Ein deutlich zerknirschter Chefredakteur stellt heute morgen die Beiträge des Krimisamstags im Titelmagazin vor. Grund: Der TW ist als offizielle Maßeinheit für Krimikrawall durch den DPR abgelöst worden. Bis April 2009 gilt eine Übergangsregelung (1 DPR = 1,7 TW). Ansonsten: Lob und Tadel.
WeiterlesenKategorie: Watching the detectives
Jetzt wiss’ma’s endlich
Was Fräulein Fippy →hier schreibt, kann ich nur unterschreiben.
Krimijahr 2008: die Zielgruppenliste
Endlich! Die Liste! Zehn Werke der Kriminalliteratur, die mich durch ein wie immer turbulentes Jahr geleiteten. Mit einem Zielgruppenschlagwort versehen, damit es unter der Edeltanne nicht zu bösen Überraschungen kommen kann. Mehr dazu nächste Woche am Krimisamstag des Titel-Magazins (wo sich ein notorischer Leserbeschimpfer morgen der „bad fiction for a merry X-mas“ annehmen wird…).
Die Besten 2008 (in willkürlicher Anordnung)
Matt Ruff: Bad Monkeys (für alle, die sich beim Lesen auch mal gerne düpieren und auf die eigene Lese-Schwäche hinweisen lassen)
Hans Lebert: Die Wolfshaut (für alle, die gerne langsam lesen, weil es die Sprache von ihnen verlangt. 1960 erstveröffentlicht)
Norbert Horst: Sterbezeit (für alle, die einen Polizeiroman nicht nur als Polizeiroman lesen wollen)
Pieke Biermann: Unter dem Asphalt von Berlin (für alle, die den Alltag nicht vom Verbrechen trennen)
Anne Chaplet: Schrei nach Stille (für alle, die auch mal ihre Meinung ändern wollen)
Tana French: Grabesgrün (für alle, die vertrags- und versicherungslos durchs Leseleben laufen)
Amir Valle: Freistatt der Schatten (für alle, die den Dreck und seine künstlerische Bearbeitung nicht ignorieren)
Tran-Nhut: Das schwarze Pulver von Meister Hu (für alle Freunde der Vergangenheit, die die Gegenwart beleuchtet)
Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs (für alle Freunde der phantastischen Nüchternheit oder der nüchternen Phantasie)
Hannelore Cayre: Das Meisterstück (für alle, die, wenn’s lustig wird, nicht gleich ihr Hirn aus der Schale lachen)
Allen, die ebenfalls auf dieser Liste stehen könnten, es aber nicht tun, weil 10 nun einmal 10 sind und nicht 16: sorry.
WeiterlesenEdgar, 1
Edgar Poe weilt am 19. Januar 2009 200 Jahre unter uns. Anlass für eine Serie von Aufsätzen, die dieses labile Wunderwerk der Literatur in loser Folge aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten sollen. Mit Anknüpfungen an die Kriminalliteratur, das Leben an sich, die Geschichte und die Gegenwart, das Politische und das Private, das Erhabene und das Niedere.
WeiterlesenLeonard Schrader: Der Yakuza
Romane, die nach Drehbuchvorlagen entstehen… nun ja. Eher mit Vorsicht zu genießen. Aber es gibt auch hier Ausnahmen – und „Der Yakuza“ von Leonard Schrader ist eine davon. 1974 wurde der Stoff von Sydney Pollack verfilmt, im selben Jahr erschien der Roman des Drehbuchautors Schrader. Und er ist bis heute, da uns der Alexander Verlag das gute Stück noch einmal beschert, keinen Tag älter geworden.
WeiterlesenOkay, für die Akten
Und kommentarlos: →das hier. Ich werde mich dazu nicht mehr äußern.
P.S.: Eben seh ich: Auch →Tobias Gohlis muss jetzt in Hamburg auf die schwarze Liste.
Das wäre mal was
„Sie wollen und können es nicht begreifen, dass Kriminalromane nach anderen Gesetzen funktionieren als die avancierte Literatur. Gestern noch schlug ich Uwe L. vor, während des nächsten Krimifestivals mal eine Diskussion zum Thema „Stieg Larsson und seine Geringschätzung durch die Kritik“ zu veranstalten, schon liefert Dieter Paul Rudolph im Titelmagazin das Futter dafür. So reflexartig wie genussvoll und erwartbar greift er die offensichtlichen literarischen Schwächen des Schweden an und merkt nicht, dass er mit seiner wohlfeilen Polemik mal wieder unter der Latte durchspringt. Andererseits: Will ich mich wirklich so tief in das Thema verbeißen, bis ich mir auch den letzten Vertreter der Branche zum Gegner gemacht habe …?“
Schreibt →Jan Seghers. Der natürlich weiß, nach welchen Gesetzen Kriminalromane funktionieren; denen der Schlampigkeit in Sprache und Inhalt nämlich. Dass er aber auch noch wissen will, wie „avancierte Literatur“ (zu der Kriminalromane anscheinend nicht gehören können) funktioniert, glaubt nicht einmal der letzte Vertreter der Branche.
Ein völlig abseitiger Exkurs über das Lesen
Jeder vierte Deutsche, so haben wir jüngst erfahren, liest keine Bücher. Das ist schlecht. Drei von vier Deutschen lesen also Bücher, und das ist gut. Für die Buchindustrie. Auch für die Leser? Lesen, das wissen wir, ist eine erlernbare Kulturtechnik, unentbehrlich für den Alltag, unentbehrlich auch für die Beurteilung dessen, was da gelesen wird. Was oder wieviel einer liest, spielt dabei zunächst keine Rolle. Mancher Konsument von Bildzeitungen mag seine Lektüre intellektuell ergiebiger verarbeiten als manch manischer Verschlinger von Höchstliteratur die seine. Das WIE ist entscheidend.
WeiterlesenMr. & Mrs. Right
Früher, vor der digitalen Revolution, musste ein Liebhaber des Krimigenres, wenn er die aktuelle Produktion überblicken wollte, die Buchhandlung seines Vertrauens aufsuchen, um sich durch die Neuerscheinungen zu schmökern; oder er ging es systematisch an und besorgte sich die Verlagskataloge. Auf öffentliche publizistische Hilfe durfte er nicht hoffen, denn Kriminalliteratur fand in den Feuilletons nur ausnahmsweise statt. Da erwies es sich als hilfreich, zwei oder drei gute Freunde zu haben, in puncto Geschmack vertrauenswürdige Personen, die einem manche Empfehlung zukommen ließen und im Gegenzug mit ebensolchen Tipps versorgt wurden.
WeiterlesenEin Samstag in der Vorweihnachtszeit
… ist beim Titelmagazin natürlich wieder ein Krimisamstag. Mit allerlei Besinnlichem. Es gibt, aber hallo!, einen →semantischen Kopfschuss, →Stieg Larsson wird geschlachtet, →Val McDermid und →Wolfgang Fleischhauer landen im Daumenruntertöpfchen. Doch, siehe: Leonard Schraders →„Der Yakuza“ wird hoch gelobt. Desgleichen der Argentinier →Sergio Olguin. Und völlig jenseits von Gut & Langweilig diesmal unser →kriminelles Gedicht. Klassisch.
Film & Schund
Neu im Netz und jetzt endlich auch von mir – Bernd sei Dank – gefunden: →der Filmblog der „Stuttgarter Zeitung“. Und weil er von Thomas Klingenmaier betrieben wird und dieser sich nicht entblödet, uns auch an seiner Schundlektüre teilhaben zu lassen, sei hiermit wärmstens auf ihn hingewiesen.
Verdrängungsprozess
Ich schaffs einfach nicht, Val McDermids „Schleichendes Gift“ weiter zu lesen. Okay, kein Wortspiel, kein „Schleichende Betäubung“, „Schleichende Langeweile“. Aber dennoch: Die Vorstellung, auch noch den zweiten Teil des Buches lesen zu müssen, ist nichts Schönes.
WeiterlesenKrimiferne Empfehlung
Wenn mich auch eine Passage in Beatrix Langners Chamisso-Biografie „Der wilde Europäer“ (Matthes & Seitz) →befremdet hat, sei das Buch doch als gut lesbare, schlüssige Lebensgeschichte des Dichters empfohlen. Muss ja nicht immer Krimi sein. Aber vielleicht war der Herr von Chamisso ja doch ein Krimiautor? Irgendwie? Sei’s drum.
Herrn Menke schauderts
Die Älteren unter uns erinnern sich noch: Ludger Menke, das war mal ein Krimiblogger, der regelmäßig über Dies & Das der Szene berichtete. Heutzutage tut er es bloß noch sporadisch, und der „Ripper Award“ ist wohl nur für ihn erfunden worden, um Stoff für die Menke’sche Entrüstung zu liefern.
WeiterlesenNatsuo Kirino: Teufelskind
In ihrer japanischen Heimat gilt Natsuo Kirino als „Tabubrecherin“. Nun sind solche Etikettierungen natürlich mit Vorsicht zu genießen (das größte Tabu scheint es zu sein, keines brechen zu wollen), vor allem dann, wenn die so Genannte der Liebling des Publikums und der Kritik ist. Dass Kirino ein für Japan heißes Eisen angefasst hat, sei ihr aber bescheinigt. Schon in „Die Umarmung des Todes“, mit dem sie international bekannt wurde, wird die traditionelle Rolle der Frau genüsslich und kompromißlos dekonstruiert und zur bedrohlichen Collage aus Trauma, Verdrängung und latenter Gewalt montiert. „Teufelskind“ setzt diese Arbeit fort.
WeiterlesenKrimijahr 2008 – ein Rückblick II
2. Die im Dunkeln
Den alten Bertolt zu paraphrasieren, ergäbe auch dieses Jahr wieder Sinn. Die im Lichte sieht man eben, die im Dunkeln leider nicht. Eher solider Durchschnitt vom durchaus geschätzten John le Carré entert die Bestenlisten, „Am Rand der Welt“ des nicht weniger zu rühmenden Klassikers Ross Thomas verbleibt auch am Rande des öffentlichen Interesses.
WeiterlesenIch bin zutiefst gerührt
Nein, wirklich. Soeben sind meine Exemplare von Emilie Heinrichs, „Leibrenten“ gekommen, erster Band der zehnteiligen Reihe „Criminalbibliothek 1850 – 1933“. Zwei Jahre habe ich dafür gekämpft, zunächst als Einzelner mit wenig Erfolg, dann ist mir →ein mutiger Verleger zugelaufen und jetzt liegt es endlich vor. So schön (mit Coverzeichnung von the one and only Raphael Wünsch), so wohlfeil (410 Seiten für 13,90 €, Klappbroschur) hätte ich es nicht machen können.
WeiterlesenSamstagmorgen, alt und neu
Und wieder was Neues am Krimisamstag im Titel-Magazin. Thomas Wörtche und seine Mann-/Frauschaft stellen viel Altes, neu Veröffentlichtes auf den kritischen Prüfstand. Den neuen Band der →Jean-Amila-Editon beispielsweise, →„Galgenfrist“ von Hubert Selby Jr. und die jetzt vorliegenen ersten sechs Hörbücher der →Radio-Tatort-Reihe. Hochaktuell die Besprechung von John le Carrés →„Marionetten“. Und mit einem Klassiker von →Randy Newman gleiten wir nicht nur ins Vorkriegsdeutschland zurück, sondern auch in ein hoffentlich sonniges Wochenende.
Mord und Buch
Nicht ganz neu aber fast ist die Krimiseite →„Mord und Buch“ von Kirsten Reimers. Rezensionen und mal schauen, was noch alles. Jetzt auch permanent in der Linkliste von wtd verankert. Gutes Gelingen!
Verrat am Publikum?
Sicher: andere Meinungen sind nicht nur zu respektieren, man muss sie sogar begrüßen, vor allem bei der Beurteilung literarischer Texte. Kritisch betrachten darf man sie dennoch und auf ihre Basis abklopfen, das also, was einem Urteil zugrundeliegt. Auch hier darf man anderer Meinung sein.
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