The Faint: Wet From Birth

Dieses Album hat eine Geschichte und die geht so: Fünf Musiker mieteten vor etwa einen Jahr in Omaha ein Lagerhaus an, das vollgestopft mit defekten Wäschetrocknern und Waschmaschinen war, und von der Band fortan für Parties und Proben genutzt wurde.Sie tauften es „The Orifice“. Ein Begriff aus der Anatomie, der so viel bedeutet wie Öffnung oder Mündung. Waren mir ihre ersten Veröffentlichung noch etwas zu schräg und unausgewogen, überzeugt das neue Material. Es ist rockiger und tanzbarer zugleich.

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Finkenauer – Völlig egal

Pascal Finkenauer ist ein Teil des Duos The Black Cherries, das man ohne Übertreibung als die deutsche Antwort auf den New Yorker Garage-Sound der Strokes bezeichnen kann. Solo indes schlägt die Melancholie, der Pop, das Träumerische, das Zarte und das Lyrische in Finkenauer durch. Es geht ihm in seiner Musik um Momente, „in denen sich Poesie zu Wort meldet, schon fast unhöflich wird. Ich möchte meine Ängstlichkeit vor sich selbst und vor den anderen untergraben“.

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Brand Nubian: Fire In The Hole

Neben dem überzeugenden Debüt von Sharkey, wartet das Label Babygrande beziehungsweise deren Deutschlandvertretung CNR Records mit einem weiteren HipHop-Leckerbissen auf: ein neues Album der legendären Band Brand Nubian.1995 hatten sich die New Yorker um Lord Jamar und Sadat X aufgelöst. Der großartige Grand Puba (siehe auch die Kritik zum Sharkeys Album) war schon 1992 von Bord gegangen, um solo Erfolge zu feiern. Ende der Neunziger dann das Comeback mit der Veröffentlichung des Albums „Foundation“, von der Kritiker- und Fangemeinde hoch umjubelt. Jetzt Schlag zwei seit dem Neuanfang: „Fire In The Hole“.

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Nosliw: Mittendrin

Sieht man sich in den Plattenläden um, so stellt man fest, dass die Reggae- und Dancehall-Abteilungen größer und größer werden. Die Nachfrage an dem Sound aus Jamaika wächst stetig. Selbst in Deutschland ist ein einheimischer Reggae/Dancehall-Künstler keine Seltenheit mehr. Es sei an Seeed, Gentleman, Patrice, die Sam Ragga Band und D-Flame erinnert. Ein Neuling in diesem erlesenen Kreise ist Nosliw.

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The Hidden Hand: Mother Teacher Destroyer

Es ist fast nicht zu glauben und irgendwie würde es nicht wundern, wenn ihr an unserer Glaubwürdigkeit zweifeln würdet. Aber es ist, wie es ist: „Mother Teacher Destroyer“ stellt einige der letzten Alben, die Scott „Wino“ Weinrich gemacht hat, bei weitem in den Schatten. Man kann in diesem Zusammenhang wirklich nicht mehr von Doom sprechen. Hier und da klingt das vielleicht noch nach alten Balladen von Black Sabbath zu Zeiten ihres einzig wahren Sängers Ozzy Osbourne. Das war aber auch schon alles.

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Sharkey: Sharkey’s Machine

Man muss sich Sharkey’s Maschine als ein elektronisches Gerät vorstellen, das leicht zu bedienen ist und in dessen Innenleben eine Vielzahl genialer Samples und Beats darauf wartet, abgerufen und in einen seiner umwerfenden Songs eingeflickt zu werden. Dieser Sharkey sieht so etwas von gewöhnlich aus, ist auf der anderen Seite aber für eines der aufregendsten HipHop-Alben der letzten Monate verantwortlich.

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Gibby Haynes And His Problem: Gibby Haynes And His Problem

Gibby Haynes? Den kennt man! Entweder, weil er mal sturztrunken in einem Videoclip von Ministry legendär abrupt vom Stuhl fiel. Oder als Frontmann der ebenso legendären und leider etwas ins Abseits geratenen Butthole Sufers.

Nun wandert Haynes auf Solopfaden. Zumindest teilweise, denn ganz ohne das Dazutun seiner Freunde und Kollegen ging der Entstehungsprozess dieses Albums nicht vonstatten. Dass sein Soloalbum von seiner Vergangenheit geprägt sein würde, das war abzusehen: „Charlie“ klingt wie einer dieser höllisch groovenden Doom-Industrial-Monstersongs aus der Feder von Ministry. Anderswo setzt sich der Einfluss der Butthole Surfers durch. Andererseits hat Haynes auch Neues ausprobiert: eine Ballade etwa („Stop Foolin“). Ansonsten singt er nach wie vor in einem Blecheimer sitzend und steht für schrägen bis ohrwurmartigen Indierock mit Rock’n’Roll- und Blues-Anleihen ein. Ein Tipp zum Schluss: Ganz groß ist „Redneck Sex“.

Gibby Haynes And His Problem: Gibby Haynes And His Problem
Surfdog/Sony Music
VÖ: 30.8.2004

The Libertines: The Libertines

Die Überraschung war dem „Spiegel“ gelungen. Für das zweite Album der von Skandalen geschüttelten Libertines zog der Kritiker mal locker die zehn aus dem Hemdsärmel, also die Höchstnote, und meinte, da wäre ihm was „Ewiges von den Libertines“ untergekommen. Ui. Hatte der gute Kollege eine andere Platte gehört, oder saß unsereins mit dem Arsch auf den Ohren? Um es kurz zu machen: Letzteres.

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Max Herre: Max Herre

Die traurige Nachricht zuerst: Das Thema Freundeskreis liegt derzeit auf Eis. Nicht, dass sich Max Herre, DJ Friction und Don Philippe zerstritten hätten. Momentan geht nur jeder eigene Wege. Herre hat sich beispielsweise gleich zahlreicher Aufgabenfelder angenommen.Er produzierte das Solodebüt seiner Frau Joy Denalane („Mamani) und zeichnete sich zudem als Regisseur ihrer Videos verantwortlich.

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Radio 4: Stealing Of A Nation

Auf diese Platte haben wir gewartet: die perfekte Emulsion aus Dance und Punk. Ohne Klischees. Ohne Klimbim. Ohne Kinderfasching. Mit Köpfchen und dennoch aus dem Bauch raus. Da hat der Arsch Kirmes! Elegant und fast zu schlau spielen sich Radio 4 durch drei mal mehr Stücke. Da begegnet man New Wave und Britischem à la Primal Scream, wo doch der moderne Zeitgeist drinsteckt. Sie sind nicht The Killers, The Rapture oder Interpol. Sie sind Radio 4, kamen einst aus einem Emo-Grenzbereich und haben nunmehr die Grenzmauer zwischen Dance (oder doch Disco?) und Punk sperrangelweit eingerissen und ein verzückendes Album vorgelegt. Die Musik für Zappelphilippe. Bei jedem Song möchte man lauthals den Refrain mitschreien. Bei jedem Song treibt es einen aus dem Schreibtischstuhl auf die Tanzfläche inmitten fröhlich zappelnder Gleichgesinnter.

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213: The Hard Way

Ein Traum ist wahr geworden: Drei G-Funk-Ikonen haben sich zusammengetan und ein Album der obersten Güteklasse aufgenommen. „The Hard Way“ vereint die Talente von Pornoliebhaber und -produzent sowie Gelegenheits-Comedyshow-Host Snoop Dogg, seinem Namensvetter Nate Dogg und Schmuser Warren G. Die Beats schweben; die virtuell aufziehenden Nebelschwaden zeugen von vielen verrauchten Joints.

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Ferris MC: Ferris MC

Das ging aber schnell. Irgendwie hatten wir die „Audiobiographie“ noch sehr gut im Ohr, schon kommt das nächste Album des sympathischen Hamburger MCs. Auf dem bereits erwähnten Vorgänger von „Ferris MC“ präsentierte sich der Rapper als Einzelkämpfer und hatte keinerlei Kollabos gemacht. Bei diesem Album hat er sich einige altbekannte Gäste ins Studio eingeladen und mit ihnen 14 Songs (inklusive Bonustrack) erschaffen, die weit mehr sind als HipHop.

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Von Spar – Die uneingeschränkte Freiheit…

„Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative“, so lautet der Titel in seiner vollen Gänze. Von Spar, das sind drei Menschen von Oliver Twist und Urlaub In Polen, die in Köln zusammengefunden haben – auf menschlicher, freundschaftlicher und musikalischer Ebene. Eine kluge Idee von L’Age D’Or, sich die Dienste des Trios zu sichern. Liegt der erste Song „Slow Down For A Fast Trip“ hinter einem (klingt sehr nach Mediengruppe Telekommader und Konsorten), offenbart sich ein spannendes, witziges Querbeet-Album, das einen blitzkriegmäßig überrumpelt und für lange Zeit nicht loslässt.

Der erste Eindruck, die Band wolle zu viel und agiere verkrampft und sei zu prätentiös, der verfliegt spätestens, wenn man das Album in voller Lautstärke und mit voller Konzentration gehört hat. Wenn kurz The Knacks „My Sharona“ zitiert („Schockwellen Auf’s Parkett“) oder bei Blumfeld eine Piano-Abfolge geklaut wird („Ist das noch populär?“), muss man schmunzeln. Und vor dem langsamen Schluss-Part in „Bunsenwahrheiten“ („Schön, dass ihr dabei seid / Wirklich schön“) ziehe ich den imaginären Hut.

Hier wird deutscher Now Wave in Perfektion vorgeführt. Zurecht waren sie gerade auf dem Klapp-Titelbild der „Spex“. Wenn nicht da, wo denn dann bitte?

Von Spar
Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative
L'Age D'Or/Rough Trade
VÖ: 26.7.2004