Interview: Hayseed Dixie

Bekannt wurden sie mit AC/DC-Songs, die sie im Bluegrass/Country-Stil nachspielten. Mittlerweile haben sie auch Songs von Kiss, Prodigy oder anderen Rockbands in ihrem Repertoire. Ganz zu Anfang hießen sie AC/Dixie, mussten ihren Namen aber auf Drängen der Plattenfirma der australischen Hardrocker umändern. Und da sie selbsternannte Hinterwäldler sind, kamen sie auf den Namen Hayseed Dixie – Hayseed heißt übersetzt Hinterwäldler. Hinternet-Chefreporter Kai Florian Becker sprach mit John Wheeler alias Barley Scotch, dem Sänger, Gitarristen und Geiger der US-Band.

Hinternet: Diese Frage dürfte Ihnen nicht neu sein: Dennoch würde ich gerne erfahren, wie man auf die verrückte Idee kommt, AC/DC-Songs in das Bluegrass/Country-Genre zu entführen?

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Opfer und Täter, Täter und Opfer -2-

Es kann ein Kennzeichen gelungener Kriminalliteratur sein, uns hinter die Kulissen der allgegenwärtigen Dichotomien blicken zu lassen, die schematischen Darstellungen von gut und böse, Opfer und Täter. Weniger zum Zweck, uns zu suggerieren, ein Täter sei immer auch ein Opfer und vice versa, sondern um ganz allgemein unseren Blick für das eben nie Eindeutige zu schärfen.
Teil 1

Ich muss mit dem Protagonisten in Donovans „Winter in Maine“ keineswegs sympathisieren, um zu begreifen, wie da jemand zum Monster gegutmenscht worden ist und dass humanistische Bildung Antihumanismus zu befördern vermag. Bei Donovan kam mir, →siehe Rezension, sogleich Alfred Anderschs „Der Vater eines Mörders“ in den Sinn, die Schilderung einer Schulstunde und des Gebarens des Vaters von Heinrich Himmler. Ich bin also aus der Fiktion in die Wirklichkeit gelangt, habe Verknüpfungen hergestellt und etwas vergegenwärtigt, das mir zwar nicht fremd war, aber immer wert ist, zu Literatur zu gerinnen. Wozu mir gerade eine weitere, diesmal durchaus lustige Anekdote einfällt, die die Musikerin und Sängerin Laurie Anderson bei einer ihrer Performances zum Besten gab. Sie sitzt am Frühstückstisch und löffelt ihre Cerials, ihr Blick fällt auf die Packung mit der angeblich gesunden Nahrung, die Liste der Bestandteile und sie erkennt plötzlich: „What you read is what you eat.“ Oder anders: Während du dich in der Fiktion des Geschriebenen bewegst, bestimmt diese Fiktion dein Leben.

In einem weiteren Beck-Roman von Sjöwall / Wahlöö, „Verschlossen und verriegelt“, begegnen wir einer weiteren Variante von Opfern und Tätern. Kommissar Beck beschäftigt sich mit einem Klassiker der Kriminalliteratur, dem „locked room mystery“, dem Mord in einem verschlossenen Raum also. Es gelingt ihm sowohl den Hergang der Tat zu rekonstruieren als auch den Täter zu überführen, das Tonband mit dem Geständnis jedoch wird zerstört. Dennoch entgeht der Mörder seiner gerechten Strafe nicht; er wird für einen anderen Mord verurteilt, den er nicht begangen hat, während hier die eigentliche Täterin ungestraft davon kommt. Sie ist vom Typ „Opfer wird Täter“, ähnlich wie in „Und die Großen lässt man laufen“. Beck weiß, dass formal Unrecht geschehen ist, er akzeptiert es jedoch.

Was hier passiert, gehört zu den Alltäglichkeiten des Lebens und geradezu den Stützen jeder „funktionierenden“ Gesellschaft: Wer Opfer und Täter ist, wird nach Gutdünken festgesetzt, zu ganz bestimmten Zwecken manipuliert. Die Kriminalliteratur wimmelt nur so von Sündenböcken, die zum Schutz des wahren Täters ans Messer geliefert werden sollen, auch gelegentlich von wirklichen Tätern, die für etwas anderes zur Rechenschaft gezogen werden, weil man ihre eigentlichen Taten nicht ahnden kann (erinnert sei an Friedrich Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“). Was uns hier wie ein aussergewöhnlicher Plot erscheinen mag, ist, wie gesagt, Alltag und nur deshalb nicht „krimitauglich“, weil es nicht um Spektakuläres, nicht um Mord geht.

Zwei Beispiele. Wer einigermaßen klar denken kann, beobachtet seit geraumer Zeit, wie eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu Tätern stilisiert wird, die Arbeitslosen nämlich, in Sonderheit die Bezieher des sogenannten „Hartz-IV“. Keine Talkshow ohne den Satz „Wer arbeitet, muss mehr haben als diejenigen, die nicht arbeiten“, kein Politikerstatement ohne einen Hinweis auf den „Mißbrauch von Leistungen“, jede dieser Äußerungen von Applaus begleitet, dem Applaus derjenigen, die sich, sind die Täter erst einmal identifiziert, sofort als „Opfer“ begreifen, die zur Kasse gebeten werden.

Mit der Realität hat all das nichts zu tun, jede Statistik spricht dagegen. Abgesehen davon, dass Leute arbeitslos sind, weil es nicht genügend Arbeit gibt und zu fragen wäre, wer hier wen benachteiligt. Die „betrügerischen Arbeitslosen“ die Besitzer von Arbeitsplätzen oder die Besitzer von Arbeitsplätzen die Arbeitslosen, denen sie ja, ganz nüchtern betrachtet, die Arbeitsplätze vorenthalten.

Das zweite Beispiel betrifft das aktuelle Gerangel um das bankrotte Griechenland. Ganz eindeutig: Ein Staat lebt über seine Verhältnisse, fälscht Statistiken und fordert nun Unterstützung durch die EU. Wer muss zahlen? Wir. Überhaupt: WIR sind der Zahlmeister Europas, und wieder ist alles eindeutig, wieder wissen wir sofort, wer hier Täter und wer Opfer ist. Von einer anderen Seite betrachtet, könnte es natürlich genau umgekehrt sein. WIR haben durch teure Kredite und ungebremsten Export Griechenland in den Ruin getrieben, WIR profitieren zuallererst von der Europäischen Union.

Beide Fälle zeigen nicht nur, wie vorsichtig man sein muss, vorschnell Opfer und Täter zu identifizieren, sondern auch, dass jede Gesellschaft willkürliche Festlegungen braucht, um ihre eigene Identität zu wahren. Eindeutige, mit geringem intellektuellen Aufwand nachvollziehbare Täter-Opfer-Definitionen sind ein wunderbares Beruhigungsmittel, das Gefühl, selbst Opfer zu sein, allemal schöner als das, möglicherweise der Täterseite näher zu stehen. So wird unaufhörlich inszeniert und geplottet, dramaturgisch vorbereitet, was im Grunde eskapistisch ist, da von den eigentlichen, so gar nicht eindeutigen Umständen ablenkend. Schlechter Krimi also, leicht konsumierbare Massenware aus der Fließbandproduktion.

Wird also die Kriminalliteratur zur Komplizin einer ganz auf simpelste Strickmuster fixierten Wirklichkeit? Natürlich wird sie das. Sie ist es von Anbeginn an. Ihre eigene Struktur fördert dies, das miserable Gesetz der Eindeutigkeit, der bis in die kleinste Verästelung auszubreitenden Logik, die, da es den Zustand vollkommener Eindeutigkeit nicht geben kann, selbst von hanebüchenster Unlogik ist. Aber trösten wir uns: Es gibt auch andere Kriminalliteratur. Irritierende Texte, die uns am Ende in einen labyrinthischen Interpretationsgarten locken, dessen Ariadnefäden allesamt trügerisch bleiben, uns aber wenigstens ein Stück dem näherbringen, was jeder gute Text in sich birgt: dem Leben außerhalb der Literatur, dem Leben, das selbst schlechte Literatur ist, die man zu guter machen sollte.

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Jo Nesbø: Leopard

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(Seit unsere Mitarbeiterin Anna Veronica Wutschel jenen unvergesslichsten aller deutschen Krimisätze gehört hat – „Harry Hole mal den Wagen“ – ist sie besonders empfänglich für die Werke des norwegischen Autors Jo Nesbø. Und da es ihr endlich gelungen ist, bei ebay ein Sortiment durchgestrichener o’s zu ergattern, rezensiert sie die Bücher nun auch. Lesen Sie den beiliegenden Tatsachenbeweis.)

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Opfer und Täter, Täter und Opfer -1-

Einer der kleinsten gemeinsamen Nenner in der Kriminalliteratur ist die Notwendigkeit von Opfern und Tätern. Wer das eine ist und wer das andere, vor allem jedoch, dass kein Zweifel daran besteht, wem welche Rolle zufällt. Nun ist dies in Kriminalromanen kein großes Problem, denn meistens gibt es jemanden, der die Kugel abschießt und jemanden, den sie tödlich trifft. Mag sein, dass wir gelegentlich Mitgefühl mit dem Täter empfinden, seine Täterschaft darauf zurückführen, selbst einmal Opfer gewesen zu sein. Dennoch läuft alles darauf hinaus, am Ende beide Seiten akkurat getrennt und benannt zu haben.

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Killing Helgoland

Bände mit kriminellen Kurzgeschichten, die den Rezensenten gelegentlich erreichen, werden von diesem selten an einem Stück gelesen. Er sucht sich zuerst die Arbeiten von Autorinnen aus, weil er aus Erfahrung weiss, dass ihm die Geschichten von Frauen besser gefallen als die von Männern, nur Gott oder wer auch immer kennt den Grund.

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Hat alles ein Ende?

Die Musikzeitschrift „Spex“ rezensiert nicht mehr und schon raunt man vom →„Ende der Musikkritik“ und warum es vielleicht doch noch nicht erreicht sei. Und die Krimikritik? Überholt? Nur noch Spielplatz für Egoshooter, während sich der Normalleser mit dem üblichen „Die Geschmäcker sind eh verschieden“ abwendet? Ja, ist interessant, mal drüber nachzudenken. Und manche Krimis entziehen sich der Kritik von vornherein, weil sie, sagen wir es direkt, zumindest Sätze enthalten, die mit „Literatur“ in einem andeutungsweise künstlerischen Sinn nichts mehr zu tun haben.

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Sofa Surfers: Blindside

2005 erschien mit dem roten, selbst betitelten Album das letzte Lebenszeichen der TripHop/Rock-Band Sofa Surfers. Über zwei Jahre haben die Österreicher am neuen Opus gefeilt. Dabei gab es eine klare Vorgabe, nämlich „den Bandprozess in all seinen Formen weiter voran zu treiben, ohne dabei auf den elektronischen Ursprung der Sofa Surfers zu vergessen. Es war Absicht, Song und Track, Technologie und Bandkollektiv zu verweben und eine eigene Soundästhetik zu kreieren“. So zumindest erklärt es Michael Holzgruber.

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Manfred Wieninger: Prinzessin Rauschkind

Wo Marek Miert ist, möchte man nicht sein. Weder in Harland, der tristen österreichischen Provinzstadt, noch in Gesellschaft von Oberleutnant Gabloner, dem sadistisch-spießigen Polizisten, vor allem aber nicht in den Gedanken des Protagonisten selbst. Die nämlich sind ein Land der Vergleiche, in dem ein Akzent so dezent ist „wie das Glitzern des Geldes in den Augenwinkeln eines Weltbankpräsidenten“. Diese Vergleiche sind allgegenwärtig, sie sind schräg und erschreckend wahr zugleich, sie stecken Mierts Welt zwischen den beiden Seiten einer Gleichung ab, die nicht aufgehen kann und doch schlüssig ist.

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Geb. PB

Hinterlassen Sie hier bitte Ihre Glückwünsche zum runden Geburtstag von Pieke Biermann und fordern Sie eindringlich einen neuen Krimi von ihr ein! Oder lesen Sie endlich mal die alten bzw. mal wieder, und vielleicht wissen Sie dann, dass das was Sie lesen, wenn Sie nicht Pieke Biermann lesen, meistens so ein Rotz ist, dass man…aber nein: Ich rege mich doch jetzt hier nicht auf. Sondern geb dir ein Küsschen, Pieke.

Der Blick nach vorn

Man kann kaum noch so schnell lesen wie einem die Krimiorakel um die Ohren gehauen werden. Liegt die Zukunft des Krimis in den Metropolen oder wendet man sich vermehrt der täuschenden Ruhe des Ländlichen zu? Ist Afrika der kommende Krimikontinent oder werden uns die neuen Höhepunkte des Genres eher aus China oder Brasilien erreichen?
Diese Dienstleistung der avancierten Kaffeesatzleserei gibt es gerne auch ins Grundsätzliche gewendet. Liegt die Zukunft des Buches, der Literatur, des Krimis wirklich noch in seiner massenproduzierten Papierform? Oder obsiegt am Ende doch das Digitale, nebst Personalisierung durch Textbausteine? Sag mir, welche Personen welche anderen Personen umbringen sollen – und per Suchen / Ersetzen soll es geschehen. Nenn mir die Sehenswürdigkeiten deiner Heimatstadt – und schwupps sind sie Literatur.

Ein Gutes haben solche Ausblicke auf Künftiges ja. Man bescheinigt der (Kriminal-)Literatur, überhaupt noch eine Zukunft zu haben. Die Frage ist nur wo und wie. Hat man sich an Krimi nicht längst sattgegessen? Verschwindet das Genre – ähnlich wie die ja auch mal geboomt habende SF – aus dem Rampenlicht der Buchhandlungen in die schattigen Ecken? Aus den Groß- in die Kleinverlage?

Aber solche Prognosen haben eben auch ihr Schlechtes. Sie transponieren aus dem Heute ins Morgen, nur dass sie dieses Heute kaum wirklich beachten. Über den Jetztzustand des Genres erfährt man nämlich wenig, es fehlt der etwas ausschweifende Blick, es fehlt auch die Beschäftigung mit dem Eigentlichen von Literatur, ihrer Sprache, ihrer Dramaturgie, ihrer Imaginationskraft. Könnte aber sein, dass die Zukunft des Krimis, wenn überhaupt, weder geografisch noch soziologisch, weder produktionstechnisch noch werbemäßig zu bestimmen ist, sondern aus der Analyse ihres Kerns heraus, aus sich selbst und ihren natürlichen Bestandteilen. Könnte tatsächlich sein, muss aber nicht.

dpr

Ein reisendes Schriftsteller-Ehepaar

Der Regionalkrimi boomt weiterhin, ihn zu produzieren strebt auf der Hitliste der liebsten Freizeitbeschäftigungen unaufhaltsam nach oben (aktuell Rang 3 hinter Fußballgucken und Geschlechtsverkehr). Dennoch: Profis sind auch in diesem Metier dünn gesät. Eine Marktlücke für Könner also, die auf der Suche nach dem schnellen Euro längst auch die Bonanza Regionalkrimi für sich entdeckt haben. Wtd sprach mit dem schriftstellernden Ehepaar Lothar und Ute Düsenberg…

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Peter Robinson: Wenn die Dämmerung naht

(Wenn die Dämmerung naht, widmet sich unsere Fachrezensentin Anna Veronica Wutschel steckenpferdmäßig gerne den blutigen Untaten mörderischer Pärchen. Weil sie bei beginnender Dunkelheit ihr zweites großes Hobby, das Züchten exotischer Schlingpflanzen im heimischen Garten, nicht ausüben kann? Wir wissen es nicht. Lesen Sie also, wie Frau W. ihrem Hobby frönt. Peter Robinson, garantiert schlingpflanzenfrei.)

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Ich-Krimi

„Es gibt kein Ich. Was wir dafür halten, ist nur eine Aktivität des Gehirns und somit eine Illusion.“

So jedenfalls behauptet es „ein renommierter Neurowissenschaftler“ – und wird fortan von einer Person, die sich „das Ich“ nennt, per Mail belästigt. In seiner Not wendet sich der Wissenschaftler an die Polizei. Ein Kommissar und eine Polizeipsychologin machen sich auf die Suche nach dem Ich…

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