Moby – That’s when I reach for my revolver

Strubbelkopf Und wieder mal eine Coverversion, die als Singleauskopplung aus einem Longplayer herhalten muß. Das Original stammt von Mission of Burma aus dem Jahre ’81 und war später Punkrock. Die 96er-Moby-Variante wächst auf als britisches Wimp-Gedaddel und erlebt im Refrain ihr Coming Out als die monströseste Schweinerock-Nummer seit mindestens 96 Wochen. So stumpf und platt wie eine Wand aus Waschbeton. Wie ein Kollege so treffend bemerkte, groovet das kein bißchen – und das ist das Tolle daran!

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Mai: Die letzte Tochter des Mihiro Clans

Telekinese und Pubertät

Die Welt wird ein Dorf und Inseln sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Eine Garantie für intellektuelle Inzucht. Das haben nicht nur die Briten am eigenen Leib gespürt. Selbst im Land der aufgehenden Sonne, das sich mit fremden Kulturen sichtlich schwer tut, sind die Einflüsse der westlichen Welt nicht mehr zu leugnen. Doch bis heute gelingt es selten genug, beide Traditionen unter einen Hut zu bringen. Der üblichere Ausdruck ist ein unvermitteltes und abruptes Nebeneinanderher von japanischer und westlicher Kultur: moderne Glaspaläste neben Schreinen in traditioneller Holzbauweise. Ebensowenig wie Kleidung und Wohnungseinrichtung sind die japanischen Comics davon ausgenommen. Die zelebrieren in einem kulturellen Spreizschritt eine Art japanische Postmoderne.

Ryochi Ikegamis jüngster Wurf „Mai, the psychic girl“ (dt. Mai, die letzte Tochter des Mihiro Clans) ist ein typisches Beispiel für diese kulturelle Schizophrenie. Im Vordergrund dieser Reihe steht die 14jährige Mai Kuju, an sich ein stinknormaler Teenager, der die Schulbank drückt, Steaks brät und sich, wie wohl alle Mädels in diesem Alter, Sorgen um die Form ihres Busens macht. Wären da nicht die psychokinetischen Fähigkeiten, die sie von ihrer Mutter geerbt hat. Hinter Menschen mit diesen Fähigkeiten ist eine mysteriöse Organisation her, die von einem Hauptquartier in den Schweizer Bergen aus operiert und ihre Handlanger überall zu haben scheint. Kein Wunder also, daß sie von Mais Fähigkeiten Wind bekommt und versucht, sie in ihre Gewalt zu bringen.

Das klingt wie ein Potpurri aus den George Lukas‘ Yedi-Rittern, Stephen Kings Feuerkind und anderen hierzulande mehr oder weniger bekannten Motiven. Trotz dieses Hangs zum Plagiat ist Ryochi Ikegami sichtlich bemüht, diesen Motiven einen eigenen Kontext zu geben, indem er die Handlung vor japanischem Dekor ablaufen läßt und mit einigen mangatypischen Actionszenen anreichert. Ein entscheidendes Problem bleibt dabei allerdings bestehen: da die zugrundeliegenden Motive den Lesern bekannt sind, kann er sich den Verlauf der Handlung aus den Fingern saugen – und liegt damit nicht einmal falsch. Bis zum Ende des ersten Bandes zumindest. Ob Ryoshi Ikegami und sein Zeichner Kazuya Kudo noch ein paar ungeahnte Wendungen parat haben bis es zum psychokinetischen Showdown kommt, werden die nächsten Folgen zeigen. Unterm Strich ist ein ost-westlicher Manga entstanden, der durch seine konzeptionelle Unschlüssigkeit schon wieder originell ist.

Ryochi Ikegami/Kazuya Kudo
MAI - DIE LETZTE TOCHTER DES MIHIRO CLANS
Feest Comics 16,80 DM
ISBN 3-89343-756-8

Interview: Lambchop

Super Sophistication, Nashville

Offen gesagt mag ich keine Country Musik, und demzufolge habe ich auch keine Ahnung davon. Und damit sich auch die weiterhin für einen Artikel über Lambchop interessieren, denen der Begriff ähnlich dumpfe Assoziationen einjagt wie mir, werde ich mich hüten, ihre Musik als Country zu bezeichnen. Eine Nashville Band sind Lambchop aber sehr wohl, und dazu gleich mehr.

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Poetry Slam – Texte der Pop-Fraktion

Slam Catchen oder: Suhrkamp-Adepten als Underground-Literaten

Poetry Slams sind der Versuch, Literatur ins tatsächliche Leben zu bringen: Raus aus den Schreibstuben der Autoren und nicht rein in die Wohnungen der Leser, sondern in Fabrikhallen, Clubs und Kneipen, wo die Autoren ihre Ergüsse präsentieren und das Publikum lautstark darüber votiert, wie sehr oder doch nicht der Text in die Hose ging. Nicht selten werden solche Veranstaltungen zu Happenings mit bleibendem Erinnerungswert. In Deutschland sind Slams erst im Kommen, in Amiland gehören sie bereits zum Alltag.

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Die Kaltblütigen – Spring Haven

Die Kaltblütigen kommen ins Schwitzen

Wer es bedauert, daß „Taxi Driver“ nach zwei Stunden bereits zuende war und daß „Pulp Fiction“ nicht zur 378teiligen Vorabendserie avanciert ist, hat es heute schwer mit den Ersatzdrogen, vor allem seit Micky Spillane weich geworden ist und James Ellroy vor lauter Größenwahn unter Mordblockade leidet. Einziges probates Mittel ist derzeit DIE KALTBLÜTIGEN, ein Comic-Epos, das eine wunderschöne Mischung aus Hardboiled, Film Noir, Road Movie und Gangsta bringt.
Frisch auf den Ladentheken gibt es jetzt den zweiten Band, der die Flucht des Auftragskillers Hamlet, des Juniorhysterikers Huevo und der gekidnappten Wendy durch die amerikanische Wüste erzählt. Die Vorgeschichte dazu liefert der erste Band.

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Deborah Curtis: Aus der Ferne… Ian Curtis und Joy Division

Für alle, denen der Name nichts sagt: Ian Curtis war sowas wie der Curt Cobain der 80er. Bis zu seinem Selbstmord (er erhängte sich im Mai 1980 am Vorabend einer geplanten Amerika-Tournee) war er Leadsänger eines Quartetts aus Manchester namens ´Joy Division´, aus dessen Resten sich nach seinem Tod ´New Order´ formten, die musikalisch bald rein gar nichts mehr mit dem früheren Düster-Depri-Industrial-Elektronik-Sound zu tun hatten. ´Joy Division´ lag zeitlich an der Schwelle zwischen Punk und New Wave, war Inspirationsquelle für ungezählte jüngere Bands und gilt heute als Kult.
Weniger kultig und romantisch wirkt die ganze Sache allerdings aus der Sicht von Curtis´ Witwe Deborah. Jawohl, dieser bizarre und besessene „Todesengel“ war ganz bürgerlich mit seiner Jugendliebe verheiratet und gar Vater einer kleinen Tochter!

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Thumb – Thumb

Die Single enthält zwei Teile:

Intro von P.E.T.A. people for ethical treatment of animals. In verschiedenen Sprachen (25) spricht man sich gegen das Töten und den Mißbrauch von Tieren Ein eher klassisches Crossover/Hardcore-Stück der deutschen Formation Thumb in dem sie das Motto von P.E.T.A. herausschreien. Sie haben nicht nur dieses Stück, sondern auch ihre letzte Tour dem Motto »No more blood« gewidmet. Sicher eine gute und unterstützenswerte Aktion.

You should rather go naked than wear fur!

Thumb
Thumb
Spin/EMI

Butthole Surfers – Pepper

Waren die Butthole Surfers einst Aushängeschild des Undergrounds in Vollendung – denn sie machten das wonach ihnen der Sinn stand ohne Rücksicht auf Stilbrüche- sind sie nun ambitioniert auch mal Kohle mit ihrer Musik zu verdienen. Das ist sehr leicht nachvollziehbar, denn von Kult und ausverkauften Jugendzentren will man ab einem gewissen Entwicklungsschritt auch nichts mehr wissen.

Also, kein Ausverkauf sondern Ehrlichkeit. Es ist ja auch geradezu offensichtlich und fast schon platt, wenn MTV-Kompatibilität durch die Adaption Beckscher Stiltugenden erspielt wird. Der Rest der Single ist halt Füllmaterial und ein Remix des Titelsongs. Die volle CD hab ich noch nicht zu Ohren bekommen, wird aber insgesamt etwas weniger peinlich sein als dieser Versuch (der auch noch erfolgreich ist) den Fernsehschirm zu erobern.

Perfect – When Squirrels play chicken

Perfect ist die neue Band von Tommy Stinson, dem ehemaligen Bassisten und Gitarristen der Replacements. Während sich Paul Westerberg, kreativer Kopf der Replacements, auf seinen letzten Soloalben zumindest zaghaft um musikalische Veränderungen bemüht hat, greifen Perfect den Faden auf, den meine Minneapolis-Lieblingsband etwa 1987 freiwillig verloren hat: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug rocken melodisch-rusikal ab. Spielstand auf dieser Vorab-EP zum neuen Album: 4:1 für die Kracher gegen die Balladen. Musik für T-Shirts, dünne Lederarmbänder und eisgekühltes Bier. Im Grunde habe ich eine Schwäche für sowas, aber mehr als gute Kneipenmusik ist das nun auch nicht.

Popkomm 1996-4

Ein kryptisches Köln-Tagebuch von Kai, Carsten, Roland, Axel, Wolfgang, Walter und Nicole

Sonntag 18-8-1988

Frühstückstip: 2 Donuts und ein Vanilleshake, nach einer Stunde ein Kölsch.

Auch wenn das Frühstück diesen Mittag sehr rudimentär, ausfiel, geizen die Kellner auf der großen Abschlußdiskussionsrunde doch nicht mit ihren Freigetränken. Hier wird einem das Kölsch geradezu in den Mund gekippt. Schon auf den Plakaten war das Podiumsgespräch mit Chefredakteuren und Fernsehverantwortlichen heftigst mit dem Hinweis auf die Gratisverpflegung beworben worden – vielleicht muß man so mit Journalisten und Messeteilnehmern umgehen.

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Popkomm 1996-3

Ein kryptisches Köln-Tagebuch von Kai, Carsten, Roland, Axel, Wolfgang, Walter und Nicole

Samstag, 17-8-1996:

Mehr als 2 Brötchen sind heute nicht drin. Das Frühstück findet heute etwas später als gestern statt und auch sonst wird es wohl kein leichter Tag werden. Aber das hätte ich schon die Nacht zuvor wissen können, als ich gegen 5.00 Uhr meine Luftmatraze enterte und der Wecker auf 10.00 Uhr stand. Passend zu meinem Befinden fallen die beiden Veranstaltungen, an denen ich heute teilnehmen wollte, erstmal aus. Musikfernsehen für Erwachsene und Der DJ als Gesamtkunstwerk scheitern – erstes laut Infozettel wegen der Zusammenarbeit von ONYX und VIVA (!?), zweites aus unbekannten Gründen.

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Peter Bagge – Mordsspaß mit Buddy und Lisa

Life after Grunge

Eigentlich ist diese ganze Generation X-Geschichte so abgenoggert, daß es kaum noch etwas dazu zu sagen gibt. Selbst die nachgerückte TechnoGeneration taugt kaum noch zur medialen Vermarktung. Aber mal ehrlich, wen scherts? Peter Bagge scheinbar nicht, der läßt immer noch BUDDY BRADLEY seinen Clinch mit der Welt austragen, ob das jetzt hip ist oder nicht.

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Popkomm 1996-1

Ein kryptisches Köln-Tagebuch von Kai, Carsten, Roland, Axel, Wolfgang, Walter und Nicole

Donnerstag, 15-8-1996:

Köln besteht aus vielen, vielen bunten Autos und ist gar nicht so groß, wie ich dachte.
Auf dem Deck der Sporthalle parken wir drei Wagen neben den Fantastischen Vier, die gerade aus einem richtig fetten Mercedes mit Stuttgarter Kennzeichen aussteigen, was mich irgendwie traurig stimmt. Nicht daß ich je etwas von ihnen gehalten hätte, aber als Hip-Hop-Crew aus dem Schwaben-Ländle einen Daimler-Benz zu fahren, zeugt nicht gerade von ausgefallenem Stilbewußtsein.

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Coco & the bean – Killing time

Yep, auch die Schotten und Schottinnen können wahrlich schöne Musik machen. Es muß schon ein schwer verrauchter Club gewesen sein, in dem sich dieses Trio zur ersten Session traf.

Die letztjährige Debütsingle wurde schon mit Lob überschüttet, die aktuelle kann voll mithalten. Funky, jazzy, groovy, eine schöne Stimme mit Rückenschauereffekt; da wartet man doch gerne auf den im Winter erscheinenden Longplayer. Aber auf dunkel-blauem Vinyl bitte! Eine würdige Fortsetzung der Tricky/Portishead Entwicklung. Killing Time ist in sechs verschiedenen Versionen enthalten, wovon mir persönlich der Radio Edit am besten gefällt.