Musikbücher IV

Sechs mehr-oder-weniger-Neuerscheinungen gilt es euch heute näherzubringen. Beginnen wir mit dem von mir sehnlichst erwarteten Werk „Lyrics And Poems“ von Joni Mitchell, erster von drei angekündigten Bänden, deren beiden noch ausstehenden den „Malereien“ respektive „Autobiografischem“ gewidmet sein sollen. Nun schön. Es freut mich natürlich, endlich sämtliche Songtexte der großen Joni zwischen zwei Stückern Pappdeckel im Regal zu haben – von mir aus hätt’s auch Hardcover sein können, da bin ich ganz bibliophiler Snob und scheue die Extramärker nicht.

Aber na gut, dann halt Broschur. Nur: Kündet der Titel nicht von „Lyrics AND Poems“, dem also, was unsereiner landläufig „Gedichte“ nennt und von denen in Jonis Schublade garantiert noch mancher Versuch ruht? Kündet er. Wird aber nicht gebracht. Bloß Songtexte. Und der Verlag entschuldigt sich auf einem beigelegten Papierstreifen auch noch dafür, daß leiderleider die Texte der für Februar 1998 erwarteten 18. Mitchell-Platte, „Taming The Tiger“, nicht haben abgedruckt werden können – „due to circumstances beyond our control“, ja, ja, das sagt Herr Rühe auch gerade. Als großer Verehrer der Kanadierin will ich aber mal nicht so sein. Haben wir halt nur die Songtexte und ein erläuterndes Vorwort nebst Anmerkungen, denn es gibt ja soviel zu schreiben über diese „lyrics“, diese Juwelen unter all dem Schrott herkömmlichen Popgereimes. Ha! Nichts da! Kein Vorwort! Keine Anmerkungen! Nur eine Seite kümmerlichste Diskografie am Schluß des Buchs! In mir breitet sich eine große Traurigkeit aus, und wäre mir zum Weinen zumute, ich würde es gewiß tun. Bist du dran schuld, Joni? Oder der knickrige Verlag? Apropos Verlag: Wo ist der deutsche Verlag, der mich die Texte ins Deutsche übertragen läßt? Mit Vorwort! Mit Anmerkungen! Wir werden die Literaturpreise nur so abräumen, meine Damen und Herren Verleger! Sie werden in den Parnass aufsteigen, bei Desinteresse aber weiter in der Hölle der 698. Dylan-Biografie schmoren! Nur Mut! Melden!

Kommen wir zu zwei recht ansprechenden Werken über die englischen Folkrockpioniere Fairport Convention, zunächst zu einer aktualisierten Neuauflage des bereits 1972 erschienenen „Meet On The Ledge. Fairport Convention – The Classic Years“. In den reichlich düsteren Jahren der britischen Popmusik zwischen etwa 1970 und 1976, also dem Split der Beatles und dem Siegeszug des Punk, kam akustischer Trost in erster Linie aus den Gefilden des Folkrock. Den hatten die Briten keineswegs erfunden, wie uns manchein oberflächlich recherchierender Journalist gerne weismachen möchte, und es war auch nicht so, daß die Erleuchtung, altes englisches Liedgut mit modernen Rocktönen zu verbinden, über Nacht gekommen wäre. Nein, das Licht leuchtete von Amerika her, vom Folkrevival der Frühsechziger, dem Countryblues, von Woody Guthrie, Tom Paxton, Pete Seeger und, er darf natürlich nicht fehlen, vor allem Bob Dylan. Die Byrds schließlich machten vor, wie sich Folk und Rock verbünden konnten (nebenbei sei bemerkt, daß sie vom englischen Genius profitierten, den Beatles nämlich), die Insulaner machten es nach. Fairport Convention, 1967 vom umtriebigen Ashley Hutchings gegründet (er zeichnete auch für das Inslebenkommen von Steeleye Span und der Albion Country Band verantwortlich), begnügten sich auf ihrem Debütalbum noch mit Joni Mitchell-Covern und ersten Eigenkompositionen, die den amerikanischen Vorbildern huldigten. Zwei Ereignisse änderten das: Zunächst der Beitritt von Sandy Denny (sie kam für Judy Dyble, die singende Bibliothekarin), dann mit dem wachsenden Selbstbewußtsein des milchgesichtigen Gitarristen Richard Thompson, der fortan als Komponist glänzte. Beide stellten sich in der Folgezeit nicht nur als treibende Kräfte von FC heraus, sondern wurden auch die herausragenden englischen Singer/Songwriter der Siebziger. Thompson ist bis heute an der Spitze geblieben, Sandy Denny fiel 1978 eine Treppe runter und war tot, aber leben wird sie immerdar. 1969 brachte man mit „Liege & Lief“ das erste britische Folkrock-Album heraus, und es strahlt bis heute.

Unsere zweite FC-relevante Neuvorstellung heißt „Fairportfolio“, stammt von Kingsley Abbott, einem Jugendfreund der Band, und bietet auf ca. 60 Seiten Einblicke in die Anfangsphase, mit seltenen Fotos und Zeitungsschnipseln, rührend unprofessionell abgedruckt, aber eben mit Liebe, wie es einer im Eigenverlag erschienenen Publikation frommt. Kostet stücker 30 Mark, ist beim Autor erhältlich (Adresse siehe unten) und nur etwas für ausgemachte Liebhaber der Band.

Das nächste Buch, das ich euch ans Herz legen will, behandelt ein amerikanisches Thema, ist allerdings auch von einem Engländer geschrieben worden (na, und so ganz neu ist es auch nicht: 1996. Aber wann soll ich denn den ganzen Kram lesen?!): „Waiting For The Sun. The Story Of The Los Angeles Music Scene“. Barney Hoskyns heißt der Autor, hat lange in L.A. gelebt, schreibt heute für verschiedene Zeitschriften, u.a. für MOJO, und so wie wir keine Zeitschrift hierzulande haben, die an MOJO heranreicht (schleicht’s euch, Rolling Stone-Schreiber! Nur daß sie „Happy Boys Happy“, den fulminanten Schmitt/Twelker-Happen über die Small Faces, etwas unterkühlt-britisch besprochen haben, ist den Mojo-Mannen anzulasten. Typisch angelsächsischer Neid, klar, und außerdem gehört das gar nicht hierher, verwirrt nur die Leser, die darauf warten, daß ich die Klammer endlich zumache. Mach ich’s also. Es geht also jetzt (nach der Klammer) damit weiter, daß ich gesagt habe, es gäbe keine Zeitschrift wie MOJO hierzulande (danach kommt besagte Klammer, die ihr aber ignorieren könnt, weil ihr gerade mittendrin seit, d.h. eigentlich habe ich sie ja zugemacht) (nein, nicht DIE Klammer! Das ist eine Klammer in der Klammer, und die mache ich jetzt zu. So:), und jetzt muß ich weiterfahren, daß es selbstverständlich auch kein solches Buch über die L.A.Szene hierzulande gibt. Ergo:), so haben wir selbstverständlich auch kein solches Buch über die L.A.-Szene. Wie denn auch! Das Ding ist in Leinen gebunden! Wiegt ungefähr so viel wie ein Pfund Kaffee (ich hab’s ausprobiert; es war entkoffeinierter)! Ist in einer Sprache geschrieben, die mehr als den Grundwortschatz benötigt! Enthält kein einzig Sterbenswörtlein über die Kelly Family! Ist also in Deutschland unverkäuflich! Und ein Standardwerk!

Hoskyns entwickelt die Geschichte des musikalischen L.A. chronologisch, beginnt etwa in der Nachkriegszeit und endet im Hier und Jetzt. Was man erwarten konnte. Aber da betet nicht nur einer Daten runter, sondern er hat seine Grütze beim Schreiben stets dabei, was man ja nicht von allen sagen kann, die schreiben. Das Ganze ein „Sittenbild“ zu nennen, wäre nicht falsch. Schwerpunkt des Buches ist natürlich die Mitt- bis Endsechziger-Phase der Canyon-Schickeria, als sich von Zappa bis zu den Eagles alles in den diversen Tälern tummelte. Hoskyns beschreibt, wie sich der anfängliche Idealismus der friedlichen und kreativen Gemeinschaft allmählich zum blanken Horrorszenario wandelt. Man hat sich von der Außenwelt abgekoppelt, schnupft, spritzt, raucht, was nur irgendeinen Kick verspricht, und wird in Gestalt von Charles Manson und seiner Family schließlich mit dem Entsetzen konfrontiert. Was einige ernüchtert, andere nur resigniert ins nächste Refugium weiterziehen läßt. Hoskyns arbeitet bei der Beschreibung jener Jahre vor allem mit Gruppen- und Solistenporträts – was ein kleines Manko ist, denn dabei kommt ihm manchmal der analytische Verstand abhanden. Aber nur kurzzeitig, er findet ihn schnell wieder. Alles in allem liefert er den Beweis, daß Musikjournalismus weder reine Starparade noch soziologisch-tiefgründelndes Gewäsch sein muß. Man kann auch erzählen, sich an Anekdoten delektieren und, wie erwähnt, das Hirn als kongenialen Partner der Schreibhand akzeptieren. Vielleicht auch bald in Deutschland? Wo sich ein Verlag findet, der eine Übersetzung finanziert? Dürfte auch Paperback sein. Auf holzhaltigem Papier. Wunschtraum eines ewig Unbelehrbaren.

Über „Frauen im Rock“ (selten dämlicher Begriff!) ist in den letzten Jahren eine wahre Flut von Publikationen geschwappt, einige auch an dieser Stelle besprochen und doch artig gelobt. „Trouble Girls. The Rolling Stone Book Of Women In Rock“, herausgegeben von Barbara O’Dair ist nun der bislang kompetenteste Reader zum Thema. Zwar kein Lexikon im eigentlichen Sinne, aber ein Nachschlagewerk erster Güte, was vor allem daran liegt, daß a) wirklich fähige Autorinnen (und Fotografinnen!) mitwirken und b) der übliche US-Zentrismus amerikanischer Publikationen hier erfreulicherweise etwas abgemildert wurde. Man findet z.B. einige schöne Seiten über Sandy Denny, und selbst June Tabor wird wenigstens zweimal namentlich erwähnt. Daß ich das noch erleben darf! Schön auch, daß man sich endlich einmal des Themas „Groupies“ ohne den moralischen Zeigefinger angenommen hat. Der Janis Joplin-Beitrag ist herrlich ironisch, die Karen Carpenter-Story analytisch erhellend. Und so weiter. Selbst Gillian G. Garr, Autorin eines mäßigen Rockfrauenbuches, das gerade bei 2001 verramscht wird, weiß zu Laurie Anderson Erbauliches zu schreiben, was ich ihr, ehrlich gesagt, nicht mehr zugetraut hätte. Natürlich: Auch dieses Werk kann das große Dilemma nicht überwinden, daß man beim Thema „Frauen und Rockmusik“ stets auch die gesellschaftliche Seite berücksichtigen muß, dabei aber fast zwangsläufig die reine künstlerische Leistung in den Hintergrund rückt. Aber so ist das halt: Die Geschichte der Rockfrauen ist vor allem die Geschichte ihrer Diskriminierung – und die Geschichte ihrer Emanzipation.

Emanzipation ist auch ein gutes Stichwort für unsere letztes Werk: Es heißt „Björk. Björkgraphy“, wurde von Herrn Martin Aston geschrieben und handelt natürlich von Leben und Wirken jener seltsamen Frau Gudmundsdottir aus dem hohen Norden. Wie fast alle ihre Kolleginnen ist auch Björk inzwischen das Objekt sogenannter „illustrated biographies“ geworden, also gemeinhin stark bebilderter Broschüren, deren Textteil wohl nur aus Versehen mit hineingerutscht ist. Nicht so dieses Buch, das auf satten 336 Seiten die Stationen der Karriere Björks Revue passieren läßt. Tappi Tikarass, Kukl, Sugarcubes, endlich die blendenden Soloveröffentlichungen – nichts wird übergangen, aber das kann man schließlich von einer Bio erwarten. Nicht unbedingt zum Standard gehört es, sich auch über das gesellschaftliche Umfeld schlau zu machen, zumal es sich im Falle Björks um das exotische der Insel Island handelt. Aber Aston gelingt auch dies, man merkt, er war dort und hat sich umgeschaut, hat einiges Merkwürdige beobachtet und gibt es im einleitenden Kapitel seines Buches preis. Daß auf den 336 Seiten manches zu erschöpfend behandelt wird und gewisse Ermüdungen beim Leser nicht ausbleiben können, ist selbstverständlich. Aber noch erträglich. Für alle Fans ein Muß, auch wenn die aktuelle Entwicklung („Homogenic“, das letzte Album, das Säureattentat usw.) in diesem 96er Werk naturgemäß fehlen.

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Für alle, denen es wieder einmal viel zu schnell gegangen ist, hier noch einmal Titel, Autoren, Verlage, Preise:

Joni Mitchell: The Complete Poems And Lyrics. London (Chatto & Windus) 1997, Preis: 14 Pfund 99
Patrick Humphries: Meet On The Ledge. Fairport Convention - The Classic Years. London (Virgin Books) 1997, 176 Ss. Preis: 9 Pfund 99
Kingsley Abbott: Fairportfolio. Personal Recollections of FAIRPORT CONVENTION from the 1967-1969 era. North Lopham 1997 (zu beziehen über: Kingsley Abbott, "Hollycot", High Common, North Lopham, Diss, Norfolk, IP22 2HS), Preis: ca. 10 Pfund
Barney Hoskyns: Waiting For The Sun. The Story Of The Los Angeles Music Scene. London (Viking/Penguin) 1996, 356 Ss. Preis: 20 Pfund, die sich lohnen.
Barbara O'Dair: Trouble Girls. The Rolling Stone Book Of Women In Rock. New York (Random House) 1997, Preis: 25 $
Martin Aston: Björk - Björkgraphy. London (Simon & Schuster) 1996, Preis: 10 Pfund 99

Tunnel-Effekt

Kaum kommt Dr. Zapp frohgelaunt, braungebrannt und voller Energie (d.h. mit neuen Batterien für die Fernbedienung aus dem Duty-free-Shop) aus dem wohlverdienten Urlaub (nein, nicht Ballermann!) zurück, erwartet ihn hier der Lady Di-Medien-Gau.

Blitz, das Boulevardmagazin ist tief getroffen und legt Sonderschichten ein. „Wir trauern“, sagt der Jungboulevardconferencier mit tieftraurigem Dackelblick. In einer Sondersendung zeigt man noch einmal all die Bilder, mit denen man sich schon früher über inhaltsleere Sendeminuten gerettet hat. Nur diesmal unterlegt mit Musik, die gut zur Schlußszene aus „Love Story“ gepaßt hätte. „Sie wird uns fehlen“. Das glaube ich aufs Wort.

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MC Solaar: Paradisiaque

In Frankreich pfiffen es die Spatzen schon vor zwei Monaten von den Dächern der Rundfunkanstalten. Die neue Single von MC Solaar „Gangster Moderne“ aus dem dazugehörigen Album „Paradisiaque“ vorausgekoppelt. Solaar, ist bei uns ja im Zuge der „Acid-Jazz-Bewegung“ Anfang der 90er bekannt geworden und hat diesen Ruf durch das UK-Signing bei Talking Loud und die Teilnahme bei Gurus Jazzmatazz-Projekt noch gefestigt. Jetzt hat er sich offensichtlich von seinem langjährigen Partner Jimmy Jay getrennt und sich vertrauensvoll in die fettigen Hände von Philippe Zdar und Boom Bass begeben, die ja schon im letzten Jahr mit ihrem Motobass-Projekt vor allem in House-Kreisen hohe Wellen geschlagen hatten.

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Isar 12 – Unterwegs mit Isar 12

Diese CD ist für mich (bislang) das Highlight dieses Sommers. Ein Bastard von Platte, der Breakbeats, Schweine-Gitarren, Ambient-Geblubber, Siebziger-Sound und deutsche Texte vereint, ohne daß es einen Moment beliebig oder unorganisch klingt. Glaubt Ihr nicht? Kann ich verstehen. Ist aber so. „Unterwegs mit Isar 12“ ist das Debut der beiden Münchner Achim Bogdahn (Gitarre, Gesang) und Andreas Konstantin (Computer). Wie bei vielen Veröffentlichungen aus Bayerns Landeshauptstadt hat diese Musik diesen ganz speziellen Swing … eine intelligente Leichtigkeit, die einer genaueren Untersuchung würdig ist (vielleicht demnächst mehr zur München-Hamburg-Theorie!).

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Talking about the revolution, Vol.2

[Red.: Die zweite Folge von Rolands Kolumne Talking about the revolution wurde zwar schon vor einigen Tagen geschrieben (als die Temperaturen am höchsten waren). Das handschriftliche Manuskript konnte leider erst jetzt vollständig entziffert werden. Trotzdem gelten die Empfehlungen auch für den Spätsommer.]

Summertime – where the living is easy!

Jetzt hat’s ja doch noch geklappt: die ersten Sätze für dieses Jahr, die im Freien geschrieben werden. Ich hoffe, ihr habt eure Rechner schon rausgestellt und könnt beim Lesen dieser Zeilen mein Gefühl für Außentemperaturen teilen. Ich habe mir auch extra vorgenommen, diesen Monat nichts Böses zu besprechen. Wie könnte ich auch, jetzt da die Büroräume in meinem Hinterhaus auch am Wochenende vermietet worden sind und ich glücklich bin, dass Saarbrücken, auch als Landeshauptstadt, mal wieder gerade so eben an Frankfurt in punkto Lebensqualität vorbeigeschlittert ist. Im übrigen verbreitet die neue Roni Size auf meiner Anlage ebenfalls ein angenehmes Lebensgefühl (ähem). Aber dazu an →anderer Stelle mehr.

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Roni Size/Reprezant – New Forms

Man durfte gespannt sein. Nach „Music Box“-Compilation und „V-Classic“-Sampler, zahlreichen Maxis und Vertragsunterzeichnung bei Talking Loud. Außerdem handelt es sich bei Reprezant um das Kollektiv (Roni Size, DJ Krust, DJ Dre) aus Bristol, das Drum’n’Bass wohl den meisten Soul beigefügt hat. Die Frage war auch, ob es Size und Freunden gelingen würde nach LTJ Bukem, Goldie und Metalheadz und Ed Rush und Nico einen vierten weiteren Meilenstein des Genres in den erweiterten Blickpunkt des Mainstreammarktes zu lancieren.

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Nicht schleimen

Ganz unberührt davon bleibt die Tatsache, daß das Urteil gegen Egon Krenz juristisch unhaltbar ist: So wie Konstantin Wecker eben nicht für seine schrecklichen Lieder, sondern wegen etwas Kokain verurteilt wurde, beharkte man Egon Krenz auch nicht für sein päderastisches In-kurzen-Hosen-Herumlaufen mit der FDJ – er wurde für die Dummheit verurteilt, Honecker abzulösen und dann auf dufte zu machen. (Woraus man lernen kann: Schleime nie bei deinem Feind/ Du bist sowieso geleimt)

Wiglaf Droste in der taz: „155 Monate für Krenz“

Interview: Yo La Tengo

Die gute alte Tante aus Hoboken

Yo La Tengo, die ewige Alternative zu allem und für jeden, veröffentlichten im April 1997 mit „I Can Hear The Heart Beating As One“ (Matador/Rough Trade) nun das achte reguläre Studioalbum. Hinzu kommen noch unzählige Maxis, Singles, Samplerbeiträge und Beiträge zu Soundtracks.

Die Band existiert seit 1984, erscheint allerdings in keinem Rock-Lexikon und ist die typische College-Rock-Band, lange genug im Geschäft, um überleben zu können, zu sperrig, um den kommerziellen Durchbruch zu schaffen. YLT machen noch Platten, die man sich komplett anhören kann, weil Abwechslung und Wiedererkennungswert in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen – nicht anders auch beim neuen Album.

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Sherman Alexie – Reservation Blues

Was verschlägt den legendären Bluesgitarristen Robert Johnson ins Reservat der Spokane-Indianer? Er will dort seine Seelenruhe wiederfinden und seinen Pakt mit dem Teufel vergessen. Also schenkt er seine Gitarre, die ein teuflisches Eigenleben besitzt, dem erstbesten Indianer, Thomas BuildsTheFire und sucht Big Mom, die Dorfhexe, auf. Mit der Gitarre beginnt die Geschichte um die indianische Folk-Blues-Band Coyote Springs. Die Band besteht aus einem Haufen von Versagern und Alkoholikern, die in ihren Leben noch nichts erreichen konnten. Durch ihre Musik erfahren sie zum ersten Mal ein wenig Anerkennung und Erfolg. Trotz geringfügiger Rückschläge deutet alles darauf hin, daß sie es weit bringen können. Doch dann machen sie sich auf, eine Platte aufzunehmen…

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Popkomm 1997-Zitate

Ich hätte garnicht gedacht, daß ich hier ohne Handy reinkomme.
(Popkomm-Debütantin Katja)

Wenn man den Boß von Edel sieht, weiß man wieso Scooter so viel Platten verkauft. Ein Brauereibesitzer ist nichts dagegen.
(Surrogat-Sänger)

Früher hieß es immer: Ach diese Schlager-Fuzzis – blond, blauäugig, schwul.
(Bernhard Brink. Schlagersänger. Blond. Blauäugig)

Die Plattenindustrie zittert vorm Internet
(ZDFAspekte über die Popkomm)

Ich freue mich auf Saarbrücken und die häßlichen Frauen dort
(Stoßseufzer eines weiblich-reizüberfluteten Kollegen)

Es gibt insgesamt vier oder fünf Blümchen-Auftritte. Das dürfte ausreichen, um den Blümchen-Bedarf abzudecken. Es wird aber auch ernsthaften Jazz geben.
(Karl-Heinz Pütz über das Programm des Ringfests)

Seien Sie kreativ! Fahren Sie anders!
(Durchsage der Kölner Verkehrsbetriebe, nachdem durch den Ansturm aufs Ringfest der S-Bahn-Betrieb zusammenbrach)

Jetzt verstehe ich, was es heißt, keinen klaren Gedanken fassen zu können.
(Zdravka nach vier Tagen Bier und Bobkomm)


Letzte Worte: Ich bin müde

Merry Christmas oder You’ll be next, Johnny!

Warren’s Schwur, Band 1: Das neunzehnte Opfer

Es hätte so schön werden können. Jonathan Rowland ist auf dem Weg nach Hause. Es ist Weihnachten, und er hat noch schnell ein Geschenk für seine wartende Freundin besorgt. Er ist glücklich und ahnt nichts von dem kommenden Unheil. Der Geist dieser Weihnacht kann ihn nicht schützen. Denn schon seit Jahren ist ihm Warren Wednesday auf der Spur, um seinen Racheschwur erfüllen zu können. Jonathan ist der letzte auf Warren´s Liste. Warren bricht in Jonathan´s Idylle ein und sticht ihn und seine Freundin nieder. Damit wäre die Geschichte eigentlich schon vorbei, wenn da nicht etwas Unvorhergesehenes geschehen würde.

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