Lektoren

Unter dem Titel „Diener zweier Herren? Verlagslektoren und ihre Arbeit“ lief vorgestern eine → Sendung beim Deutschlandradio über Arbeit und Wesen, Glanz und Elend der Lektoren. Darin auch O-Töne von Pieke Biermann und Thomas Wörtche. Manuskript kann als Papier oder Audiodatei heruntergeladen werden. Interessant. Wenn Sie immer schon einmal wissen wollten, welcher Herausgeber einen Lektor verprügelt hat. Mich überrascht das nicht… (Danke an Frau Anobella für diesen Hinweis!)

Mailingliste

Ach ja, der Vollständigkeit halber: Ich stelle gerade eine Mailingliste für alte-krimis.de zusammen. Alle, die da draufstehen, erhalten in unregelmäßigen Abständen Informationen über den neuesten Stand des Projekts, die Planungen, dazu Leseproben und andere Annehmlichkeiten. Alles völ-lig un-ver-bind-lich. Wer drauf möchte, schicke eine kurze (oder lange) Mail an mich.

Früher war alles besser

Ich will ja dem Herrn → Linder, der gerade das frühe 20. Kriminaljahrhundert unterm kritischen Auge hat, nicht ins Handwerk pfuschen. Aber das hier ist einfach zu schön und so wahr, als dass ich daran vorbeigehen könnte. Eine Kriminalparodie aus dem Jahr 1920 von Baron G. de S. Heinrich Lautensack, und schon der Titel ist eine Kurzgeschichte: „Leben, Taten und Meinungen (kurz zusammengefaßt) des sehr berühmten russischen Detektivs Maximow, Beamter zu besonderen Aufträgen im Ministerium des Innern zu St. Petersburg“. Allein die Vorrede war die Investition wert…

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Nachtgedanken -1-

1929 war alles vorbei. Der Kriminalroman als leichte Erschütterung der Wirklichkeitskruste, unter der das Magma des Triebhaften brodelte, der Kriminalroman, der solche Erschütterungen nutzte, um einen Spalt zum Inferno zu öffnen – und sogleich wieder zu verschließen, der Kriminalroman, der darob einen Schrecken einjagte und wieder vertrieb, die Katharsis als Schlafmittel. Vorbei.

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Rezensionsstau

Das gibt’s. Vier gelesene Bücher, die der Rezension harren. Alle in irgendeiner Weise beispielhaft, drei empfehlenswert, eins naja. Ob ich für jedes eine längere Besprechung hinkriege? Kommt ja immer wieder was dazu. Und bunkern für schlechte Zeiten? Mal sehen. Hier die vier Titel mit kurzer Bewertung.

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Carmen Korn: Der Fall der Engel

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[Warum ich morgens so gerne Zug fahre: Man wird hellwach dabei. Wenn ein Fähnlein Schüler sich des Abteils bemächtigt, ein Ausguck voraus, der nach freien Plätzen sucht und, wenn gefunden, „Los, schnell, hin, frei!“ schreit. Und dann wieseln sie an einem vorbei, und wenn man nicht aufpasst und zum Gang hin sitzt, wischen sie einem mit den Tornistern übers Gesicht. Stimmung. Das ist was los.]

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Jacques Berndorf: Requiem für einen Henker

Die Eifel. Der Krimi. Berndorf. Und dazwischen immer mal wieder ein Abstecher in die hohe Politik (das unfassbar schwache „Eine Reise nach Genf“ um den Barschel-Fall) und den Dreck der Geheimdienste. Nun bin ich weder ein „Fan“ von Eifel-Berndorf (obwohl er einer der erträglichsten Schreiber von Regionalkrimis ist) noch generell von Polit-Spionage-Thrillern. Der Verriss von „Requiem für einen Henker“ scheint also vorprogrammiert.

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Die Kriminalerzählung -1-

Ja, da braut sich wieder etwas zusammen. Da kann wieder einer nicht das Erreichte genießen, sondern muss gleich blindlings auf das nächste Ziel losgehen. Blindlings? Nein, nicht doch. Er macht sich so seine Gedanken. Sie ranken sich um die Kriminalerzählung und werden hier in nächster Zeit dem verehrten Publikum zur gefälligen Kenntnis gebracht. Teilweise noch ungeordnet. Und was steht am Ende? Natürlich ein neues Projekt. Man kennt es von diesem Menschen ja gar nicht anders.

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Blogtipp

Ich habe ihn jetzt lange genug beobachtet, den Herrn Linder. Und seine → Blogaktivitäten aufmerksam und schweigend verfolgt. Aber jetzt reichts! Jetzt muss es mal gesagt werden: Da kann man wirklich hingehen und was lernen und seinen Spaß haben. Herr Linder macht das viel wissenschaftlicher als wir Profanblogger. Er beobachtet den Buchmarkt, schaut auf die Justiz und zurück in die Vergangenheit, befasst sich mit Geständnissen und anderen krimiaffinen Dingen, sogar die Dienstwagenfrage bei Norbert Horst weiß er zu behandeln. Tja, tut mir leid: muss ich wohl empfehlen.

Rezensentenbelehrung

Webseiten von Autoren sind Werbeseiten. In Ordnung. Man hat ein Buch geschrieben und preist es an, man verweist stolz auf die Lobeshymnen der Rezensenten – und verschweigt im Allgemeinen ihre Verrisse. Auch in Ordnung. Das nennt man Kosmetik, das nennt man Werbung, das nimmt kein Mensch ernst, der seine fünf Groschen noch beisammen hat.

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Sex’n’crime

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Sex. Sie erinnern sich? Seit Kollege Bischnik, der mit mir auf der Stube sitzt und für die Erwerbssteuerpflichtigen A-H zuständig ist, einen Krimi schreibt, höre ich das Tag für Tag, und jedesmal verzweifelter: Sex, Sex, Sex! Wie mache ich aus meinem crime einen zünftigen SEX & crime?
Denn, unter uns, die Sache ist doch so: Heute liest kein Mensch mehr einen normalen Krimi. Irgendwas Besonderes sollte schon drin sein. Humor, die fränkische Küche, das Wiesbadener Land, drei Seiten Sozialkritik oder wenigstens eine abgekupferte Weisheit aus „Psychologie Heute“ oder der Lebensberatungsecke der „Brigitte“. Oder Sex. Aber das ist das Schwierigste.

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Short Story Sponsoring

Für meine Eigenwerbungen bin ich ja berüchtigt und, ja, ich geniere mich da gar nicht! Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Zum Beispiel: Die Krimikurzgeschichte retten. Die mittlere Erzählung auch noch, wenn wir schon dabei sind. Auf die Idee hat mich, natürlich, Anobella gebracht, sie hat mein Herz gerührt.
Und wie geht das? Ganz einfach. Gute Geschichten werden nur geschrieben, wenn es dafür gutes Geld gibt. Alles andere ist Kitsch, so „Ich schreibe, weil es aus mir herausdrängt.“ Na meinetwegen. Aber ich glaub das nicht. Gute Arbeit, gutes Geld, die Ehre noch obendrauf. So soll das sein.

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Robert Brack: Kalte Abreise

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[Na, das fängt ja toll an: Der Zug fast leer (Schulferien), aber ein Mief, als hätte gerade eine Horde Restalkoholisierter das Abteil geentert. Und dann das:]

„Hamburg: In der Präsidentensuite des Hotels Atlantic an der Außenalster wurde heute Nachmittag während einer Hotelbesichtigung die Leiche eines unbekanntes Mannes gefunden.“

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Bill Moody: Bird lives!

Ui, da hat mir der Unionsverlag aber eine Steilvorlage geliefert! „Schlechter Jazz kann tödlich sein!“, so bewirbt er das neue Buch von Bill Moody, „Bird lives!“. Und schon weiß ich, wie ich meine Rezension beginne, wenn mich die Lektüre nicht überzeugt: „Schlechte Krimis auch! Tödlich langweilig!“ Schade um den schönen Einstieg.

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Lesen in einem Zug

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Eine neue Reihe macht es möglich. Man setzt sich in den Zug, beginnt zu lesen, steigt aus, vollbringt sein Tagwerk, setzt sich wieder in den Zug, liest – und das Buch ist ausgelesen. „64 Seiten – und Schluss!“ Das verspricht eine neue Reihe der Edition Nautilus – und das wollen wir doch mal ausprobieren.

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Helau!

Eine Büttenrede

„Liebe Närrinnen und Narren, ein dreifach donnerndes Helau!!! für das Praktikantinnenballett von Hinternet für diesen gelungenen Faschingstanz! Und wenn die Herren im Publikum ihre Erektionen verarbeitet haben, können wir weitermachen. Draußen steht ein Krimisüchtiger und will uns sein Leid klagen. Wolle ma ihn roi lasse?“

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KrimiWelt Bestenliste März 2006

Ein Jahr KrimiWelt Bestenliste. Ein Jahr lang zuverlässige Begleiterin durch das Dickicht der Neuerscheinungen. Was da von kompetenter Seite empfohlen wurde, stand zumeist außerhalb dessen, was man mainstream nennt, wäre des öfteren ohne das Machtwort der Jury unter Schrott begraben worden, da in kleinen Verlagen erschienen. Man denke an David Peace, Charles Willeford oder, ganz aktuell, Andrea Maria Schenkel, die auf der aktuellen Liste den ersten Platz belegt. So weit so gut. Aber seit einigen Monaten tut sich was.

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