Messemord

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Eine wunderbare Nachricht für alle Freundinnen und Freunde der famosen Kurzratekrimis des Kurzratekrimipapstes Dale Patrick Rutherford: Der Konto-Verlag bringt anlässlich der diesjährigen Frankfurter Buchmesse das sofort und bedingungslos zu erwerbende Werk „Dale Patrick Rutherford: Die besten 99 Kurzratekrimis des Kurzratekrimipapstes aus sechs Jahrzehnten“ in einem liebevoll gestalteten, broschierten Werk auf den Markt! Exklusiv für alle wtd-Leser und mit freundlicher Genehmigung des Konto-Verlags hier eine eindrucksvolle Leseprobe…

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Terminkalender

Nächste Woche Donnerstag tobt die alljährliche Frankfurter Buchmesse. Auch der Conte Verlag hat sich ein Ständlein ergattert und präsentiert an eben jenem Donnerstag zwischen 11 und 12 Uhr den Autor der „Armen Leute“. Das heißt: Ich hock dann da rum und warte auf etwas, von dem ich nicht weiß, was es sein wird. Vielleicht ein lieber wtd-Leser, eine reizende wtd-Leserin? Vielleicht ein längst aus den Augen verlorener Jugendfreund, der endlich seine Schulden bei mir bezahlen möchte? Sei’s drum. Ich werde da sein und warten. Wo genau? In Halle 4.1, Gang G, Standnummer G138. Am Donnerstag, sagte ich das schon? 15. Oktober 2009. Zwischen 11 und 12. Bei Conte.

Ein Feigling sein

Es gibt Sachverhalte, bei denen wir uns einig sind. Zensur ist etwas Böses, als vorauseilender Gehorsam veranstaltete Selbstzensur eine Feigheit vor dem Feind. Wenn also der Droste Verlag einen Krimi („Wem Ehre gebührt“) seiner Autorin W.W. Domsky (das Pseudonym von Gabriele Brinkmann) noch vor Drucklegung zurückzieht, weil eine „Expertin“ davor warnte, einige Textpassagen könnten den Zorn von Islamisten erregen, dann nennen wir so etwas eine Beschränkung nicht nur der künstlerischen, sondern der in demokratischen Gesellschaften ausgeübten allgemeinen Rede- und Meinungsfreiheit.
Der Sprecher der Krimiautoren-Vereinigung Syndikat, Andreas Izquierdo, fasst es in einer →Stellungnahme zusammen:

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Fräulein Detektiv

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Nein, wtd ist nicht halb so frauenverachtend wie sein Ruf. Gerne verkünden wir, dass auf unserer Krimilieblingsseite jetzt endlich Miss Dora Myrl, eine der ersten Ermittlerinnen der Kriminalliteraturgeschichte, vertreten ist. In der deutschen Übersetzung von 1902 des 1900 von M. McDonnell Bodkin gebundenen Straußes sehr unterhaltsamer Geschichten. Lesen Sie die Abenteuer von „Fräulein Detektiv“, natürlich in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“. So gings los mit den Mädels.

Octavio Escobar Giraldo: Saide

Einhundertzweiundvierzig Seiten Text: Für einen Krimi bedeutet das Reduktion, mehr andeuten als ausführen, das vage Skizzenhafte als Grundlage einer erzählerischen Präzision, die auf das Vorstellungs- und Ausbauvermögen des Lesers hoffen muss. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für Kriminalliteratur. Denn je mehr sie ausleuchtet, desto mehr verdunkelt sie.

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OP!

So ein verstopfter Talkkanal ist ja harmlos. Wenn du allerdings morgens aufwachst und das Ding auf deiner linken Brust ist plötzlich sieben Zentimeter im Durchmesser, prall, entzündet und fest, dann weiß auch ein Ärzteverächter wie ich, wo er hin muss: schleunigst unters Messer. Genau das hab ich heute morgen gemacht. Und die nächsten Tage, sagt der Doktor, soll ich mich ausruhen. Und zum Verbandswechsel kommen usw. Also: Für den Rest der Woche nehme ich mir Genesungsurlaub. Am Montag gehts dann in alter Frische und talklos / taktlos weiter.

dpr
*hört gerade Talking Heads

Geschäfte ankurbeln

… weil die Rezensionsexemplare der „Armen Leute“ nun doch etwas verzögert auf die Welt danieder kommen (aber keine Angst, Welt, sie kommen!), hier kurz der Hinweis, dass heute noch eine verspätete Rezension der „Menschenfreunde“ bei der →Krimi-Couch eingelaufen ist. Doch! Man kann auch dieses Werk noch käuflich erwerben, und wenn ich dem Rezensenten glauben darf (ich glaube ihm), lohnt es sich sogar! Also. Und dann habe ich noch eine peinliche Mitteilung zu machen (Cliffhanger, bitte weiterlesen)…

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Der Kriminalroman muss neu geschrieben werden

Der vorgestrige Wahlsonntag war eine Sternstunde für die deutsche Kriminalliteratur. Hat das allvierjährliche Stimmenevent doch dem Genre, das ja von sich behauptet, es produziere „Gesellschaftsromane“, ein auf den neuesten Stand gebrachtes Regelwerk beschert, ein perfektes How-to-do-it, ein selbst für die Minderbegabteren locker in Hochspannungsliteratur umzusetzendes Vademekum dessen, was unsere Gesellschaft definiert.

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Die Glorreichen im Herbst

Drei Viertel des Jahres sind jetzt auch schon wieder vorbei. Langsam muss man sich Gedanken über die Krimihöhepunkte machen, aber ich hab ja meine Glorreichen Sieben. Tja… aber da gibt es ein Problem.
Neu auf die Liste haben es Rex Miller mit →„Im Blutrausch“ sowie Vamba Sherif mit →„Geheimauftrag in Wologizi“ geschafft. Einen Ehrenplatz dort hätten natürlich auch Geoffrey Household („Einzelgänger, männlich“) und Gerald Kersh („Ouvertüre um Mitternacht“) verdient – nur: Dann müsste ich ja gleich VIER altbewährte Kräfte von der Liste kicken!

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Gerhard Loibelsberger: Die Naschmarkt-Morde

Wie läppisch hätten wir sie denn gern, die Kriminalliteratur? Man hat sich ja mit vielem schon abgefunden: mit unbeholfen in die hohle Hand formulierter Regiofremdenwerblerei, dummbeuteliger special-interest-Spannung für Freunde des Kulinarischen, der Spirituosen oder einer bestimmten Tierart, mit zusammengegoogelten und besinnungsaufsatzmäßig verfassten „historischen Krimis“… sogar, wenn alles zusammenfällt, das Bieder-Regionale, das schlichtweg Präpotente, das Nichtschreibenkönnen als Attitüde – selbst dann also haut uns das nicht mehr wirklich um. Bei Gerhard Loibelsbergers „Die Naschmarkt-Morde“ allerdings kommen wir ein wenig ins Wanken.

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Parallel

In den letzten Wochen hatte ich aus Zeitgründen darauf verzichten müssen, Bücher parallel lesen. Jetzt setze ich wieder an und auch gleich in der idealen Konstellation, ein gelungenes neben einem misslungenen Werk. Das schärft allgemein die Sinne, lässt die Hochachtung vor der literarischen Leistung steigen und die Verachtung des schlichtweg langweiligen Runterschreibens wachsen.

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Literatur an historischen Stätten

Einen kurzweiligen literarischen Abend verbrachten 120 zumeist ältere MitbürgerInnen aus Schwäbisch-Gmünd in der historischen Orangerie des saarländischen Barockstädtchens Blieskastel. Auf Einladung der renommierten Firma CONTE – LITERATUR UND GEBRAUCHSGEGENSTÄNDE GmbH & Co. KG waren sie per Bus angereist, um die im Werbeprospekt versprochenen Leistungen des Unternehmens gegen einen Unkostenbeitrag von Euro 9,95 in Anspruch zu nehmen: „Große Stadtführung mit anschließender Vesper – Riesensteak und Riesenpommes – in einem ortsüblichen Lokal. Danach großer Unterhaltungsabend mit Peter König und Dieter Paul Rudolph in der Orangerie (Verkaufsveranstaltung, Teilnahme freiwillig). Jeder Gast erhält garantiert ein Paket mit Saarländischen Schlachtspezialitäten – Blutwurst, Leberwurst, Currywurst, Bauchfleisch – sowie ein vom Autor handsigniertes Exemplar des Regionalkrimikrachers ARME LEUTE.“

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Eine Stadt sucht ihren Mord

Man muss das verstehen. Jahrhundertelang lag die Stadt im Halbschlaf, nichts geschah. Ein Reichsgrafengeschlecht verschwand in den Wirren der Französischen Revolution (und tauchte – von der Leyen – irgendwann in Gestalt einer angeheirateten Familienministerin wieder auf), das Schloss brannte, an den Straßenrändern Myriaden von Reissäcken, die einfach nicht umfallen wollten. Irgendwann, Gebietsreform, kamen umliegende Gemeinden (zumeist gegen ihren Willen) zur Stadt hinzu und brachten mit: einen Grillweltmeister, einen Mann, der das verbrach, was heute seinen Namen wie einen Rufmord trägt: Hartz IV. Und jetzt das:

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