle bis Ende 2006 veröffentlichten Texte auf einer CD haben möchte (mit bequemer Navigation und zusätzlichen Extras, und das alles für 5 €), der / die schaue auch mal auf die Seite.
Ein Blick ins Krimijahrbuch 2007
Die gute Nachricht: Es wird ein Krimijahrbuch 2007 geben. Die noch bessere Nachricht: Wir widmen uns diesmal auch verstärkt dem Film- /TV-Krimi. Die beste Nachricht: Wer jetzt bestellt, wird beschenkt.
WeiterlesenSo helft uns doch!
Die →Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts nimmt langsam, aber unaufhaltsam Konturen an. Fleißige Hände legen alte Krimis auf moderne Scanner, seit wir auch das frühe 20. Jahrhundert unter unsere Fittiche genommen haben, kriechen die verstaubten Schwarten aus allen Ecken und schreien: „So digitalisiert uns doch für die Ewigkeit!“
WeiterlesenSpiek to me
Aber das tut sie ja pausenlos. Die Biermann im Radio, das ist alleweil besser als der Biermann im Fernsehen. Diesmal sogar eine Woche früher als sonst, heißt es morgen wieder „MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT“, im RBBinfoRADIO 93,1, 4.November 2006 um 11:45 Uhr hören wir Pieke Biermanns Porträt von „Mitch Cohen, Opfer von Kriminalität ohne Täter“, es geht um Stalking, und da kennen wir uns aus. Folgen wir doch pausenlos und hartnäckig der Stimme Piekes durch den Äther.
WeiterlesenIdeale Leser
Ein ruhiger Morgen in den Redaktionsräumen von Hinternet. Fräulein Katja wiegt den Kronprinzen, Nachwuchskraft Jochen König büffelt für den Jagdschein, Kollege Bernd Kochanowski grübelt über seiner neuen Doktorarbeit, „Bakterienkrimis im Wandel der Zeiten“. Dass sich Fräulein Anobella die Fußnägel lackiert, ist inzwischen zum festen Anblick eines jeden beginnenden Arbeitstages geworden und wird nur noch von dpr, dem Fahnenträger des guten Anstands, bemängelt. Was aber ist mit dem Chef los? Walter tigert durch die Räumlichkeiten, dann bleibt er am Redaktionstisch stehen und flucht in die Runde: „Und welchen Krimi schenke ich meinem Onkel Erwin zu Weihnachten? Hä?“
WeiterlesenDas Treffen von Schwerte
( „Zur Ästhetik der Kriminalliteratur“ – so lautete der Titel einer Tagung, die vom 31. Oktober–1. November 2006 im Haus Villigst bei Schwerte über die Bühne ging. Unser Gesellschaftsreporter Joachim Feldmann hat sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und erstattet nun exklusiv Bericht (bevor er sich wieder seinem anderen Steckenpferd, der verdienstvollen Zeitschrift →„Am Erker“ widmet.)
WeiterlesenNorbert Horst: Blutskizzen
Leichensache – Todesmuster – Blutskizzen. Schon die Titel der Kriminalromane Norbert Horsts weisen den Weg; vom Konkreten über das Abstrakte hin zum Vorläufigen. Es ist der umgekehrte Weg, auf dem Ermittler gemeinhin vorwärts schreiten, Ermittler, die Polizisten oder Schriftsteller sein können oder, wie im Falle Norbert Horsts, beides Blutskizzen. Konstantin Kirchenberg und KollegInnen werden mit einem Serienmörder konfrontiert, der ältere Männer tötet und nackt in Müllcontainern entsorgt. Die Ermittlungen laufen an, erste Muster kristallisieren sich aus dem Faktengemenge, frühere unaufgeklärte Morde passen ins Raster und recht bald schon gerät ein Tatverdächtiger ins Visier der Beamten. Er, jetzt biederer Buchhalter, Familienvater und Mitglied einer christlichen Sekte, ist schon einmal wegen des Mordes an einem älteren Mann verurteilt worden, und die Indizien, dass er weiterhin tötet, verdichten sich bis zur Gewissheit.
WeiterlesenThomas Maeder: Die unglaublichen Verbrechen des Dr. Petiot
Wären „Die unglaublichen Verbrechen des Dr. Petiot“ das Produkt einer Autorenphantasie, man würde das Buch mit spitzen Fingern anfassen – um es in den nächsten Papierkorb zu expedieren. Nichts ist eindeutig. Hat Dr. Petiot im von den Deutschen besetzten Paris der vierziger Jahre 20, 60 oder über 100 Menschen vom Leben in den Tod befördert? Wie hat er das überhaupt angestellt? Wer war Mitwisser? Warum verhalten sich Polizei und sonstige Staatsgewalt derart tölpelhaft? Warum widersprechen sich Zeugen so offensichtlich und ändern ihre Meinung so häufig und unbegründet? Ist ein Prozess, gegen den die Grotesken des „Königlich-Bayrischen Amtsgerichts“ wie Bilder aus dem Leben wirken, tatsächlich in der nüchternen Wirklichkeit vorstellbar?
WeiterlesenDa möchte man nicht mehr weiterlesen
„Patricia Highsmith wurde oft unter dem Label „Krimiautorin“ abgetan. Ihre literarischen Qualitäten wurden dabei oft übersehen.“
Und liest dann halt doch noch ein bisschen.
WeiterlesenVerweht
So geht das. Da schreibt einer einen Krimi, der „Verwehte Spuren“ heißt, veröffentlicht ihn 1891 und jetzt, da der Text als PDF in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“ erscheint, sind auch die Spuren des Autors Paul Henkes verweht. Aber der Text bleibt.
Ein dicker Hund
(Ex-Kommissar Wickius, nach einer Intrige denk- und kommentarfauler Blogleser seines Amtes enthoben und in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion! Für alle Unbelesenen gibt es die Auflösung immer ein paar Tage nach der Veröffentlichung der Geschichte.)
WeiterlesenKrimiWelt-Bestenliste November 2006
So, so. Paulus Hochgatterer steht mit „Die Süße des Lebens“ auf dem Spitzenplatz der aktuellen Bestenliste. Kleine Überraschung. Vor Robert Littell und John Le Carré, einem der drei Neueinsteiger. Die beiden anderen rangieren am Ende der Liste: Norbert Horst mit „Blutskizzen“ und Michael Connelly mit „Vergessene Stimmen“. Was nun keine Überraschung ist, sondern eher der erste Schritt zu sonnigeren Plätzen. Aber das, liebe Leser, schaut ihr euch besser selber an. →Hier.
Krimitheater
Ausnahmsweise mal was von den weltbedeutenden Brettern in der →Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts, Abteilung frühes zwanzigstes: Ferdinand Bonn, Schauspieler, Theaterdirektor, Stückeschreiber hat 1906 den guten alten „Sherlock Holmes“ auf die Bühne gebracht. Ein putziges Stück ohne Dr. Watson, dafür mit einem Klavierlehrer als staunendem Helfer. Übrigens ein Reclam-Heftchen. Das Böse agiert, Holmes agiert zurück – und weiß, wie im Original, alles besser.
Die Fragen der nächsten Woche
Die Krimiwelt steckt voller Fragen, nicht nur den banalen nach Täter, Opfer und Schuld, nein, auch die allerletzten werden gestellt – und hier zuverlässig beantwortet. Nächste Woche haben wir ein besonders sinnlastiges Programm, warten sensationelle Antworten auf das geneigte Publikum.
WeiterlesenMichael Connelly: Vergessene Stimmen
Es gibt diese Krimis: Sie sind nicht „subjektiv“ erzählt, sondern präsentieren ihre Geschichte distanziert; so distanziert, dass man die Stimme des Autors zwischen denen seiner Personen und manchmal auch über ihnen zu hören glaubt. Halbdokumentarisch könnte man das nennen, analog zur klassischen „Dragnet“-Serie und ihrem deutschen Pendant „Stahlnetz“. Die Taktik ist durchsichtig. Authentizität soll suggeriert werden, beinahe aktenmäßiges Ausbreiten der Geschehnisse, Wahrhaftigkeit eben oder doch wenigstens ihr banaler Ableger, „die Wahrheit“. Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ ist so ein Versuch, und er gelingt.
WeiterlesenAkte in Aspiek
„Wenn die Biermann“, drohte neulich ein Freund, „nicht bald mit einem neuen Krimi rüber kommt, lege ich sie zu den Akten!“ Ich erschrak. Nein, nein, besänftigte ich den Erzürnten, Pieke Biermann schreibe ja bereits an einem Thriller über die Berliner Krimikritikerszene. „Mysteriöse Morde, grassierende Schreib- und Leseschwäche und eine Selbsthilfegruppe Anonyme Donna-Leon-Leser. Das wird was.“ – Ich gestehe:
WeiterlesenFernando Molica: Krieg in Mirandão
Wer oder was bestimmt eigentlich darüber, wie Kriminalliteratur auszusehen, zu funktionieren hat? Genre-Theoretiker? Kritiker? Über ästhetische und poetologische Fragen räsonnierende AutorInnen? Das lesende Publikum? Ja, sicher, die machen das. Die schwadronieren, experimentieren oder transportieren einfach die ewigen Gesetze von Spannung und Dramaturgie durch die Zeitläufte. Aber eine Instanz, die gewichtigste, haben wir vergessen: die Verhältnisse.
WeiterlesenGutes und Schlechtes
Es hält sich ja meistens die Waage: Das Zeug, das einen motiviert und das Zeug, das einen demotiviert. So bleibt man irgendwie im Zustand des Mal-so-mal-so ausbalanciert, die Kollerader, wie sie manchmal bedrohlich anschwillt, schwillt gleich wieder ab. Also was ist gerade gut, was gerade schlecht? Eine kleine Zusammenfassung.
WeiterlesenJacques Berndorf: Eifel-Kreuz
Die Eifelkrimis des Michael Preute alias Jacques Berndorf befinden sich längst jenseits der Kritik. Ein Verriss wird ihm kaum Leser abspenstig machen, ein enthusiastisches Lob kaum neue zuführen. Berndorfs Romane sind – nein, nicht Kult (inzwischen ist ja fast alles Kult), sie sind Rituale, Gottesdienste, deren Ordnung sich seit dem ersten Auftauchen des Pfeifenfetischisten Siggi Baumeister keine Spur verändert hat. Man kann das nur konstatieren; aber kritisieren?
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