Independence Day

Erstmalig seit seinem Amtsantritt wird Außenminister Lawrow am 4. Juli sein Rammstein-Intim-Tattoo nicht öffentlich zeigen. Die Großveranstaltung im Moskauer Spartak-Stadion wurde kurzfristig abgesagt. Kreml-Kenner rätseln über die Gründe, steht doch die Herausgabe von Lawrows neuestem Gedichtsband unmittelbar bevor.

Wieder verlässt ein bewährter Kriegswitz frisch aufbereitet die Werkshallen der deutschen Rüstung

Putin kann nicht an der Parade teilnehmen. Am Abend möchte Wiktorowitsch Lawrow seinem Freund ein Stück von der Neuntemai-Torte vorbeibringen. Da pfeift ihm auf der Straße ein Maurer hinterher und ruft: „Eh Cremeschnittchen, wo gehst du denn so spät mit dem Nazi hin?“ Sergei Wiktorowitsch dreht sich um und entgegnet: „Hören sie, Genosse Handwerker, hier gibt es gar keine Nazis.“ Da antwortet der Mann: „Wer redt denn mit dir?“

Auch in der Produktion schwerer Kriegswitze bleibt Deutschland weit hinter seinen Möglichkeiten zurück

Im Gegensatz dazu steht Hinternet zu seinen Verpflichtungen. Hier die nächste Charge:

Putin plündert ein Fitness-Studio in Lemberg. Der Ladeninhaber weist ihn darauf hin, dass es sich hier wohl um ein Kriegsverbrechen handelt. Der Kremlgrande bedankt sich beim Untermenschen und fügt lachend hinzu: „Da muss ich gleich die Wagner-Jungs informieren. Die plündern immer noch nach der Haager Landkriegsordnung.“

Neue Märchenserie im russischen Kinderprogramm

… schwerfällig richtete Wolodimir sich auf. Vor ihm auf dem roh gezimmerten Tisch lagen wahllos Drogen und verbotene Kriegswaffen verstreut. Plötzlich stand da im grünen Lodenmantel, wie aus dem geheimen Keller emporgestiegen, der deutsche Kaufmann. Flink öffnete er sein Musterköfferchen. Es roch nach Schwefel. Matt glänzte in der schäbigen Auslage billiger Tand. Da erscholl ein tiefes Grollen von der Eingangstür …

Martin Cruz Smith: Gorky Park

„Gorky Park“ von Martin Cruz Smith ist das zweite Buch aus der →Dagger of Dagger (DOD) – Nominierungsliste, welches von „watching the detectives“ besprochen wird. Knapp 25 Jahre alt, gilt „Gorky Park“ als großer genreprägender Klassiker … aber wie wirkt dieses Buch auf den Leser von heute?

Moskau im Frühjahr 1977. Die Breschnew – Bürokratie auf dem scheinbaren Höhepunkt, dem „Goldenen Zeitalter der Stagnation“ (Wiktor Kozlow). Die Stadt erwacht langsam aus dem Winter und drei Leichen werden im Schnee des Gorky-Parks gefunden. Jeweils mit einem Schuss durchs Herz, die Männer zudem mit einem Schuss in den Kopf. Allen wurden die Fingerendglieder entfernt und die Gesichtshaut abgezogen.

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Sommerkrimi -1-

Leicht verdaulich sollen sie sein. Sonnentauglich und so vergänglich wie die Jahreszeit. Eine schöne Erinnerung, wenn es wieder kälter wird, mehr nicht. Sommerkrimis. Wir beginnen unsere kleine Urlaubsfahrt im aktuellen Russland.

Was man über „Blind ist die Nacht“ von Tatjana Ustinowa“ vorab wissen sollte, passt in einen Satz: Vor der Haustür der Moskauer Journalistin Kira Jatt wird ihr Chef erschossen aufgefunden. Alles andere folgt zwangsläufig: Kira gerät unter Verdacht, ihre Lage wird von Seite zu Seite heikler, falsche Spuren werden gelegt, Intrigen gesponnen, Missverständnisse provoziert und aufgeklärt – und das Ende ist so happy wie erwartet.

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Russland zwischen Tag und Nacht

Ein Bilderbogen aus der James Last Russlandtournee.

„Auch Musiker trinken gern“ steht unter einem Foto auf der Plattenrückseite. Auch Musiker? Soll das ein Scherz sein? Womöglich noch „unter anderem Wodka“, man ist schließlich auf Russlandtournee. Aber von vorn: eine Gruppe milchliebhabender Anti-Alkoholiker, nämlich das James Last-Orchester, tourt durch Russland. Und bringt von dort einen „Bilderbogen“ mit. Der ist natürlich musikalischer Natur und nur mit den Ohren wahrnehmbar. Es sei denn man nimmt die Fotos auf der Plattenrückseite. Wenn aber nicht – was mag dann auf einem solchen russischen Bilderbogen drauf sein? Kalinka? Der Säbeltanz? Die Schiwago-Melodie? Ja. Ja. Ja.

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Live: t.A.T.U.

Saarbrücken, Saarlandhalle. 27.5.2003

Es gab Journalisten, die tatsächlich überrascht waren, dass tATu die angekündigte Pressekonferenz platzen ließen. (Den Weg zum Raum nicht gefunden, weil kein Ortskundiger vorweg lief, so die offizielle Begründung.) Es gab auch welche, die sich über das dünne Programm echauffierten. Und es gab welche, die hinterher verbreiteten, es sei alles Playback gewesen.

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