Etwas zum Nachdenken

Das muss schon ein anregendes Buch sein, wenn man gleich auf der ersten Seite über etwas stolpert, das alte Vorhaben in einem hochspült und neue Ansätze, sie zu verwirklichen andeutet. Wir sprechen natürlich von Thomas Wörtches „Das Mörderische neben dem Leben“, das mich schon nach wenigen Zeilen ins Grübeln gebracht hat.

„Die Science-Fiction hat zunehmend einen Tinge of noir angenommen. TV- und Film-Konzepte werden ästhetisch zunehmend innovativer, und Computerspiele beginnen gerade erst mit ihrer kreativen Evolution – und zwar explosionsartig.“

Preisfrage (es gibt natürlich nichts zu gewinnen): Über welche Stelle bin ich gestolpert? Wo hat mein „flüssiges Lesen“ aufgehört? Bin mal gespannt, ob jemand draufkommt.

Krimikritik als trojanisches Pferd

Man muss sich das so vorstellen: Krimikritiker kritisieren Kriminalliteratur, weil sie etwas davon verstehen. Kriminalliteratur erzählt Geschichten aus bestimmten Milieus, von denen Krimikritiker in der Regel wenig, manchmal überhaupt nichts verstehen. Die sogenannte IT-Branche ist so eine Welt, ihr Aushängeschild, das Internet, obgleich tägliches Werkzeug, ein Mysterium, das sich für Laien kaum oder gar nicht durchschauen lässt.

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Feiertagsregelung

Interessante Einblicke in die Krimilandschaft gewähren allzeit die Pressemitteilungen der Deutschen Organisation für Spannungsliteratur und Embryonenforschung (D.O.S.E.), welche unserer Leserschaft vorzuenthalten unentschuldbar und verwerflich wäre. Deshalb hier die aktuellste Meldung:

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Tut mir leid

Aber kann ich vielleicht etwas dafür, dass „Menschenfreunde“ die freundlichen Menschen nicht ruhen lässt? Soll ich jetzt auch noch verschweigen (es wird zu viel verschwiegen; siehe Bankenkrise), dass →Joachim Linder zwar keine Rezension der „Menschenfreunde“ verfasst hat (er schreibt bekanntlich keine Rezensionen), sondern bemerkenswerte Überlegungen u.a. zum Typus des faschistoiden Mannes und des Konkursrechts unter Einbeziehung einer Figur bei Herbert Rosendorfer? Das kann ich nicht verschweigen. Außerdem habe ich heute mein Soll an Detektivebetrachten schon erfüllt. Sollte Herr Linder aber auf den tiefgekühlten Whiskey spekuliert haben: Nein, kriegt er nicht.

Alternative Typologie des Kriminalromans

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Was „Krimi“ ist, weiß bis heute kein Mensch. Die Schlauen geben das zu, die nicht ganz so Fixen im Geiste beharren auf Definitionen, wie sie zuhauf angepriesen werden. Nach einer allgemeingültigen Begriffsklärung suchen sie indes alle, das ist wohl Menschenschicksal. Neben den üblichen Exkursionen ins vorwiegend Inhaltliche („Krimi ist, wenn gemordet wird, wenn ein Ermittler auftaucht, wenn deduziert und kombiniert wird…“) und (Literatur)Geschichtliche („Krimi ist, was wie Agatha Christie oder Raymond Chandler oder Heinrich Steinfest klingt“) respektive Schulmeister-Ästhetische („Krimi ist, was nicht Literatur ist“) gibt es ein weiteres Feld, auf dem wir die leidige Frage unter Umständen klären könnten. Es ist nur nicht leicht zu benennen, dieses Feld, und deshalb tun wir es auch noch nicht. Sondern beginnen dort, wo aller Krimi irgendwann endet: beim Leser, bei der Leserin.

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Na endlich!

Okay, ein Verriss sieht anders aus, aber von allen bisherigen RezensentInnen der „Menschenfreunde“ hat sich →Henny Hidden am dichtesten an die ausgelobte Flasche Whiskey für die erste Negativ-Besprechung herangepirscht. Sie liegt natürlich genauso richtig wie alle, die das Buch gepriesen haben. Doch, das ist so, die Meinung muss nur begründet sein, und das ist die von Henny durchaus. Und ein Verriss ist es, siehe oben, halt auch nicht wirklich. Also werde ich den Whiskey wohl selber verzehren müssen. Nun, es gibt Schlimmeres als einen Vollrausch.

Kleine Umfrage

„Möglicherweise besteht hier ein Wahrnehmungsproblem, da dprs sehr gute Besprechungen eben separat erhältlich sind, werden sie nicht mehr so als Teil des Blogs wahrgenommen, deshalb (und zudem) erfolgt auch im Blog keine Diskussion dieser.“

Ja, lieber Bernd, das könnte stimmen. Ich weiß es nicht, also frage ich – stets die Hand am Puls meiner Leserschaft – doch mal nach: Was haltet ihr von den bisher erschienen vier Folgen der ZEITSCHRIFT wtd? Soll das so bleiben? Oder sollen die Beiträge wieder zurück auf den Blog? Die Absicht, das Ganze mit Werbung finanziell zu unterfüttern, um für „Fremdaufsätze“ Honorare zahlen zu können, war sicherlich eine gute, die Realisierung stockt aber momentan. Wollt ihr euch wirklich zehnseitige Artikel in Blogform antun? Lest ihr die überhaupt? – Für alle Reaktionen bin ich dankbar und werde sie sorgfältigst auswerten.

watching dp..äh

Wir unterbrechen unsere seriöse Krimimarktbeobachtung für eine egomanische Werbung. Soeben wurde mir ein Link zugespielt, welcher, mutig aktiviert, zu einer →Kurzrezension des „Krimijahrbuchs 2008“ führt, als dessen Herausgeber so illustre Persönlichkeiten wie Christina „Blume der Pfalz“ Bacher, Ulrich „Allgäukrimi“ Noller und Dieter Paul „muss sich immer selbstbeweihräuchern“ Rudolph fungieren. Bitte berücksichtigen Sie dieses Produkt bei Ihrem nächsten Einkauf. Danke – und zurück zum Krimivollprogramm.

Es titelt wieder

Denn: Ist ja Samstag. Da kommt das Titel-Magazin kriminaliterarisch, diesmal mit der Besprechung eines Afrika-Sachbuchs, die →Lena Blaudez kenntnisreich vornimmt. Der vom Herausgeber als „IT-Wizzard“ verhöhnte →Dieter Paul Rudolph zerlegt Charles Macleans „Trojaner“ in seine eher traurigen Bestandteile, →Krimitheorie-Wizzard Wörtche schaut sich mal wieder bevorzugt Bildchen an – und Titel-Mitarbeiter →Gottfried Benn (Arzt und Freizeitautor) hat zwischen zwei Patienten mal eben ein Gedicht geschrieben.

Drei Gesänge

Die „Menschenfreunde“ geistern noch durch die Rezensentenkammern, da arbeitet der Autor auch schon am nächsten Opus. Es trägt den Arbeitstitel „Arme Leute“ und hat jetzt einen Untertitel bekommen: „Ein Kriminalroman in drei Gesängen“. Äh… drei Gesänge? Das klingt ein wenig abgehoben, ätherisch fast, jedenfalls irgendwie nach Reimzwang. Dabei ist es einfach nur ein Kriminalroman, der aus drei Ich-Perspektiven (nicht durch-, sondern nacheinander) erzählt wird. Und abgehoben? Nu, sagen wir eher: mit der Nase im Dreck. Hören wir kurz in den zweiten Gesang hinein, die Sängerin heißt Gelika, ist Ende Dreißig / Anfang Vierzig, das, was man ein „Flittchen“ nennen könnte oder, moderner, „eine Sozialschwache“. – Der folgende Textauszug ist unkorrigiert.

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Der doppelte Schiele

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„Und da sah ich es zum ersten Mal. Ein herrliches Bild von Egon Schiele, meinem Lieblingsmaler: eine Jugendliche mit langen roten Haaren, der Rock geschürzt. Sie trägt keinen Schlüpfer. Ihre Beine sind leicht gespreizt, gerade so viel wie nötig, um einen flüchtigen Blick ins Innere ihres Geschlechts zu eröffnen.“

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Wieder kein Verriss

Anscheinend muss ich einen Preis für den ersten Verriss der „Menschenfreunde“ ausloben. Claus Kerkhoff wird die Flasche tiefgekühlten Whiskeys auf jeden Fall schon mal nicht kriegen, denn was er in der →„Krimizeit“ da über das Buch schreibt, ist zwar nicht ganz ohne Einwände, ein Verriss sieht aber anders aus und endet auch nicht mit den Worten „ein sehr vielversprechendes Debüt“!

Saturday’s crimes

Am heutigen Samstag ist das Angebot in der Krimiabteilung des Titel-Magazins ein wenig dünn. Interessant allemal. Das neue Werk von →Chuck Palahniuk, „Snuff“, wird vorgestellt, le chef persönlich blättert mal wieder in einem Bilderbuch, →Christophe Blains „Das Getriebe“ – und ein Gedicht von →Andreas Okopenko, bei dem eine „Zählwerksperre“ die Populationsausdünnung bei kleinen Menschen mit dunkler Hautfarbe verhindert, gibts als Nachtisch obendrauf. Reicht doch.

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