Bruce Springsteen: Magic

Die Zeiten ändern sich. Vor einem Monat habe ich etwas gemacht, das ich mir noch vor zwei Jahren nicht hätte vorstellen können: ein Hörbuch angehört (auf Deutsch!) – „31 Songs“ von Nick Hornby. Na ja, um ehrlich zu sein, bin ich beim Buchhören genau so faul wie beim Buchlesen. Aber ich habe es versucht und zwei Kapitel ganz gehört, immerhin. Erst das Kapitel über J. Geils´ Live-Version von „First I Look at the Purse“ (ich glaube, dass der Text falsch zitiert wird, das ist jedoch eine andere Geschichte) und dann das über Bruce Springsteens „Thunder Road“. Ich will Hornby hier nicht zitieren (ich würde wahrscheinlich eh falsch machen) aber er bringt es auf den Punkt, warum man sich – ob Amerikaner wie ich oder nicht – mit Springsteen identifizieren kann.

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Live: Brian Wilson

Alte Oper, Frankfurt. 10.03.2004

Im Vergleich zum Wilsons „Pet Sounds“-Konzert vor zwei Jahren war meine Vorfreude irgendwie nicht überwältigend. „Pet Sounds“ gehört ja zu den größten Alben der Popgeschichte, während „Smile“,– das unvollendete Beach Boys-Konzeptalbum von 1967, das Wilson dieses Jahr zum ersten Mal live spielte –„nur“ das größte Rätsel der Popgeschichte ist. Obwohl mir die meisten einzelnen Smile-Stücke bekannt sind (s. das „Good Vibrations“-Boxset), wusste ich einfach nicht, was ich von dem Konzert erwarten sollte. Zumindest, was den zweiten Teil mit „Smile“ anging.

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Live: Paul McCartney

München, Königsplatz. 17.5.2003

Das Konzert kann ich am einfachsten beschreiben im Vergleich mit dem Brian Wilson-Konzert vor 16 Monaten in Hamburg. Das Beach Boys-Genie hat damals nur ein wenig Keyboard gespielt (obwohl er fast immer saß) und hat eher durch seine Persönlichkeit und seine Emotionen überzeugt als durch seine Stimme. Ein wunderschönes Konzert in dem Wilson sich allerdings völlig auf seiner Band verlassen musste.

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t.A.T.u.: 200 KM/H in the Wrong Lane

Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die Bildzeitung lese; ich schäme mich, dass ich ohne Bild manche Ereignisse gar nicht mitbekommen würde. Neulich an einem Donnerstag schlug ich die Zeitung auf und las von zwei russischen Teenie-Lesben, die zur Zeit die europäischen Charts stürmen. Wie Homer Simpson blätterte ich weiter zum täglichen Bericht über die jüngste Leverkusen-Krise, um einige Sekunden später nochmals zurück zu blättern: Zwei russische Teenie-Lesben? Gibt es eine alte Bekannte von mir bei der Plattenfirma, der ich irgendwann meine Fantasien anvertraut habe? Ich spreche gar nicht von sexuellen Fantasien – ich meine den Traum, in dem ich Malcom McLaren bin und die Welt mit skandalöser Popmusik dominiere. Man braucht ja bekanntlich nur eine gute Idee. Und t.A.T.u. ist eine sehr gute Idee.

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Robbie Williams: Escapology

Hoffentlich wird es nicht zur Gewohnheit, dass ich Nummer-Eins-Alben aus Neugier anhöre. Grönemeyer würde noch gehen, Springsteen auch, die Gerd-Show oder Wolfgang Petry würde mein Mitbewohner aber nicht ohne Kampf ins Haus lassen. Die Wahrheit ist, dass ich mich nie um aktuelle Hit-Platten gekümmert habe (mit einer Ausnahme: 1987, als ich sehr froh war, dass George Harrison die Charts noch mal eroberte – das waren noch Zeiten!).

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Neil Young: Are You Passionate?

Selten hat ein Lied mich vor seiner Veröffentlichung so neugierig gemacht wie Neil Youngs „Let’s Roll“. Drei verschiedene Schreiber der deutschen Version von „Rolling Stone“ haben sich in der April-Ausgabe damit beschäftigt, das Stück als patriotisches Gewäsch zu diskreditieren. Es geht um die Passagiere des United-Flugs 93 vom 11. September 2001, die ihre Entführer zwangen, das Flugzeug in den Boden zu fliegen, statt in das White House oder irgendein anderes Gebäude.

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Live: Manfred Mann’s Earth Band

Losheim, Eisenbahnhalle. 3.5.2002

Ich war eigentlich nie ein großer Earth Band-Fan, bin aber mit einem Arbeitskollegen aus Neugier hingefahren. Dass der ursprüngliche Gitarrist/Sänger Mick Rogers immer noch dabei ist (er ist ja schon 1983 zurückgekehrt, aber die Nachricht ist mir irgendwie entgangen) hat mich sehr gefreut. Um so mehr, nachdem er den Dylan-Oldie (und Earth Band-Klassiker) „Father of Day, Father of Night“ gesungen hat. Seine Stimme ist noch stärker und wärmer, als in den Siebzigern.

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Live: Bob Dylan

Frankfurt, Jahrhunderthalle. 15.4.2002
Straßburg, Hall Rhenus. 25.4.2002

Zwei ganz unterschiedliche Konzerte, dank der verschiedenen Atmosphären der beiden Hallen. In der Jahrhunderthalle – einer der neuesten, saubersten und schönsten Konzerthallen, die mir je begegnet ist – hat Dylan eine passende professionelle Show abgeliefert. Wenn man kein so großer Dylan-Fan ist, wäre dieses Konzert das richtige gewesen: die Lieder meist bekannte Oldies, die Band fehlerfrei, der Sound perfekt. Aber mir hat etwas gefehlt, nämlich das Unerwartete, auf das man beim Besuch eines Dylan-Konzerts hofft. In Straßburg habe ich es gefunden.

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Live: Nazareth

Kaiserslautern Kammgarn, 16.4.2002

Eigentlich wäre hier nichts zu sagen – ein ganz normaler Greatest-Hits-Set von den Schotten. Keyboard-Veteran Ronnie Leahy scheint leider eine Allergie gegen alles Analoge zu haben, und Gittarist Jimmy Murrison fügt viel zu viele Achtziger-Metal Licks hinein, schade. Aber: Nazereth hat eine sehr gute Version der Frankie Miller Nummer „Danger Danger“ gespielt, angekündigt als Beitrag zu einem Tribut-Album, das als Hilfe für den kranken Miller gedacht ist. Fans von Frankie Miller – „the real Paul Rogers“, wie er einst (von mir) genannt worden ist – sollten danach Ausschau halten.

Live: White Stripes

Dortmund, FZW, 9. 3. 2002

Nachdem jeder Ausschnitte von diesem Konzert bei Viva Zwei sehen konnte, ist meine Meinung vielleicht genauso irrelevant wie verspätet; Ihr kriegt sie aber trotzdem!

Und zwar: der White Stripes-Hype stimmt! Zehn Tage nach dem Strokes-Konzert, das ganz OK und nicht mehr war, zeigte Jack White, was Charisma bedeutet. (Und übrigens hat Meg das Schlagzeug mit beeindruckender Kraft gespielt.) Jack schauspielerte auf der Bühne, mit verschiedenen Stimmen (und zwei Gesang-Mikros für verschiedene Echo-Effekte), die seinen Blues-Liedern zu gute kamen. Als Zugabe sang er sehr theatralisch ein Marlene Dietrich Stück und ich schnallte plötzlich, dass die ganze Lo-Fi/Bruder-Schwester/kein-Bass-Geschichte nur Nebensache ist. Mit seinem Talent hätte er auch als Frontman eines ganz normalen Quartetts zum Indie-Star werden können.

Live: Brian Wilson

Congress Centrum Hamburg 22.1.2002

Ein Konzert, das schon Wochen im Voraus meine Gedanken beherrschte. Brian Wilson, der legendäre Beach Boys-Komponist, auf Solo-Tournee: Das gibt es überhaupt erst seit drei Jahren, und bisher niemals in Europa. Sollte ich meine Fantasie freien Lauf lassen und von einem magischen Konzert-Ereignis träumen, oder die Erwartungen niedrig halten und das einfach als Gelegenheit für schöne Nostalgie sehen? Ein Freund in Los Angeles, der Brians Pet-Sounds-mit-Orchestra-Konzert September 2000 im Hollywood Bowl sah, meinte, ich sollte mich ruhig auf etwas Besonderes gefasst machen. Solche Aussagen sind für mich aber gefährlich, und schon zwei Wochen vor dem Konzert konnte ich an nichts anderes denken, sosehr habe ich mich gefreut – meine Arbeit war futsch und mein Sozialleben (ah, das nur) hintan gestellt.

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Puhdys – Rock’n’Roll Music

Cover: Puhdys – Rock'n' Roll Music (1976)

Fangen wir von Anfang an. Ich glaube an Gott. Es ist ja unvorstellbar, dass alles auf der Erde so schön ist, ohne dass es einen Schöpfer gibt, der es so schön geplant hat. Der Nichtgläubige würde hier sagen, dass es uns alles nur so schön vorkommt, weil wir keinen Vergleich haben, und wenn sich alles anderes entwickelt hätte, würden wir das auch schön finden. Quatsch. Glauben Sie es mir: wenn die Musik und die Frauen und die Blumen nicht so schön wären, würde ich zumindest das merken. Also: einen Gott gibt es. Aber eine richtige Religion? Lass mich überlegen….. ja, ich glaube Lemmy hat meine Religion am besten beschrieben: „Don’t you listen to a single word against rock’n’roll/the new religion/the electric church/the only way to go.“ Und ich weiß, dass es Millionen von Gläubigen gibt, für die der Rock’n’Roll die gleiche Rolle spielt, die ältere Religionen für Milliarden anderer Menschen spielen: Wir verlassen uns darauf, wenn die Fragen des Lebens zu groß und kompliziert werden.

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Zum Tod von George Harrison

Thanks For the Pepperoni

Vor ungefähr dreieinhalb Jahren ist Carl Wilson (–>Nachruf) gestorben, der eine ähnliche Rolle bei den Beach Boys gespielt hat, wie George Harrison bei den Beatles: Lead-Gitarrist und dritter Mann. Und auch nach dem Tod von Harrison ging mein erster Gedanke an ein bestimmtes musikalisches Werk. Nicht aber an ein spezielles Lied, wie „God Only Knows“ der Beach Boys mit dem himmlischen Gesang von Carl Wilson, sondern ein ganzes Album: „All Things Must Pass“. Mit dieser Triple-LP bzw. Doppel-CD hat uns Harrson 1970 nicht nur ein Meisterwerk geschenkt, das das Niveau seiner ehemaligen Band locker hält, er hat uns auch schon in bester Weise auf seinen Tod vorbereitet.

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