Gerald Kersh: Ouvertüre um Mitternacht

Das ist Krimi: Ich mach dir deine schöne Welt kaputt, kitte sie wieder – und am Ende steht sie schöner da denn zuvor. Schicken wir eine alte, exzentrische Lady auf Mördersuche, das wird spannend und lustig. Aber wenn es nicht spannend und lustig wird? Wenn die Welt am Ende keineswegs schöner, nein, hässlicher und kaputter ist als am Anfang? Dann nennt man’s Noir. Also nennen wir Gerald Kershs „Ouvertüre um Mitternacht“ einen Noir.

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Die Krimifabrik

Wer als Autor mit dem Schreiben von Kriminalromanen nach materiellem Reichtum strebt, braucht Glück und eine durchschlagende Strategie, also am besten beides. Am wichtigsten: Verabschiede dich von der Vorstellung des irgendwie authentischen „Kunstwerks“, der individuellen Maßanfertigung, gar der literarischen Tradition des Genres, in die du deinen geistigen Erguss platzierst. Wir leben in einer Welt der rationalisierten Massenfertigung, des kostenoptimierten Fließbandes und der globalen Diversifizierung von Arbeitsabläufen. Nicht wer einen Krimi SCHREIBT, wird reich, sondern der, der ihn designt und schreiben lässt. Wie James Patterson.

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Kein Urlaub!

Das Kreuz tut weh, die Bandscheiben ächzen. Schwere Hautabschürfungen, eingerissene Fingernägel, dazu eine Art Platzwunde am Kopf, der Wandschräge sei Dank. Was heißt das? Klar: Der Blogger renoviert. Verrückt Möbel, streicht an, bringt Rolllädenkästen wieder auf den neuesten Stand. Und kommt diese Woche nicht mehr zum Bloggen ob all des Häuslich-Kriminellen. Falls nicht Unvorhergesehenes (Blogger wird unter dem Kleiderschrank begraben) passiert, melde ich mich nächste Woche wieder. Bis dahin: Betet für meine Gesundheit!

Auf der September-Couch

Und wieder sitzt das verlegerische Großkapital feist und zigarrenpaffend auf der irgendwie notorischen →Krimi-Couch: Der Buchgigant Edition Phantasia mit Rex Miller, der globale Literaturkonzern Ariadne mit Monika Geier und Nora Miedler, der Schweizer Megaverlag Kein & Aber mit Joaquín Guerrero Casasola… Da freut es mich schon, neben diesen Krösussen ein kleines Plätzchen ergattert zu haben. Für die kleine →Kolumne über Polizeiromane, einen herzhaften →John-Hart-Verriss und einen netten →William-Boyd-Krimi. Setzen Sie sich einfach dazu…

Auf der Fährte

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eines großen und vergessenen Kriminalromans? Einiges spricht dafür. Etwa die Aussage eines Herausgebers, bei H.F. Woods „The Passenger from Scotland Yard“ handele es sich um „den besten Kriminalroman zwischen The Moonstone und The Hound of the Baskervilles“. Ob das stimmt, kann man jetzt anhand der deutschen Übersetzung von 1889 nachprüfen. Wo? Natürlich in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“

Geoffrey Household: Einzelgänger, männlich

Ein Mann mit einem Gewehr schleicht sich auf das Grundstück eines Diktators und bekommt ihn ins Fadenkreuz. Bevor er schießen kann (will er das überhaupt?), wird der Mann entdeckt, gefoltert, von einem Felsen geworfen. Er überlebt und flüchtet aus dem Land des Diktators in seine Heimat, England. Gerettet ist er nicht. Die Agenten des Diktators sind ihm auf den Fersen, als er einen von ihnen tötet, jagt ihn auch die englische Polizei. Der Mann gräbt sich einen Bau, lebt dort wie ein Tier. Es nützt ihm wenig. Die Agenten scheuchen ihn auf, es kommt zum großen Showdown…

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Heißer Buchtipp

Frisch aus der Druckerei, ein epochales Werk für jeden gepflegten Krimihaushalt. Ich kann das bestätigen, denn ich habe das Buch gelesen. UND KONNTE ES NICHT MEHR AUS DER HAND LEGEN! Schon der Anfang kommt prächtig: Ein Engel schneidet einem Maler ein Ohr ab und nagelt es auf ein Bild! Das ist neu in der Kriminalliteratur, das war noch nie da! Und so munter geht es weiter, über 200 Seiten lang!

Das Beste aber: Sie können das Buch sofort kaufen! Bewegen Sie den Zeiger Ihrer Maus auf das Bannerchen links – und er wird zur Hand! Das heißt: Hier darf geklickt werden! Hier ist verlinkt worden! Der Link führt direkt zur Seite des Conte Verlages, wo weitere wertvolle Informationen sowie eine bequeme Bestellmöglichkeit Ihrer harren. Die freundliche Mitarbeiterin Saskia erwartet Ihre Bestellung und wird sie prompt ausführen! Und bedenken Sie: Wenn Saskia bis Monatsende nicht die gesamte Auflage verscherbelt hat, wird sie von den beiden brutalneoliberalen Verlegern FRISTLOS ENTLASSEN! Das kann doch kein Mensch wollen!

Also: zögern Sie nicht. Es wird Ihr Schaden nicht sein. Meiner jedenfalls ist es bestimmt nicht…

Massimo Carlotto / Francesco Abate: Ich vertraue dir

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‘Der Mensch ist, was er isst,’ stellte Feuerbach klar, wobei das täglich Brot nicht nur dem Leib, sondern durchaus auch der Sinnlichkeit bekömmlich ist. (Heil-)Wirksamkeit von Nahrung und Genuss pur lassen sich in vielerlei Gerichten köstlich kombinieren. Doch Vorsicht bei den Zutaten! Gift im Wein, Hormone im Wasser, Pestizide im Obst, Antibiotika im Fleisch und und und – die Mahlzeit kann lebensgefährlich werden. Der Gourmet gibt sich bestürzt, der gewöhnliche Esser ist ratlos. Was tun? Nun, schon Miguel de Cervantes (16. Jahrhundert) formulierte klarsichtig über die unabwendbare Notwendigkeit zu essen, und die heutige Lebensmittel-Mafia kann sich immer noch auf die alte Weisheit verlassen: ‘Alles Elend wird vergessen, gibt es etwas zu essen.’

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Wahlkrimi

Ein klassischer Who-will-do-it der Sonderklasse: Jamaika? Volksfront? Oder am Ende wieder die lasche Nummer Große Koalition? Es ist spannend im Saarland, und ich bin mittendrin! Die Protagonisten bringen sich in Stellung, jeder hat gewonnen – und alle anderen haben dann logischerweise verloren.

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Das Cover. Endlich

Lange hats gedauert, aber Markus hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Hier ist es also: das Arme-Leute-Cover. Und ab Montag rotieren die Druckmaschinen. Und bis Dienstag 24 Uhr nehme ich auch noch Vorbestellungen für ein handsigniertes Exemplar ohne Aufpreis (12,90 € inklusive Porto und Verpackung) entgegen. →Hier melden.

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Neu im Archiv: Der doppelte Peace

– weil gestern die Jungs und Mädels von der Couch über meine 2005er Rezension von David Peace, 1974 gestolpert sind, d.h. eigentlich über die „Alternativrezension“, für die ich als Kritiker keine Verantwortung übernommen habe – hier also beide. Die „Normalrezension“ und die durch leichte Umdeutung der Argumente zum Verriss mutierte „Alternativversion“. Ab sofort im →Krimikultur: Archiv.

dpr
*verabschiedet sich ins Weekend

Das Affige oder die Affirmation

Machen wir uns nichts vor. Der gemeine Leser von erzählender Literatur sucht das Affirmative. Wenn ich ans Meer fahre, sollen gefälligst die Wellen rauschen, wenn man mir Tide bis zum Abwinken verspricht, dann aber bitte Ebbe und Flut vom Feinsten. So ist das Leben eben: eine einzige Bestätigung dessen, was ich irgendwann einmal zu meinem Ideal erkoren habe, damals, als ich noch jung und dumm war (gar nicht negativ gemeint; wer jung ist und nicht dumm, der kann nicht jung sein. Aber Dummheit definiert sich hier als der Zustand vor dem Lernen aus Erfahren und Denken und Schlüsse ziehen).

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Griesgrämig? Ich?

– Aber wie sonst ließe sich erklären, dass ich allein am Wochenende drei Lektüren nach wenigen Seiten frustriert abgebrochen habe? Bücher, in denen schon gleich zu Beginn die geballte Ladung Dahinmenscheln über mir ausgeleert wurde, Bücher, die mir atemlos und ohne Vorwarnung erzählten, es gehe jetzt ums Große und Ganze, um die Tragik der Liebe, das Ruinöse der Begierde oder – wenigstens – um schiefgeschnittene Brotscheiben zum Frühstück.

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Lucifer’s Rising

Fast schon gemütlich beginnt der →Vorabdruck von Martin Comparts Kriminalroman „Die Lucifer-Connection“ bei den Kollegen von Evolver. Wir prognostizieren: Das wird nicht so bleiben. Alles weitere in den nächsten Folgen. Und wer mehr über den Autor und seine Ansichten erfahren möchte, sei noch einmal auf das ausführliche →Interview im Archiv der Krimikultur verwiesen.